7. UmweltPartner-Dialog Warme Wohnungen dank Abwärme aus der Industrie

Pizzabacken und Kupferherstellung – auf den ersten Blick haben diese beiden Prozesse nichts miteinander zu tun. In Hamburg allerdings ist das anders. Hier gibt es eine entscheidende Gemeinsamkeit: Pizzaöfen und Kupferhütten sind Teil der Wärmewende. Während des 7. UmweltPartner-Dialogs bei Aurubis präsentierte sich die Wirtschaft als wichtiger Part der Energiewende.

Warme Wohnungen dank Abwärme aus der Industrie

Der Mensch hat es gern warm. Und so verwundert es nicht, dass fast 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen in der Hansestadt entstehen, weil Wohnungen, Büros und Gewerbeobjekte beheizt werden*. Die Wärme, mit deren Hilfe es 8.000 Vier-Personen-Haushalte in der HafenCity gemütlich haben, kommt aus 3,7 Kilometern Entfernung, hat die Elbe durchquert und ist weitgehend kohlendioxid-neutral entstanden: bei der Kupferproduktion im Aurubis-Werk auf der Veddel. Das Beispiel des Kupferproduzenten zeige eindrücklich, dass die Industrie Teil der Lösung sei, wenn es um effektiven Umweltschutz und eine gelingende Energiewende gehe, unterstrich Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie, während des diesjährigen UmweltPartner-Dialogs. Vor der Kulisse der alten Schlosserei im Aurubis-Werk zeichneten Senator und Wirtschaftsvertreter während der siebten Auflage der Fachveranstaltung das Bild einer klimaneutralen Metropole, die zugleich ihren Unternehmen den Standort sichert und neue Geschäftsfelder erschließt.

„Je umweltfreundlicher wir werden, desto sinnvoller ist der stadtnahe Standort“, sagte Aurubis-Vorstand Roland Harings und spielte damit auf die ungewöhnliche Lage des traditionsreichen Werkes quasi in Sichtweite zum Rathaus an. Erst die zentrale Position ermögliche es, die Prozesswärme aus der Kupferverhüttung sinnvoll weiterzuverwenden.

Chemische Prozesse erzeugen CO2-freie Wärme

Bei der Kupferherstellung fällt als Nebenprodukt Schwefelsäure an, eine der vielseitigsten und wichtigsten chemischen Verbindungen. Während der Reaktionsprozesse entsteht zwangsläufig kohlendioxidfreie Wärme. 160 Millionen kWh davon speist der UmweltPartner der ersten Stunde bisher in das öffentliche Fernwärmenetz ein. 20.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen werden dadurch jährlich eingespart, zwölf Millionen Kubikmeter weniger Elbwasser zur Kühlung benötigt. Das Potenzial allerdings ist noch längst nicht ausgeschöpft. Ulf Gehrckens, Senior Vice President Corporate Energy & Climate Affairs bei Aurubis, ließ keinen Zweifel daran, dass die Unternehmensleitung den eingeschlagenen Weg zum nachhaltig wirtschaftenden Industriebetrieb konsequent weitergehe werde. Schon jetzt hat der Kupferproduzent die höchstmöglichen Umweltstandards seiner Branche erreicht und ist ein vielbesuchter Vorzeigebetrieb. Während der Veranstaltung präsentierten beispielsweise Auszubildende die Ergebnisse ihrer Nachhaltigkeitswoche. Sie hatten sich mit E-Mobilität auf dem Werksgelände und mit Urban Mining, der Rohstoffgewinnung im Sekundärmarkt, beschäftigt.

Technische Hürden und glückliche Umstände

Auch wenn es einfach und logisch erscheint, Abwärme aus der Industrie für die netzgebundene Wärmeversorgung der Städter zu nutzen, mussten doch zahlreiche technische Hürden genommen werden. Nicht zuletzt kamen einige glückliche Umstände hinzu: Während Aurubis darüber nachdachte, wer die saubere Energie abnehmen könnte, waren auf der anderen Elbseite die Verantwortlichen der enercity Contracting GmbH auf der Suche nach einer Lösung für den wachsenden Energiebedarf in Hamburgs jüngstem Stadtteil. Das niedersächsische Unternehmen versorgt die HafenCity seit 2009 mit Wärme – und muss die Entwicklung aus Energieversorger-Sicht mitgestalten. Die Zusammenarbeit sei ein Glücksfall, denn enercity musste nicht einmal eine alte Technologie durch die neue ersetzen, machte Dr. Manfred Schüle, Vorsitzender der Geschäftsführung von enercity, während der Podiumsdiskussion deutlich. Auch für Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ist die Kooperation ein gelungenes Beispiel für intelligenten Klimaschutz. Der Bund hatte den Bau der Fernwärmeleitung vom Werk in die HafenCity gefördert.

Wärmekataster für Hamburg

Damit sich künftig potenzielle Partner wie im Falle von Aurubis und enercity nicht mehr nur zufällig finden, hat Hamburg ein Wärmekataster eingerichtet. Auf der interaktiven Karte wird fortlaufend hinterlegt, wo Wärme entsteht und wo sie gebraucht wird. „Die Wärmeversorgung der Zukunft wird erheblich hybrider sein als heute“, betonte Dr. Björn Dietrich, Leiter der Energieabteilung in der Behörde für Umwelt und Energie. In Interaktion mit den Schauspielern und Schauspielerinnen des Improvisationstheaters „Die Spieler“ spann Dietrich diesen Faden weiter – bis zum Pizzabäcker Luigi, der die Abwärme seines Pizzaofens direkt zur angebeteten Nachbarin Waltraud weiterleitet. Eines war am Ende dieser urkomischen Aufführung klar: Das Lachen der mehr als 100 teilnehmenden UmweltPartner und UmweltPartnerinnen galt keineswegs der ungewöhnlichen Idee der dezentralen Wärmeversorgung vom Pizzaofen in die Nachbarschaft, sondern ausschließlich der Kunst der „Spieler“.

Quellen:

*Statistikamt Nord: Energiebilanz und CO2-Bilanzen für Hamburg; AG Energiebilanzen e.V.: Anwendungsbilanzen

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