zur Stadt St. Petersburg Daten und Fakten

St. Petersburg, 1703 von Peter dem Großen als Festungsort gegründet, ist mit knapp fünf Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Russischen Föderation und die nördlichste Millionenstadt der Welt. Die Stadt liegt im Nordwesten Russlands am Ostende des Finnischen Meerbusens. Über 500 Brücken überspannen die vielen Kanäle und Flüsse in der Stadt, so dass St. Petersburg den Beinamen "Venedig des Nordens" trägt.

St. Petersburg (c) Piero Sierra / flickr St. Petersburg

Daten und Fakten

Geografische Lage und Klima:

St. Petersburg liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Oslo, der Südteil Alaskas und die Südspitze von Grönland. Aufgrund dieser nördlichen Lage wird es um die Sommersonnenwende herum (21. Juni) nachts nicht vollständig dunkel. Viele Petersburger und die Gäste der Stadt nutzen diese außergewöhnliche Zeit der "Weißen Nächte", um bis in die Morgenstunden hinein ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen und die für den Schiffsverkehr hochgeklappten Brücken in der Innenstadt zu bestaunen. Das über 600 Quadratkilometer umfassende Stadtgebiet besteht zu rund zehn Prozent aus Wasser - den Flussläufen der Newa mit ihren zahlreichen Kanälen und Nebenarmen. Durch die zahlreichen Wasserarme besteht die Stadt aus Inseln - heute über 42 an der Zahl. Ursprünglich waren es noch mehr Inseln; zahlreiche Kanäle sind allerdings im Laufe der Geschichte zugeschüttet worden. Durch die Nähe zum Meer am Finnischen Meerbusen ist das Klima wechselhaft und häufig sehr windig und regnerisch. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt 19 bis 22 Grad Celsius , im Winter sind es minus vier bis minus acht Grad Celsius .

Geschichte:

Die Geschichte St. Petersburgs weist viele Brüche auf. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich St. Petersburg zu einem führenden Wissenschafts- und Kulturzentrum in Europa. Hier fand die Akademie der Wissenschaften ihren Sitz, die dem Land einen führenden Platz unter den fortschrittlichen Nationen Europas garantieren sollte. Bedeutende Künstler wirkten hier - Petersburg ist die Stadt Puschkins, Dostojewskis und Tschaikowskis, um nur einige zu nennen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Name St. Petersburg in "Petrograd" russifiziert und 1924 nach dem Tode Lenins in "Leningrad" umbenannt. 1918 wurde der Regierungssitz zurück nach Moskau verlegt. In Leningrad wurde damals von der Sowjetregierung gezielt Schwerindustrie (Traktoren, Rüstungsindustrie) angesiedelt, das historische Erbe vernachlässigt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Leningrad fast 900 Tage von der Deutschen Wehrmacht belagert ("Leningrader Blockade"). Der Blockade sind nach neuesten Schätzungen mehr als eine Million Menschen zum Opfer gefallen. An die Opfer der Leningrader Blockade erinnert der Piskarjowski-Gedenkfriedhof. Seit 1991 heißt die Stadt nach einer Volksabstimmung wieder St. Petersburg. 

Kultur:

Die Petersburger bezeichnen ihre Stadt als Hauptstadt der Kultur. Mit ihren zahlreichen Museen, allen voran die berühmten Sammlungen der Eremitage mit ihren unermesslichen Kunstschätzen, ist die Stadt eines der bedeutendsten Kulturzentren der Welt. Nicht nur das Stadtbild trägt unverwechselbar europäische Züge: Architektonisch gilt St. Petersburg als eine der schönsten Städte Europas. Die Innenstadt ist Weltkulturerbe der UNESCO. Auch das Musikleben St. Petersburgs hat sich immer wieder den Kulturen des Westens geöffnet, was in Russland durchaus nicht immer selbstverständlich war.

Wirtschaft:

Die zweitgrößte Stadt Russlands, das Verwaltungszentrum des Leningrader Gebiets, ist nach Moskau das wichtigste russische Wissenschafts-, Kultur- und Wirtschaftszentrum. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war St. Petersburg stark industrialisiert. Heute sind vor allem Schiff- und Maschinenbau, die vielseitige Leicht- und Nahrungsmittelindustrie sowie die über 100 Druckereien von zentraler Bedeutung. St. Petersburg ist der wichtigste russische Ostseehafen und ein bedeutender Binnenschifffahrtshafen am Ende des Wasserwegs, der das Schwarze Meer und die Wolga mit der Ostsee verbindet. Hier ist außerdem der Hauptsitz des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation.

Beziehungen zu Deutschland:

Deutsche haben zur Entwicklung St. Petersburg im 18. und 19. Jahrhundert wichtige Beiträge geleistet: Viele der ersten Professoren der Akademie der Wissenschaften und der Universität kamen aus Deutschland (der Mathematiker Euler, der Historiker Baier u.a.), so dass Deutsch hier lange Zeit die Sprache der Wissenschaften blieb. Auch deutsche Verleger, Unternehmer und Handwerker waren sehr erfolgreich. Die Firma Siemens entwickelte die elektrische Beleuchtung für den Newski-Prospekt; deutsche Banken finanzierten die erste Eisenbahnlinie Petersburg-Moskau. Diese engen Beziehungen brachen nach dem Ersten Weltkrieg ab.

Heute ist Deutschland wieder einer der wichtigsten Handelspartner St. Petersburg. Deutsche Firmen wie Knauf, Henkel oder Siemens haben hier in den letzten Jahren bedeutende Direktinvestitionen getätigt. Das Interesse an deutscher Kultur und Sprache ist groß. Das Goethe-Institut, Lektoren des DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) sind an mehreren Hochschulen tätig. 2009 wurde unter wesentlicher Beteiligung des Deutschen Generalkonsulats die "Deutsche Schule St. Petersburg" gegründet, die an die reichen kulturellen Beziehungen der Vergangenheit anknüpft. 

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