Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge

Internet für Geflüchtete „Freifunker“ statten Hamburger Erstaufnahmen mit WLAN aus

Torsten Prinzlin schaut oft auf sein Smartphone. Aber nicht um irgendwelche Nachrichten zu checken, sondern um den WLAN-Empfang zu überprüfen. Der 49-Jährige Prinzlin gehört nämlich zu den ca. 30 aktiven Hamburger „Freifunkern“, die sich zusammengeschlossen haben um die Vernetzung ganzer Stadtteile zu erreichen und freie unabhängige Netzwerkstrukturen aufzubauen. Die technische Grundlage von „Freifunk“ bildet ein sogenanntes Maschen-Netzwerk. Alle WLAN-Router im Freifunknetz können durch eine spezielle Software direkt miteinander kommunizieren und bilden somit ein eigenes Funknetzwerk. Freiwillige können einen Teil ihrer Internetverbindung dem Freifunknetz zur Verfügung stellen. Oder das bestehende Netz erweitern, ähnlich der Funktion eines Repeaters.

„Freifunk“ stattet Erstaufnahmen mit WLAN aus

13.06.2016 - Als im letzten Jahr viele Geflüchtete nach Hamburg kamen und u.a. in den Messehallen untergebracht werden mussten, stand für die „Freifunker“ sofort fest, die dortigen Menschen mit freien WLAN zu versorgen. In Kooperation mit der Hamburg Messe, die den Internetanschluss zur Verfügung stellte, konnten Flüchtlinge fortan kostenfrei mit ihrer Heimat kommunizieren. Die schnelle und reibungslose Umsetzung durch „Freifunk“ veranlasste die Behörde für Inneres und Sport dazu anzufragen, ob auch weitere Erstaufnahmen mit Internet versorgt werden könnten. Die „Freifunker“ fackelten nicht lange und machten sich sogleich an die Arbeit.

Als besonders anspruchsvolles Projekt, hinsichtlich der Abdeckung mit WLAN, stellte sich laut Torsten Prinzlin die Erstaufnahme in der Schnackenburgallee raus. Prinzlin, freiberuflicher Kaufmann, ist organisatorisch für den Standort verantwortlich und opferte zusammen mit ca. 10 anderen „Freifunkern“ vier Wochenenden zum Aufbau der Hardware und Konfiguration der Software. Die ehrenamtlich organisierten „Freifunker“ wurden von der Firma „Internet Port Hamburg“ unterstützt, die in ihrem Hamburger Rechenzentrum Server zur Verfügung stellte. Auch weitere Unternehmen halfen gerne: „ServTec“, eine Tochter von Hamburg Wasser, war behilflich mit der Verlegung der Glasfaserleitung. Die Hamburger Stadtreinigung, die gegenüber der Erstaufnahme ihren Sitz hat, erlaubte die Aufstellung der großen Richtantenne.

Seit einigen Monaten ist die Anlage nun installiert und erfreut die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung. Prinzlin ist international aufgewachsen: er lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr im Sudan, Tansania und in Kenia, da sein Vater im Export tätig war. Dort hat er schon früh miterlebt, unter welchen Umständen manche Menschen leben müssen. Vielleicht auch aus diesem Grund, so sagt er, liegt ihm viel an der Flüchtlingshilfe. Wenn er dann in die glücklichen Gesichter der Menschen sieht, die gerade via Internet mit ihren Verwandten und Freunden in weiter Entfernung sprechen, macht ihn das ebenfalls sehr glücklich. Dies zum Ansporn genommen, haben er und seine Mitstreiter vor wenigen Tagen das neue Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Rahlstedt ans Netz gebracht. Die restlichen Hamburger Erstaufnahmen, die bislang noch nicht über freies WLAN verfügen, werden bald folgen.