Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Tauchen Halt mal die Luft an!

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Don’t panic, sind die Schwimmmeister*innen eigentlich immer vorinformiert. Trotzdem kann man nicht nur von Berufs wegen einen großen Schreck kriegen und reagieren wollen, wenn Typen einmal tief Luft holen, um dann erst mal nicht wieder aufzutauchen…

Sporting Hamburg

sporting hamburg

Ein tiefer Atemzug

Klammheimlich freut sich Klaus Handschuh dann ein bisschen. Und ja, seine Leidenschaft, und die seiner Mitstreiter*innen, ist schon auch speziell. Klaus und seine Freunde vom Verein Freediver Hamburg können eben länger als andere. Vor allen Dingen länger die Luft anhalten. Und deswegen könne sie auch länger unter Wasser bleiben, das ist eigentlich folgerichtig. Sie sind Apnoe-Taucher. „Wir haben den Atemreiz wegtrainiert“, erzählt er, was ja komisch klingt, „Apnoe ohne Geräte ist das wahre Tauchen, keine Flaschen, das Feeling ist unbeschreiblich.“ Okay – das glauben wir mal. Nichts für Flaschen, können wir auf alle Fälle nachvollziehen, und nehmen aus Spaß mal einen tiefen Atemzug, halten die Luft an. So wie früher auf dem Schulhof, beim Battle mit den Kumpels. So nach 70 Sekunden wird es eng, da ist dann schon Druck, ein bisschen geht noch, aber ... ich so – keuch, was mache ich hier eigentlich? Knapp anderthalb Minuten, heißt es, kann jeder erwachsene Mensch. „Fünf bis sechs Minuten schaffen sehr viele von uns“, sagt Trainer Klaus und beeindruckt uns massiv, „man muss dafür aber trainieren.“ Viel und hart, dreimal in der Woche machen sie das, bis zu fünf Stunden lang. „Es geht darum, wie der Sauerstoff im Blut verwaltet wird, welche Bereiche des Körpers durchblutet werden“, erklärt der erfahrene Trainer. „Hirn und Herz müssen versorgt werden, Arme und Beine nicht. Große Muskeln werden abgeschaltet, die Herzfrequenz wird gesenkt.“ Whaaaat? „Das kann man erlernen.“

Mit gegenseitiger Sicherung

Apnoe – klingt gefährlich! Liest man immer wieder, von Ohnmachten und auch von dramatischen Todesfällen bei Rekordversuchen wird geschrieben. Das passiert. Muss aber nicht. Größte Ursache bei Komplikationen ist tatsächlich, wenn sich Taucher schlichtweg nicht an die sehr strengen Regeln halten. Oder irgendwelche Extremsportler leichtsinnig auf der Jagd nach neuen Rekorden sind. „Unser Sport ist nicht gefährlich, wenn man sich gegenseitig sichert“, erklärt Klaus, „ohne Sichern geht gar nichts, ein absolutes No-Go.“ Wenn man so will, kann man das mit Freeclimbern vergleichen: Auch in der Bergsteigerszene „ohne Hilfsmittel“ ist gegenseitiges Sichern ein absolutes Must-have. „Die Leute in der Apnoe-Szene sind alle total vernünftig“, so Klaus, „die Kameradschaft ist bemerkenswert.“ Klaus ist 65 Jahre, hat den Verein vor zwei Jahren gegründet. Seit Jahren ist er in der Szene erfolgreich, er hält den Vereinsrekord mit 6,47 Minuten „Luftanhalten“ in der Disziplin „Statik“, Guillaume Lemoine schafft 154 Meter im Streckentauchen, und den Rekord im Tieftauchen hat Timo Frank mit 63 Metern aufgestellt. „Wir treiben Leistungssport“, sagt Klaus. Offenbar hält Apnoe-Tauchen auch gesund, wenn man es richtig macht. Erhard Schulz, der die Fotos zu dieser Geschichte geschossen hat, hat schon die 80 hinter sich gelassen, taucht aber auch noch ohne jedes Hilfsmittel 30 Meter tief.

Der Natur etwas näher

Die Nachfrage nach Apnoe-Tauchen ist stark gestiegen in Hamburg. Vorher gab es aber keinen Club für Apnoe, das durchaus auch in einer gewissen „Konkurrenz“ zum Gerätetauchen steht. 70 Mitglieder sind es inzwischen, es gibt sogar eine Warteliste – der Unerschrockenen, würden wir sagen. Und dann sind da auch noch kommerzielle Anbieter, die den Sport umfangreich in Kursen vermitteln. Einer der Trainer ist Tolga Taskin, der im März mit 74,8 Metern Tiefe einen Weltrekord im Eiswassertauchen aufgestellt hat. Mit nur einem Atemzug, is’ klar. Für den Hamburger sind immer neue Rekorde natürlich auch ein Stück Eigen-PR, logisch. Drei Wettbewerbe gibt es im Wesentlichen: Streckentauchen, Tieftauchen oder Statik – dabei liegt der Taucher mit dem Kopf nach unten so lange wie möglich völlig ruhig im Wasser. Klar: Jede Bewegung kostet Sauerstoff. Und den wollen sie sparen. Birgit Wesemann schafft das 6,02 Minuten lang. Sie ist zweimalige deutsche Meisterin und im Hamburger Tauchsportbund für Apnoe zuständig. „Mich fasziniert diese Unabhängigkeit von Technik, dieses Ursprüngliche“, sagt sie. Das ist es wohl, was die meisten anlockt. Schließlich ist Apnoe-Tauchen die Ur-Form, so hat der Mensch schließlich mal begonnen mit der Erkundung der Unterwasserwelt. So hat er gejagt und Muscheln geerntet. „Man fühlt sich der Natur absolut näher, Du wirst ein Teil davon“, begeistert sich Klaus, „das ist so großartig. Man wird süchtig danach.“


Themenübersicht auf hamburg.de

sporting hamburg ist das Stadtsportmagazin für Hamburg! Das Heft ist voll mit Hamburger Sport-Stories und passt damit perfekt zur Active-City-Idee der Hansestadt. Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Geschichten aus dem Heft.

sporting hamburg erscheint monatlich und liegt kostenlos in der gesamten Metropolregion aus. Das Magazin ist zu finden in vielen Vereinen, Studios, REWEs, EDEKAs, ECE-Einkaufszentren, in den UCI-Kinowelten, den Stolle Vitalwelten, in allen Schwimmbädern, bei BUDNI und in vielen Bars und Cafés. 

Hamburger Sport-Highlights

*Über die Einbindung dieses mit *Sternchen markierten Angebots erhalten wir beim Kauf möglicherweise eine Provision vom Händler. Die gekauften Produkte werden dadurch für Sie als Nutzerinnen und Nutzer nicht teurer.
Anzeige
Branchenbuch