Winterreifen Verschärfte Regeln bei Schnee und Eis

Fahrer und Fahrzeughalter bei winterlichen Verhältnissen aufgepasst: Um mehr Sicherheit zu gewährleisten, gelten neue verschärfte Vorschriften bei der situativen Winterreifenpflicht, wenn sie bei Eis, Schnee und Glätte mit einem Auto fahren. Lesen Sie hier alles Wissenswerte aufgeteilt in fünf Fragen und Antworten.

Winterreifen, darüber Eiszapfen am Fahrzeug Wer bei eisigen Verhältnissen fahren will, muss entsprechende Reifen aufs Fahrzeug ziehen.

Winterreifen: Verschärfte Regeln

Die Temperaturen sinken, die Straßen werden rutschiger. Sie sollten Ihr Auto fit machen für den Herbst! Wer mit dem Gedanken spielt, andere Reifen auf sein Auto aufzuziehen, sollte aufpassen: Die Bundesregierung hat die im Jahr 2010 eingeführte situative Winterreifenpflicht überarbeitet, um für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen. Seit 1. Juni 2017 ist die Verordnung in Kraft und betrifft nicht nur Fahrer, sondern nun auch Fahrzeughalter. Was sich sonst noch ändert – und was bleibt:

Besteht inzwischen eine Winterreifenpflicht?

Es gibt weiterhin keine generelle Pflicht ab einem bestimmten Zeitpunkt, sondern eine situative: Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt eine angepasste Bereifung nur bei winterlichen Straßenverhältnissen vor – bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Das Gesetz verwendet dabei nicht den Begriff Winterreifen, vielmehr müssen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sein, dass diese vor allem in Matsch und Schnee bessere Fahreigenschaften ermöglichen als normale Reifen. Sind die Straßen trocken, darf man auch weiterhin im Winter mit Sommerreifen unterwegs sein. Dies ist besonders bedeutsam in winterarmen Regionen.

Der ADAC empfiehlt jedoch, Reifen nach der sogenannten O-bis-O-Regel zu montieren: Demnach sollen von Oktober bis zum Wochenende nach Ostern Winterreifen am Auto bleiben. Untersuchungen haben ergeben, dass bei Tempo 50 auf einer schneebedeckten Fahrbahn der Bremsweg mit Sommerreifen doppelt so lang ist wie mit Winterreifen. Diese spielen ihre Vorteile nicht nur bei Eis und Schnee aus, sondern auch schon bei niedrigen Temperaturen – ab unter 7 Grad Celsius – und auf rutschigem Untergrund.

Das liegt an der weicheren Gummimischung und an einer anderen Profilstruktur als bei Sommerreifen: Nach Angaben der Initiative Reifenqualität verhärtet das Gummigemisch von Sommerreifen schon bei niedrigen Temperaturen im Plusbereich und bietet dann nicht mehr genug Haftung. Die Lauffläche von Winterreifen bleibt laut DEKRA dagegen auch bei tieferen Temperaturen flexibel und griffig – das bedeute gerade in der kalten Jahreszeit mehr Sicherheit.

Gibt es Ausnahmen für bestimmte Fahrzeuge?

Einige Wagen wie etwa einspurige Kraftfahrzeuge und Einsatzfahrzeuge wurden von der situativen Winterreifenpflicht ausgenommen, da es für sie keine entsprechenden Winterreifen gibt. Für diese Fahrzeuge wurde stattdessen eine besondere zusätzliche erhöhte Sorgfaltspflicht für das Fahren ohne Winterreifen in die StVO aufgenommen: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte

  • muss vor jeder Fahrt geprüft werden, ob es erforderlich ist, die Fahrt durchzuführen oder ob das Ziel mit anderen Verkehrsmitteln erreichbar ist.
  • muss der Fahrer während der Fahrt einen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug von mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit in Meter einhalten (halber Tachowert)
  • darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden.

Welche Winterreifen dürfen gefahren werden?

Neu ist: Als Winterreifen gelten nur noch Reifen, die mit dem sogenannten Alpine-Symbol – Bergpiktogramm mit Schneeflocke – gekennzeichnet sind. Damit werden erstmals verbindliche Mindestanforderungen an die Leistungsfähigkeit von Winterreifen bei schneebedeckten Straßen festgelegt.

Das Alpine-Symbol wird schon heute bei vielen Produkten als Qualitätsmerkmal eingesetzt. Es ist rechtlich geschützt und darf nur von Reifen getragen werden, die eine Mindestgriffigkeit auf Schnee aufweisen. Reifenhersteller müssen durch einen Bremstest auf Schnee die Wintertauglichkeit des Reifens bestätigen. Dieser muss besser abschneiden als ein Referenzreifen, der eine gute Schneetraktion besitzt.

Mit der neuen Verordnung will das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bewirken, dass der Verkehr bei widriger Witterung sicherer wird und Betrügereien mit angeblich guten Reifen weniger werden. So ist die Kennzeichnung M+S  – diese steht für "Matsch und Schnee" – anders als das Schneeflocken-Symbol nicht rechtlich geschützt und erfüllt die Anforderungen an einen Winterreifen nicht immer. Es wird von zahlreichen No-Name-Herstellern auch auf Pneus gedruckt, die nicht wintertauglich sind.

M+S Reifen, die bis zum 31. Dezember 2017 gekauft wurden, dürfen jedoch bis 30. September 2024 auch bei winterlichen Bedingungen verwendet werden. Mit der langen Übergangsfrist will der Gesetzgeber ermöglichen, dass bereits produzierte sowie gekaufte Reifen noch aufgefahren werden können.

Wann müssen neue Reifen her?

Zwar schreibt der Gesetzgeber weiterhin nur eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter vor, doch Experten warnen vor derart abgefahrenen Pneus. Organisationen wie TÜV, DEKRA und KÜS empfehlen mindestens 4 Millimeter. Solch ein Reifen hat im Vergleich mit einem Neureifen schon einen gut zwölf Prozent längeren Bremsweg, und seine Zugkraft auf Schnee ist gut 50 Prozent geringer. Selbst wenn Reifen nicht abgefahren sind, sollten sie spätestens nach acht Jahren ersetzt werden.

Was droht, wenn mit Sommerreifen gefahren wird?

Wer bei winterlicher Witterung ohne geeignete Pneus erwischt wird:

  • riskiert ein Bußgeld von 60 Euro und einen Strafpunkt in Flensburg
  • zahlt ein Bußgeld von 80 Euro und erhält einen Punkt, wenn man dabei andere Verkehrsteilnehmer behindert
  • muss ein Bußgeld von 100 Euro und einen Punkt in Kauf nehmen, wenn man andere Verkehrsteilnehmer gefährdet

Für ein mit Sommerreifen geparktes Auto gibt es kein Knöllchen.

Neu: Ab sofort wird auch der Halter zur Verantwortung gezogen, wenn er zulässt oder sogar anordnet, dass sein Fahrzeug bei Schnee oder Glatteis ohne Winterreifen unterwegs ist. Dafür ist nun eine Regelgeldbuße von 75 Euro vorgesehen. Denn die Halter sind laut BMVI für die richtige Ausstattung der Fahrzeuge verantwortlich. Dies zielt zum Beispiel auf Kurierunternehmen ab.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt den Schaden des Unfallopfers auf jeden Fall, auch wenn der Unfallverursacher mit Sommerreifen unterwegs war. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin. Anders sieht es laut GDV unter Umständen beim Vollkaskoschutz aus, der den Schaden am eigenen Auto abdecken soll. Wird nach einem Unfall nachgewiesen, dass der Autofahrer fahrlässig mit Sommerreifen unterwegs war, kann die Versicherung die Zahlung anteilig kürzen.

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