Tivoli-Ensemble "Hamburg ist Weltstadt und Dorf"

Hamburg ist fast wie New York aber man ist viel schneller im Grünen. Solche und ähnliche Erkenntnisse gab es beim Interview mit dem Ensemble von Schmidts Tivoli. In dem Kult-Theater traf sich hamburg.de mit den Schauspielern Elena Zvirbulis, Anja Majeski und Kai Bronisch zum Gespräch.

Heiße Ecke das St. Pauli Musical

Ihr treibt Euch seit mehreren Jahren in der Heißen Ecke des Tivoli herum. Aber mal ganz ehrlich, wie heiß ist die Heiße Ecke denn wirklich?

Elena: Mega heiß! Erstens gibt es die beste Wurst auf ganz St. Pauli, die schärfsten Nutten und die heißesten Fritten.

Anja: Die Nachtschicht ist schon extrem heiß. Die Heiße Ecke ist einfach der Mittelpunkt und der Brennpunkt auf St. Pauli. Heißer Treffpunkt für alle. Und natürlich gibt es den besten Schnaps und die beste Stimmung. Die Heiße Ecke ist ein Hotspot auf St. Pauli.

Kai: Die Heiße Ecke ist heiß, weil sie dauerbrennt. Die Heiße Ecke läuft jetzt im 14. Jahr und ist nach wie vor der coolste und heißeste Platz to be, wenn man abends auf den Kiez möchte.

Seid ihr waschechte Hamburger Deerns beziehungsweise ein echter Hamburger Jung?

Elena: Nee, ich komme aus der Nähe von Hannover, aus Barsinghausen. Ich bin aber seit 13 Jahren in Hamburg, habe hier meine Ausbildung als Musicaldarstellerin gemacht in der Joop van den Ende Academy und bin dann hier geblieben. Und ich will auch nicht mehr weg.

Anja: Ich bin ein echtes Münchener Kindl, dort geboren und 20 Jahre aufgewachsen.

Kai: Das ist einfach wie New York hier, wir kommen von überall her (lacht).

Anja: Die einzige Alternative zu München war für mich immer nur Hamburg und so kam es dann, dass ich beruflich hergekommen bin. Ich habe mich zuerst in Bremen beworben am Theater, da war ich eineinhalb Jahre, dann war ich auf der AIDA und darüber bin ich zum Tivoli gekommen. Das Haus war damals mit der AIDA verknüpft. Das war 2003, seitdem bin ich in Hamburg.

Kai: Ich bin auch kein Hamburger, sondern geboren in Bückeburg. Das ist ein Fürstentum mit Prinzessin und so, kennt man vielleicht aus der Gala.

Elena: Und er ist der Prinz (lacht).

Kai: Ich bin 1997 nach Hamburg gezogen für meine Ausbildung, ich habe Musicaldarsteller an der Stage School gelernt. Ich habe 15 Jahre in St. Georg auf dem Steindamm gewohnt und bin dann in die Metropolregion gezogen. Ich hatte einfach Lust auf Wald, vielleicht waren die 15 Jahre Stadt daran Schuld (lacht). So bin ich mit meiner Familie dann in die Lüneburger Heide gezogen.

Kai hat also lange in St. Georg gewohnt. In welchen Stadtteil hat es die anderen gezogen?

Elena: Ich wohne auf St. Pauli, in der Nähe vom Fischmarkt. Das ist praktisch, weil ich innerhalb von fünf Minuten beim Theater bin und überhaupt superschnell in der ganzen Stadt. Ich habe auch mal in Eilbek gewohnt, in Altona und auch kurzzeitig in Eimsbüttel, allerdings war das nicht so meine Welt. Hier auf St. Pauli gibt es natürlich auch viele kleine Ecken, die ich überhaupt nicht leiden kann. Aber etwas weg vom Kiez gibt es viele kleine Straßen mit Cafés und so. Die sind wirklich sehr schön.

Anja: Mein Stadtteil ist Ottensen, da will ich auch nicht mehr weg. In Altona fühle ich mich einfach wohl, da passt die Zusammensetzung der Menschen. Es ist richtig schön, dass dort einfach jeder vorkommt und es nicht so posh und schicki ist. Das mag ich sehr gerne.

Ihr seid mittlerweile alle schon länger am Tivoli. Was ist für Euch das Besondere an diesem Theater?

Elena: Erstmal finde ich, dass es ein total gemütliches Theater für die Zuschauer ist. Für mich persönlich ist es zudem ein sehr familiäres Haus, es ist ein tolles Team. Ich arbeite schon seit 2008 hier und es ist wirklich selten, dass man als Schauspieler durchgehend so fest beschäftigt ist. Mir gefällt auch, dass wir so viele unterschiedliche Stücke gleichzeitig spielen. Was ich auch cool finde, ist, dass viele Leute, die eigentlich nicht so die Theatergänger sind, sich im Tivoli so wohlfühlen. Dann können sie noch ihr Bier bestellen und 'ne Wust essen und fühlen sich nicht so eingezwängt. 

Anja: Ja genau, es ist einfach nicht so konventionell hier. Für mich ist es aber nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Zuhause. Man fühlt sich sehr gut aufgehoben und hat gewisse Freiheiten. Man darf seine eigenen Charakterzüge und Fähigkeiten in die unterschiedlichen Rollen einbringen. Meine Doppelbesetzung spielt die Rollen teilweise ganz anders als ich und trotzdem funktioniert es. Ich mag auch einfach diese Art von Theater, dieses moderne Boulevard-Theater mit Lokalkolorit. Alles ein bisschen schräg, witzig und ein bisschen anders, mit Ecken und Kanten.

Kai: Für mich ist wichtig, dass wir als Ensemble auch miteinander befreundet sind und wir uns alle sehr wohl miteinander fühlen auf der Bühne. Ich glaube, dass ist genau das, was der Zuschauer spürt. Wir versuchen, sehr authentisch zu spielen und authentisch zu sein und ich glaube, die Leute mögen genau das. Wir sind alles völlig unterschiedliche Typen und das ist sehr einzigartig in der Musical-Landschaft. Es ist für uns auch toll, dass wir nicht nur eine Rolle spielen. Es ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung.

Hat sich das Stück in den Jahren dadurch auch verändert?

Elena: Auf jeden Fall. Dadurch, dass wir alle so unterschiedlich sind, kann es sein, dass die Zuschauer eine völlig andere Show sehen, wenn sie das Stück nach einem Jahr nochmal ansehen.

Kai: Wir arbeiten immer dran. Natürlich steht das Grundgerüst, also 80 Prozent bleiben immer gleich. Aber 20 Prozent verändern sich ab und zu.

Elena: Ich glaube, es ist seit der Premiere bestimmt 10 bis 15 Minuten länger geworden.

Kai: Für uns auf der Bühne ist überhaupt jede Vorstellung anders. Das hält es frisch und wach. Wir können zum Beispiel auch Sachen ausprobieren. Wenn man mal einen Spruch aufschnappt, versucht man den einzubauen. Es ist dann sehr lustig für die Kollegen, wenn ein neuer Spruch versagt (schmunzelt), aber dadurch wird das Stück wahnsinnig lebendig. Wenn man zum Beispiel eine große Show sieht, die seit 20 Jahren am Broadway läuft, sieht die exakt genauso aus wie vor 20 Jahren. Und die sieht auch in der ganzen Welt genauso aus. Genau das ist bei uns eben anders.

Anja: Wir sind auch noch nicht weltweit, vielleicht liegt es daran (lacht).

Kai: Noch nicht, aber wir sind dran an einer englischen Version. Die „Hot Corner“! (lacht).

Anja:  Aber immerhin ist das Stück mittlerweile in Stuttgart angekommen, die Heiße Ecke wurde dort eingekauft und läuft da ganz normal im Theater. Das ist für uns total komisch.

Durch Euren Arbeitsplatz seid Ihr oft auf der Reeperbahn. Wie nah an der Realität dort ist für Euch das Stück?

Anja: Manchmal steht man auf der Bühne und denkt sich ‚Boah, das war jetzt schon etwas dicke gespielt und übertrieben‘. Und dann geht man Freitagabend oder Samstag auf den Kiez und denkt sich, dagegen ist das nichts, was wir gerade gespielt haben. Wenn da draußen ein Junggesellenabschied ist oder die Pinneberger, die Transen oder die Nutten, dann ist das, was wir machen, sogar noch ein bisschen harmloser als das, was da draußen passiert. Kurzum: Alles, was wir auf der Bühne machen, kann draußen passieren.

Welches sind in der Zeit, in der Ihr nun in Hamburg seid, Eure Lieblingsplätze geworden?

Elena: Mein Lieblingsplatz im Sommer ist der Hafen, weil ich es einfach schön finde, am Wasser zu sitzen und abends nach der Vorstellung noch ein bisschen spazieren zu gehen. Der Hafen ist für mich einfach total typisch für Hamburg. Und ich mag Planten un Blomen.

Anja: Für mich sind das auch Elbe und Hafen. Von Altona sind wir schnell an der Elbe, am Altonaer Balkon und in Övelgönne. Und dort spazieren zu gehen, mag ich einfach gerne. Oder auch mal rausfahren mit der Hafenfähre nach Blankenese oder zum Willkomm Höft. Aber auch an der Alster sitzen, an der Schönen Aussicht, ist schön. Ich kann mich gar nicht wirklich entscheiden.

Kai: Das waren jetzt aber ganz schön viele. Ich nehme Platz eins, vier und sieben von Anja (lacht). Weil ich total gerne Leute gucke und dabei entspannt esse, ist die Schanze mein Lieblingsplatz. Eigentlich bin ich gar nicht so ein Schanzianer, aber dort, und auch auf St. Pauli, mag ich gerne die Seitenstraßen, wo nicht so viel los ist. Ich mag es einfach zwischen den Stadtteilen. Ich gehe aber auch gerne mal die Mönckebergstraße runter, aber das macht man einmal und dann die nächsten drei Jahre nicht mehr (schmunzelt).

Okay, noch einmal in einem Satz zusammengefasst: Warum Hamburg?

Elena: Hamburg hat einfach alles. Fertig.

Anja: Hamburg ist die schönste Stadt der Welt, mit der Kombination aus Großstadt und maritimen Flair.

Kai: Ich finde es schön, dass Hamburg, obwohl es eine Weltstadt ist, gleichzeitig so ein Dorf ist, und man trotz Großstadt sehr schnell in der absoluten Natur ist.

Die Interviews

Die Schauspieler | Hannelore | Lisa | Lotte | Nadja | Pitter | Willi 

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