Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge

Thema Migration Schulklasse besucht Folgeunterkunft an der Luruper Hauptstraße

Warum flüchten Menschen eigentlich nach Deutschland? Diese Frage stellten sich Schülerinnen und Schüler der Klasse BBB (Betriebliche Berufsbildung) der Beruflichen Schule Eidelstedt. Ihre Lehrerin Marion Raschke machte es auf Wunsch zum Klassenthema.

Schulklasse besucht Folgeunterkunft an der Luruper Hauptstraße

25.10.2018 - Dabei wurde in einem ersten Schritt über allgemeine Fluchtursachen, Flüchtlingsrouten und Zuzugszahlen gesprochen. Später stand dann die Frage im Raum was alles passieren muss, damit jemand sein Handy und seine Zahnbürste nimmt und in ein fremdes Land geht. Und da Frau Raschke ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, kam ihr die Idee, die zu fragen, die es wissen müssen – geflüchtete Menschen.

An einem sonnigen Septembernachmittag sitzen nun Omar (32; Foto: links), Basir (26; Zweiter v. li.) und Salem (29; Dritter v. li.) im Begegnungskaffee der Folgeunterkunft „Luruper Hauptstraße“, welches von der Kinderkrankenschwester Anneliese Klienzmann (60; Zweite v. re.) ehrenamtlich organisiert wird. Ihnen gegenüber sitzt Marion Raschke (61; Vierte v. re.) mit ihren Schülerinnen und Schülern und hören gespannt zu: Omar arbeitete in Syrien als Zahnarzt, Salem war Bombenentschärfer bei der afghanischen Polizei, Basir hat ein abgeschlossenes Psychologie-Studium. Dann kam der Krieg und veränderte alles. Familienangehörige und Freunde wurden willkürlich verhaftet und gefoltert, manche auch umgebracht. Omar sollte zum Militärdienst eingezogen werden. Basir sollte für die Taliban arbeiten und Salem für die Taliban Bomben bauen. Alle drei waren in der Situation, andere Menschen töten zu sollen. Dieses Ziel lehnten sie ab und wurden nun selber mit dem Tode bedroht. „Ein Mensch darf keinen anderen Menschen töten“, sagt Basir und ergänzt mit traurigem Blick, „deshalb blieb mir nur die Flucht“ - wie auch den beiden anderen.

Nach einer langen Odyssee über die Türkei und durch Europa kamen sie schließlich in Hamburg an und bezogen in Zelten oder ehemaligen Elektronik- bzw. Baumärkten ihr Quartier. Trotz der widrigen Umstände waren sie froh, ein Dach über den Kopf zu haben, wenn auch nur ein provisorisches. Viele Monate später folgte dann der ersehnte Umzug in die von f & w fördern und wohnen geführte Folgeunterkunft an der Luruper Hauptstraße, hier trafen sich die drei zum ersten Mal und wurden schnell Freunde.

Nach den Ausführungen der drei Geflüchteten dürfen nun die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen. Und das tun diese auch eifrig. Auf die Frage ob sie schon mal fremdenfeindliche Äußerungen mitbekommen hätten, erwidern sie gemeinsam: „Wir sind hier in Hamburg stets mit offenen Armen empfangen worden. Egal ob auf der Straße, im Bus oder sonst wo – die Hamburger sind immer freundlich und höflich“.

„Ich möchte hier in Frieden leben und arbeiten und vielleicht irgendwann eine Frau kennenlernen und heiraten“, beantwortet Basir die Frage nach seinen Zukunftsaussichten. Anschließend präzisiert er, dass es gerne eine deutsche Frau sein dürfte. Die beiden anderen nicken zustimmend, die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft in Deutschland vereint alle drei. Einen nächsten Schritt in diese Richtung kann Omar in der folgenden Woche gehen, dann beginnt er einen Vorbereitungskurs für seine Zulassung als Zahnarzt in Deutschland.

Zum Abschluss des Klassenthemas werden die Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Eidelstedt gemeinsam mit ihrer Lehrerin noch das Auswanderermuseum auf der Veddel besuchen, um sich weitere Eindrücke über Migrationsgründe zu verschaffen.