Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Spinnhaus

Gefängnis
Ferdinandstraße/Ecke Alstertor (ehemals)
1669 wurde an der heutigen Ecke Alstertor/ Ferdinandstraße, wo auch damals schon dichte Bebauung herrschte, schräg gegenüber vom an der Alster gelegenen Zucht- und Werkhaus das Spinnhaus errichtet. Hinter dem Spinnhaus lag an der Alster der Holzhof, ein großes unbebautes Terrain, auf dem Holz gelagert wurde.
Das Spinnhaus war ein Gefängnis und bestand aus zwei rechteckigen Gebäuden, deren beidseitige Flügel einen Hof einschlossen. Im größeren Vorderhaus lag die Kirche, im hinteren Haus befanden sich, getrennt nach Geschlechtern, die Arbeits- und Schlafsäle der Gefangenen.
Ins Spinnhaus kamen in erster Linie Frauen, deren Lebensweise nicht den moralischen und sittlichen Vorstellungen der damaligen Zeit entsprachen. 1789 waren z. B. 31 Frauen und sieben Männer, letztere hatten Diebstahl begangen, inhaftiert. Prostitution, „liederlicher“ Lebenswandel, „übles“ Verhalten, „incorrigibler“ (nicht zu bessernder) Lebenswandel, uneheliche Schwangerschaft und Geburt eines unehelichen Kindes, all dies war für Frauen strafbar und wurde mit ein bis zwei Jahren Gefängnis bestraft. Während ihrer Strafzeit mussten die Frauen, gekleidet in grünem Fries, Wolle kratzen, spinnen und weben.
Ins Spinnhaus kamen sicherlich nicht schwangere ledige Bürgermädchen, dafür sorgten schon deren Familien. Sie konnten sich oft bösem Klatsch und strafrechtlicher Verfolgung durch einen verschwiegenen Aufenthalt auf dem Land entziehen, wo sie das Kind heimlich austrugen und weggaben. So waren es wohl in erster Linie ledige Schwangere der Unter- und Armutsschicht, die wegen der diversen für diese Gesellschaftsschicht verhängten Heiratsverbote oft noch nicht einmal die Möglichkeit erhielten, durch eine schnelle Eheschließung mit dem Kindsvater alles wieder ins Lot zu bringen.
Die harten Strafen, mit denen Unzucht belegt wurde, waren nicht unumstritten. Friedrich Wilhelm I. hatte bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erkannt, dass Unzuchtsstrafen nur der Abtreibung und dem Kindesmord Vorschub leisteten. Damit erschien ihm seine Politik des Bevölkerungswachstums gefährdet. Auch sein Nachfolger Friedrich der Große setzte sich für die Entkriminalisierung der Unzucht ein und plädierte für die Abschaffung der Bestrafung von außer- und vorehelichem Beischlaf und lediger Schwangerschaft. Trotzdem wurden die Strafen teilweise noch bis ins 19. Jahrhundert beibehalten. (Siehe auch „liederliche“ Frauen)
Text: Rita Bake
 

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