Namens-/Sachregister

Frauenbios

Bertha Blankenstein

(geb. 8.11.1876 in Dortmund, am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, am 20.5.1942 in Chelmno ermordet)
Lehrerin
Schwester: Edith Blankenstein
Thielo 28, Volksschule für Knaben (Wirkungsstätte)
Holstenwall, Volksschule für Mädchen (Wirkungsstätte)
Abendrothsweg 23 (Wohnadresse) Stolperstein
1879 zog Bertha Blankenstein mit ihrem Bruder Curt und den Eltern, dem Kaufmann Hermann (Herz) Blankenstein und seiner Frau Emma Eleonore, geborene Levinger, von Dortmund nach Hamburg. Sie lebten zunächst in St. Georg am Steindamm, wo drei weitere Geschwister geboren wurden: 1879 Georg, 1883 Edith und 1888 Gertrud Blankenstein. Einige Jahre später übersiedelte die Familie in das damals noch preußische Altona. Dort, in der St. Johanniskirche in Altona, ließen die Eltern 1892 alle fünf Kinder taufen. Sie achteten sehr darauf, dass die Kinder eine gute Ausbildung bekamen.

Curt und Georg absolvierten nach dem Besuch des Christianeums eine kaufmännische Lehre; Bertha und Edith ließen sich zu Lehrerinnen ausbilden; Bertha im Lehrerinnenseminar in Hamburg, Edith in Altona. Wie viele ihrer Kolleginnen arbeiteten beide Schwestern zunächst an Privatschulen, bevor sie in den öffentlichen Schuldienst übernommen wurden. Eine solche Festanstellung bedeutete einen sicheren, besser dotierten Arbeitsplatz mit Pensionsanspruch. Seit 1913 teilten sich die Schwestern eine Wohnung im ersten Stock des Abendrothswegs 23. Beide blieben unverheiratet, was damals eine Voraussetzung für die Ausübung des Lehrerinnenberufs war. Sie engagierten sich in der „Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens“, Vorläufer der späteren Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Bertha Blankenstein wurde mit 43 Jahren im April 1920 in den städtischen Schuldienst übernommen.

Zunächst war sie an der Augustaschule, einer höheren Mädchenschule am Harvestehuder Weg tätig, dann an der Volksschule für Knaben und Mädchen in der Ludwigstraße und seit 1926 an der Volksschule in der Laeisz­straße. Ab 1929 unterrichtete Bertha an der Volksschule für Mädchen am Holstenwall und von 1930 bis 1933 an der Volksschule für Knaben Tieloh Nord in Barmbek. Als überzeugte evangelische Christin unterrichtete sie während der ganzen Zeit auch Evangelische Religion.

Edith wurde gleich nach ihrer Ausbildung im November 1903 als Lehrerin tätig. Ab 1920 war sie als städtische Lehrerin an der Schule Schleidenstraße angestellt, an der sie bis zu ihrer Entlassung unterrichtete.

Seit dem 7. April 1933 wurden „nichtarische“ Beamtinnen und Beamte aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entlassen. Auch die getauften Schwestern Bertha und Edith Blankenstein mussten, wie viele andere Lehrerinnen und Lehrer, den Schuldienst wegen ihrer jüdischen Herkunft verlassen. Deswegen konnten sie ihre Wohnung im Abendrothsweg nicht länger halten. Edith zog in die Fuhlsbüttlerstraße, Bertha zu Schwester und Schwager in die Sierichstraße.

Nach ihrer Entlassung arbeitete Bertha Blankenstein ehrenamtlich beim Kindergottesdienst in der Gemeinde Borgfelde mit, wo ihr Schwager als Organist tätig war. Aber auch dort war sie antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt: Im November 1935 bekam Bischof Franz Tügel ein Schreiben der NSDAP, in dem ihm nahegelegt wurde, die „Entfernung der Jüdin anzuordnen, da rassenbewussten deutschen Eltern nicht zugemutet werden kann, ihre Kinder zum Kindergottesdienst zu schicken, bei dem eine Jüdin irgendwie mitwirkend tätig ist“. Dies war nicht die erste Denunziation. Schon ein Jahr zuvor wollte das Kirchenvorstandsmitglied Paul Söhl sowohl Bertha Blankenstein als auch Pastor Junge, dessen politische Ansichten seiner Meinung nach untragbar waren, aus der Gemeinde entfernen. Aber der Kirchenvorstand hielt trotz mehrfacher Mahnung der NSDAP-Kreisleitung zu Bertha Blankenstein. Auch Bischof Tügel widersetzte sich, obwohl er Parteimitglied war. In seinem Antwortschreiben an die NSDAP erwiderte er: „Die Deutsche Evangelische Kirche hat noch kein Ariergesetz.“ Wie lange Bertha Blankenstein noch in der Gemeinde tätig war, wissen wir nicht.

Seit 1939 gehörten Bertha und Edith wie alle als Jüdinnen und Juden eingestuften Menschen in Hamburg dem „Jüdischen Religionsverband“ an, der nur noch als Verein zugelassenen ehemaligen Gemeinde, die jetzt eine Zweigstelle der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland war. Sie mussten in die Böttcherstraße 5, in ein „Judenhaus“ umziehen. Im Oktober 1941 bekamen beide einen „Evakuierungsbefehl“ und wurden mit dem ersten Transport in das Getto Lodz deportiert. Dort angekommen, wurden sie mit weiteren fünf Personen in ein Zimmer der Wohnung Nr. 18 in der Zimmerstraße 6 eingewiesen. Nach sieben Monaten im Getto unter den elendsten Bedingungen wurden beide Schwestern am 20. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet.

Ihr Bruder Curt war 1939 in Hamburg gestorben, Georg Blankenstein wurde nach Theresienstadt deportiert und starb dort im April 1943. Für ihn liegt ein Stolperstein vor dem Haus Sierichstraße 70.
Text: Maria Koser
Quellen:
1; 4; 8; StaH 522-1 Jüd. Gemeinden, 992e1, Band 1; Hamburger Lehrerverzeichnis, Jahrgänge 1918–1934 hrsg. von der Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens; Archiv der Nordelbischen Kirche 32.01 Nr. 2637; Amtliche Fernsprechbücher Hamburg 1912–1914,1920– 1939; AB 1933; Eggert, Björn: Georg Blankenstein in: Sparr, Stolpersteine, 2008, S. 64ff.; Groschek, Ge­mein­dechronik, 2000, S. 50ff.; Hochmuth/de Lorent (Hrsg.), Schule unterm Hakenkreuz, 1985; Kleinau, Bil­dung und Geschlecht, 1997; Bake, (Bearb.) Wie wird es weitergehen, 2001; Franz Tügel (1888–1946) war ab 1916 Pastor an der St. Nikolaikirche in Hamburg. 1931 Eintritt in die NSDAP, engagiert bei den Deut­schen Christen, wurde er 1933 deren Vertrauensmann. 1933 Oberkirchenrat. Nach dem Rücktritt Simon Schöffels als Landesbischof 1934 wurde er in dieses Amt gewählt, das er bis 1945 innehatte.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen unter www.stolpersteine-hamburg.de.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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