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Frauenbios

Yvonne Mewes

(22.02.1900 Karlsruhe - 6.1.1945 Frauenkonzentrationslager Ravensbrück)
Lehrerin, leistete, ohne einer Widerstandsgruppe anzugehören, Widerstand
Garten der Frauen, Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756 (Historischer Grabstein)
Meerweinstraße 1 (Wohnadresse) Stolperstein
Wilhelm-Metzger-Straße, Heilwig Gymnasium (früher: Isestraße, Heilwigschule) (Wirkungsstätte) Stolperstein
Curschmannstraße, Schule Curschmannstraße (Wirkungsstätte)
Namensgeberin für: Yvonne-Mewes-Weg
Yvonne Mewes, Foto aus: Friedhof Ohlsdorf. Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand. Herbert Diercks. Hamburg 1992.
Yvonne Mewes kam 1920 als 20jährige mit ihren Eltern (Zahnarztfamilie) nach Hamburg, studierte hier Germanistik, Romanistik und Anglistik und wurde 1927, im Alter von 27 Jahren, Studienassessorin an der damals noch privaten evangelischen Heilwigschule an der Isestraße. 1938 wurde sie auf eigenen Wunsch in den öffentlichen Schuldienst übernommen und wechselte an die Schule Curschmannstraße. Hier erlebte sie die Zwänge des NS-Schulalltags.
Yvonne Mewes war nie der NS-Partei beigetreten. „Solch eine Weigerung war eine Möglichkeit, die jedem Lehrer in Dritten Reich normalerweise offen stand. Aber anders als die meisten ihrer Kollegen war sie bereit, die zu erwartenden bekannten Folgen zu tragen, den Preis zu zahlen: Verzicht auf Verbeamtung und Beförderung, eventuelle Versetzung in eine unbeliebte Gegend. Oberschulrat Behne jedenfalls lehnte es ab, die widerspenstige Lehrerin zur Studienrätin zu ernennen" [1], schreibt Gerhard Hoch in seinem Aufsatz über Yvonne Mewes.
1942 kam die nun 42jährige der Aufforderung von Seiten der Schulbehörde, in der Kinderlandverschickung als Lehrerin zu arbeiten, nicht nach. Sie befürchtete, dass die Kinder dort durch die NSDAP und die Hitlerjugend stark beeinflusst würden und sie als Lehrerin über ihre Unterrichtsgestaltung nicht frei entscheiden könnte. Daraufhin folgten mehrere Versetzungen, so an die Schule Caspar-Voght-Straße und Rückkehr an die Heilwigschule. 1943 wurde Yvonne Mewes ausgebombt, zog deshalb zu ihrer Schwester nach Passau und unterrichtete dort. Die Hamburger Schulbehörde forderte sie mehrere Male vergeblich auf, zurückzukommen. Als sie schließlich doch nach Hamburg zurückkehrte, kam sie an die Walddörfer-Oberschule für Mädchen, wurde wenig später aber wieder an die Heilwigschule zurückversetzt. Einer erneuten Aufforderung zum Einsatz in der Kinderlandverschickung kam sie 1943 nach.
Seit sie in Passau gewesen war, bat sie vergeblich um ihre Entlassung aus dem Schuldienst. Am 15.7.1944 reichte sie die Kündigung ein. Sie schrieb dazu: „Ich habe alle Anstrengungen gemacht, auf rechtmäßige Weise aus meinem bisherigen Dienstverhältnis freizukommen. Es ist nicht geglückt, und ich habe den Eindruck, dass man von Seiten der Behörde darauf wartet, daß ich mich ins Unrecht setze. Wenn ich dies mit meiner Kündigung tue, so ist es meinerseits ein Schritt der Verzweiflung, denn ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, da versagen zu müssen, wo ich früher etwas leisten konnte(...)." Die Kündigung wurde mit der Begründung des Lehrerbedarfs abgewiesen. Gleichzeitig wandte sich die Schulbehörde an den Reichsstatthalter Karl Kaufmann mit der Bitte, ein Exempel zu statuieren - da es sich hier um eine Art von Arbeitsverweigerung handele. Eine Kündigung war keine strafbare Handlung - um aber Yvonne Mewes trotzdem bestrafen zu können, dachte sich die Schulbehörde einen raffinierten Plan aus: Sie sollte der Parteikreisleitung zur Fliegerschadens-Beseitigung zugewiesen werden - in der Hoffnung, sie würde die Arbeit verweigern und deshalb gerichtlich belangt werden können. Yvonne Mewes tappte nicht in die ihr gestellte Falle - sie nahm den Dienst in der Flickstube der NS-Frauenschaft an. Daraufhin übergab die Schulbehörde den Fall Mewes der Gestapo. Dabei stützte sie sich ausdrücklich auf eine Beurteilung des Schulleiters von Yvonne Mewes, Dr. Hans Lüthje, der sie 1943 in einem Brief an die Schulbehörde folgendermaßen charakterisiert hatte: „Ein bis zum Fanatismus wahrheitsliebender Mensch, der keine Bindung anerkennt und anerkennen will, sich rücksichtslos gegen alles stemmt, was nach Zwang aussieht, sich nach allen Kräften gegen die notwendigen Anforderungen der Gemeinschaft sträubt. Sie ist alles in allem der Prototyp eines Individualisten, in ihre Ideen verrannt, schwer, wenn überhaupt, belehrbar und anderen Gedanken kaum zugänglich" [1].
Die Gestapo brachte Yvonne Mewes in die Gestapo-Haftanstalt Fuhlsbüttel. Dort war sie starken Schikanen ausgesetzt. Längere Zeit musste sie in Dunkelhaft sitzen, bekam keine Nahrung.
Weder die Haftrichter noch die Staatsanwaltschaft stellten jedoch ein strafbares Verhalten fest. Die Schulbehörde gab sich damit aber nicht zufrieden. Sie bestand auf einer strengen Verwarnung und Belehrung. Wenn dies nicht geschähe, müsse Yvonne Mewes in den Händen der Gestapo bleiben. Doch allmählich bekamen die verantwortlichen Beamten der Schulbehörde Skrupel - aber da war es schon zu spät. Die Gestapo brachte Yvonne Mewes einen Tag vor Weihnachten 1944 ins KZ-Ravensbrück. Dort starb sie am 6.1.1945 an Hungertyphus.
Gertrud Meyer und Ursel Hochmuth schreiben zu Yvonne Mewes: „Im Jahre 1950 standen die Denunzianten wegen ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Freiheitsberaubung im Amt und fahrlässiger Tötung’ vor Gericht. Der Prozess endete mit Freispruch" 2). Und in der Fußnote heißt es weiter: „Am 7. 8. 1950 wurde vor dem Hamburger Schwurgericht gegen den 50jährigen Professor Dr. Ernst Schrewe von der Hamburger Schulverwaltung und den 40jährigen Landgerichtsdirektor Hasso von Wedel ein Prozess wegen Denunziation Hamburger Lehrer eröffnet. Sie waren u. a. beschuldigt worden, die Studienassessorin Yvonne Mewes und den Gewerbeoberlehrer Gustav Holler der Gestapo denunziert zu haben. Karl Kaufmann, früherer Reichsstatthalter der NSDAP von Hamburg, trat als Entlastungszeuge für die Angeklagten auf. Wie sich ergab, war Kaufmann es, welcher im März 1945 die Anweisung gegeben hatte, alle Disziplinarakten der Hamburger Landesunterrichtsbehörde zu vernichten. Infolge der fehlenden Beweisunterlagen konnten die Angeklagten das Gericht überzeugen, die Tote habe sich ‚nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus Trotz` aufgelehnt - Grund für den Freispruch der Angeklagten, welcher nach längerem Prozess am 29. 8. 1950 erfolgte" [2].
Gegen das Urteil im Fall Hasso von Wedel legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob den Freispruch Ende 1952 auf. Im Juni 1953 befasste sich erneut das Hamburger Schwurgericht mit dem Fall. Hasso von Wedel wurde in der zweiten Instanz zu acht Monaten Gefängnis wegen Freiheitsberaubung im Amte mit Todesfolge verurteilt. Die Strafe war allerdings „gemäß § 2 des Straffreiheitsgesetzes vom 31. Dezember 1949 unter der Bedingung der Bewährung erlassen“ worden.
Bei Ernst Schrewe wurde der Revisionsantrag gegen das freisprechende Urteil zurückgezogen. Dienststrafrechtlich befasste sich 1951 das Landesverwaltungsgericht mit Schrewe wegen des „Falls“ Mewes und verurteilte Schrewe zu einer Gehaltskürzung um ein Fünftel der jeweiligen Dienstbezüge auf die Dauer von fünf Jahren. Dagegen legte die oberste Dienstbehörde Berufung ein. Der Dienststrafhof Hamburg bei dem Oberverwaltungsgericht entschied daraufhin zu einer Strafe der Gehaltskürzung um ein Fünftel der Dienstbezüge auf die Dauer von drei Jahren.
1985 wurde im Stadtteil Alsterdorf der Yvonne-Mewes-Weg nach ihr benannt.
Text: Rita Bake
Zitate/Literatur :
1 Gerhard Hoch: Yvonne Mewes. „ Warten, daß ich mich ins Unrecht setze...“. In: Ursel Hochmuth, Hans-Peter De Lorent (Hrsg.): Schule unterm Hakenkreuz, Hamburg 1985.
2 Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933-1934. Frankfurt a. M. 1969.
Rita Bake: Wer steckt dahinter? Nach Frauen benannte Straßen, Plätze und Brücken in Hamburg. 3 Aufl. Hamburg 2003.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Februar2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2020: 1129 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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