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Wir freuen uns über ein sehr feines Gespräch mit Marcell Jansen, seines Zeichens Präsident des HSV e.V. Wir wollen uns überzeugen, ob er tatsächlich Everybody’s Darling ist. Und wir möchten wissen, warum man sich so einen Job antut – „Ohne Kohle nichts als Ärger“ hätten wir dann wahrscheinlich als Headline formuliert. Weit gefehlt: „Die Frage habe ich mir NIE gestellt“, sagt er bestimmt.

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Die Raute im Herzen

Und eines haben WIR uns nicht angetan: Wir haben nicht über vergeigte Spiele gegen Darmstadt oder Magdeburg gesprochen. Das ist der Profikram, die HSV Fußball AG. Klar, unbeeindruckt vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg seines einstigen Teams in der Zweiten Liga ist er nicht, kann er nicht sein. Aber darum geht es ihm eben nicht in erster Linie. Es ist eben viel schöner: Seit etwa vier Monaten ist Marcell Jansen im Amt und er kommt aus dem Schwärmen gar nicht wieder raus.

Sein HSV ist seine Heimat, und das, obwohl er in Mönchengladbach groß geworden ist und es, weil natürlich erster Proficlub, auch die Borussia hätte sein können. Ist sie aber eben nicht. Mal das Pferd von hinten aufgezäumt: Wenn in seiner 3. Herren, denn inzwischen ist er wieder mit großem Spaß als Amateur unterwegs, ein Mitspieler nach Trainingsende immer wieder freiwillig und unentgeltlich zwei Stunden die Klamotten der Truppe zusammenlegt und die Umkleide fegt, obwohl auch er am nächsten Morgen früh raus muss, dann sind es diese Menschen mit der Raute im Herzen, die ihn immer wieder beeindrucken, abholen, inspirieren und ihm deshalb am Herzen liegen. Ihn offensichtlich auch motivieren, denn die Initiative, die Frage, ob er den Job als Präsident macht, kam – so sagt er –  von den Mitgliedern und Fans.

„Für mich war das eine große Ehre, gefragt zu werden“, formuliert er nicht brav, sondern glaubhaft, und begründet unter anderem damit sein Engagement. Nun ist er zwar schon geraume Zeit beim HSV auch in unterschiedlichen Gremien unterwegs, aber erst sein Aufschlag in seiner neuen 3. Herren „hat mir gezeigt, warum ich eigentlich mal angefangen habe, Fußball zu spielen“.

Ein Teil der Mannschaft

Heute sieht er das Ehrenamt – das als Wort mehr wie eine Institution daherkommt –, sieht er all die Menschen im Amateursport, die da einfach machen, helfen, anpacken, allerorts, ohne Wenn und Aber. Die es einfach gut meinen, soziale Dienste an der Gesellschaft vollbringen, ohne sich darüber auch nur einen Kopf zu machen. So auch eben der Innenverteidiger, der die Klamotten faltet. „Ich darf ein Teil dieser Mannschaft sein“, sagt Marcell Jansen, als Ex-Profi und Ex-Nationalspieler wohlgemerkt. Werte sind das Motiv und Stichwort. Und wenn er dann die 18-jährige HSV-Eiskunstläuferin Sidney Haase vor einem Wettkampf in Berlin fragt, warum sie mit der Raute über das Eis flitzt, und die dann sagt: „Damit alle wissen, wohin ich gehöre!“, dann sieht er sich bestätigt, diesen Schritt sehr richtig gegangen zu sein. „Weggelaufen bin ich sowieso nie“, stellt er klar, „und was kann es Schöneres geben, als für so eine Ehrensache eintreten zu dürfen.“ Wir sprechen von im Schnitt vier Stunden Eintreten am Tag, inklusive Wochenende. „Das wird sich einpendeln“, sagt er, aber er kann sich das offensichtlich leisten. Hoch lebe das Ehrenamt. Auswärtsspiele der Profis guckt er sich, auch aus Zeitgründen, aber vornehmlich zu Hause an.

Maßnahmen zur Stärkung

Er hat in den letzten, seinen ersten Monaten als HSV-Präsident, viele Einsichten gewonnen, reichlich gute Leute persönlich kennengelernt, „viel, viel Potenzial gesehen“ und eine große Kraft, resultierend aus einem schon gut funktionierenden Miteinander. 

Er sieht große Chancen, den HSV e.V. weiter auszubauen, zu schärfen – klarere Strukturen als Voraussetzung für mehr Wachstum. Digitalisierung ist ein großes Thema auch für ihn und den e.V. Er möchte den Leistungssport stärken und dabei den Breitensport mitnehmen. In der Leichtathletik-Abteilung (wir berichteten in der April-Ausgabe) gibt es da schon erste konkrete Maßnahmen, im Futsal und Beachvolleyball ebenso. Er will auch für den e. V. die Marketing- und Vertriebsmühle anschieben, denn viele Veränderungsmaßnahmen, solch ein Ausbau, kosten Geld. Also sollen Partner in der Wirtschaft gefunden werden. Und er will Sportarten-übergreifenden Austausch, Schnittstellen beleben, voneinander profitieren. 

„Insgesamt(!) haben wir aktuell sogar deutlich mehr Mitglieder als je zuvor“, trotz der 2. Liga und der letzten schwierigen Jahre. Ein echtes Zeichen für Zuversicht und Hoffnung, weil „man nicht alles innerhalb von ein paar Monaten ändern kann“, sagt er, und: „Die richtigen Fans haben Geduld.“

"Der Sport muss wieder wichtiger werden"

Nun haben viele richtige Fans schon sehr lange Geduld bewiesen, könnte man entgegnen. Aber zu Recht sagt er aus seiner Perspektive und kraft seines neuen Auftrags als ehrenamtlicher HSV e.V.-Präsident: „Ich versuche zu vermitteln und ich wünsche mir mehr Realismus.“ Die neue FanAnleihe ist durch, auch ein starkes Signal, „aber wir müssen uns wieder mehr als Sportverein verstehen“, und er wünscht sich dabei eine bessere Balance von Wirtschafts- und Sportkompetenz. „Der Sport muss wieder wichtiger werden.“

Er will dabei mitgestalten, begleiten und hat auch seine aktuellen beruflichen Erfahrungen mit in die Waagschale zu werfen, denn auch mit seiner MJ Beteiligungs GmbH ist er Partner, Begleiter, Förderer zwar unterschiedlicher, aber gleichermaßen aussichtsreicher, auch nachhaltiger, UnternehmensKonzepte und -Gründungen. Sei es in der Gastronomie, in der Gesundheitsbranche, im Sport-Fashion-Lifestyle. „Als Leistungssportler ist man in vielen Punkten in diesen Bereichen durchaus privilegiert“, er möchte also jene Unternehmen begleiten, die zu einer solchen Lebensqualität beitragen, und zwar so, dass sich hoffentlich jeder das leisten könnte. Gesunde, bewusste Ernährung darf kein Privileg sein. Er liebt seinen Arbeitsplatz mitten in der Stadt, ist eher Elbe als Alster und spielt gern in der wohl größten Sandkiste Hamburgs, im Inselpark in Wilhelmsburg, Beachsoccer natürlich. Er ist reflektiert und hat schon als Kleiner von seinem Vater gelernt, dass es nicht ansteht, die Fehler immer bei anderen zu suchen.

„Man kann sich ruhig auch mal Irrtümer eingestehen.“ Das muss so sein, beste Voraussetzung, mit Blick auf sein neues Amt: „Man ordnet seine eigenen Interessen immer dem Verein unter.“ Mit Eitelkeiten mag er nicht wirklich umgehen, in solchen Fällen vermittelt er gern, am liebsten managt er weg. „Das bringt uns alles nicht weiter“, deswegen ist ihm auch das zukünftige gute Miteinander beim HSV so wichtig, „denn wir haben so viel Kraft und Potenzial.“ Und auch, wenn sich negative Schlagzeilen besser verkaufen und seines Erachtens auch gerade in Deutschland vieles immer gleich erst einmal schlecht geredet wird: Marcells Glas ist immer halb voll.


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