Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge

Serie Neues von Familie Enjila

Vor einigen Monaten haben wir über die 6-köpfige Familie Enjila und ihrem „Weg des Ankommens in Deutschland“ berichtet (*). Hiermit setzen wir die Serie über die syrischen Geflüchteten fort:

Neues von Familie Enjila

15.01.2019 - Mutaz Enjila und seine Frau Sousan begrüßen uns zusammen mit ihren Kindern Joud, July, Jad und Sham in der Folgeunterkunft „Suurheid“ (**) in Rissen. Die Familie hat es sich gemütlich gemacht: Auf dem Fenstersims ihrer Wohneinheit stehen gepflegte Topfblumen, farbenfrohe Bilder schmücken die Wände, eine schöne Tischdecke ziert den Esstisch. Ein großes Ecksofa, welches sich die Familie neu angeschafft hat, lädt mit den vielen Kissen zum gemütlichen Sitzen und Plaudern ein. Kein Vergleich zu unserem letzten Besuch, als die Enjila‘s gerade eingezogen waren und mit dem Standard-Mobiliar der öffentlichen Unterbringung noch alles ein wenig karg und wenig einladend wirkte.

„Wir fühlen uns hier sehr wohl und haben in unserer Unterkunft schon viele neue Freunde unterschiedlicher Nationen gefunden, auch einige Deutsche sind dabei“, antwortet Sousan auf die Frage, ob sie bereits Kontakte knüpfen konnten. „Gute Nachbarschaft ist uns sehr wichtig, ganz gleich woher die Menschen kommen und an was sie glauben. Das wichtigste ist dabei eine gemeinsame Sprache, denn diese verbindet“, ergänzt sie.

Und um noch besser und schneller Deutsch zu lernen, schaut das Ehepaar ausschließlich deutsches Fernsehen. Am liebsten die ARD-Telenovela „Rote Rosen“, betont Sousan und ihr Mann lacht dabei. Man merkt, dass beiden das Thema Integration eine Herzensangelegenheit ist und besonders bei den Kindern ist diese quasi schon abgeschlossen - alle vier sprechen aktzentfrei die deutsche Sprache und haben viele deutsche Freunde. Nun soll endlich noch der ersehnte Job für Mutaz gefunden werden und vielleicht irgendwann eine eigene Wohnung, da die Folgeunterkunft für die Familie nur eine Zwischenlösung ist. „Es ist mir sehr wichtig, dass meine Kinder ihren Vater sehen, wie er zur Arbeit geht und nicht nur den ganzen Tag rumsitzt und nichts macht“, sagt Mutaz, der in Syrien bis zum Krieg als Journalist gearbeitet hat und politisch verfolgt wurde. „Deutschland hat uns sehr geholfen, deshalb möchte ich schnellstmöglich arbeiten und den Deutschen damit auch ein wenig zurückgeben“.

Um „fit“ für einen Job zu sein, hat Mutaz bereits viel getan: Er absolvierte diverse Praktika für Medienschaffende, anschließend noch eine Weiterbildung bei der Hamburg Media School. „Dort konnte ich lernen, wie der Journalismus in Deutschland funktioniert“, führt er aus. Und fast beiläufig ergänzt Mutaz mit einem Strahlen im Gesicht, dass er Mitte Januar bei einer Zeitung zur Probe arbeiten darf und - wenn es von beiden Seiten passt - vielleicht auch gleich dort anfangen könnte. Allerdings erstmal nur als Layouter im Rahmen einer Elternzeitvertretung. Dazu muss er aber noch die benötigte Grafik-Software auf dem Computer erlernen. Aber auch das sieht der ehrgeizige Syrer eher als Chance statt als Hindernis. „Der Job würde mir sehr gut gefallen, da er mit Journalismus zu tun hat. Denn im Moment traue ich mir noch nicht zu auf Deutsch zu schreiben“, sagt Mutaz, der inzwischen Deutsch Nivau-B2 erreicht hat. C1 soll aber so schnell wie möglich folgen - denn wie gesagt: Integration ist (s)eine Herzensangelegenheit.

(*) Bericht „Familie Enjila stellt sich vor“ vom 20.04.2018.

(**) Die Einrichtung „Suurheid“ zählt zu den Standorten der Perspektive Wohnen. Dabei handelt es sich um Folgeunterkünfte, die im Standard des sozialen Wohnungsbaus errichtet werden. Diese werden zunächst als öffentlich-rechtliche Unterbringung genutzt und später in normale Sozialwohnungen für alle anspruchsberechtigten Hamburgerinnen und Hamburger umgewandelt.