Startup Unternehmen gründen 10 Tipps von Hamburger Gründern

Zahlreiche Menschen träumen davon, ein Unternehmen zu gründen, ihre Idee umzusetzen und ihr eigener Chef zu sein. Auf dem Weg vom ersten Geistes­blitz bis zum ausgereiften Unternehmen tauchen jedoch einige Hürden auf. Wir haben Hamburger Gründer getroffen, um zu erfahren wie man diese Hürden am Besten meistert. Herausgekommen sind zehn hilfreiche Tipps. 

Erfolgreich Unternehmen gründen: 10 Tipps von Hamburger Startup Gründern

1. Glaubt an eure Idee 

Jedes Startup entsteht aus einer Idee. Vielleicht ist es der Wunsch, eine kreative Lösung für ein Problem zu finden, eine nie dagewesene Dienstleistung anzubieten oder ein innovatives Produkt zu erschaffen. Welchen Ansatz man auch für sich wählt, auf dem Weg vom ersten Entwurf zum offiziellen Markteintritt wird noch einiges passieren. Zu Beginn ist es am wichtigsten, voll hinter der eigenen Idee zu stehen. “Du musst für deine Idee brennen. Hör nicht darauf, was andere sagen. Es geht darum, einfach zu machen. Denn mehr als schiefgehen kann es nicht!”, unterstreicht David Henseleit von der Online-Plattform onlineautokaufen24.de.  

2. Bleibt flexibel bei der Umsetzung 

Nicht selten wird man als Gründer selbst davon überrascht, welche Richtung ein Projekt letztendlich einschlägt. Es sollte dabei zunächst nicht erste Priorität sein, jedes kleinste Detail des gesamten Konzepts perfekt ausgearbeitet zu haben, bevor man mit dem Entwicklungsprozess beginnt. Wichtiger ist, flexibel auf Rückmeldungen von verschiedenen Seiten zu reagieren und Anpassungsbereitschaft zu zeigen. Die Gründer des Softwareentwicklers Cutnut haben in der Gründungsphase einen Anpassungsprozess in der Entwicklung durchlaufen. Ihre Grundidee war zunächst, eine Social-Media App auf den Markt zu bringen. Durch die Zusammenarbeit mit einem Accelerator wurde die Entwicklung jedoch auf einer anderen Ebene angestoßen. In engem Austausch mit ihren Kunden entstand nach und nach eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Softwarelösung.

3. Denkt frühzeitig über Monetarisierung nach 

Nachdem der Prozess der Ideenfindung abgeschlossen ist, geht es an die Umsetzung erster konkreter Aufgaben und Arbeitsschritte. Um sich nach der Freude über die Gründung einen Dämpfer zu ersparen ist es ratsam, sich bereits vor den ersten konkreten Entwürfen Gedanken zu machen, wie das Geschäftsmodell aussehen soll. Man muss sich, kurz gesagt, fragen: „Wie verdienen wir mit unserer Idee Geld?“ Denn nichts ist frustrierender, als sich nach der ersten leidenschaftlichen Phase des Tüftelns und Kreierens fragen zu müssen: So, und wer braucht das jetzt? Wie vermarkten wir das? Haben wir überhaupt potenzielle Kundschaft?

4. Überlegt, für wen ihr das Produkt entwickelt

Die Themen 'Product-Market-Fit' und 'Zielgruppenanalyse' sind in jedem Fall eine genauere Betrachtung wert, weiß Online Marketing Experte Hamed Farhadian von der Agentur Startup Studio: „Je besser man die Bedürfnisse der potenziellen Kunden kennt, umso präziser kann man sein Produkt entwickeln und die Vermarktung auf die Bedürfnisse zuschneiden. Die ersten Aspekte, die zu klären sind, lauten: Wer hat das Problem? Welche Zielgruppe ist aus unternehmerischer Sicht interessant? Ist der Markt groß genug und besteht eine Bereitschaft, in die Lösung des Problems zu investieren? Im zweiten Schritt werden demographische und soziale Faktoren untersucht: Wo tummeln sich Menschen, die dieses Problem haben? Wie alt sind sie? Wie ist ihr Mindset? Wie ist ihr Nutzungsverhalten?“.
Mindestens genauso wichtig ist es, darauf zu achten, dass das Produkt die tatsächliche Marktsituation berücksichtigt. Es bringt nichts, eine innovative Buchhaltungssoftware für Selbstständige zu entwickeln, die als Desktop-Anwendung funktioniert, wenn von den Kunden eine mobile Lösung für unterwegs gebraucht wird. 

5. Sucht professionelle Unterstützung 

Natürlich hat nicht jeder Gründer einen Abschluss in Business oder Marketing und niemand kennt sich mit allen Themen aus, die beim Aufbau eines Startups relevant werden. Aus diesem Grund gibt es die Möglichkeit, sich wertvolle Unterstützung an Bord zu holen- etwa durch einen Business-Angel oder ein Accelerator-Team. Diese können ein Unternehmen in wichtigen Belangen beraten und unterstützen. Nicht selten stellen Business-Angel ihre eigene Arbeitskraft zur Verfügung und werden zeitweilig ein Teil des Teams, da es am Anfang häufig deutlich mehr Aufgaben zu bewältigen gibt, als man als Gründer leisten kann. Die erfahrenen Helfer behalten den Überblick darüber, welche Themen als nächstes Priorität haben und angegangen werden müssen. Sie lenken den Gründungsprozess durch ihr Wissen und ihre Erfahrung in eine produktive Richtung. 

6. Baut ein gutes Team auf 

Die beste professionelle Unterstützung nützt nichts, wenn das Fundament nicht stabil ist. Gemeint ist das Gründerteam - vielleicht der wichtigste Faktor von allen. Max von der Digitalplattform Wechselpilot erinnert sich: „Als Jan und ich damals den ersten Gesellschaftsvertrag unterschrieben haben, warnte uns der Notar: ‚Ihr wisst, dass ihr gerade euren Ehevertrag unterschreibt?‘ Man verbringt extrem viel Zeit mit dem anderen. Ich telefoniere wahrscheinlich mit Jan mehr als mit meiner Frau.” Nichts ist schlimmer, als an Konflikten mit dem Geschäftspartner zu scheitern. Um das zu vermeiden, sollte man die Menschen, mit denen man ein so vielschichtiges Vorhaben angeht, sorgfältig aussuchen.  Man muss in der Lage sein, eventuelle Warnsignale bei Unstimmigkeiten zu erkennen und entsprechend zu handeln. Hat man den richtigen Partner gefunden, ist der Grundstein zum Erfolg bereits gelegt.

7. Nutzt Kontakte

Um den immer weiter steigenden Anforderungen und der stetig wachsenden To-Do-Liste gerecht zu werden, ist es unumgänglich, neue Kontakte zu knüpfen. Themen und Aufgaben, die nicht von den eigenen Fähigkeiten abgedeckt werden, erfordern früher oder später den Kontakt zu Agenturen, Freelancern, oder potenziellen neuen Mitarbeitern. Man sollte nicht warten, bis der Bedarf akut wird, empfiehlt Hamed Farhadian und führt aus: „Es lohnt sich, kontinuierlich nach neuen Mitarbeitern zu suchen. Selbst wenn man noch gar keine Absichten hat, jemanden einzustellen, sollte man sein Netzwerk auf potenzielle Mitarbeiter und Partner durchleuchten. Startup Events sind eine gute Möglichkeit neue Leute kennenzulernen.“

8. Seid vorbereitet auf die Belastungen des Gründerdaseins 

Eine Selbstständigkeit unterscheidet sich maßgeblich von der Tätigkeit eines Angestellten. Nicht selten entsteht vor allem zu Beginn eine starke Doppelbelastung. Vahid Matein, Gründer von Membrs, einer App, die nachhaltigen Konsum und Wohltätigkeit verbindet, erzählt: „Es ist nicht einfach, als zweifacher Familienvater zu gründen. Man muss zunächst das Investment zur Gründung aufbringen. Wir waren in der Situation, dass wir das Geld auf der hohen Kante liegen hatten. Wir hätten in einen Hausbau oder einen Wohnungskauf investieren können, haben uns aber dagegen entschieden. Wir wollten gerne etwas für die Gesellschaft tun und unseren Traum in die Realität umsetzen.“ Eine Gründung wird sich an mehreren Stellen mit dem Privatleben überschneiden, was in diesen Bereichen Anpassungen und Kompromisse erforderlich macht. Damit eine Gründung erfolgreich gelingen kann, sollte man abwägen, welche persönlichen Ressourcen man einbringen möchte und welche Veränderungen sich ergeben könnten. Dadurch können viele Lösungen bereits im Vorfeld gefunden werden.

9. Habt Geduld und gebt nicht auf 

Ein Punkt, in dem sich alle Gründer einig waren, lautete: Nicht aufgeben! Hamed Farhadian von Startup Studio betont an dieser Stelle: „Bei vielen Problemen muss man Geduld und Gelassenheit an den Tag legen. Die Zeit wird vieles von selbst lösen und beantworten. Man darf sich nicht vom Weg abbringen lassen, wenn kleine Probleme auftreten. Mit Geduld kommt man seinem Ziel Schritt für Schritt näher.“
Moritz von Comamos sieht es so: „Man muss sich definitiv durchbeißen. Wenn man das hinter sich gebracht hat, sieht man manches rückblickend ganz anders und geht gelassener an die Dinge heran. Einfach durchhalten, um jeden Preis voranbringen, und die Resultate werden kommen.“

10. Einfach machen

Oft scheitern gute Ideen einfach nur daran, dass sie gar nicht erst umgesetzt werden. Man muss nicht von vornherein alles wissen, bevor man anfängt oder tausend Tipps durchlesen. In den meisten Fällen ist man gut beraten, wenn man seine Idee einfach in der simpelsten Form umsetzt. Einfach machen ist die Devise - einfach machen, das heißt: nicht zu lange überlegen, konzeptionieren und darüber sprechen, sondern einfach mal etwas UMSETZEN. Also: Traut euch!

Alle hier erwähnten Interviews und viele weitere findet ihr in den Startup Studio Gründer Stories. Dort stellen erfolgreiche Gründer ihre Geschichte vor und geben angehenden Gründern wertvolle Tipps.