Behörde für Umwelt und Energie

‚Steig um!‘ ist gestartet Schlüsselabgabe: Drei Monate ohne eigenes Auto

Sieben Hamburger Haushalte testen jetzt 12 Wochen lang Bus, Bahn und Co - ihre Autoschlüssel liegen im Safe der Umweltbehörde

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Schlüsselabgabe: Drei Monate ohne eigenes Auto

In der Tiefgarage der Umweltbehörde stehen seit Mitte Februar sieben fremde Autos. Sie bleiben dort bis Mitte Mai. Denn drei Monate dauert ‚Steig um!‘, eine neue Aktion der Umweltbehörde mit dem Hamburger Abendblatt. Bis Ende Januar wurden Leute gesucht, die für ¼ Jahr aufs eigene Auto verzichten und dafür die ganze Bandbreite von Möglichkeiten nutzen, die es gibt, um in Hamburg von A nach B zu kommen: von Bus und Bahn über Fahrrad und Mietwagen bis E-Roller und Lastenrad. Als monatliches Fahrgeld für Alternativen zahlt ‚Steig um!‘ 400 Euro. Die Teilnehmer sind gefunden, die Wagenschlüssel abgegeben, und die Zeit ohne eigenes Auto begann für die meisten Freitagnachmittag (15.02.2019) mit dem Gang zur S-Bahn Wilhelmsburg.

Beworben hatten sich rund 80 Personen. Das Abendblatt hatte um aussagekräftige Bewerbungen gebeten. Und die kamen, zu Hauf. Die Auswahl fiel schwer, viele haben mit Herzblut geschrieben, ihre Kosten durchgerechnet, ihre Wege aufgelistet. Jetzt brechen sieben Teilnehmerinnen und  Teilnehmer mit alten Gewohnheiten, Familien, Paare, Singles; jung und älter - zusammen 14 Personen. Jetzt wird es spannend, besonders bei Urlaub mit Kindern, Großeinkäufen, Umzügen, beim elterlichen Partytaxi, Reisen, Ausflügen, Spontanbesuchen. Wenn sich das gut organisieren lässt, wollen alle Sieben ernsthaft überlegen, am Ende der drei Monate das Auto ganz abzuschaffen und umzusteigen. Um die Sieben auf ihr Abenteuer vorzubereiten, gab es einen Workshop zum Kennenlernen und für Infos und Kniffe im Umgang mit HVV und Co.

Die Umsteigerinnen und Umsteiger sind nicht immer allein unterwegs - Abendblatt-Reporter werden sie ab und zu auf ihren neuen Wegen begleiten und Artikel schreiben. Alle sind aufgefordert, genau und kritisch hinzusehen. Wir bitten die Sieben um kurze wöchentliche Wege-Protokolle und zwei ausführliche Interviews, um ihre Erfahrungen für einen Abschlussbericht nutzbar zu machen. Denn -  so Senator Kerstan - ‚die Möglichkeiten für flexible Mobilität sind da, aber es gibt noch nicht genug Nutzer. Um noch mehr Leute zu überzeugen, brauchen wir mehr praktische Erfahrungen aus erster Hand‘. Dieser mangelnde Überblick schreckt ab und lässt Nutzerzahlen nur quälend langsam ansteigen. Um hier Schwung aufzunehmen, soll der ‚Steig um!‘- Abschlussbericht allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden, auch den Anbietern alternativer Verkehrsmittel zur Verbesserung ihrer Angebote.

Die Messlatte für unsere Gruppe liegt ziemlich hoch. Deswegen wird sie finanziell wissenschaftlich fundiert ausgestattet. Für den Verzicht aufs eigene Auto bekommt jeder Teilnehmer 400 Euro pro Monat, genau die Summe, die ein durchschnittlicher deutscher Mittelklassewagen nach Recherchen von Verkehrsexperten in dieser Zeit kostet. Zweitwagen sind nicht erlaubt, wer zwischendurch an sein Auto muss, ist draußen -  alles geregelt in einem eigenen ‚Steig um!‘-Werkvertrag. Die Autoschlüssel lagern bei uns im Safe. Damit alle die Gewissheit haben, dass sie ihren Wagen so zurückbekommen, wie sie ihn abgegeben haben, war der TÜV dabei und hat für jedes Auto einen Zustandsbericht mit Fotos erstellt. Eine Teilenehmerin hat auch eigene Fotos gemacht - sie will ihren Wagen zwischendurch schon mal zum Verkauf anbieten.

Steig um!