Gutachten Reitwegekonzept - Bezirk Wandsbek

Reitwegekonzept - Bezirk Wandsbek

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Anlass

Wandsbek ist der einwohnerstärkste Bezirk Hamburgs und zeichnet sich durch viele Naherholungsgebiete, Wälder, Landwirtschaft, Gewässer begleitende Grünzüge und Naturschutzgebiete aus. Hier lässt es sich nicht nur gut wohnen und arbeiten, sondern auch erholen und die Freizeit in der Natur genießen. Die landschaftlich geprägten Gebiete der äußeren Stadtteile laden zu zahlreichen Aktivitäten unter freiem Himmel, wie z.B. das Reiten ein. Viele Pferdeliebhaberinnen und -freunde nutzen bereits die Möglichkeiten, innerhalb der Stadtgrenzen Pferde zu halten und in der freien Landschaft zu reiten. Eine Reihe von Reitbetrieben und -vereinen haben sich in Wandsbek etabliert.

Um die Naherholungs- und Freizeitfunktionen des Bezirks langfristig zu stärken, hat die Bezirksversammlung Wandsbek im Dezember 2008 beschlossen, ein umfangreiches Reitwegekonzept erarbeiten zu lassen. Den Anlass dazu gaben Nutzungskonflikte, bei denen früher vorhandene Reitwegeverbindungen unterbrochen bzw. beeinträchtigt worden waren.

Mit dem Gutachten sollte ein Konzept für ein attraktives Reitwegenetz erstellt werden, das die Anbindung an angrenzende Nachbargemeinden vorsieht und Vorschläge für konkrete Schritte zur Umsetzung enthält. Mit der Erstellung des Gutachtens wurde die Firma
BfL Büro für Landschaftsentwicklung GmbH aus Kiel, vertreten durch
Frau Dr. Deike Timmermann, vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirksamtes beauftragt. Das Gutachten wurde von der Freien und Hansestadt Hamburg unter Beteiligung der Europäischen Gemeinschaft gefördert.

Vorgehensweise

Die Beteiligung aller interessierter Akteure erfolgte im Rahmen einer Auftaktveranstaltung im Juli 2010 mit Vertretern der Reiterschaft, der politischen Parteien, der Fachbehörden, der bezirklichen Dienststellen sowie des ehrenamtlichen Naturschutzes. Zu Beginn wurde ein „Maßnahmenpool“ aus allen Erkenntnissen und Wünschen der Beteiligten erstellt. Die Vorschläge wurden vor Ort geprüft und mit der Vereinbarkeit anderer Belange, z.B. des Naturschutzes abgeglichen. Die verbliebenen Maßnahmen wurden mit den Beteiligten und den betroffenen Nachbargemeinden abgestimmt und bewertet. Aus dieser ausführlichen Bestandsaufnahme und -bewertung sowie erkannter Konflikte und Defizite ist das Zielbild entstanden. Abschließend legten die Beteiligten Prioritäten fest und zeigten Umsetzungsperspektiven auf.

In der Erarbeitungsphase des Gutachtens wurde der zuständige Ausschuss für soziale Stadtentwicklung zweimal über den Sachstand informiert. Den beteiligten Akteuren ist das Ergebnis auf einer Abschlussveranstaltung im September 2011 vorgestellt worden.

Hinweis:

Die auf den nachfolgenden "Karten 1 Blatt ..." gelb dargestellten und nummerierten Maßnahmen finden Sie detailliert beschrieben im Anhang des Gutachten unter „A.3 Verbesserungsmaßnahmen an der Wegeinfrastruktur im Bezirk Wandsbek". Das Gutachten können Sie unten auf der Seite 2 herunterladen.

Das Gutachten wurde unter dem Punkt "A6 - Stellungnahmen" um eine Stellungnahme des Kreises Stormarn vom 1. Juni 2012 ergänzt.

Karten - Bestandsaufnahme und Maßnahmen

Wesentliche Ergebnisse

Das Gutachten zum Reitwegekonzept weist auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Pferdesports hin. Es zeigt die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Reiten in Wald und Flur in Hamburg, zur Verkehrssicherung und Haftung sowie zu den Qualitätsanforderungen der Reiter an ein Reitwegenetz auf.

Gesicherte Daten zum Pferdebestand und der Anzahl der Reiterinnen und Reiter im Bezirk Wandsbek gibt es nicht. Die Gutachterin schätzt, dass im Bezirk Wandsbek
ca. 1.600 Pferde gehalten werden. Weitere 4.600 Pferde stehen in den angrenzenden Nachbargemeinden in Schleswig-Holstein. 1.350 Reiterinnen und Reiter sind im Bezirk in Vereinen organisiert, in den angrenzenden Nachbargemeinden sind es rund
1.650 Mitglieder. Die tatsächliche Zahl der aktiven Reiterschaft liegt vermutlich deutlich darüber und wird auf rund 1,9 Prozent der Bevölkerung und damit auf rund
7.800 Reiterinnen und Reiter in Wandsbek geschätzt.

Das Reiten außerhalb der Reitanlagen, also in der Landschaft, findet auf den öffentlichen Straßen und Wegen, Privatwegen, ausgewiesenen öffentlichen Reitwegen sowie auf privat geschaffenen Reitwegen statt. Teilweise wird auch auf Wegen geritten, die nicht zum Reiten vorgesehen sind, wie z.B. Fuß- und Radwegen und unbefestigten Nebenflächen. Im Bezirk Wandsbek und Umgebung existieren Reitmöglichkeiten mit einer Gesamtlänge von rund 316 km. Davon befinden sich ca. 140 km innerhalb Wandsbeks.

Die Standorte der Pferdehaltung (Quellstandort) und Ausreitgelände (Zielgebiet) liegen im Bezirk meistens nahe beieinander, so dass direkt vom Stall aus geritten werden kann. Diese Konzentrationsbereiche werden im Reitwegekonzept Wandsbek als „pferdefreizeitsportliche Schwerpunkträume“ bezeichnet. Folgende Räume wurden identifiziert: Hummelsbüttler Feldmark, Wittmoor – Treudelberg, Duvenstedter Brook – Wohldorfer Wald, Hainesch-Iland, Saselheide, Höltigbaum und Wulfsdorf – Bredenbeker Teich.

Die Freizeitreiterinnen und -reiter aus der Region bilden die Hauptzielgruppe für das Reitwegenetz. Sie nutzen die Reitwege und -möglichkeiten, um sich naturnah zu erholen und zu entspannen. In geringem Maße werden auch „Vielseitigkeits- und Distanzreiter“ mit dem Wegeangebot angesprochen. Reittourismus spielt im Bezirk Wandsbek und in den angrenzenden Gemeinden bislang keine Rolle.

Zu den Konflikten und Defiziten wurden folgende fünf Themenfelder bestimmt:

  1. Verantwortlichkeit für die Bereitstellung und Unterhaltung von Reitwegen
  2. Akzeptanz der Reiter als Nutzer des öffentlichen Straßen- und Wegenetzes
  3. Verhältnis zwischen Reitern und anderen Erholungssuchenden
  4. Akzeptanz des Pferdefreizeitsports in Natur und Landschaft
  5. Vernetzung der bezirklichen Reitmöglichkeiten mit denen im Umland.

Das aus der Bestandsaufnahme und den Konflikten und Defiziten entwickelte Zielbild des Gutachtens sieht folgendes vor:

  • Stärkung der pferdefreizeitsportlichen Schwerpunkträume durch Beseitigung der Unterhaltungsdefizite und Herstellung weiterer Reitmöglichkeiten
  • Beseitigung der Mängel bei der Vernetzung von Reitwegen
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen der Reiterschaft und den zuständigen behördlichen Stellen
  • Förderung des Reitsports in der Landschaft als naturbezogene Erholungsform und Herausgabe eines Handlungsleitfadens.

Hinweis:

Die auf den nachfolgenden "Karten 2 Blatt ..." gelb dargestellten und nummerierten Maßnahmen finden Sie detailliert beschrieben im Anhang des Gutachten unter „A.3 Verbesserungsmaßnahmen an der Wegeinfrastruktur im Bezirk Wandsbek". Das Gutachten können Sie unten auf dieser Seite herunterladen.

Karten - Reitrouten und Maßnahmen

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich angespannten Lage orientieren sich die Maßnahmenvorschläge des Reitwegkonzeptes Wandsbek an den vordringlichen Bedarfen und suchen für die Umsetzung nach finanziell tragfähigen Lösungen.

Neun Rundreitrouten, 17 Verbindungsrouten und sechs Anbindungen von Pferdebetrieben / Reitvereinen wurden vorgeschlagen.

Karten - Bestehende Reitrouten im Bezirk Wandsbek

Der Maßnahmenplan sieht folgende Handlungsfelder vor:

  1. Maßnahmen zur Verbesserung der Organisation, Zuständigkeit und Kommunikation
  2. Maßnahmen zur Verbesserung der Wegeinfrastruktur.
    Die wichtigsten wurden zu vorrangigen Maßnahmenbündeln zusammengefasst:
    - Verbindungsroute Hummelsee und Wildes Moor
    - Rundreitroute Treudelberg mit Verbindungsrouten Lemsahl
    - Verbindungsroute Schimmelreiterweg
    - Verbindungsroute Timmermoor
    - Verbindungsroute Tangstedter Forst
    - Verbindungsroute Wulksfelde
  3. Maßnahmen zur Reitwegekennzeichnung, lenkenden Beschilderung und Ausweisung von Reitrouten sowie Information.

Karte - Verbesserungsvorschläge

Die Kosten für alle zur Umsetzung empfohlenen Wegebau-Maßnahmen belaufen sich auf ein Investitionsvolumen von rund 157.000 Euro. Dabei wird eine Hälfte der Kosten für eine größere Brückenbaumaßnahme veranschlagt. Für Wegweisungen und Informationen werden 67.800 Euro und für eine dreijährige Projektkoordination Kosten in Höhe von 101.800 Euro veranschlagt. Zusammen ergibt dieses eine Gesamtinvestition von rund 327.000 Euro. Der überwiegende Teil dieser Maßnahmen ist durch das europäische Förderprogramm LEADER und den Förderfonds Nord mit bis zu 75 Prozent  der Nettokosten förderfähig. Die jährlich anfallenden Kosten für Unterhaltungsmaßnahmen und Nutzungsvereinbarungen für zusätzlich zu schaffende Reitmöglichkeiten belaufen sich auf 11.000 Euro. Diese Kosten sind nicht förderfähig.

Am Ende des Konzeptes wird ein Vorschlag gemacht, wie die Umsetzung und Unterhaltung des Reitwegenetzes zwischen Bezirk und Reiterschaft verteilt und organisiert werden kann.

Ausblick

Im Oktober 2011 hat sich der Ausschuss für soziale Stadtentwicklung für die Umsetzung des Reitwegekonzeptes ausgesprochen und beschlossen, eine Arbeitsgruppe aus den Beteiligten zu bilden, die über die Maßnahmen berät und eine Empfehlung zur Umsetzung ausspricht. Die erste Sitzung der Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der politischen Parteien und der Reiterschaft unter Beteiligung der Naturschutzverbände und der Verwaltung wird am 11. Januar 2012 stattfinden.

Gutachten - Wandsbeker Reitwegekonzept

 

Runder Tisch zum Wandsbeker Reitwegekonzept Umsetzungsvorschläge der Reiterschaft


Die Erstellung des Reitwegekonzeptes wird gefördert aus Landesmitteln der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Europäische Gemeinschaft wird sich aus Mitteln des "Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER)" an der Finanzierung dieser Maßnahme beteiligen

Logos zur Projektförderung durch die Europäische Union

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Kontakt

Thorsten Graefe

Landschaftsplanung

Bezirksamt Wandsbek - Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung
Maurienstraße 3
22305 Hamburg
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