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Rudern An der Kotzgrenze

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Wie bei fast allen Sportarten drohte im Sommer auch den Ruderern und Ruderinnen, dass komplett alle internationalen Events, Meisterschaften ausfallen. Bis sich dann im Spätsommer der Verband ruckte, offensichtlich ein strammes Hygienekonzept hingelegt hat und die Europameisterschaft in Poznan (Polen), für Ruderer sehr spät im Jahr, dann doch stattfinden konnte.

Sporting Hamburg

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Medaillen bei der EM

Ein großes Glück für die Ruderer und für Hamburg, denn vier Hamburger Sportler*innen gingen an den Start, und es gab gleich drei Medaillen, in diesem Jahr wohl drei von wenigen internationalen Medaillen im Sport. Abo-Europameister wurde, eigentlich auch nicht ganz überraschend, Super-Torben Johannesen (RC Favorite Hammonia) mit dem Deutschlandachter. Und zu schreiben, „nicht ganz überraschend“, schmälert natürlich gar nichts. Wenn der  Achter auch im 8. Jahr in Folge Meister wird, Torben jetzt zum 4. Mal, dann „bockt es jedes Jahr wieder, Europameister zu werden“, sagt er.

„Und Du glaubst gar nicht, wie sehr wir uns gefreut haben, dass die EM überhaupt stattfand! Selbst Tischtennis-Events wurden abgesagt, wir waren sehr erleichtert, als es hieß, dass es losgeht.“ Torben weiter: „Wir hatten mehr als ein Jahr ohne Regatta gerudert, Leistungsvergleiche absolute Fehlanzeige, Tokio weg ... Wir waren mental zwischenzeitlich schon wirklich ganz unten. Die EM half enorm, uns da wieder rauszukriegen, und der Titel jetzt hilft natürlich erst recht. Zumal mit dem amtierenden Vizeweltmeister Niederlande und mit Rumänien sehr starke Gegner dabei waren. 

Zwei Sekunden schneller

Die Holländer waren mit ihrer kompletten Mannschaft auf den Punkt vorbereitet, die Rumänen schwer aggressiv am Start, aber wir waren im Finale doch fast 2 Sekunden schneller“, grinst er. „Und der Vorlauf war sogar noch etwas holprig, wir hatten lange Zeit nämlich zwei Verletzte.“ Torben ist ehrlich: „Man kann sich noch so bemühen, im Training schaffst Du es nicht, den Thrill eines wirklichen Rennens zu fühlen", entsprechend ist die Auslastung im Rennen offensichtlich immer noch mal eine Nummer fieser, oder zwei. Torben ganz offen:

„Wir waren komplett an der Kotzgrenze.“ Na, das ist ja die Hauptsache. Nach nun zwei Wochen Pause, zwischendrin  noch den Kanalcup in Rendsburg u. a. gegen Polen gewonnen, geht es jetzt Anfang November irgendwie ins  Trainingslager.  Wohin, wird wohl Corona entscheiden, Portugal ist geplant, aber … Torben bleibt hungrig: „Klima ist mir nicht so wichtig, das Essen muss stimmen.“ Gute Überleitung: Von der K-Grenze kann sicher auch Eric Magnus Paul berichten, das ist so bei den Ruderern. 

Im Doppel-Vierer zur WM

Der TEAM HAMBURG-Sportler vom Der Hamburger und Germania Ruderclub, im letzten Jahr U23-Weltmeister im Leichtgewichts-Doppelzweier, wollte in diesem Jahr mit dem entsprechenden Doppelvierer (zusammen mit Joachim Agne/Würzburg; Julian Schneider/Frankfurt; Jonathan Schreiber/Erlangen) eigentlich zur WM. Nun dann eben die EM. Spannend an Erics Geschichte ist, dass er damals, 2009, über den Kinder-Ferienpass der Stadt Hamburg zum Rudern gefunden hat. Gruß an die Verantwortlichen, alles richtig gemacht. 

Nicht ganz so spannend, eher bitter, ist bei Eric, dass seine Bootsklasse nicht olympisch ist, er somit aus der Optimalförderung des Verbandes rausfällt, viele Eigenleistungen seines Clubs gefordert sind. „Das motiviert mich eigentlich mehr, als dass es mich frustriert“, was man ja durchaus nachvollziehen kann. Im Finale hat sich der Student der Politikwissenschaft mit seinen Mannen dann gleich an den Vizeweltmeistern aus Italien orientiert, deren Boot lag direkt neben ihm. Am Ende Silber für Eric Magnus, und wir gratulieren von Herzen. 

Bronze für Pille-Steppat

Am Herzen liegt uns auch Sylvia Pille-Steppat (Wilhelmsburger RC), die mit ihrer positiven Art irgendwie immer alle verzaubert. Sie ist ultimativ freundlich, nur zum Glück im Rennen mit ihren Gegnerinnen nicht. Sylvia gewann im Para-Einer Bronze, nach Bronze auf der WM in Florida 2017 ihre 2. internationale Medaille überhaupt. Besonders bemerkenswert ist auch bei ihr, wie unendlich fleißig sie ist, die Ruderer und Ruderinnen im allgemeinen so sind. Da werden unglaubliche Umfänge geschrubbt und dann wird noch wesentlich, wie auch bei Sylvia, an der Technik gefeilt. „Ich bin viel besser gerudert“, sagt sie bescheiden, „habe meine Bestzeit von Linz (das war im letzten Jahr) um eine halbe Minute verbessert.“ Hallo, das sind Welten!!! Sylvia ist bereits für Tokio qualifiziert, hat jetzt tägliche Wasserbetreuung, großen Support vom Verband, vom Olympiastützpunkt und ihrer neuen Trainerin Charlotte Hebbelmann. 

„Wir haben meine Technik verändert, ich habe mehr die hintere Wasserarbeit trainiert, ziehe jetzt meine Endzüge kräftiger“, erklärt sie fast ehrfürchtig. „Und dafür mache ich auch noch intensiver Krafttraining.“ Aktuell bekommt sie sogar eine neue Sitzschale für ihr Boot, die gibt ihr noch mehr Möglichkeiten für die Fokussierung auf ihren Endzug. Und dann können sich die Gegnerinnen noch wärmer anziehen. Mit den Trainingslagern verhält es sich so wie bei Torben, aber wer Sylvia kennt, sie bleibt tiefenentspannt, immer. 

Finalteilnahme reicht nicht

Nicht so bombe lief es bei unserem Lieblings-TOle (Tim Ole Naske, RG Hansa). Ihn trafen wir direkt nach der EM bei einem Chai Latte in Winterhude. Er, inzwischen sitzt er längst im bundesdeutschen Doppelvierer auf der Schlagposition, wurde mit seinen mit ihm am OSP trainierenden Kollegen im Finale Sechster. Das ist so semi, Finalteilnahme könnte man zwar auch befriedigend finden, aber 16 Sekunden hinter dem Sieger, neee Alter. So zufrieden kannst Du nicht sein. „Der Knoten platzt zur Zeit bei uns nicht“, sagt er ehrlich. „Wir hatten in der Vorbereitung schon deutlich bessere Rennen, in gleicher Besetzung, aber auf der EM, da war kein Flow“, erklärt er unumwunden. Fünf europäische Teams vor der Nase und die Crews aus Übersee im Sinn. „Wir waren gnadenlos zu langsam“, sagt er, „haben als Team verkackt“, heißt, dass er die Ursache nicht bei einzelnen Ruderern sieht. 

Wobei für den Vierer offensichtlich eine etwas andere Saisonplanung im Raum stand, die EM stand nicht ganz so im Fokus. Deswegen hatten sie auch recht spät noch eine Trainingspause eingelegt. Auch eine kurzfristige Umbesetzung, ein Plätzetausch auf der EM selbst brachte nach dem Zwischenlauf, als sich die Gesamtperformance schon andeutete, nicht weiter, vielleicht sogar zusätzliche Unruhe. Eine schwierige Phase für das Boot, das im Grunde für Olympia schon nominiert ist, das aber aktuell weit hinter den Erwartungen zurückliegt. Bei den letzten Spielen in Rio gab es Gold, der Doppelvierer ist somit Titelverteidiger, schon auch ´ne Bürde, die sicher immer mitschwingt. Und wer verfolgt hat, in welchem Maße gerade im Männerskullbereich, der hier in Hamburg stationiert ist, Besetzungen diskutiert und gewechselt wurden, der kann sich durchaus vorstellen, dass da ggf. einzelne Positionen auch noch mal diskutiert werden. Man wird sehen. TOle ist auf alle Fälle, so kennt man ihn, selbstbewusst und für den Vierer zuversichtlich, hat für sich sogar entschieden, im Training „noch eine weitere Schippe draufzulegen“.

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