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Vernetzung Kita/Kindertagespflege Studierendenwerk entwickelt beispielgebendes Konzept für flexible Kinderbetreuung

Das Studierendenwerk Hamburg ermöglicht durch bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote Studierenden und Hochschulbeschäftigten die Vereinbarkeit von Studium bzw. Beruf und Familie.

Studierendenwerk entwickelt beispielgebendes Konzept für flexible Kinderbetreuung

Eine flexible Angebotsform bringt Kinderbetreuungs- mit Vorlesungszeiten in Einklang.

Das Projekt "Vernetzte Kinderbetreuung" im Rahmen des aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten "Aktionsprogramms Kindertagespflege" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gab wichtige Impulse für erste Umsetzungsschritte.

"Für unsere flexiblen Kinderbetreuungsangebote stellten wir Kindertagespflegepersonen fest an", sagt Isabel Romano vom Studierendenwerk.

Angebote des Studierendenwerks

„Wir orientieren uns am Bedarf von Eltern und Kindern und schauen, welche Betreuungsstrukturen dafür passend sein könnten“, erklärt Isabel Romano, Abteilungsleiterin Soziales & Internationales beim Studierendenwerk Hamburg, das unter anderem Kinderbetreuung anbietet.

Der Träger betreibt fünf Kindertagesstätten mit rund 370 Plätzen sowie seit einiger Zeit auch drei flexible Betreuungsangebote, für die zum Teil Tagespflegepersonen fest angestellt wurden.

vergrößern Logo des Studierendenwerkes Hamburg (Bild: Studierendenwerk Hamburg) „Viele Studierende und Hochschulangehörige mit Baby suchen nach einer Betreuungslösung für zehn oder zwölf Stunden in der Woche, da sie Seminare, Vorlesungen oder die Bibliothek besuchen wollen. Die für diese Aktivitäten benötigten Kinderbetreuungszeiten variieren zumeist von Semester zu Semester“, berichtet Isabel Romano.

Klassische Kindertagesstätten sind auf diesen Betreuungsbedarf mit geringem Stundenumfang und wechselnden Zeiten nicht ausgerichtet. „Mit unserem neuen flexiblen Kinderbetreuungsangebot entstand ein ganz eigenes Konzept dafür.“

Auch Eltern, deren Kinder einen Kita-Platz haben, die jedoch zusätzliche Betreuung für ihre Töchter und Söhne benötigen, nutzen das Angebot.

Flexible Kinderbetreuung an drei Standorten

Eltern können maximal 18 flexible Betreuungsstunden wöchentlich für ihre Kinder buchen. Die Zeiten sind in Zwei-Stunden-Blöcken abrufbar. Die Mütter und Väter legen die benötigte Anzahl und Lage der Blöcke in jedem Semester neu fest.

„Das System der Kindertagespflege mit den kleinen familienähnlichen Gruppen ist für diese flexible Betreuungsform ideal“, berichtet Isabel Romano. „Eine Tagespflegeperson betreut maximal fünf Kinder gleichzeitig.“

Die Casper – Campus Spielgruppen auf dem Campus Von-Melle-Park, das CampusNest in Harburg und das Familienzimmer Stellingen arbeiten nach diesem flexiblen Konzept. „Bei den Casper-Spielgruppen teilen sich beispielsweise derzeit insgesamt 17 Kinder die fünf verfügbaren Plätze“, erklärt die Abteilungsleiterin.

Ideen und Informationen aus dem ESF-Projekt "Vernetzte Kinderbetreuung"

2010 gab es beim Studierendenwerk bereits erste Ideen, mit Kindertagespflegepersonen zusammen zu arbeiten, um flexiblere Betreuung anbieten zu können.

„Wir wussten aber nicht, wie wir das Thema angehen sollten“, erinnert sich Isabel Romano. „Im Rahmen des ‚Aktionsprogramms Kindertagespflege’ des BMFSFJ, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, gab es hier in Hamburg das Projekt ‚Vernetzte Kinderbetreuung’. Diese Initiative zur Vernetzung von Kitas und Kindertagespflege kam wie gerufen. Durch die Gespräche mit Projektleiterin Angelika Främcke erhielten wir entscheidende Ideen und Impulse, um in die Umsetzung gehen zu können.“ 

Entscheidung für Festanstellungen

„Unregelmäßige Nachfrage und wechselnde Betreuungszeiten verlangen unseren Tagespflegepersonen vielfach ein hohes Maß an Flexibilität ab. Durch die Festanstellung tragen wir als Träger jedoch das Risiko, wenn plötzlich weniger Betreuung nachgefragt wird. Das ist ein wesentlicher Vorteil für die Beschäftigten. Außerdem profitieren sie davon, in ein Team eingebunden zu sein, sich dort auszutauschen und an unseren Fortbildungen teilzunehmen. Als Träger ist es uns wichtig, dass wir Verantwortung für die Betreuungsqualität übernehmen können“, erläutert Isabel Romano.

Möglich wurden die Festanstellungen durch Zuschüsse der Hochschule, vom Studierendenwerk sowie im Rahmen des „Aktionsprogramms Kindertagespflege“.

Die Stadt Hamburg wird zukünftig im Rahmen der üblichen Kindertagespflegeförderung einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Projekts leisten.

Noch keine Lösung für Bedarf an spontaner Betreuung

Die Expertin vom Studierendenwerk sieht noch einen weiteren Bedarf bei vielen Familien: „Wir werden immer wieder von Müttern bzw. Vätern angesprochen, die ihre unter dreijährigen Kinder während einer Prüfung oder für die Dauer einer Tagung betreuen lassen möchten. Hier suchen wir noch nach einer angemessenen Antwort, die der aktuellen Notlage der Eltern gerecht wird und gleichzeitig sicherstellt, dass Kinder nicht mit einer unbekannten Betreuungssituation überfordert werden.“

Austausch über flexible Kinderbetreuungslösungen erwünscht

Nicht nur zu diesem Punkt würde sich Isabel Romano gerne mit anderen Anbietern austauschen. „Als Träger, der sowohl Kitas als auch flexible Kindertagespflegegruppen betreibt, stehen wir bundesweit noch recht alleine dar.

Wenn sich Kontakte zu anderen Trägern mit ähnlichen Projekten ergäben, würden wir uns freuen.“

Autorinnen: Angelika Främcke, Eike Ostendorf-Servissoglou