Namens-/Sachregister

Frauenbios

Elisabeth Lange

( Elisabeth Lange, geb. Höppner )
(7.7.1900 Detmold - 28.1.1944 KZ Fuhlsbüttel)
Gegnerin des Nationalsozialismus
Hoppenstedtstraße 76 (Wohnadresse) Stolperstein
Jungfernstieg 50 (Treffpunkt des oppositionellen Kreises)
Namensgeberin: Elisabeth-Lange-Weg, Langenbek seit 1988
Elisabeth Lange, Quelle: Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Anton und Luise Höppner, die Eltern Elisabeth Langes, stammten aus Thüringen und Berlin. Nach ihrer Heirat im Jahre 1890 waren sie nach Detmold gezogen. Dort eröffneten sie zunächst eine Wollmanufaktur. Ihre Kinder verbrachten einen Teil ihrer ersten Lebensjahre in einer Kinderbewahranstalt, die von Nonnen geführt wurde. 1921 heiratete Elisabeth Höppner den Obersteuersekretär Friedrich Wilhelm Obenhaus. Ihr gemeinsamer Sohn Karl-Friedrich wurde am 1. November 1921 in Geestemünde geboren.
Zehn Jahre später heirate seine Mutter noch einmal. Ihr zweiter Mann, Alexander Lange, geb. am 8. Juli 1903 in Eisenach, war von Beruf Handelsvertreter im Dienste der Firma Maggi. Ihr neuer Lebensabschnitt war verbunden mit einem Umzug nach Harburg a. d. Elbe, wo sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Hoppenstedtstraße 76 eine modern eingerichtete 3½-Zimmerwohnung in einer Neubausiedlung bezog. Elisabeth Lange wird von früheren Freunden und Bekannten als eine attraktive, freundliche Frau mit gepflegtem Aussehen beschrieben, die viele Nachbarschaftskontakte pflegte und immer Rat wusste, wenn Not am Mann war. Menschen, die sie kannten, haben sie als eine liebevolle und hilfsbereite Frau in Erinnerung, die am politischen Tagesgeschäft nicht sonderlich interessiert war, aber in menschlichen Grundsatzfragen durchaus klar Stellung bezog. Unbeeindruckt von der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten hielt sie zu ihrer jüdischen Freundin Katharina Leipelt. Die beiden Frauen hatten sich über ihre Kinder kennen gelernt, die zeitweilig gemeinsam eine Klasse der Harburger Oberschule für Jungen am Alten Postweg in Heimfeld (ehemals: Stresemann-Realgymnasium, heute: Friedrich-Ebert-Gymnasium) besuchten. Diese Freundschaft der beiden Mütter hatte für Elisabeth Lange tragische Folgen.
Als Hans Leipelt im April 1943 seine Familie zu Ostern besuchte, gelangte auch das 6. Flugblatt der `Weißen Rose´ nach Hamburg, das hier bei Freunden und Verwandten lebhafte Diskussionen auslöste. Viele beteiligten sich an der Geldsammlung für die Familie Professor Kurt Hubers, der mit den Geschwistern Scholl zusammengearbeitet und ebenfalls sein Leben auf dem Schafott verloren hatte.

Nachdem Hans Leipelt verhaftet worden war, wurden bald darauf auch viele seiner Hamburger und Münchener Freunde festgenommen. Elisabeth Lange wurde am 10. Dezember 1943, drei Tage nach der Festnahme ihrer Freundin Katharina Leipelt, verhaftet. Ob sie das 6. Flugblatt der `Weißen Rose´ überhaupt kannte und ob sie sich an der Geldsammlung für Professor Hubers Familie in irgendeiner Form beteiligt hat, ist ungeklärt. Ihr wurde wie vielen anderen „Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und das Abhören und Verbreiten“ von Nachrichten ausländischer Rundfunksender vorgeworfen. Nach Auffassung des Generalstaatsanwalts reichte der „zersetzender Einfluss“ der Verhafteten weit über ihren engeren Kreis hinaus.
Die polizeilichen Voruntersuchungen gegen die in diesem Zusammenhang Verhafteten lagen in den Händen der Gestapo- und SS-Männer Hans Reinhardt und Paul Stawitzki, die beide wegen ihres Zynismus´ und ihrer Brutalität gefürchtet waren und als erfahrene Spezialisten im Umgang mit politischen Gegnern des NS-Regimes galten. Auch Willi Tessmann, der Kommandant des Polizeigefängnisses Fuhlsbüttel, schaltete sich aktiv in die Ermittlungen ein. Er beteiligte sich persönlich an zahlreichen Verhören und vielen Misshandlungen.
Nach ihrer Festnahme wurde Elisabeth Lange in das Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel überführt und dort in eine enge Einzelzelle in der Station B2 eingewiesen, in der sich außer einem Holzhocker nur noch das tagsüber hochgeklappte Metallbettgestell befand. Häufig wurden die Frauen tief in der Nacht, wie eine Überlebende später berichtete, aus dem Schlaf gerissen, geschlagen und gefoltert, um weitere Aussagen zu erpressen. Viele wurden in den ersten Wochen Tag für Tag mit der `Grünen Minna´ zur Gestapo-Zentrale im Stadthaus gebracht und dort weiter gefoltert und verhört. Unter diesen Haftbedingungen verlor Elisabeth Lange bald auch ihre letzten Hoffnungen. In der Nacht vom 27. zum 28. Januar 1944 erhängte sie sich am Fensterkreuz ihrer Zelle - einen Monat, nachdem ihre Freundin Katharina Leipelt sich das Leben genommen hatte.
Unter den Privatsachen, die seine Mutter in der Zelle zurückgelassen hatte, entdeckte Fritz Obenhaus nachträglich einen Brief, den sie zwei Tage vor ihrem Selbstmord geschrieben hatte.

„26. 1. 44
Mein lieber Junge,
Ich will Dir das größte Opfer bringen, gedenke meiner in unveränderter Liebe. Dein Leben sei Sonnenschein. Vergiß mich nie! Meine Hände segnen Dich, mein Kind. Ich bin immer die alte unveränderte Mama für Dich. Ich bringe Dir nun das größte Opfer, still aus Deinem Leben zu verschwinden. Ich trage ja einen anderen Namen als Du, also ist es nicht so schwer für Dich. Gehe Deinen Weg so offen und gerade wie immer weiter. Nie war ich meinem Vaterlande untreu, der Schein ist gegen mich. Kämpfe und forsche gegen den Krebs. Mama
Du sollst die Qual Deiner Mama nicht sehen.“


Elisabeth Langes Leiche wurde anschließend verbrannt, und die Asche später ihrem Sohn in einer Urne übergeben. Sie wurde auf der Grabstätte seiner Großeltern Anton und Luise Höppner auf dem Landfriedhof an der Blomberger Straße in Detmold beigesetzt.
An ihr Schicksal erinnern heute die Gedenktafeln für die Harburger und Wilhelmsburger Opfer des Nationalsozialismus am Amtssitz des Harburger Bezirksamtsleiters und für die Detmolder Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft an der Gedenkstätte `Alte Synagoge´ in Detmold sowie die beiden Gedenktafeln für die Toten des Hamburger Zweiges der `Weißen Rose´ vor der einstigen Buchhandlung Anneliese Tuchel am Jungfernstieg 50, einem der damaligen Treffpunkte der oppositionellen Freundesgruppen, und am Weiße-Rose-Mahnmal in Hamburg-Volksdorf. Seit 1987 tragen zwei Straßen in HH-Harburg und in ihrer Geburtsstadt Detmold Elisabeth Langes Namen.
Text: Klaus Möller aus: www.stolpersteine-hamburg.de
Quellen: StaH 331-5 Polizeibehörde, unnatürliche Todesfälle, 3 Akte 1944,148; StaH 351-11 AfW, Abl. 2008/1, 070700; Ursel Hochmuth, candidates of humanity. Dokumentation zur Hamburger Weißen Rose anlässlich des 50. Geburtstages von Hans Leipelt, Hamburg 1971; Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer, Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933 – 1945, Frankfurt 1980, S. 387ff; Angela Bottin. Enge Zeit, Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität, Hamburg 1991; Martin Brunckhorst u. a., Elisabeth Lange und ihr Weg, Ein Beitrag zum Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte, Hamburg 1993; Franziska Bruder, Heike Kleffner, Die Erinnerung darf nicht sterben. Barbara Reimann – Eine Biografie aus acht Jahrzehnten Deutschland, Hamburg/Münster 2000, Micheline Prüter-Müller, Elisabeth Lange. Eine Frau aus Detmold im Umfeld der `Weißen Rose´ in: Nationalsozialismus in Detmold. Dokumentation eines stadtgeschichtlichen Projekts, Stadt Detmold (Hrsg.), Bielefeld 1998, S. 849ff; Rita Bake, Wer steckt dahinter, Hamburg 2003;
 

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