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Diesel-Gipfel Sauberer fahren

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Zu viele Abgase, zu schlechte Luft. Deshalb haben sich Politik und Industrie beim ersten Diesel-Gipfel auf Software-Updates und Umstiegsprämien für Pkw geeinigt. Was dies für Autobesitzer bedeutet.

Diesel-Zapfhahn, der in einem Auto steckt. Damit Diesel-Fahrzeuge künftig weniger Schadstoffe bei der Fahrt ausstoßen, sollen sie Software-Updates erhalten. 

Diesel-Gipfel - Infos zu Software-Updates, Umstiegsprämien und Fahrverboten

Welche Marken erhalten ein Update? 

Deutsche Autokonzerne wie BMW, Daimler, Opel und der VW-Konzern bieten Software-Updates für insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Autos an. Darin eingerechnet sind die rund 2,5 Millionen Autos, die der VW-Konzern wegen des Abgasskandals bereits seit 2016 in Deutschland verpflichtend nachrüstet. Die Updates (100 bis 200 Euro pro Auto) sind für die Kunden kostenlos und sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Ausländische Hersteller beteiligen sich nicht an der Aktion. Zudem ermöglicht die deutsche Ford-Tochter mit Sitz in Köln kein Software-Update. Dem Unternehmen zufolge halten die Dieselmotoren auch ohne Update die Grenzwerte ein. Bei Nachmessungen im Auftrag des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) waren allerdings Ford-Modelle des Typs C-Max auffällig geworden. Zwar konnte kein Betrug festgestellt werden, dafür überschritten die Grenzwerte das Sieben- bis Neunfache der vorgegebenen Werte. Der Abschlussbericht attestierte dem Modell C-Max "sehr hohe" Stickoxidemissionen, sobald das Auto nicht mehr im Labor, sondern auf der Straße untersucht wurde.

Müssen Betroffene ihr Auto nachrüsten lassen?

Das hängt davon ab, ob es sich um einen freiwilligen oder einen behördlich angeordneten Rückruf handelt. Die verpflichtenden Updates gelten laut Autoclub ACE nur für Fahrzeuge, die mit Schummelsoftware ausgestattet sind. Deren Nachrüstung hat das KBA angeordnet. Andernfalls kann das Auto stillgelegt werden.

Bei allen übrigen Modellen handelt es sich nach aktuellem Stand um einen freiwilligen Rückruf der Hersteller – es ist die größte, freiwillige Rückrufaktion aller Zeiten in Deutschland.

Sollte man das Software-Update aufspielen lassen?

Die Updates sollen das Abgasverhalten von Autos der Emissionsklassen Euro 5 und teilweise Euro 6 verbessern. Um wie viel, darüber streiten Experten. Die Hersteller versprechen eine  Reduktion des realen Stickstoffdioxid-Ausstoßes um 25 bis 30 Prozent.

Der Verband deutscher Automobilindustrie (VDA) sagt zu, dass sich das Update nicht auf Motorleistung, Spritverbrauch und Lebensdauer auswirkt. Die Hersteller haften jedoch nicht für mögliche negative Auswirkungen einer Nachrüstung. Sie wurden von der Politik aufgefordert, gegenüber den Kunden die Gewährleistung auf die Bauteile zu übernehmen, die dadurch beansprucht werden. Dafür soll beim KBA ein Verbraucher-Beirat installiert werden.

Der Autoclub ACE rät Dieselbesitzern, erst einmal das angebotene Software-Update vornehmen zu lassen. Andernfalls, so der Automobilclub ADAC, könne es langfristig Nachteile bei der Zulassung, Kfz-Steuer oder der Umweltplakette für Innenstädte geben.

Wie erhält das Auto das Update?

Die Halter von betroffenen Autos werden von den Herstellern angeschrieben und müssen dann einen Termin mit einer Werkstatt vereinbaren. Dort kann die aktualisierte Software in rund drei bis vier Stunden aufgespielt werden; Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht sogar von "maximal einer Stunde".

Sind weitergehende Nachrüstungen möglich?

Die Hersteller lehnen technische Umrüstungen wie etwa den Einbau größerer Harnstofftanks zur Abgasreinigung ab. VW-Konzernchef Matthias Müller sagte zum Beispiel: "Wir halten es für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen." Der ADAC sieht das anders: So könne etwa mit einem nachgerüsteten SCR-System (Selective Catalytic Reduction) der Stickstoffdioxid-Ausstoß eines dafür geeigneten Euro-5-Dieselmotors um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Dies hätten ADAC-Messungen an einem TwinTec-Prototypen ergeben. Ein Ergebnis des Gipfels hätte daher lauten müssen: "Die Hersteller untersuchen, wo Hardware-Nachrüstungen möglich sind, um sie dort umzusetzen."

Was kann ich als Besitzer eines älteren Dieselmodells tun?

Ein Software-Update ist für ältere Dieselautos mit den Abgasgrenzwerten Euro 4 und niedriger nicht geplant, obwohl diese mehr als 40 Prozent des Diesel-Bestands in Deutschland ausmachen. Grund: Die Nachbesserung ist technisch oft nicht machbar, zudem stehen Kosten und Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zueinander. Die Hersteller bieten deshalb  eine Umstiegs­prämie, auch als "Umwelt­prämie" betitelt, wenn Besitzer eines Euro 4-Fahrzeugs und älter bis Ende 2017 einen Neuwagen kaufen. Die höchste Summe von 10.000 Euro Prämie zahlen derzeit Volks­wagen für das SUV-Modell Touareg, Audi für seinen oberen Mittel­klassewagen A6 und Hyundai für den SUV Santa Fe. Diese und weitere Hersteller haben ihre Prämien nach der Größe ihrer Neuwagen gestaffelt: Je größer das Modell, desto höher die Diesel­prämie. Andere Autobauer wie BMW und Mercedes-Benz geben beim Kauf eines Neuwagens pauschal 2.000 Euro für den Altdiesel. Zudem erhält der Kunde den Zeit­wert, der an Hand eines Wert­gut­achtens berechnet wird. Entscheidet sich ein Kunde für den Rabatt, lassen die Hersteller dessen Wagen in den meisten Fällen verschrotten. Experten streiten darüber, ob man die Prämie nutzen soll.

Sollten Betroffene ihren Diesel lieber privat verkaufen?

Privatkäufer sind angesichts immer neuer Berichte über mögliche Abgas-Manipulationen und drohender Fahrverbote verunsichert und fragen derzeit weniger Diesel nach. Ein Verkauf zu einem adäquaten Preis ist daher derzeit schwierig. Abhängig von Modell und Region gibt es Wertverluste zwischen 10 und 20 Prozent, wie aktuelle Zahlen des Automarktes mobile.de zeigen. Nach einer Analyse der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) von August 2017 zeigten die Gebrauchtfahrzeugpreise dreijähriger Diesel-Pkw weiter einen negativen Trend gegenüber Benzinern. Die Standzeiten gebrauchter Diesel befinden sich mit 94 Tagen auf einem deutlich höheren Niveau als vergleichbare Benziner (78 Tage).

Drohen Fahrverbote?

Viele deutsche Städte, auch Hamburg, konnten 2016 den europäischen Grenzwert für Stickstoffdioxid-Emissionen nicht einhalten. Als Hauptverursacher für die hohen Schadstoffwerte gelten Dieselfahrzeuge. Gerichte drohen deswegen in mehreren Großstädten mit Fahrverboten für diese Pkw, auch die EU macht Druck auf Deutschland. Beim ersten Diesel-Gipfel wurde daher festgelegt, einen gemeinsamen Fonds "Nachhaltige Mobilität für die Stadt" aufzulegen. Inhalt: 500 Millionen Euro. Beim zweiten Gipfel mit Vertretern großer Städte stellte der Bund den Kommunen 500 Millionen Euro zusätzliche Mittel im Fonds in Aussicht. Das Geld soll in Projekte fließen, die eine Senkung der Emissionen in Städten zum Ziel haben. So soll der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden und mehr Menschen Fahrrad fahren. Zudem wird angestrebt, dass die Flotten der öffentlichen Hand – also Busse, Lieferwagen und Dienstfahrzeuge – auf Elektroantrieb umgestellt sowie genügend Ladesäulen für E-Fahrzeuge gebaut werden. Experten gehen davon aus, dass Verwaltungsrichter dennoch Fahrverbote in Städten verhängen werden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat zudem angekündigt, gegen alle Umrüstungen, die nicht 100-prozentig ihren Vorstellungen entspricht, zu klagen.

Stand: September 2017

 

 

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