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Rudern Hamburgs Skuller wollen’s wissen

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Dienstagmorgen, ich fahre zur Regattastrecke Hamburg-Allermöhe. Hier trainieren die Ruderer, ich treffe mich mit Tim Ole Naske, Henrik Runge (starten für RG Hansa), Stephan Riemekasten und Ruben Steinhardt (beide Der Hamburger und Germania Ruderclub). Wir kennen uns alle gut, saß ich doch auch schon mit dem einen oder anderen für Trainingseinheiten
in einem Boot.

Sporting Hamburg

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Zwischen den Einheiten Beine hoch

Nach den vielen Trainingslagern in den letzten Monaten – am Wochenende sind sie alle vier aus einem zurück nach Hamburg gekommen – interessiert es mich, was nun so ansteht. Zwischen den Einheiten lümmeln wir uns also auf ein paar Sofas im Ruheraum und schnacken, die Beine hochgelegt, man will ja für die nächste Einheit ausgeruht sein. In Hamburg trainieren die 14 besten deutschen Skuller (heißt, sie rudern mit einem Ruder pro Hand – beim Riemenrudern hält der Ruderer den Riemen mit beiden Händen). 

Vereinzelt gibt es noch zwei, drei, aber sonst ist die gesamte Konkurrenz hier auf dem Hof. Tagein, tagaus trifft man seine Freunde und Wegbegleiter beim Training. Für die Weltmeisterschaft dieses Jahr bzw. die Olympischen Spiele im kommenden Jahr gibt es jedoch nur sieben Plätze in den Booten (Einer, Zweier, Vierer), plus einen Ersatzmann. 

sporting Lars

​​​​​​​Es kommt also gerade mal die Hälfte mit zu den Zielwettkämpfen, wenn sich nicht gar noch jemand anderes, der nicht in Hamburg ist, mit ins Spiel bringt. Was für ein Kampf! Tim Ole Naske ist ein Name im Rudersport. Wir kennen ihn aber alle nur als TOle. Er ist 2017 als erst 21-Jähriger den Einer zur A-WM in den USA gefahren und dort Sechster geworden. Letztes Jahr hat es für ihn leider nicht zur WM gereicht, und das, obwohl er Deutscher Meister im Einer wurde, aber das ist eine Geschichte, die für ihn abgehakt ist.

Der Blick geht nach vorne

Der Blick ist fokussiert nach vorne, auf das, was kommt: „Durch das gemeinsame Training mit der gesamten Mannschaft hat man immer einen Überblick, auf welchem Stand man ist, das ist ein Ansporn, dranzubleiben.“ Der Konkurrent sitzt mit im Boot – oder auf dem Ergo nebenan. Stephan Riemekasten, drei Jahre älter als TOle und mit ihm schon U23-Weltmeister 2015 im Doppelzweier, sieht das ähnlich: „Nützlich, in der Gruppe zu trainieren, ist auf jeden Fall, dass man Gleichgesinnte hat. Es ist leichter, morgens um sieben mit anderen aufs Wasser zu gehen, als wenn ich mich täglich alleine motivieren müsste.“ 

Stephan ist mit Frau und kleiner Tochter aus Berlin nach Hamburg bzw. Glinde gekommen. Der Deutsche Ruderverband will alle Topathleten an einem Stützpunkt haben, also hieß es für ihn und seine Familie: umziehen. Alles auf eine Karte und den Blick Richtung Tokio. Der Sportsoldat und Medizinstudent hat schon einen Abschluss in Yale, wurde dort als einer von 24 Studenten der 1.200 Absolventen seines Jahrgangs sogar für besondere Leistungen ausgezeichnet als Student Marshall. Neben seinen herausragenden Studienergebnissen hat er nämlich seinen Universitäts-Achter zum ersten nationalen Meisterschaftstitel überhaupt geführt! Stephan ist also einer, der sich durchsetzen kann. 

Freunde und Konkurrenten

„Neben dem ganzen Training bleiben die Freundschaften aber nicht auf der Stecke. Natürlich ist es schwer, wenn man gegeneinander kämpft, immer cool zu bleiben. Aber richtige Freundschaften halten das aus und man gönnt es dem anderen, da man weiß, wie viel Arbeit drinsteckt“, sagt Henrik Runge, „Neid kommt erst auf, wenn das Gefühl da ist, dass die Selektion nicht fair abläuft.“ Henrik ist ein Urgestein aus Hamburg, er startet für die RG Hansa, hat alle Junioren-Altersklassen durchlaufen und 2017, bei der WM in den USA, saß er im Doppelzweier der A-Mannschaft.

Für dieses Jahr hätte er noch einen Plan B, die U23-WM, aber sein Ziel ist ganz klar, sich für die A-Mannschaft zu qualifizieren. Dann ist der Weg für das nächste Jahr leichter, wenn es um die Plätze für Tokio geht.

Seit zwei Jahren Nationalmannschaft

Der zweite „Germane“ in der Runde, neben Stephan Riemekasten, ist Ruben Steinhardt (26). Wie die anderen drei Skuller ist auch er schon des Öfteren medaillendekoriert von der U19- und U23-WM nach Hause gekommen. Seit zwei Jahren ist er Teil der A-Nationalmannschaft und hat aktuell auch das Ziel Tokio komplett in seinen Lebensalltag integriert, diesem Ziel wird fast alles untergeordnet. „Bei dem Konkurrenzdruck muss man das machen, anders hat man keine Chance. Wenn man im Training was liegen lässt, kann es im Rennen um die Bootsplätze das Quäntchen sein, das nachher fehlt“, erklärt Ruben.

Einstimmigkeit herrscht unter den vieren, dass man nicht mit allen 14 Ruderern befreundet sein muss, das geht nicht. Jedoch muss das Miteinander produktiv und auf einer guten Arbeitsebene sein. Dafür verbringt man zu viel Zeit miteinander, als dass Feindschaften entstehen sollten, das
würde zu viel Energie kosten, die für das harte Training gebraucht wird. Aktuell schrubben alle circa 18 Einheiten in der Woche, froh sind sie, wenn mal ein freier Nachmittag auf dem Trainingsplan steht. Die harte Wettkampfphase steht auch schon direkt vor der Tür: Am letzten März-Wochenende rudern alle simulierte 2.000 Meter auf dem Ergometer, zwei Tage später geht es im Einer auf dem Wasser gegeneinander, es ist das erste Selektionswochenende. Danach zwei Wochen Training und mit der Deutschen Meisterschaft dann das zweite Selektionswochenende.

Es geht also Schlag auf Schlag, keine Zeit, um etwas schleifen zu lassen. Tim Ole sieht seine Chancen gut, sich für die Mannschaft zu qualifizieren, die anderen halten sich bedeckter, ihr kaum verhaltenes Grinsen sagt aber alles. Wir drücken einfach allen vier die Daumen.


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