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Elsa Bernstein

( Elsa Bernstein (Pseudonym: Ernst Rosmer) )
(28.10.1866 Wien – 12.7.1949 Hamburg)
Librettistin und ein überlebendes Opfer des Nationalsozialismus
Gustav-Leo-Straße 4 (Wohnadresse)
Foto aus: Elsa Bernstein: das Leben als Drama. Erinnerungen an Theresienstadt. Hrsg. von Rita Bake und Birgit Kiupel. Hamburg 1999.
Elsa Bernstein war die Librettistin der Oper „Königskinder“ von Engelbert Humperdinck (1854– 1921). Diese Oper wurde auch im Hamburger „Stadt-Theater“ aufgeführt, so zur Einstimmung auf die Weihnachtszeit am 9. Dezember 1932. Heute taucht die Oper kaum noch auf den Spielplänen auf.
Elsa Bernsteins damals neun- oder zehnjährige Enkelin Barbara Siegmann saß auch in dieser Vorstellung und erinnerte sich später: „Die Königskinder – das war für mich ein etwas unverständliches Märchen. Ich habe es mir nicht mit meiner Mutter in der Oper angesehen, sondern mit einer netten Bekannten, die ihr einen Gefallen tun wollte. Was meine Großmutter mit dem Stück aussagen wollte, ist mir damals nicht klar geworden."
Barbara Siegmanns Mutter war die berühmte Geigerin und Professorin an der Hamburger Musikhochschule Eva Hauptmann (1894–1986), und dieser Nachname verweist auf eine kaum mehr bekannte verwandtschaftliche Bindung – und auf eine Dramatikerin, deren Schaffen mittlerweile vergessen ist.
Elsa Bernstein war mit Gerhart Hauptmann (1862– 1946) zunächst gut bekannt und dann verwandt. In den 1890er Jahren wurden ihre und seine Stücke von der „Freien Bühne“ in Berlin aufgeführt. Elsa Bernstein publizierte unter dem Pseudonym Ernst Rosmer, als Reverenz an Henrik Ibsen (1828–1906) und sein Stück „Rosmersholm“ um den Pfarrer Johannes Rosmer, der „alle Menschen im Lande zu Adelsmenschen“ machen wollte. In ihren Stücken, mit Titeln wie „Dämmerung“, „Wir Drei“, „Maria Arndt“, griff Elsa Bernstein heikle Themen auf, zu denen Ehekrisen, Dreiecksverhältnisse und Sexualität zählten. Dies sorgte für heftige Diskussionen, denn ihr Werk wurde auch immer im Hinblick auf die Frage beurteilt: Darf eine „Frauenseele“ das? Einschränkungen, mit denen sich Gerhart Hauptmann nicht zu plagen brauchte, und so war auch er es, für den die „Freie Bühne“ zum Karrieresprungbrett wurde. Die Verbindungen zwischen den Familien blieben freundschaftlich, 1919 heiratete dann sein Sohn Klaus aus der ersten Ehe mit Marie Thienemann die Geigerin Eva Bernstein, Tochter von Elsa und Max Bernstein (1854–1925).
Am 28.10.1866 war Elsa in Wien geboren worden, als Tochter des aus Prag stammenden Paares Heinrich Porges (1837–1900), Dirigent, Musikschriftsteller und Wagner-Mitarbeiter, und Wilhelmine Merores (1842–1915). 1867 waren sie nach München gezogen, wo Heinrich Porges als Kapellmeister und Direktor der königlichen Musikschule wirkte. Später hatte sich das Ehepaar jüdischer Herkunft und Tochter Elsa protestantisch taufen lassen. Tochter Elsa hatte in München eine Schauspielausbildung absolviert, nach einigen Abstechern nach Magdeburg und Braunschweig hatte sie diesen Beruf jedoch wegen eines Augenleidens aufgeben müssen.
Ab den 1890er Jahren lebte Elsa Bernstein mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt und späteren Justizrat Max Bernstein, in der Münchener Briennerstraße 8 a. Er verteidigte Sozialisten, bekämpfte das Sozialistengesetz, engagierte sich für die Demokratie, den Rechtsstaat und soziale Gerechtigkeit und gegen den „Völkerwahnsinn genannt Krieg“. In den letzten Lebensjahren war er Sozialdemokrat, aber kein Parteimitglied.
Das Ehepaar Bernstein veranstaltete einen „kultivierten, intellektuellen Salon“, wie sich Katia Mann (1883–1980) erinnert, die dort ihre Bekanntschaft mit Thomas Mann (1875–1955) festigte. Außerdem trafen sich hier Prominente wie Rainer Maria Rilke (1875–1926), Ricarda Huch (1864–1947), Ludwig Ganghofer (1855–1920), Franz von Stuck (1863– 1928) etc. Das Haus wurde 1959 abgerissen, nach der Umnummerierung der Straße befindet sich dort die Nr. 11 – eine Gedenktafel fehlt bis heute.
Märchenhaft waren die Entstehungsbedingungen der „Königskinder“ nur bedingt. Heinrich Porges hatte seinem Freund Engelbert Humperdinck, mit dem er 1882 bei der Uraufführung von Richard Wagners "Parsifal" zusammen gearbeitet hatte, das neueste Märchendrama von Elsa zum Lesen gegeben, mit der Frage, ob er dazu nicht Musik komponieren wolle. Humperdinck, der gerade zu einer Opernaufführung von „Hänsel und Gretel“ unterwegs war, las das Buch in der Bahn und war sehr angetan. Als Melodram mit gesprochenen Texten wurden die „Königskinder“ 1897 im Münchner Hoftheater mit Erfolg uraufgeführt, es folgten darauf Aufführungen an rund 130 Bühnen. Als durchkomponierte Oper gingen die „Königskinder“ am 28.12. 1910 in der Metropolitan Opera in New York über die Bühne und wurden gefeiert als „die Krone des nachwagnerianischen Opern­schaffens“. [1]
Das Operntextbuch „Königskinder“ war ein großer buchhändlerischer Erfolg. Doch mit Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten geriet die betagte und erblindete Dichterin Elsa Bernstein in den Fokus der Verfolger. Ihr Pseudonym Ernst Rosmer schützte das Büchlein, 1941 war das 191000ste Exemplar erschienen, bis 1943 sind noch Opernaufführungen nachweisbar.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Elsa Bernstein zusammen mit ihrer Schwester Gabriele Porges (1868–1942 KZ Theresienstadt) aus der Wohnung in der Briennerstraße vertrieben. Sie kamen in kleineren Wohnungen unter und wurden schließlich 1942 in das KZ Dachau verschleppt, und von da aus in die Prominentenhäuser im KZ Theresienstadt. Gerhart Hauptmann, in dessen Arbeitszimmer eine Adolf-Hitler-Büste stand, wie etliche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten, sah sich nicht veranlasst, sich für sie einzusetzen.
Über diese Jahre des Schreckens hat die Zeit ihres Lebens augenleidende Elsa Bernstein Erinnerungen verfasst – auf einer Blindenschreibmaschine in Hamburg, wo sie nach ihrer Befreiung aus dem KZ von ihrer Tochter Eva Hauptmann aufgenommen wurde. Elsa Bernstein verstarb am 12.7.1949 im Alter von 83 Jahren. Durch einen Zufall konnte das in Matrizen vervielfältigte Manuskript von der „Landeszentrale für politische Bildung“ Hamburg 1999 erstmals publiziert werden. Maria Holst, eine in Hamburg lebende Freundin von Barbara Siegmann, der Enkelin Elsa Bernsteins, gab damals den Tipp an Rita Bake. Zusammen mit Birgit Kiupel gab diese dann 1999 das Manuskript als Buch heraus, unter dem Titel: „Elsa Bernstein: Das Leben als Drama. Erinnerungen an Theresienstadt“. [2] Zur Buchpräsentation lud damals die „Landeszentrale für politische Bildung“ ins Café Liebermann in der „Hamburgischen Staatsoper“ ein.
Text: Birgit Kiupel
Zitate/Lieratur:
1 Das Märchendrama „Königskinder“ von Ernst Rosmer (Elsa Bernstein) erschien erstmals 1894 im Verlag Samuel Fischer. Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Märchenoper siehe: Eva Humperdinck (Hrsg.): Königskinder, Briefe und Dokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Märchenoper. Koblenz 1993.
2 Rita Bake, Birgit Kiupel (Hrsg.): Elsa Bernstein. Das Leben als Drama. Erinnerungen an Theresienstadt. Dortmund 1999.
 

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2545 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 441, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

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stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

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