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Kunst Orientalisches Floralmuster: Geflüchtete malen „Eslimi“

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Als Nesrin Ahmadi* (22) in der ehemaligen Erstaufnahme „Neuland II“ vor ihrem Kunstwerk steht, richtet sie für das Foto nochmal schnell ihre langen Haare, die sie in ihrer Heimat Iran immer mit einem Schleier verbergen musste. „Wir sind aus unserer Heimat geflüchtet, da der Staat uns vorschreiben wollte, wie wir Frauen uns anziehen müssen und wie wir uns zu verhalten haben“, sagt sie in fast perfektem Englisch. Auf der Flucht wurde sie von ihrer Mutter begleitet, der Vater konnte aus Krankheitsgründen nicht mitkommen und blieb bei seiner Mutter, die er zudem versorgen und pflegen muss.

Orientalisches Floralmuster: Geflüchtete malen „Eslimi“ in Harburger Erstaufnahme

27.03.2017 - In Deutschland angekommen lebten Mutter und Tochter acht Monate in der vom DRK Harburg geleiteten Erstaufnahme, einer ehemaligen Großmarkthalle im Bezirk Harburg, die bereits vor zwei Monaten geschlossen wurde. Bald nach ihrem Einzug kam Nesrin Ahmadi zusammen mit ihrer Freundin Saba Beheshti (29) auf die Idee, den dort lebenden Kindern etwas Abwechslung zu bieten und gemeinsam mit ihnen zu zeichnen und malen. Ahmadi, die aus der iranischen Hauptstadt Teheran stammt und dort bis zu ihrer Flucht Kunstmalerei studiert hat, überzeugte mit ihrer freundlichen und offenen Art schnell die Einrichtungsleitung von ihrer Idee, die wiederum die benötigen Farben und Pinsel zur Verfügung stellte. Von nun an trafen sich die beiden wöchentlich mit bis zu vierzig Kindern, um in erster Linie Spaß zu haben und Ablenkung zu bieten. Nach einiger Zeit wurde die junge Frau von einer Bewohnerin gefragt, ob sie nicht eines dieser „Eslimi“, die in ihrer Heimat sehr bekannt sind, zu malen. Das so in Persien bezeichnete vierersymmetrische Floralmuster ist in Europa eher als Arabesken-Dessin bekannt und ähnelt den „Mandala‘s“ aus dem Buddhismus bzw. Hinduismus. Es ist wohl das orientalischste aller Muster und zeigt häufig rankenartige, meist symmetrisch angeordnete Details mit rotierenden Zweigen.

Auch hier zeigte sich das DRK offen und stellte Wände in den Räumlichkeiten der Gemeinschaftsverpflegung zur Verfügung, um damit auch gleich die etwas triste Kantine zu verschönern und anderen Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit zu geben, das Kunstwerk zu betrachten.

Bald darauf malten die Freundinnen ein „Eslimi“ mit einem Durchmesser von mehr als zwei Metern auf die Wand, dazu mehrere kleinere Muster. Viele Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zeigten sich begeistert von der filigranen Arbeit und wünschten sich noch mehr dieser Malereien. Doch kurz danach wurde die Erstaufnahme geschlossen und Ahmadi zog mit ihrer Mutter in eine andere Einrichtung im Stadtteil Neugraben und Freundin Behesthi auf die gegenüberliegende Straßenseite in die Erstaufnahme „Neuland I“.

„Ich hoffe sehr, dass ich mit meiner Mutter hier in Deutschland bleiben darf“, wünscht sich Nesrin Ahmadi, deren Aufenthaltsstatus noch nicht endgültig geklärt ist. „Ich fühle mich hier frei und willkommen, die Deutschen sind außerdem stets hilfsbereit. Wenn ich die Chance bekomme, würde ich gerne weiter Kunst studieren oder etwas mit Fotografie machen“, ergänzt sie zum Abschied.

*Name auf eigenen Wunsch geändert.

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Danke für Ihr Interesse!