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  • Lebens- oder Wirkungszeit:  20Jh.

Margarethe Hoefer

(geb.: 17.4.1896 in Hamburg - gest.: 28.2.1983 in Hamburg)
Lehrerin an der Schule Schottmüllerstraße. Mitglied der Bästlein-Jacob-Abshagen-Widerstandsgruppe
Ohlsdorfer Friedhof: Grab-Nr.: Bo 73, 8 (Geschwister-Scholl-Stiftung)
Eppendorfer Landstraße 74 (Wohnadressse)
Borsteler Chaussee 301 (Wohnadresse)
Schottmüllerstraße : Schule (Wirkungsstätte)
Gretel - wie sie genannt wurde - lebte mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern im 4. Stock der Eppendorfer Landstraße 74.
Ihr Vater Hermann Hoefer (geb. 1868), ein Volksschullehrer, war 1892 vom Hamburger Senat für seine Verdienste im Kampf gegen die Choleraepidemie geehrt worden. Von 1928 bis 1931 war er Mitglied (KPD) der Hamburgischen Bürgerschaft gewesen und vertrat dort in der Schulpolitik die Ideen der pädagogischen Reformbewegung.
Kurz nachdem die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten, wurde Hermann Hoefer ohne Pension entlassen. Seine Frau Nina schrieb daraufhin in einem Brief an die Landesunterrichtsbehörde: "Ich habe wirklich geglaubt, als mein Mann vor ungefähr 2 Jahren ein Dokument vom Hamburger Staat erhielt, eine Anerkennung für 41jährige treue Pflichterfüllung, daß wir jetzt ganz geborgen seien. Die Entziehung des Ruhegehalts bedeutet für uns beiden Alten eine Zeit der Not und des Elends." (Dietrich Rothenberg: Margarethe Hoefer. "Du stehst nicht allein." In: Hans-Peter De Lorent: Schule unterm Hakenkreuz.)
Die Tochter, Margarethe Hoefer, konnte ihre Eltern finanziell nicht unterstützen. Ihr, deren Vorbild stets der Vater gewesen und die deshalb Lehrerin und Mitglied der KPD geworden war, erlitt ein ähnliches Schicksal wie ihr Vater. Sie wurde am 19.4.1933 von den Nazis ohne Pensionsansprüche aus dem Schuldienst entlassen. Bis dahin hatte sie 12 Jahre als Lehrerin an der Schule Schottmüllerstraße gearbeitet.
Der ebenfalls seines Amtes enthobene Direktor der Volkshochschule, Dr. Kurt Adam, bot Margarethe Hoefer eine Tätigkeit in seinem Kaffeehandel an. Nun vertrieb Margarethe Hoefer Kaffee und nutzte diese Arbeit, um Flugblätter und anderes illegales politisches Material an Freunde weiterzuleiten.
Im Dezember 1933 wurde Margarethe Hoefer wegen Hochverrats verhaftet und in "Schutzhaft" genommen, aus der sie erst im Februar 1934 wieder entlassen wurde. Margarethe Hoefer leistete trotz alledem weiterhin illegale politische Arbeit, traf sich z.B. 1934 mit der englischen Lehrerin Eleonore Midgley, die sie 1931 in Berlin während eines Kongresses der IOL, einer Interessensgruppe oppositioneller Lehrerinnen und Lehrer, kennen gelernt hatte. Am 21.9.1935 wurde Margarethe Hoefer zum zweiten Mal in "Schutzhaft" genommen und kam, nachdem sie einen Monat im KZ Fuhlsbüttel gesessen hatte, ins Zuchthaus Lübeck-Lauerhof. Auch ihr Bruder Hermann, ein Jugendfürsorger, war in der Zwischenzeit aus politischen Gründen verhaftet worden.
In einem Brief vom 30.12.1935 aus dem Zuchthaus schrieb sie über ihr politisches Handeln: "Wenn ich in diesen Monaten nachdachte über mich und mein Leben, so habe ich nichts getan, als mich eingesetzt für Menschen, die arm sind, die es nötig hatten, daß ihnen jemand half, das sollte heute bestraft werden? Nein, das ist unmöglich, darum hab ich ein ganz ruhiges Gewissen und dann geht es mir gut." 1 Am 27.9.1937 wurde sie aus dem Zuchthaus entlassen - und ihr illegaler Kampf ging weiter.
Nach dem Ausbruch des Krieges schloss sie sich mit ihrem Vater der Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen an, der größten und wichtigsten kommunistischen Widerstandsvereinigung. Bernhard Bästlein und Franz Jacob waren ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete gewesen, zu ihnen kam noch Robert Abshagen. Die Organisation, die aus kleineren Zusammenschlüssen von Kommunistinnen und Kommunisten (75% der Mitglieder) und Nazigegnerinnen und -gegnern bestand, umfasste ca. 300 Personen, die vor 1933 fast alle gewerkschaftlich organisiert gewesen waren und hauptsächlich aus der Arbeiterschicht kamen. Die Mitglieder der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe verteilte unter ihren Arbeitskollegen und -kolleginnen Flugblätter, in denen über die wahren Kriegsereignisse aufklärt wurde. Auch versuchten die Widerständler durch Sabotageaktionen, die Rüstungsindustrie zu schwächen und nahmen Kontakt zu ausländischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern und Kriegsgefangenen auf, um ihnen ihre Solidarität zu bekunden und eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitssituation zu erreichen, aber auch um mit ihnen gemeinsame Sabotageaktionen in Rüstungs- und Großbetrieben durchzuführen. 1942 wurden 110 Mitglieder der damals ca. 210 Personen umfassenden Widerstandsgruppe von der Gestapo festgenommen. Die Widerstandsgruppe arbeitete dennoch weiter. Zwischen 1943 bis 1945 stießen weitere Gegner und Gegnerinnen des Nazi-Regimes zu der Gruppe, so dass sich ca. 300 Menschen in dieser Widerstandsgruppe zusammengeschlossen hatten.
1943 versteckte die Familie Hoefer zwei NS-Verfolgte in ihrem Holzhäuschen am Rande des Sachsenwaldes in Dassendorf. Am 7.6.1944 wurden Vater und Tochter Hoefer durch einen V-Mann verraten und verhaftet, die versteckt gehaltenen NS-Verfolgten wurden jedoch nicht entdeckt. Margarethe Hoefer kam nach Cottbus und dann zur Verhandlung vor den Volksgerichtshof nach Potsdam. Sie wurde gefoltert, um den Aufenthaltsort der von ihr Versteckten preiszugeben. Margarethe Hoefer hielt durch. Welche seelischen Qualen, neben den physischen sie ertragen musste, machen die Zeilen vom 11.1.1945 an ihren Bruder Hermann deutlich: " (...) nach allem, was man hier hört, besteht die Möglichkeit, daß gegen mich die höchste Strafe beantragt wird. Furchtbar und unausdenkbar". (ebenda.) Margarethe Hoefer wurde zu sieben Jahren, ihr Vater zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Beide kamen in verschiedene Lager. Am 23.4.1945 wurden sie befreit. Margarethe Hoefer machte sich sofort auf die Suche nach ihrem Vater - und fand ihn todkrank. Unter mühseligen Bedingungen transportierte sie ihn nach Hamburg. Margarethe Hoefer Vaters starb wenige Monate später am 13.12.1945.
Am 30.4.1949 wurde Margarethe Hoefer vom Hamburger Senat erneut verbeamtet und kehrte als Haushaltslehrerin an die Schule Schottmüllerstraße zurück. Politisch engagierte sie sich gegen die Wiederaufrüstung und beteiligte sich an den Ostermärschen. Sie wohnte zuletzt an der Borsteler Chaussee 301 im Stadtteil Groß Borstel.
Text: Dr. Rita Bake
 

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