Radtour von Elmshorn nach Büsum Radfahrparadies an der Elbe

Wer mit der Regionalbahn aus Hamburg kommend nach Elmshorn fährt und von dort aus entlang der Elbe mit dem Rad zur Tour bis nach Büsum an der Nordsee aufbricht, befindet sich einen Tag lang im Radfahrparadies.

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Radtour von Elmshorn nach Büsum

Der Bahnhof in Elmshorn liegt im Zentrum, mit dem Regionalexpress komme ich aus Hamburg. Zur Orientierung, welcher Weg am besten aus der Stadt hinaus nach Kollmar an der Elbe führt, erkundige ich mich bei einem Ehepaar.

Glückstreffer – die Wegbeschreibung fällt umfangreich aus und die Ortsnamen auf dem laut Aussage des Herren "wohl schönsten" Weg zur Elbe fliegen mir nur so um die Ohren.

"Das ist meine Radstrecke, die fahre ich immer", sagt der Mann strahlend. Als seine Frau erwidert, die ganzen Ortsnamen könne sich der "junge Mann" doch ohnehin nicht merken, ergänzt ihr Gatte: "Doch, der sieht so aus, als ob er das könnte."

Kurz darauf der Ehemann zu seiner Frau freundlich aber bestimmt: "Magst Du nicht schon Mal vorgehen?"

Neben weiteren Routen-Tipps wird mir so dann noch eine Eisdiele in Kollmar vom Elmshorner Radler empfohlen. Die Tour kann beginnen.

Auf dem Weg zur Elbe

Nach den ersten recht unspektakulären zwölf Kilometern durchs Landesinnere erreiche ich das Elbufer. Kollmar hat einen kleinen Hafen, einige Segler sind auf dem Wasser unterwegs. Das Eis zur Erfrischung kommt indes zu früh – ein langer Weg liegt vor mir.

Entlang der Elbe rollt es sich auf zumeist asphaltierten Wegen gut, kaum Gegenwind, idyllisch türmt sich der begrünte Deich neben mir auf – und an die Ausweichmanöver um die kreuzenden Schafe gewöhnt sich der Hobbyradler schnell.

In Glückstadt werde ich sogleich von Glücksgefühlen übermannt – ein wirklich schönes Städtchen mit einer urigen Fußgängerzone und einer Mole an der Elbe. Ein erstes kleines Päuschen steht an – und vorbeifahrende Containerschiffe werden beobachtet.

Das nächste Etappenziel ist Brunsbüttel. Just als ich am Atomkraftwerk wenige Kilometer vor der Stadt vorbeifahre, zieht der Himmel zu. Doch nach Passieren des Meilers fängt die Sonne weder an zu scheinen – für den Rest des Tages.

Über den Nord-Ostsee-Kanal

Bevor das Stadtzentrum erreicht wird, überfahre ich mit einer kostenlosen Fähre den Nord-Ostsee-Kanal. Die Wasserstraße ist rund hundert Kilometer lang und verläuft bis nach Kiel.

"Entschuldigung, ist dies das Stadtzentrum von Brunsbüttel?", frage ich eine Passantin wenige hundert Meter vom Fähranleger entfernt. Recht pampig entgegnet sie: "Ja, das ist es." Aber immerhin, die Fähre war kostenlos. Und die Stadt erkunde ich ein anderes Mal.

Aufgrund der Breite lässt die Elbe die Nordsee bereits mehr als erahnen. Doch jetzt verlasse ich die Flußstrecke. Weiter geht es auf dem Radweg ins Landesinnere gen St. Michaelisdonn.

Das Städtchen mutet eher ruhig an. Mein Vater ruft an und fragt, wo ich mich befinde und was ich noch vorhätte. "Ich will bis zur Nordsee radeln". Worauf hin er entgegnet: "Du weißt schon, dass im September ab acht Uhr die Sonne untergeht?"

Eltern!

Das nächste Etappenziel ist Meldorf – nur noch wenige Kilometer von der Nordsee entfernt. Der Streckenabschnitt schlängelt sich durch grüne Landschaften, die Sonne scheint, wo ich hinschaue sattes Grün, Schafherden am Wegesrand, Kuhwiesen, Vögel zwitschern – Natur pur.

Die Tagesroute ist rund 100 Kilometer lang

Karte

Meldorf selbst entpuppt sich als ein idyllischer Ort samt historischem Stadtkern. Der Kirchenbau ragt empor, und auch sonst bestimmen roter Backstein und gepflasterte Straßen das Stadtbild. Das ist zwar sehr schön, aber nach knapp 80 gefahrenen Kilometern kann jede Unebenheit zu einer kleinen Gemeinheit werden.

Jetzt heißt es Endspurt – die Nordsee ruft. Meldorf hat einen "Neuen Hafen". Laut Aussage einer Mutter, die mit ihrem Kind ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist, ist das aber schon noch eine "Ecke" bis zum Meer. Sehe ich etwa bereits so geschlaucht aus?

Mit Vollgas radele ich der Sonne entgegen und tatsächlich: Zwar zieht sich der ebene Weg, aber keine Menschenseele weit und breit und links und rechts traumhafte Seenlandschaften lassen einen in Gedanken schwelgen. Der finale Deich wird anvisiert.

"Und ich radel' hinterm Deich"

Am Deich angekommen, steige ich vom Rad ab und schiebe es an einem Zaun entlang. Vor mir huscht gerade ein Ehepaar durch ein Tor. Einige Stufen geht es hoch, dann kann die Nordsee von der Spitze des Deiches aus erblickt werden. Die Zwei sehen mich scheinbar nicht – oder wollten schnell vor mir weglaufen. Die Holzpforte jedenfalls knallt unmittelbar vor mir zu.

Schweren Atems öffne ich das Tor erneut, schiebe mein Rad hindurch, gebe einen kurzen Seufzer von mir und zolle somit den zügig gefahrenen Kilometern Tribut.

"Oh nein, Entschuldigung! Ist das Tor etwa gegen ihr Bein geschlagen?", schallt es mir vom Deich entgegen. "Nein, nein, ich habe nur geseufzt!" Hach.

Oben erwartet mich ein malerischer Anblick: Die untergehende Sonne spiegelt sich im lila schimmernden Meer, Schleierwolken werden hell angestrahlt – wer ein solch kitschiges Postkartenmotiv selbst erlebt, will nie was gesagt haben. Romantik!

Träumen und Schlussspurt

Für einige Minuten schaue ich auf das Meer, die Gezeiten waren auf meiner Seite. Doch so langsam wird es kühler an diesem Septembertag und das Tagesziel Büsum ist immerhin noch 20 Kilometer entfernt – es heißt, ein letztes Mal in die Pedale treten.

Da sich Büsum in der Bucht schon von Weitem ankündigt und die malerische Kulisse ihr Übriges tut, werden diese Kilometer unmittelbar am Wasser entlang die reine Freude. Da haben die schwerer werdenden Beine nichts zu melden.

Ich erreiche Büsum, die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Überwog die letzten Kilometer abgesehen des leisen Wellenschlags und kreischender Möwen die Stille, lassen jetzt grölende Touristen im Stadtkern aufhorchen – die Zivilisation hat mich wieder.

Sei es drum – ich lasse mir endlich, am Ende der Tagesroute, in der Fußgängerzone unweit des Bahnhofs ein Eis schmecken. Das war überfällig.

Mit der Bahn bummele ich zurück nach Hamburg-Altona. Auf der Fahrt frage ich mich, ob der nette Herr aus Elmshorn auch schon Mal bis zur Nordsee geradelt ist? Falls nicht, habe ich ihm das nächste Mal etwas zu erzählen – von der wunderschönen Tour bis nach Büsum.

Seine Frau kann ja schon mal vorgehen. Wir radeln.

Über den Autor: Der passionierte Hobby-Radler Andres Lehmann schreibt auf seiner Website über launige Hamburg-Erlebnisse und präsentiert Bilder, Videos und Musik.

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