Namens-/Sachregister

Frauenbios

Lucille Eichengreen

( Lucille Eichengreen, geb. Landau )
(1.2.1925 Hamburg – 7.2.2020 Oakland, Kalifornien)
Verfolgte des NS-Regimes
Hohe Weide 25 (Wohnadresse)
Lucille Eichengreen wurde als Cecilie Landau am 01.02.1925 in Hamburg geboren. [1] Sie war die ältere von zwei Töchtern von Sala (Sara), geborene Baumwollspinner, und dem aus Polen stammenden Weingroßhändler Benjamin Landau. Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlief ihre Kindheit unbeschwert in einem gutbürgerlichen Hamburger Haushalt. Nach dem 30.01.1933 litt die jüdische Familie unter den antisemitischen Restriktionen und Aktionen des NS-Staates. Lucille Eichengreen konnte vor ihrer Deportation im Jahre 1941 noch die Realschule in der Israelitischen Töchterschule ( Karolinenstraße 35) abschließen. Die Familie wohnte zuletzt in der Hohen Weide 25 (Eimsbüttel) und wurde daraus in so genannte Judenhäuser in Hamburg vertrieben.
Benjamin Landau wurde im Rahmen der von SS-Führer Heinrich Himmler angeordneten so genannten Polenaktion Ende Oktober 1938 verhaftet und zusammen mit mindestens 17.000 in Deutschland eingewanderten polnischen Juden ausgewiesen. Die gewaltsame Abschiebung nach Polen erfolgte völlig überraschend.
Benjamin Landau konnte zwar zurückkehren, um die Auswanderung der Familie aus Deutschland zu organisieren, wurde aber am 01.09.1939, dem Tag des deutschen Überfalls auf Polen, als so genannter feindlicher Ausländer verhaftet, im Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert und schließlich am 31.12.1940 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Die Familie erhielt im Februar 1941 von der Gestapo Benjamin Landaus vermeintliche Asche aus Dachau in einer mit Gummiband verschlossenen Zigarrenkiste.
Die 16-jährige Lucille Eichengreen wurde am 25.10.1941 zusammen mit ihrer Mutter und Schwester Karin mit ca. 1.000 weiteren jüdischen Menschen in das Ghetto Łódź deportiert. Lucille Eichengreen schilderte die Ermordung ihrer Familie: „Meine Mutter ist verhungert, sie starb am 13. Juli 1942. Meine Schwester Karin und ich haben mit unseren eigenen Händen ein Grab ausgehoben und sie begraben. … [Meine Schwester] wurde im Zuge der sogenannten Aussiedlung nach Chelmo gebracht und dort umgebracht. Das habe ich aber erst nach dem Krieg erfahren. Nach den Gesetzen der Ghetto-Verwaltung waren zwölfjährige Kinder eigentlich nicht alt genug für die Aussiedlung. Aber dann ging den Deutschen die ganze Prozedur zu langsam, sie kamen ins Ghetto und haben sich einfach die Menschen genommen, die sie wollten. … [Meine Schwester] stand auf dem Lastwagen und schaute mich mit ihren großen Augen an, bis der Lastwagen verschwand. Ich war doch der letzte Mensch, den sie hatte.“ [2] Lucille Eichengreen wurde 1943 bei einem Verhör durch die deutsche Kriminalpolizei auf dem linken Ohr taub geschlagen
Für Lucille Eichengreens weiteres Schicksal und Überleben war ihre Arbeit in der Statistischen Abteilung der Łódźer Ghettoverwaltung wichtig. „1943 arbeitete ich in der Statistischen Abteilung des Gettos unter der Leitung von Dr. Oskar Singer. Diese Arbeit bedeutete für mich mehr als nur das lebensnotwendige Brot. Es bedeutete zugleich Glück, denn ich arbeitete mit anderen Gettoinsassen in einem Büro, wurde von dem Leiter der Abteilung und von den Kollegen gut behandelt und erhielt mehr und mehr Einblick und Wissen über Vorgänge im Lodzer Getto.“ [3] Sie wirkte Jahrzehnte später daran mit, dass die Łódźer Ghetto-Chronik, zu deren Hauptautoren der Journalist und Schriftsteller Oskar Singer gehörte, im Jahr 2007 von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Universität Gießen und dem Staatsarchiv Łódź publiziert werden konnte. Sascha Feuchert, einer der wissenschaftlichen Herausgeber der Chronik, würdigt Lucille Eichengreens überragende Bedeutung beim Verständnis der Texte: „Sie [die jüdischen Chronisten] wollten, dass man die Chronik würde lesen können wie eine Zeitung, die jeden Tag für sich dokumentierte und nie über den Kenntnisstand hinausging, den die Chronik-Autoren an eben jenem Tag, an dem sie schrieben, hatte. Nicht zuletzt durch Lucilles Erzählungen und Einschätzungen wurde uns die Ungeheuerlichkeit dieses Unternehmens deutlich, aus dem die wohl längste zusammenhängende Quelle des Holocaust hervorging.“ [4]
Im Jahr 2000 verfasste Lucille Eichengreen einen autobiographischen Bericht über die Tätigkeit von Chaim Rumkowski, dem Judenältesten vom Ghetto Łódź. Schon das dem Buch vorangestellte Motto des mittelalterlichen jüdischen Gelehrten Maimonides zeigt, wie rigoros Lucille Eichengreen die allerdings gewaltsam erzwungene Kollaboration mit den Deutschen verurteilte: „Und wenn die Götzendiener Dir sagen: „Gib uns einen aus Deinem Volke, so daß wir ihn töten können, wenn Du Dich aber weigerst, dann werden wir Euch alle töten“, dann sollen alle zum Sterben bereit sein, aber keine einzige jüdische Seele soll freiwillig den Götzendienern ausgeliefert werden.“ [5] Sie schilderte u. a. Rumkowskis sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Auch sie selbst war davon betroffen.
Rumkowskis Rolle in der Ghettoverwaltung als Befehlsempfänger der deutschen Behörden, ist wie generell die jüdischen Ghetto-Verwaltungen höchst umstritten. Er versuchte das Ghetto wirtschaftlich für die Deutschen unentbehrlich zu machen, um eine drohende Deportation zu verhindern. Aber auch die Philosophin Hannah Arendt war der Meinung, dass ohne die Mitwirkung der Judenräte die Vernichtung nicht so effizient hätte durchgeführt werden können. Lucille Eichengreen lässt in ihrem Urteil keinerlei Ambivalenz zu: „Ob Rumkowski direkt in die Gaskammer gegangen war oder ob man ihn ermordet hatte, [Rumkowski wurde im letzten Transport aus dem Ghetto nach Auschwitz gebracht und höchstwahrscheinlich umgehend ermordet] ich empfand weder Mitleid noch Mitgefühl für ihn. Als Werkzeug hatte er die Politik der Deutschen ausgeführt und verfeinert; er hatte für die Deportationen von Schwachen und Alten, von Waisen und anderen Kindern gesorgt, und es tut mir nicht leid, daß er umgekommen war.“ [6] Der Journalist und Publizist Bernd C. Hesslein allerdings relativiert diese Aussage in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe des Rumkowski-Buches: „Die Opfer bleiben Opfer, auch wenn sie wie Lucile Eichengreen sagt, Werkzeuge der Täter waren.“ [7]
Im Sommer 1944 wurde das Ghetto Łódź aufgelöst und Lucille Eichengreen in das Konzentrationslager Auschwitz- Birkenau gebracht. Anfangs war es ihr nicht klar, dass sie sich in einem Vernichtungslager befand: „Nein, am Anfang wussten wir nichts. Die Wörter Gaskammer und Krematorium existierten nicht. … Nach einigen Tagen haben wir dann erfahren, dass man Menschen umbringt, sie vergast und verbrennt. Wir konnten es schließlich auch riechen, wir konnten den Rauch sehen.“ [8]
Nach wenigen Wochen Aufenthalt in Auschwitz kam Lucille Eichengreen in ihre Heimatstadt Hamburg zurück: „Eines Tages wurden wir nach Hamburg in das Arbeitslager Dessauer Ufer gebracht, ein Außenlager des KZs Neuengamme. Und da haben wir in einem leeren Speicher auf dem Boden gelegen und sind jeden Morgen zur Arbeit marschiert, mit SS-Wache: Deutsche Werft, Blohm & Voss. … Die Arbeit [Trümmerräumung] war schwer, denn es war Winter, es hat geschneit und geregnet. Wir hatten nur zerlumpte Kleidung und so etwas Ähnliches wie einen Mantel. Der hatte einen gelben Streifen, von oben bis unten. Wir hatten kahl geschorene Köpfe, es war furchtbar kalt. Und jede von uns bekam Lungenentzündung, Tuberkulose, und wir haben einfach gearbeitet, mit blutigen Händen.“ [9]
Am Elbufer in Hamburg-Oevelgönne ist 1995 an der Fassade des Lawaetz-Hauses ein Wandbild zur Erinnerung „Für die Frauen vom Dessauer Ufer“ angebracht worden. Es zeigt eine Portraitfotographie der 20-jährigen Lucille Eichengreen aus dem Oktober 1945 in Bergen-Belsen und zitiert eine Strophe ihres Gedichtes „Haare“:
HAARE
Ein Raum voller Haare,
Berge von Haaren, blonde, braune und schwarze,
Lockige, wellige, und glatte,
Kalte, kahle Schädel ¬¬–
Wer hat je davon gehört, von Frauen ohne Haare?
Ihre glänzenden Strähnen ließen sie zurück.
Was werden sie machen mit diesen Bergen von Haaren?
Schließlich kam Lucille Eichengreen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen und wurde dort von der britischen Armee befreit: „Richtig gefreut haben wir uns vielleicht eine Minute lang. Aber dann kam schon das Bewusstsein: Wo ist die Familie? Wo sind alle anderen Familien? Meine Freundin hat ihren Vater und ihre Mutter verloren, ich meine Eltern, meine Schwester, Tante, Onkel, alles. Dann hat man nur noch gefragt: „Wann bekommen wir Wasser und etwas zu essen?“ [10]
Nach der Befreiung arbeitete Lucille Eichengreen einige Monate als Übersetzerin für die britische Militärregierung und konnte helfen, 40 SS-Täter aus dem KZ Neuengamme zu identifizieren und in einer vorgerichtlichen Untersuchung gegen sie auszusagen. Nach anonymen Morddrohungen wegen ihrer Aussagen gegen die SS-Täter ermöglichte die britische Militärverwaltung ihre Fahrt nach Paris, um in der dortigen amerikanischen Botschaft ein Visum beantragen zu können. So emigrierte sie schließlich in die USA und heiratete dort am 07.11.1946 den ebenfalls aus Hamburg stammenden jüdischen Emigranten Dan Eichengreen (1913–2000). Sie hatte beim Verlassen Deutschlands nur den einen Gedanken: „Nie wieder zurück.“ [11] Daran hat sie sich über 40 Jahre lang gehalten.
Sie lebte in Kalifornien und bekam zwei Söhne, mit denen sie in deren ersten 18 Lebensjahren nie über ihre Leidensgeschichte redete. Sie dachte mit Wut an Deutschland: „Ich war sehr böse auf die Vergangenheit.“ [12] Sie hasste das euphemistische Wort „Wiedergutmachung“: „Das ist weder wieder, noch macht es etwas gut.“ [13] Nach der Wut kam die Gleichgültigkeit. Noch als 79-Jährige bekannte sie. „Ich habe mit diesem Kapitel abgeschlossen.“ [14]
Aber das stimmte nicht. Ab Ende 1991 kehrte sie immer wieder zu Besuchen nach Deutschland zurück. Wie viele andere Überlebende des Holocaust begann auch Lucille Eichengreen erst in hohem Alter über ihren Leidensweg zu sprechen. In der Traueranzeige zahlreicher Freundinnen und Freunde vor allem aus dem Umfeld der NS-Gedenkstätten und entsprechender Kultur- und Bildungseinrichtungen heißt es: „Mit ihren Büchern und Lesungen, in Schulen und Hochschulen, in Interviews und Ansprachen bekundete Lucille Eichengreen ihre Zeitzeugenschaft. In ehrlicher, selbstbewusster wie streitbarer Weise erinnerte sie immer wieder an die geschichtliche Verantwortung der Deutschen.“ [15] Sie wollte erzählen, „wie schlimm die 12 Jahre waren. Und dass so etwas nie wieder passieren darf.“ [16] Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stellte fest: „Immer wieder überraschte die Genauigkeit, mit der sie viele Details erinnerte. Man spürte, wie häufig ihr die schmerzvollen Bilder in den Gedanken und wohl auch in den Träumen immer wieder begegnet sein müssen.“ [17] Und sie bekannte sich auch öffentlich zu ihrer „Unversöhntheit“. [18]
Der erste Besuch in Hamburg war enttäuschend für sie: „Die neue Synagoge stand in einer völlig anderen Umgebung, in der Straße Hohe Weide, umgeben von einem hohen Metallgitterzaun. Es gab eine Klingel und eine Gegensprechanlage am Eingang, so dass es ohne vorhergehende Ankündigung unmöglich war hineinzugelangen. Nach wiederholtem Klingeln, Klopfen und Rütteln an der Eingangspforte kam jemand heraus und war schließlich bereit, uns hereinzulassen, jedoch nicht ohne vorher unsere Ausweise überprüft zu haben. … Es war schockierend und traurig, erfahren zu müssen, dass die Juden von Hamburg allem Anschein nach selbst heute noch Angst vor antisemitischen Zwischenfällen hatten – und nicht nur vor arabischem Terrorismus, sondern vor jungen deutschen Menschen! Sie fürchteten immer noch, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wurden immer noch als Außenseiter angesehen und waren immer noch verschmäht . . . Ich war doppelt enttäuscht. Erstens, weil einige Deutsche, junge und alte, immer noch an ihrer alten antisemitischen Hässlichkeit festhielten. Zweitens, die Juden hatten sich den deutschen Gegebenheiten angepasst. … Anstelle von Reue trafen wir auf Schweigen. Anstelle von Erinnerung und aufrichtiger Achtung oberflächliche Gesten. Anstelle von Toleranz fanden wir verhüllte Missachtung." [19]
Bis zuletzt war Lucille Eichengreen skeptisch, ob Deutschland nach 1945 nicht nur anders, sondern auch wirklich besser war als vorher. Sie war keine „einfache“ Zeitzeugin, sondern mutete ihren Zuhörerinnen und Zuhörern einiges zu. So etwa antwortete sie auf eine Frage eines Schülers nach ihrer Motivation sinngemäß: „Ich möchte, dass Sie durch mich etwas erfahren, was Sie zu Hause nicht hören. Ich hoffe, dass Sie etwas von meiner Geschichte erinnern und dass Sie sich so etwas nicht gefallen lassen. Ich hoffe zwar, dass Sie mehr Zivilcourage haben als Ihre Großeltern, aber überzeugt bin ich nicht. Das müssen Sie erst beweisen.“ [20]
Neben ihrer Lebensgeschichte „Von Asche zum Leben“ (1992) und dem autobiographischen Bericht über die Rolle des Judenältesten des Ghetto Łódź, Chaim Rumkowski war ihr wichtig, die NS-Verfolgung aus Frauensicht zu schildern. „Frauen und Holocaust. Erlebnisse, Erinnerungen und Erzähltes“ (2004) schrieb sie, „weil [für Frauen] das Erlebnis anders war … und die ersten 30 Jahre fast nur Männer darüber geschrieben haben.“ [21]
2007 erhielt Lucille Eichengreen von der Gießener Justus-Liebig-Universität die Ehrendoktorwürde wegen ihrer Mitarbeit an der Łódźer Ghetto-Chronik. Die Stadt Hamburg zeichnete sie 2009 mit der Ehrendenkmünze in Gold aus.
Lucille Eichengreen starb am 07.02.2020 in Oakland, Kalifornien.
Text: Ingo Böhle
Quellen:
1 Alle biographischen Angaben folgen im Wesentlichen der Autobiographie: Lucille Eichengreen mit Harriet Chamberlain, Von Asche zum Leben. Erinnerungen. Hamburg 1992 und Lucille Eichengreen: Rumkowski, der Judenälteste von Lodz. Autobiographischer Bericht. Hamburg 2000.
2 Spiegel-Interview mit Lucille Eichengreen, 31.08.2006, www.spiegel.de/panorama/lucille-eichengreen-ich-kann-nicht-vergessen-und-nicht-vergeben-a-434138.html
3 Spiegel der Forschung Nr. 1/Juli 2008, Wissenschaftsmagazin der Justus-Liebig-Universität Gießen
Lucille Eichengreen: „Ich empfinde Freude und Dankbarkeit - aber auch Trauer und Schmerz.“ Rede einer Überlebenden des Holocaust zur Vorstellung der „Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt“. http://schattenblick.org/infopool/geist/history/ggfor112.html
4 Sascha Feuchert: „Eine Zeitung ohne Leser“ – Lucille Eichengreen, eine „Chroniquerin von Lodz/Litzmannstadt – Ein Erinnerungsbericht, in Ursula Wamser/Wilfried Weinke (Hg.): „Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben“ Festschrift für Lucille Eichengreen. Hamburg 2015, S. 70.
5 Lucille Eichengreen: Rumkowski, der Judenälteste von Lodz. Autobiographischer Bericht. Hamburg 2000, o. S.
6 Ebenda, S. 98.
7 Bernd C. Hesslein: Vorwort. In: Lucille Eichengreen: Rumkowski, der Judenälteste von Lodz. Autobiographischer Bericht. Hamburg 2000.
8 Spiegel der Forschung Nr. 1/Juli 2008, Wissenschaftsmagazin der Justus-Liebig-Universität Gießen
Lucille Eichengreen: „Ich empfinde Freude und Dankbarkeit - aber auch Trauer und Schmerz.“ Rede einer Überlebenden des Holocaust zur Vorstellung der „Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt“. http://schattenblick.org/infopool/geist/history/ggfor112.html
9 Ebenda.
10 Ebenda.
11 Zitiert nach Anne Schemann, taz, 06.03.2004: Wut und Gleichgültigkeit. https://taz.de/!779540/
12 Ebenda.
13 Ebenda.
14 Ebenda.
15 Hamburger Abendblatt, 15.02.2020, https://trauer.abendblatt-anzeigen.de/trauer.php?v=a1&anzeige=964498101
16 Zitiert nach Anne Schemann, taz, 06.03.2004: Wut und Gleichgültigkeit. https://taz.de/!779540/
17 Detlef Garbe: Kein Anspruch auf Versöhnung – oder: Warum es hilfreicher ist, das Gewissen zu schärfen, in Ursula Wamser/Wilfried Weinke (Hg.): „Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben“ Festschrift für Lucille Eichengreen. Hamburg 2015, S. 45
18 Ebenda, S. 47.
19 Lucille Eichengreen mit Harriet Chamberlain, Von Asche zum Leben. Erinnerungen. Hamburg 1992.
20 Christopher Behrens: „Ich möchte, dass Sie durch mich etwas erfahren, was Sie zu Hause nicht hören!“ Eindrücke von Zeitzeugenlesungen am Gymnasium Allermöhe, in Ursula Wamser/Wilfried Weinke (Hg.): „Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben“ Festschrift für Lucille Eichengreen. Hamburg 2015, S. 108.
21 Zitiert nach Anne Schemann, taz, 06.03.2004: Wut und Gleichgültigkeit. https://taz.de/!779540/
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

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