Ein Blick auf die Baustelle in der City Nord
Zwischen den wuchtigen Bürokomplexen der City Nord hallt Metall auf Metall. Kräne drehen sich langsam über den Köpfen, irgendwo hämmert es im gleichmäßigen Takt. Es riecht nach Staub und feuchtem Beton.
Eine kleine Besuchergruppe bewegt sich über den Überseering, vorbei an den kantigen Fassaden aus den 70er Jahren. Nach etwa zwanzig Minuten Fußweg öffnet sich der Blick: eine Baustelle, die sich über mehrere Straßenzüge zieht. Arbeiter geben Handzeichen, Maschinen greifen ineinander, als würde hier alles gleichzeitig passieren. Hier, zwischen den Zentralen von Edeka und Tchibo, entsteht ein Abschnitt der neuen U5.
Großprojekt U5: Eine neue Verbindung für Hamburg
Im Rahmen einer geführten Baustellenbesichtigung gibt es die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. „Die U5 in Hamburg ist das größte U-Bahn-Neubauprojekt Deutschlands“, erklärt die Baustellenführerin. Auf insgesamt 29 Kilometern soll die erste vollautomatische U-Bahnlinie künftig mehrere Stadtteile erstmals anbinden. Dabei ist die Strecke in mehrere Bauabschnitte unterteilt.
Im ersten Abschnitt verbindet die Linie die City Nord mit Bramfeld. Weitere geplante Abschnitte führen unter anderem in Richtung Innenstadt und perspektivisch über die Arenen bis nach Osdorf im Hamburger Westen. Damit entsteht eine neue Ost-West-Verbindung, die bestehende Linien – insbesondere die Metrobusse – entlasten und Umstiege reduzieren soll. Gleichzeitig wird der Verkehr unter die Straßen verlagert, um Staus zu verringern und das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu unterstützen.
Insgesamt sind zahlreiche neue Haltestellen vorgesehen, die sowohl Wohngebiete als auch wichtige Arbeits- und Hochschulstandorte anbinden. Technisch setzt die U5 neue Maßstäbe im Hamburger U-Bahn-Netz. Die Züge sollen vollautomatisch im 90-Sekunden-Takt verkehren.
Zurück zur Baustelle Sengelmannstraße/City Nord: Der Weg zur eigentlichen Baustelle quer durch die City Nord ist dabei bereits Teil des Eindrucks. Die Gruppe folgt der Strecke entlang der Bürogebäude, geleitet von der Baustellenführerin. Die Umgebung wirkt mit ihren großflächigen Betonbauten fast monumental, bis sich entlang des Überseerings, höhe New-York-Ring, die eigentliche Dimension des Projekts zeigt. Von den Querbrücken aus eröffnet sich ein weiter Blick auf das Baufeld.
Die Baustelle zieht sich entlang der Straße und ist in ständiger Bewegung. Kräne heben Material, Bauarbeiter koordinieren Abläufe, an verschiedenen Punkten wird parallel gearbeitet. Hier soll die Haltestelle City Nord entstehen und anschließend zur Haltestelle Sengelmannstraße führen.
Das Besondere bei diesem Bauabschnitt ist, dass hier in offener Bauweise gearbeitet wird. Dies hat den Grund, da die U-Bahn an der Haltestelle Sengelmannstraße das einzige mal auf der gesamten U-Bahn Strecke auftauchen und an das Tageslicht fahren wird.
Der Großteil der Strecke entsteht allerdings unterirdisch mit einem Tunnelbohrer, der sich rund um die Uhr durch den Boden arbeitet. Sein Durchmesser: etwa elf Meter. Während sich die Maschine vorarbeitet, wird der Tunnel direkt im Anschluss gesichert. Betonfertigteile werden dabei mit Vakuum an die Tunnelwand gesetzt – ein kontinuierlicher Prozess, bei dem Vortrieb und Ausbau ineinandergreifen, um das Erdreich zu stabilisieren und effizient zu bauen.
Das ausgehobene Material wird abtransportiert und weiterverwendet, unter anderem im Bereich Kuhwerder. Auch auf der Baustelle selbst wird Wert auf Effizienz gelegt: Ein eigenes Betonwerk sorgt dafür, dass benötigtes Material direkt vor Ort produziert werden kann.
Offene Bauweise an der Sengelmannstraße
Im Bereich der Haltestellen kommt hingegen eine andere Bauweise zum Einsatz. Hier wird in offener Bauweise gearbeitet. An der Sengelmannstraße und City Nord gibt es dabei eine Ausnahme: Dort wird auch der Streckenverlauf offen gebaut.
Das erklärt die Größe und Offenheit der Baustelle in diesem Abschnitt. Der entstehende U-Bahn-Schacht ist bereits in großen Teilen fertiggestellt und gibt einen Eindruck davon, wie tief sich die künftige Strecke unter der Erde erstrecken wird. Von oben lassen sich an einigen Stellen Blicke in die Schächte werfen.
Zur Stabilisierung der Baugruben wird unter anderem mit Bentonit gearbeitet – einer Stützflüssigkeit, die das Erdreich sichert. Im weiteren Bauprozess sorgen Stahlkonstruktionen und die sogenannte Stahlbewährung dafür, dass die späteren Betonstrukturen dauerhaft belastbar bleiben.
Umbau der Haltestelle Sengelmannstraße
Auch die zukünftige Haltestelle Sengelmannstraße wird umfassend umgebaut. Geplant sind insgesamt vier Gleise und zwei Bahnsteige: Die bestehenden Gleise der U1 werden ergänzt durch die neue U5, die hier angebunden wird. Darüber hinaus entsteht zusätzliche Infrastruktur, um den Betrieb flexibel zu halten. Etwa für den Fall, dass andere Streckenabschnitte zeitweise nicht verfügbar sind.
Ein Projekt mit sichtbarer Dimension
Während die Gruppe langsam den Rückweg antritt, bleibt vor allem ein Eindruck: die Dimension dieses Projekts. Zwischen Beton, Maschinen und den tiefen Schächten wird sichtbar, wie hier Stück für Stück eine neue Verkehrsader für die Stadt entsteht.