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Jenny Lind

(6.10.1820 Stockholm – 2.11.1887 Winds Point/Malvern Wells)
Sopranistin
Dammtorstraße, Stadttheater (Wirkungsstätte)
Jenny Lind, Bild: von John Carl Frederick Polycarpus Von Schneidau (Daguerreotype in America by Beaumont Newhall. New York: Dover, 1976, p. 59, and in America of the Fifties: Letters of Fredrika Bremer. New York: American-Scandinavian Foundation, 1924, p. 210) or Luther Boswell (The Chrysler Museum acquired a daguerreotype of Jenny Lind along with a note from Mrs. Luther Boswell that described Lind coming to Brady's studio where operator Luther Boswell made the exposure.) (gemeinfrei), via Wikimedia Commons
„Schwedische Nachtigall“ nannte man die Sängerin, die beim Publikum ungeheure Beifallsstürme entfachte, als sie am 29.3.1845 zum ersten Mal in Hamburg als Norma auftrat. Zwölf Auftritte gab sie in jenem Frühjahr, sechzehn im folgenden Jahr. Trotz erhöhter Eintrittspreise war der Andrang dermaßen groß, dass die Polizei die Menschenmassen im Zaume halten musste.
Nach ihrem letzten Gastspiel bestimmten Fackelzüge, Feuerwerke auf der Alster und Blumenteppiche das Bild der Stadt, Huldigungen, wie sie einst nur Fürstinnen dargebracht worden waren. Es erschienen sieben bis sechzehn Seiten starke Extrablätter. Ihr Portament ist „Glasharmonika-Klang“, hieß es in einer zeitgenössischen Kritik, „ihre Läufe sind Perlen, in ihrem mezza voce liegt ein Reiz wie im Ton der Aeolsharfe. Und während das Ohr entzückt wird, sieht das Auge nur Poesievolles vor sich.“ [1] Jenny Lind dankte den Hamburgerinnen und Hamburgern, indem sie der Stadt die Handschrift von Beethovens Heiligenstädter Testament stiftete.
Bei ihren Aufenthalten in Hamburg logierte sie öfter bei dem Ehepaar Carl Theodor und Mathilde Arnemann. Er „war dänischer Konsul für Schweden und Norwegen und hatte darum die angenehme Pflicht, sich um die junge Dame kümmern zu dürfen.“ [2] Zwischen Jenny Lind und Mathilde Arnemann entwickelte sich eine enge Frauenfreundschaft. Mathilde Arnemann begleitete Jenny Lind vielfach auf deren Reisen und zu Auftritten.
Das Theater des Direktors Allers auf St. Pauli machte sich den Ruhm von Jenny Lind zunutze. Er zeigte Gastspiele der „Hamburger Nachtigall“ Jenny Bind an. Der Andrang war enorm, besonders an dem Abend, als Jenny Bind, hinter der sich vermutlich die Sängerin Carolin Marie Auguste Pick verbarg, den Ertrag der Vorstellung, in der sie Partien aus Opernpartien sang, den Armen der Stadt überließ. Ähnlich reagierte das Actien-Theater am Spielbudenplatz, das heutige St. Pauli Theater, als 1852 die berühmte Henriette Sontag gegen Ende ihrer Karriere in Hamburg sang. Es kündigte Gastspiele einer Henriette Montag an.
Dass Jenny Lind solch große Karriere machen würde, war zunächst nicht vorauszusehen. Nachdem sie schon als Kind aufgetreten war, waren im zwölften Lebensjahr ihre hohen Töne plötzlich weggeblieben und die Stimme klanglos geworden, so dass sie fortan nur noch Soubrettenrollen sang. Nach vier Jahren jedoch kehrte bei einem Konzert, in dem sie ein Solo aus Meyerbeers „Robert der Teufel“ sang, ihre Stimme plötzlich zurück. 1841 ging Jenny Lind für ein Jahr zur Ausbildung bei Garcias nach Paris. Nach ihrem Debüt als Norma 1844 in Berlin sang sie auf allen bedeutenden Bühnen Europas, zog sich aber bald vom Opernbetrieb zurück, weil sie ihn als unsittlich empfand. Am Bußtag 1849 wirkte sie im Hamburger Stadttheater als Gabriel und Eva in Haydns „Schöpfung“ mit, nachdem sie zwei Wochen vorher ein Konzert im Apollo-Saal gegeben hatte. „(...) eine Stunde, in welcher unser unsterbliches Wesen in den geöffneten Himmel schaut, ist ein Reichthum, den die arme Erde mit allen ihren Schätzen nicht aufwägen kann. Jeder Tag, an welchem Jenny Lind diese heiligende Musik vorträgt, wird zum Festtage werden und den Bühnenraum in einen Tempel des Herrn verwandeln, in welchem andachtsvolle Herzen der Verkündigung Seiner Ehre und Seines Preises lauschen. Und zu diesem Gesange die liebliche Erscheinung, ihr Gewand die Farbe der Unschuld, ihr ganzer Schmuck nur eine weiße Rose, ihr Blick Andacht – so schien sie ein Seraph, höheren Räumen entstiegen“, [1] hieß es in einer zeitgenössischen Kritik. 1851 ging Jenny Lind in die USA und heiratete ein Jahr später den Hamburger Pianisten Otto Goldschmidt (1829-1907), Sohn der Frauenrechtlerin Johanna Goldschmidt, der Jenny Lind als Pianist bei Auftritten öfter musikalisch begleitet hatte. Sylvia Steckmest schreibt, dass Mathilde Arnemann die Bekanntschaft zwischen Jenny Lind und Otto Goldschmidt eingefädelt hatte: „Nach Felix Mendelssohns Tod [in den Jenny Lind verliebt gewesen war. Später hatte sie auch ein Auge auf Chopin geworfen] schickte Mathilde den jungen Hamburger Pianisten Otto Goldschmidt zu Jenny nach London, die dort einen Vertrag angenommen hatte. (…) Zwar war
Goldschmidt ein sehr guter Pianist, aber 1848 noch nicht groß bekannt. Er hatte Mathilde gebeten sich für ihn einzusetzen, eine Beziehung für ‚anzuspannen‘. Mathilde hat dies offenbar getan, denn in ihrem Tagebuch notierte sie laut Olga Eyssenhardt ‚Goldschmidt nach London zu Lind gesandt‘.“ [3]
Jenny Lind war auch mit Clara Schumann befreundet gewesen. Als Jenny Lind, die mit ihrem Ehemann Otto Goldschmidt drei Kinder bekam, in den 1850er Jahren erneut mehrfach in Hamburg sang, war die Begeisterung verhaltener. Die Stimme habe an Höhe verloren, urteilte ein Kritiker. In ihrem Heimatland Schweden gründete die Sängerin eine Erziehungsanstalt für junge Mädchen.
Siehe zur Biografie von Jenny lind unter: https://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Jenny_Lind.html
Text: Brita Reimers, ergänzt von Rita Bake
Quellen:
1 Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg vom 14. Jahrhundert bis auf die Gegenwart. Joseph Sittard. Altona und Leipzig 1890.
2 Sylvia Steckmest: Jenny Lind und Mathilde Arnemann. Zum 200. Geburtstag der „Schwedischen Nachtigall“, in: Thiedenkieker. Hamburgische Geschichtsblätter N.F., Nr. 11, 2020, S. 59.
3 Sylvia Steckmest, a. a. O., S. 69.
 

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April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Juli 2020: Hannelore-Maria Santl

August 2020: Elisabeth von Dücker, Astrid Kirchherr

September 2020: Hilde Marchwitza, Rena Vahlefeld

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2543 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

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Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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