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Frauenbios

Elsa Brändström

(26.3.1888 St. Petersburg – 4.3.1948 Cambridge/Mass. USA)
Schwedische Wohltäterin deutscher Kriegsgefangener, „der Engel von Sibirien“, Erfinderin der „Care-Pakete“.
Kösterbergstraße 62 (Elsa-Brändström-Haus)
Namensgeberin für: Elsa-Brändström-Straße (Von 1936 bis 1965: Elsa-Brandström-Straße`)
Während des Ersten Weltkrieges half die schwedische Diplomatentochter Elsa Brändström unter Gefahren den Kriegsgefangenen in Russland/Sibirien mit Decken, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Nach dem Krieg war sie den heimkehrenden Kriegsgefangenen beim Neuanfang behilflich. So errichtete sie 1922 in Marienborn in Sachsen ein Sanatorium und bei Dresden ein Kinderheim. Von ihrer Reise 1923 nach Amerika brachte sie Spenden in nicht unerheblicher Höhe mit.
Verheiratet war Elsa Brändström seit 1929 mit dem Ministerialrat Professor Robert Ulrich. Sie zog zu ihm nach Dresden und bekam 1932 eine Tochter. Robert Ulrich, christlicher Sozialist und als Hochschullehrer an der TU Dresden beschäftigt, bekam schon bald nach dem Machtantritt der NSDAP mit dem Regime Schwierigkeiten. Die wohltätige Arbeit seiner Frau hingegen wurde vom NS-Regime hoch gelobt und es wollte die Popularität Elsa Brändströms für sein Winterhilfswerk nutzen. Doch als Elsa Brändström die Anfrage Hitlers, ob sie für sein Winterhilfswerk Propaganda machen wolle, telegraphisch mit einem entschiedenen und knappen „Nein“ beantwortete, musste auch sie mit Repressalien rechnen. Als das Telegramm von Hitler kam, lebte das Ehepaar Brändström-Ulrich in einer Villa der Hamburger Bankiersfamilie Warburg (siehe: Warburgstraße) an der Elbe. Elsa Brändström war mit den Warburgs befreundet, besonders mit Anna Warburg – Eric Warburgs Tante. Diese, gebürtige Schwedin und Mitbegründerin des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes in Hamburg, kannte Elsa Brändström seit Jugendzeiten und war ihr in den 1920-er Jahren, wenn Elsa Brändström Erziehungsprobleme in ihrem Kinderheim hatte, mit Rat behilflich gewesen.
Als die Warburgs 1938 Deutschland verlassen mussten, weil sie als Juden in größter Gefahr waren, emigrierten sie nach Schweden, England und den USA. Max und Eric Warburg nutzten von New York aus alle Möglichkeiten, um Verfolgten die Flucht aus Nazi-Deutschland zu ermöglichen. Eric Warburgs Schwestern Anita und Gisela bemühten sich um die Eingliederung der Flüchtlinge in Amerika. Durch dieses Engagement entstand eine intensive Zusammenarbeit mit Elsa Brändström.
Nach Elsa Bränströms „Nein“ zu Hitlers Ansinnen verließ das Ehepaar Deutschland und emigrierte nach Amerika. Auch dort führte Elsa Brändström ihre Hilfstätigkeit fort. Sie bemühte sich intensiv um Einreisegenehmigungen für politisch Verfolgte aus Deutschland.
Elsa Brändström erfand auch die „Care-Pakete“. Sie waren in den Hungerjahren der Nachkriegszeit ein Segen für tausende Hamburger Familien.
Am 4. März 1948 starb Elsa Brändstrom an einem Krebsleiden.
Die Benennung einer Straße nach Elsa Brändström hat eine lange Geschichte. Bereits 1932 und 1933 forderte die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener den Hamburger Senat auf, eine Straße nach Elsa Brändström zu benennen. Da nichts geschah, wurde am 14. April 1936 ein erneutes Schreiben an den Senat gerichtet. Diesmal antwortete das Hamburgische Staatsamt prompt. In seinem Schreiben vom 23. April 1936 sicherte das Staatsamt der Reichsvereinigung zu, bei passender Gelegenheit eine Straße nach Elsa Brändström zu benennen. Gleichzeitig richtete es ein Schreiben an die Behörde für Technik und Arbeit, aus dem deutlich wird, warum es dem Staatsamt nun so dringlich wurde, eine Straße nach Elsa Brändström zu benennen: 1937 sollte der Heldengedenktag gefeiert werden. Elsa Brändströms Verdienste wurden damit in den Dienst der Nationalsozialisten gestellt. Deshalb erfolgte auch bald eine Straßenbenennung nach Elsa Brändström. Allerdings hatten dies wohl nicht alle Behördenvertreter mitbekommen. Obwohl bereits eine Straße nach Elsa Brändström benannt worden war, sollte Anfang 1937 auf Vorschlag des Ingenieurswesens die Löwenstraße in Hamburg-Eppendorf, die 1879 auf Antrag des Grundeigentümers Samuel Ephraim so benannt worden war, in Elsa-Brandström-Weg umbenannt werden. Als Begründung heißt es: „Da die Straße nahe dem Eppendorfer Krankenhaus liegt, so erscheint die gewählte Bezeichnung hier geeignet.“ Die Baubehörde teilte daraufhin eine Woche später dem Staatsamt mit, dass es bereits eine Elsa-Brandström-Straße gäbe, und schlug für die Umbenennung der Löwenstraße den Namen Wiesingerstraße vor, nach dem früheren Oberarzt Dr. Wiesinger vom Allgemeinen Krankenhaus St. Georg. Die Löwenstraße wurde jedoch weder in Elsa Brändström – noch in Wiesingerstraße umbenannt. Es gibt sie glücklicherweise heute noch.
Seit 1949 gibt es an der Kösterbergstraße 62 das Elsa-Brändström-Haus. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die jüdische Bankiersfamilie Warburg dort zwei große Villen bewohnt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie als Lazarett genutzt. Als Eric Warburg als US-Soldat nach Hamburg kam, fand er die Häuser in einem baufälligen Zustand. Er ließ die Häuser wieder herrichten und Kinder dort unterbringen, die zuvor von den Alliierten aus den Konzentrationslagern befreit worden waren und deren Eltern und Verwandte gesucht wurden.
Drei Jahre später wohnten hier keine Kinder mehr, die Familie Warburg entschloss sich aber, die Häuser für soziale Arbeiten weiterhin zur Verfügung zu stellen. 1949, ein Jahr nach Elsa Brändströms Tod, wurde unter dem Vorsitz der Baronin Louise Sophie Freifrau von Knigge der Verein „Elsa-Brändström-Haus“ im deutschen Roten Kreuz gegründet. In den beiden Häusern, dem „Weißen Haus“ und dem „Roten Haus“ wurden im Laufe der Zeit verschiedene Aufgaben verfolgt. So gab es hier eine Zeitlang ein Müttergenesungsheim und der Bildungsverein an Müttern sowie Kurse zur Fortbildung sozialpädagogischer Kräfte. Auch junge Mädchen wurden hier untergebracht, die einen pflegerischen Beruf erlernen wollten, dazu aber noch nicht das geforderte Alter erreicht hatten und so die Zeit bis zu drei Jahren mit einer allgemeinen theoretischen und praktischen Einführung überbrückten. Auch wurde eine Tagungsstätte des Roten Kreuzes hier installiert und Jugendliche untergebracht und unterrichtet, die das freiwillige Soziale Jahr absolvierten. Auch heute ist das Elsa Brändström Haus eine internationale Bildungs- und Tagungsstätte und bietet u. a. das freiwillige soziale Jahr an.
Seit 1936 gibt es im Hamburger Stadtteil Jenfeld Elsa-Brandström-Straße. Seit 1965: Elsa-Brändström-Straße.
Text: Dr. Rita Bake
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: November 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2019: Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf,
Dora Wenneker-Iven

Februar 2019: Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens

März 2019: Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille

April 2019: Liselotte Strelow, Ruth Held

Mai 2019: Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke

Juni 2019: pro familia, Celly de Rheidt

Juli 2019: Rosa Bartl

September 2019: Mabel Wulff

Oktober 2019: Annelinde Töpel

November 2019: Betty Heine, geb. Goldschmidt

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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