Ehrenamt

Kapitän auf der Schaarhörn

Wir haben der Schaarhörn einen Besuch abgestattet und kamen mit einigen Ehrenamtlichen ins Gespräch. Kay ist relativ neu dabei und höchst motiviert, sich in seine Tätigkeiten einzuarbeiten. Er wusste schon länger, dass es ihn irgendwann auf die Schaarhörn ziehen wird.

Rebekka Renk

Warum die Schaarhörn?

Das hat einen ganz einfachen Hintergrund. Ich habe hier das Büro in der Hafencity gehabt. In der Firma, für die ich gearbeitet habe. Die Schaarhörn lag vor Jahren im Sandtorkai. Das war praktisch genau gegenüber. Nur in der Mittagspause ist man mal rübergegangen, um frische Luft zu schnappen. Da habe ich immer auf dieses Schiff geguckt und gedacht, okay, wenn ich irgendwann in den Ruhestand gehe, da mache ich mit. Das ist ja erst einmal beeindruckend. Wir reden ja hier über mehr als 100 Jahre, dass das Schiff fährt und auch wieder fährt und das ist einfach - ich finde das einfach faszinierend, dass es eben Menschen gibt, die sich da engagieren. Hier sind ja Leute teils weit über 80, die das seit 20-25 Jahren machen. Das finde ich schon beeindruckend.

Warum ist es so wichtig, dass junge Leute hier an Bord kommen?

Wer soll es sonst machen? Es gibt ja keine staatlichen Hilfen oder irgendetwas anderes. Man braucht viele Menschen und man braucht viele helfende Hände. Alleine das ganze Messing, das geputzt werden muss hier. Oder die Decksplanken, das ist alles Holz. Das muss gepflegt werden, das muss gewartet werden. Das ist den Jahreszeiten, der Witterung ausgesetzt. Also wir sind hier jede Woche immer Stunden im Einsatz. Das ist die Motivation auch, dass es schön bleibt und dass das Schiff dann wieder fährt.

Warum ist es so wichtig, dass das Ehrenamt erhalten bleibt?

Generell, das betrifft ja jetzt nicht nur die Schiffe, das ist ja ein generelles Problem hier in Deutschland, dass Menschen weniger bereit sind, über ihren Job hinaus ihre Freizeit zu opfern. In Sportvereinen beispielsweise, Fußballtrainer, (...). Die bekommen auch alle kein Geld. Für die Kiddies, da muss sich ja jemand drum kümmern. Das Ehrenamt, das wäre schön, wenn es mehr machen würden.

Und was ist das Schönste am Ehrenamt?

Was zurückzugeben, was ich in meinem Leben bereits bekommen habe. Es gab ja früher schon Ehrenamtliche und ich war ja auch mal im Sportverein. Und da gab es auch Menschen, die ihre Zeit geopfert haben, um mir etwas Gutes zu tun. Also kann ich jetzt doch, wo ich die Zeit als Rentner habe, das doch zurückgeben. Zumindest einen Teil zurückgeben. Ich habe mich halt für dieses Ehrenamt entschieden. Ich finde es natürlich schön, generell, dass es A das Ehrenamt gibt und dass B mehr Menschen sich hierfür engagieren. Das würde der Gesellschaft meiner Meinung nach guttun. Man lernt Leute kennen, es ist kameradschaftlich. Es ist einfach eine schöne Sache.

Wie oft bist Du vor Ort?

Einmal die Woche, das ist unser Arbeitseinsatz hier. Da habe ich letztes Jahr begonnen. Aber wir sind auch da, wenn Tag der offenen Tür ist oder Museumsdienst. Also es ist ein- bis zweimal die Woche, die man hier dann doch verbringt. Und wenn wir dann irgendwann wieder in Fahrt sind, dann gibt es ja wieder Gästefahrten und dann kann es auch drei- bis viermal die Woche sein. Aber man hat ja noch ein anderes Leben. Also es gibt natürlich nicht nur das Ehrenamt. Das muss man schon sehen, dass es irgendwo passt.

Und was machst du hier an Bord?

Ich habe gerade hier angefangen. Ich möchte das Schiff irgendwann fahren. Aber das ist ein Lernprozess, das ist mir klar. Das geht nicht von heute auf morgen. Man kann nicht einfach den Hebel nach vorne legen. Das ist hier alles alt, das ist Technik, die nicht mehr dem technischen Stand der heutigen Zeit entspricht, aber dem damaligen Stand. Also muss man das lernen. Das ist ein Zweischrauben-Schiff. Man muss gucken, dass man das manövrieren kann. Da muss man den Leuten, die das können, erst einmal eine ganze Zeit über die Schulter gucken. Und dann ist man irgendwann so weit, dass man sagen kann, ich traue mir das zu. Aber es dauert seine Zeit. Und das weiß ich auch. Ich stelle mich hier nicht von Beginn an hin und sag „das kann ich alles“. Denn das kann ich nicht. Das muss man lernen. Und das ist auch der Plan!

Vielen Dank für deine Zeit!

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