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Kiten Auch mal Schiss

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Drahtig, strahlend, blond, braun gebrannt – auf Seglerin könnte man kommen. Surfen vielleicht auch. Kiten wäre dann eine Steigerung, Leonie Meyer (26) vom NRV setzt noch einen drauf. Sie kitet Hydrofoil.

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In rasanter Geschwindigkeit zur Olympia

Sie ist auf diesen kleinen, schnittigen Hightech-Kufen, an denen sich die Surfbretter (Brettchen wäre eigentlich richtiger) bei ordentlich Wind aus dem Wasser heben, unterwegs. Sie gleitet demnach nämlich nicht mal, sie schwebt über dem Wasser, und das macht richtig schnell. Schneller als die Polizei erlaubt, sozusagen. Mit bis zu 70 Sachen donnert Leonie über die Wellen und das macht ihr meistens riesigen Spaß. Sonst würde man sich das wohl auch eher nicht antun. So viel Spaß, dass sie ihr ganzes Leben auf diesen einen Sport abgestellt hat. Ihr Ziel: Olympia, und zwar nicht Tokio 2020, sondern Paris 2024, gesegelt wird dann vor Marseille, bzw. gefoilt. Das sind nur noch bummelige 5 Jahre. Sie startet für den Norddeutschen Regatta Verein, ist in dessen Olympic Team und auf die Unterstützung des NRV angewiesen. „Seit letztem Jahr ist Hydrofoil olympisch“, sagt sie, „das gilt aber erst ab 2024.“ Und weil das zwar so früh kommuniziert wurde, für die Verbände jetzt aber erst mal Tokio dran ist, gibt es bisher noch nicht mal einen Kader und dergleichen, und Leonie fällt bei jeder Sportförderung aktuell noch durch das Raster. Sie trainiert vornehmlich in Kiel, wenn sie nicht gerade auf Regatten unterwegs ist. Zum NRV kam sie, als sie an der TU Harburg anfing zu studieren, über ihre Mutter, die lange gesegelt ist. 

Mit 74 km/h übers Wasser

Die ganze Familie bewegt sich schon immer unter Segeln über das Wasser, auch der Vater hat gesurft, die Brüder kiten und Leonie foilt eben. Zuvor war sie olympisch gesegelt, im 49er. 2014 gewann sie auf der Europameisterschaft Bronze, verpasste dann aber leider die Olympia-Quali für Rio, gekitet war sie bis dahin immer nur so nebenbei. 2016 startete sie ihr Medizinstudium – aber sie stieg auch erstmalig auf das Hydrofoil, „das wollte ich unbedingt ausprobieren“. Und das offensichtlich mit Erfolg, denn noch im selben Jahr gewann sie gleich die Deutsche Meisterschaft. Langsam tastete sie sich an die Materie heran, auch an die starken Winde. „Ich habe schon auch mal Schiss, habe mein Brett dann nicht unter Kontrolle.“ So’n Schleudertrauma gehört dann auch mal dazu. „Ich kam auch schon heulend vom Wasser und denke dann, ich bringe mich hier um“, sagt sie, „aber dann denke ich, aber irgendwie ist es auch geil.“ Zuletzt, in Sardinien, letzte Wettfahrt bei ca. 40 Knoten (wir googeln schnell, rechnen um und sind über die 74 km/h entsetzt) „hatte ich Tränen in den Augen“, gesteht sie, und wir stellen uns besser nicht vor, was passiert, wenn man sich bei der Geschwindigkeit hinpackt.

Ehrgeiziges Multi-Tasking-Talent

Sie trägt eine Prallschutzweste, „die treibt ein wenig auf“, das kleine Brett ginge unter, der Kite wäre wechhhh und läuft sowieso voll. „Zur Not kann man sich ja von seinem Equipment trennen“, erleichtert sie uns nur bedingt. „Nur muss man dann eine Stunde an Land schwimmen“, wenn’s weiter nicht(s) ist. Im Wettkampf gibt es allerdings eine Absicherung durch Begleitboote, na denn. In solchen Phasen muss ihr Freund Darian sie dann schon mal wieder aufbauen. Er ist zugleich ihr Sparringspartner, und sie kommt über die Zeit immer näher an ihn ran. „Das motiviert mich sehr“, lacht sie und outet sich als extrem ehrgeizig. Muss man wohl auch sein. Einen Hydro-Trainer gibt es von offizieller Seite noch nicht, sie trainieren zumeist im Team. Thomas Berg, Olympia-Trainer des Deutschen Segler-Verbands (DSV) von 2016 begleitete das deutsche Kite-Team bei der Europameisterschaft. Ihr Uni-Kalender muss sich oftmals den Windverhältnissen unterordnen. Dann wohnt sie in ihrem gesponserten VANTourer-Kastenwagen direkt am Strand, mit Dusche, Bad, Müsli und den Lern-Unterlagen, die ihre Kommilitonen für sie in der Uni abgreifen. Auf der EM wurde sie in diesem Jahr 7., auf dem Weltcup 5. 2022 will sie mit ihrem Studium durch sein und sich dann zwei Jahre ausschließlich um ihre Olympiateilnahme kümmern. Eine Verlängerung an der Uni kommt für sie nicht in die Tüte. Daher versucht sie, bevor es in der Uni zum Examen spannend wird, jetzt möglichst viel aufs Wasser zu gehen. „Ich trainiere deswegen auch den Winter durch, nur Minusgrade sind nicht so cool“, sagt sie trefflicherweise. Zuletzt war Leonie auf den World Beach Games mit Platz 9 schnellste Deutsche, im März geht es dann nach Mexiko. Die WM 2020 ist in China. Wer Leonie in Action sehen will, muss den Kalender zücken. Ende August (26.–30.08.20) ist der 4. Stopp und das Finale der Deutschen Meisterschaft in Sankt Peter-Ording, da will sie unter die Top 5. Bei den Männern, by the way.

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