Tabak Giftpflanze des Jahres 2009

Die Tabakpflanze wurde zur Giftpflanze des Jahres 2009 gewählt. Sicherlich hat die allseits bekannte Diskussion um das Rauchverbot in den Gaststätten und zum Nichtraucherschutz entscheidend zu diesem Ergebnis beigetragen. Die schädliche Wirkung des Rauchens tritt in dieser Information jedoch in den Hintergrund, da es gut dokumentiert ist. Hingewiesen werden soll auf die Vergiftungsgefahren beim Umgang mit der Pflanze und Pflanzenteilen, sowie dem Missbrauch der Tabakprodukte.

Giftpflanze des Jahres 2009

Gute und schnelle Giftaufnahme

Der Hauptwirkstoff ist das Alkaloid Nikotin. Es wird in den Wurzeln der Pflanzen gebildet und zum Schutz gegen Fraßinsekten in den Blättern eingelagert. Die gute und schnelle Aufnahme (Resorption) über Haut, Lunge und Schleimhäute ist nicht nur für die Tabakschädlinge gefährlich. Bei Arbeitern auf Tabakplantagen kommt es durch den permanenten Kontakt mit den Blättern zu einer chronischen Vergiftung. Die daraus folgende Krankheit wird als „Green - tobaco sickness“ bezeichnet. Die tödliche Dosis für einen Erwachsenen liegt bei 40 - 60 mg Nikotin, dies entspricht einer oralen Aufnahme von vier bis fünf Zigaretten. Bei Kleinkindern kann bereits der Verzehr eines einen Zentimeter kurzen Teils einer Zigarette zu Vergiftungserscheinungen führen. In Deutschland werden täglich rund 40 Kinder aufgrund einer Nikotinvergiftung ärztlich behandelt. Der Konsum geringer Mengen Nikotin ist nicht unmittelbar schädlich, weil sich das Gift schnell im Körper verteilt und mit einer Halbwertszeit von zwei Stunden abgebaut und ausgeschieden wird. Auch bei an Tabak gewöhnten Menschen besteht keine weitgehende Toleranz gegen Nikotin, entscheidend ist neben der Dosis immer der Zeitfaktor.

Einige Vergiftungserscheinungen

Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, zuletzt Atemlähmung.

Nikotingehalt einer Produkte

Zigarette ca. 12 mg

Zigarre 100 bis 200 mg

Nikotinkaugummi * 2 bis 4 mg

Nikotinpflaster* 8,3 bis 52,5 mg

* zur Raucherentwöhnung

Pflanzen, die Nikotin enthalten

Nicotiana glauca

ca. 0,05 % **

Nicotiana rustika

bis 18 % **

Nicotiana tabacum

ca. 0,5 - 9 % **

andere Tabak - Arten

0,003 - 2,96 %**

Aubergine

2 ppb ***.

** des Trockengewichtes
*** ppb = Teile pro Milliarde

Toxische Dosis für Tiere

Hund / Katze

5 - 25 g ****

Ziege / Schaf

30 - 100 g ****

Pferd

300 - 1200 g ****

Rind

300 - 2000 g ****

**** getrocknete Tabakblätter

Tabak als „Bio“- Pflanzenschutzmittel

Nikotin als Pflanzenschutzmittel wurde bereits in den siebziger Jahren verboten. Dies geschah nicht zuletzt aufgrund der hohen Giftigkeit für die Anwender. Noch heute findet man in Zeitschriften und im Internet Rezepturen zur Herstellung von Nicotin-Spritzbrühen gegen saugende und beißende Schadinsekten an Pflanzen. Die Inhalation der Aerosole die beim Ausbringen entstehen, können auch bei selbsthergestellten Tabakauszügen tödlich giftig sein.

Namensgebung

Der botanische Name - Nicotiana - sowie der Inhaltsstoff - Nicotin - wurden nach dem französischen Gesandten in Portugal Jean Nicot (1530 - 1604) benannt. Nicot führte den Tabak als Heilpflanze in Frankreich ein (um 1560).

Familiäres

Der Tabak gehört mit etwa 75 Arten und unzähligen Sorten zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Weitere bekannte Familienmitglieder sind zum Beispiel die Nutzpflanzen: Kartoffel, Paprika, Aubergine, Tomaten sowie Tollkirsche, Bilsenkraut, Engelstrompete und Stechapfel, um nur einige zu nennen.

Ziertabak als Sommerblume

Die Ziertabak-Arten, die als Sommerblumen angeboten werden enthalten nur geringe Mengen an Nikotin. Es handelt sich um großblumige Sorten mit weißen, roten, gelben und grünlichen Blüten. Die Pflanzen werden je nach Art und Sorte zwischen 30 und 150 Zentimeter hoch. Der Anbau jeglicher Tabaksorten für den Eigenbedarf ist erlaubt und von der Tabaksteuer ausgenommen.

Wichtige Kulturbedingungen

Ausreichend Feuchtigkeit und Wärme

15 °C

Wachstum gehemmt

0 °C

Schädigungen der Blätter

-3 °C

Absterben der Pflanzen

Bestäubung der Blüten

Hier weist der Tabak ein breites Spektrum an Bestäuber-Tieren auf, die es ausschließlich auf den Nektar abgesehen haben. Hierzu zählen Vögel, Fledermäuse, Schwärmer und Tagfalter.

„Wer wird denn gleich in die Luft gehen“

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist ganz einfach! Ich selbst habe es schon hundert Mal geschafft“. (Mark Twain - Schriftsteller)

Der Marlboro-Mann - Wayne McLaren -  starb 1992 im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs.

Rauchen bei offenen Wunden im Mundhöhlenraum (zum Beispiel nach dem Ziehen eines Zahnes) kann zu Vergiftungen führen.

Nikotin macht genauso süchtig wie Heroin!

Abstimmungsergebnis

1. PlatzTabakNicotiana tabacum526 Stimmen38,5 %
2. PlatzAronstabArum maculatum322 Stimmen23,6 %
3. PlatzEfeuHedera helix261 Stimmen19,1 %
4. PlatzLebensbaumThuja sp.257 Stimmen18,8 %


Kontakt

Herr Masch

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