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Hilfe für Obdachlose Das Hamburger Winternotprogramm – mehr als reiner Erfrierungsschutz

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Wie überall in Deutschland ist auch das Hamburger Winternotprogramm ein nächtlicher Erfrierungsschutz. Er ergänzt das Angebot der Tagesaufenthaltsstätten. Grundlage ist das Polizei- und Ordnungsrecht. Hamburg bietet im Winternotprogramm aber erheblich mehr, als nur eine Unterbringung.

Das Hamburger Winternotprogramm – mehr als reiner Erfrierungsschutz

Hamburg bietet mehr als reinen Erfrierungsschutz

Unabhängig von einer konkreten Erfrierungsgefahr ist das Winternotprogramm ab dem 1. November 2021 geöffnet. Das Winternotprogramm besteht aus zwei Komponenten: 

  • An den Notübernachtungsstandorten, die bereits ab 17 Uhr öffnen und bis 9.30 Uhr am Morgen zur Verfügung stehen, werden eine abendliche Mahlzeit, ein warmes Bett sowie Beratung und Betreuung geboten.
  • Mit den Tagesaufenthaltsstätten (9.30 bis 16.30 Uhr ist komplementär auch die restliche Zeit des Tages abgedeckt. 

In den Räumlichkeiten der Konzert- und Veranstaltungslocation „Markthalle“, Klosterwall 11, wird tagsüber eine zentral gelegene Möglichkeit zum Aufenthalt geboten. Dort wird eine zusätzliche Tagesaufenthaltsstätte (TAS) betrieben, in der ebenfalls ein Beratungsangebot sowie eine warme Mahlzeit zur Verfügung stehen.

Übernachtung

Das Winternotprogramm ist weiterhin ein ergänzendes Angebot zu den übrigen Notübernachtungen: Die ganzjährig zur Verfügung stehende Übernachtungsstätte Pik As verfügt über 330 Plätze, die Notübernachtungsstätte für Frauen in der Hinrichsenstraße verfügt über bis zu 60 Plätze. Im Winter 2021/22 stehen darüber hinaus rund 1030 zusätzliche Übernachtungsplätze zur Verfügung; 400 am Standort in der Friesenstraße 22, 300 Plätze an einem neuen Standort in der Halskestraße sowie rund 100 Plätze in Containern bei Kirchen und Hochschulen.

Ein zusätzlicher Standort mit bis zu 224 Plätze in der Schmiedekoppel bietet optional zusätzliche Kapazitäten und dient dazu, bei hoher Auslastung dennoch eine pandemiegerechte, lockere Belegung zu ermöglichen. Durch einen kostenfreien Busshuttle können die Standorte der städtischen Unterkünfte gut erreicht werden.

Üblicherweise erfolgt die Übernachtung in Zwei- und Dreibettzimmern. Für besonders gefährdete, gesundheitlich eingeschränkte bzw. psychisch beeinträchtigte Menschen besteht die Möglichkeit einer Einzelzimmerunterbringung. Dafür werden mindestens 60 Plätze an einem zentralen Standort und 20 Plätze in dezentralen Container-Standorten vorgehalten. Ein Standort ist zudem besonders für Personen geeignet, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind.

Das Winternotprogramm ist niedrigschwellig. Die Nutzung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Niemand wird aus Kapazitätsgründen abgewiesen. Obdachlose erhalten im Winternotprogramm ein frisch bezogenes Bett, Handtücher und Hygieneartikel stehen vor Ort bereit. Übernachtende können jeden Abend zu demselben, von ihnen genutzten Schlafplatz zurückkehren.

Es stehen abschließbare Schränke zur Verfügung. Neben den Waschräumen für die persönliche Hygiene können auch Waschmaschinen für die Kleidung genutzt werden.

Abends wird durch einen Cateringdienst und zum Teil durch Ehrenamtliche ein warmes Essen angeboten.

Damit die Sicherheitsbedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer erfüllt sind, dürfen in den Übernachtungsräumlichkeiten keine Alkoholika oder Suchtmittel konsumiert werden. An den Standorten ist dauerhaft ein Wachdienst präsent.

Für Frauen werden separate Bereiche angeboten, die von weiblichem Personal betreut werden.

Wem das Winternotprogramm Schutz bietet

Das Winternotprogramm ist ein nächtlicher Erfrierungsschutz für Menschen, die nicht in der Lage sind, sich aus eigener Kraft in Winternächten schützen zu können. Der Zugang ist niedrigschwellig - ein Antrag muss also nicht gestellt werden.

Es richtet sich nicht an Menschen, die über ausreichendes Einkommen für eine Unterkunft verfügen oder anderswo eine Unterkunft besitzen und mit einer Rückreise ihre Obdachlosigkeit in Hamburg beenden könnten.

Aber auch diesen Menschen bietet das Winternotprogramm eine Zuflucht, wenn sie ihre Selbsthilfemöglichkeiten (noch) nicht nutzen. Das nächtliche Aufenthaltsangebot in der Wärmestube stellt auch für sie einen Schutz vor der Kälte in der Nacht sicher - bis zur Nutzung der Selbsthilfemöglichkeiten.

Im Hamburger Winternotprogramm ist deshalb noch keine Person abgewiesen worden.

Die Auslastung der Schlafstandorte wird regelmäßig im Internet veröffentlicht.

Schutz am Tag

Das Winternotprogramm ist Teil eines umfassenden Hilfesystems für obdachlose Menschen. In diesem Hilfesystem sind neben Beratungsangeboten, medizinischen Versorgungseinrichtungen, Essensversorgungsstellen, Kleiderkammern auch zahlreiche Tagesaufenthaltsstätten eingerichtet.

Die Tagesaufenthaltsstätten stellen den Schutz vor der Witterung im Tagesverlauf ganzjährig sicher. Im Zusammenspiel zwischen Notübernachtungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten wird ein durchgehender Schutz obdachloser Menschen gewährleistet. Der Betrieb der in freier Trägerschaft stehenden Tagesaufenthaltsstätten wird durch die Stadt Hamburg umfangreich gefördert. Die Stadt hält durch eine weitere, selbst betriebene Tagesaufenthaltsstätte an Wochenenden und Feiertagen eine ergänzende Aufenthaltsgelegenheit vor.

Das Winternotprogramm tritt zu diesem Angebot im Winter als weitere Notunterkunft (neben dem Pik As und der Frauenübernachtung) hinzu. Die weit gefassten Öffnungszeiten des Hamburger Winternotprogramms schließen an die Öffnungszeiten der Tagesaufenthaltsstätten an.

Warum ist das Winternotprogramm tagsüber nicht geöffnet?

Auch in den anderen Städten Deutschlands ist der Erfrierungsschutz nur nachts geöffnet - als Ergänzung zu den Tagesaufenthaltsstätten.

Würde der Erfrierungsschutz auch dauerhaft tagsüber geöffnet bleiben, würde er den Charakter einer öffentlich-rechtlichen Wohnunterkunft erhalten. In solche Unterkünfte können nur Menschen ziehen, die in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Der niedrigschwellige Charakter des Winternotprogramms wäre bei einer Tagesöffnung also nicht mehr gewährleistet. Der größte Teil der derzeitigen Übernachtenden hätte dann keinen Zugang mehr zu den beiden Übernachtungsstandorten.

Ein weiteres Argument: die Übernachtungsstätten müssen täglich mehrere Stunden intensiv gereinigt werden, um Hygieneauflagen zu gewährleisten und insbesondere das Ausbreiten von ansteckenden Krankheiten wie Läusen und Krätze zu verhindern.

Außerdem muss die Stadt einer Verfestigung der Obdachlosenszene an wenigen Standorten vorbeugen. Die Akzeptanz der Unterbringungsstandorte in der Nachbarschaft und die Toleranz gegenüber unvermeidbaren Einschränkungen ist der Stadt wichtig. Die derzeitigen Übernachtungsstandorte werden in der Nachbarschaft deshalb mitgetragen, weil es tagsüber andere Aufenthaltsmöglichkeiten in der Stadt gibt.

Beratung und Hilfe

Es sind dauerhaft Mitarbeitende aus dem Bereich der Sozialarbeit vor Ort. Die Beratungsangebote richten sich nach dem Bedarf der Klientinnen und Klienten. Beispielsweise wird eine Suchtberatung angeboten, oder es können Leistungsansprüche geprüft werden. Ziel der Beratung ist, die persönliche Perspektive zu klären und dabei zu helfen, wieder ein Leben abseits der Straße zu finden. 

Personen mit Anspruch auf Unterbringung sollen in eine Wohnunterkunft ziehen. Personen, die nach geltendem deutschem Recht keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben (zum Beispiel Angehörige anderer EU-Staaten, die sich zum Zweck der Arbeitssuche in Deutschland aufhalten), werden über ihre Perspektive in Hamburg aufgeklärt. Außerdem können sie eine Rückkehrberatung in Anspruch nehmen.

Zahlreiche der obdachlosen Menschen können sich nicht in deutscher Sprache verständigen. Mehrsprachige Mitarbeitende helfen ihnen zum Teil in der Herkunftssprache weiter oder greifen auf Sprachmittler zurück.

Fehlende oder alte Kleidung wird aus einer eigenen Kleiderkammer gestellt bzw. ersetzt. Außerdem gibt es eine Kooperation dem Verein Hanseatic Help e.V.

Darüber hinaus arbeitet das Winternotprogramm mit Einrichtungen und Initiativen zusammen, die eine regelmäßige ärztliche Notversorgung vor Ort anbieten.

Wohnunterkünfte

In Hamburg werden Obdach- bzw. Wohnungslose zusammen mit Geflüchteten öffentlich-rechtlich untergebracht. 

Die Stadt stellt immer mehr Plätze für Wohnungslose zur Verfügung – trotz Zuwanderung. Allein 2017 wurden rund 1.200 Wohnungslose zusätzlich in Wohnunterkünfte aufgenommen.

Sozialwohnungsbau

Der Hamburger Senat hat den sozialen Wohnungsbau massiv ausgebaut, nachdem in den 2000er Jahren kaum neue Wohnungen gebaut wurden. Allein seit 2015 wurden 6.780 neue Sozialwohnungen fertiggestellt. 

Die öffentliche Förderung wurde 2017 weiter aufgestockt: Allein 2017 wurden die Mittel für mehr als 3.300 neue Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung bewilligt.

'fördern und wohnen' als neuer städtischer “Bauherr“

Die fördern und wohnen AöR (f & w) betreibt nicht nur die öffentlich-rechtliche Unterbringung und betreut nicht nur behinderte und geflüchtete Menschen in Einrichtungen und Unterkünften. Das kommunale Unternehmen schafft auch Wohnraum für Menschen, die am allgemeinen Wohnungsmarkt häufig keine Chance haben. 

Mit rund 200 Wohneinheiten pro Jahr ergänzt f & w also den allgemeinen Wohnungsmarkt im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg.

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