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Frauenbios

Sophie Albrecht

( Sophie Albrecht, geb. Baumer )
(Dezember 1756 Erfurt, genaues Geburtsdatum unbekannt, Taufdatum 6.12.1756 in Sömmerda, Thüringen [1] – 16.11.1840 Hamburg)
Schauspielerin, Schriftstellerin
Kleine Fischerstraße 69 (Wohnadresse)
Sophie Albrecht (Kupferstich von Christian Gottlieb Geyser nach Anton Graff), Bild: via Wikimedia Commons / gemeinfrei
Galt als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Zeit. Die Tochter des Medizinprofessors Paul Baumer und der Rebecca Johanne, geb. von Teuzel trat seit 1783 als Schauspielerin auf. Von 1785 bis 1795 – allerdings mit Unterbrechungen – spielte sie bei der Bondischen Gesellschaft in Leipzig, Dresden und Prag.
1772, im Alter von 15 Jahren, hatte sie den vier Jahre älteren Johann Friedrich Ernst Albrecht (1752-1814), einen Studenten ihres Vaters, geheiratet, den sie 1768 in ihrem Elternhaus kennengelernt hatte. Die Hochzeit erfolgte fünf Monate nachdem Friedrich Ernst Albrecht in Medizin promoviert hatte.
Das Paar bekam zwei Kinder. Die Tochter, die später als Erwachsene als Haushälterin tätig wurde,["] wurde neun Monate nach der Hochzeit geboren, der Sohn, der als Erwachsener als Buchdruckergeselle arbeitete, [3] ein weiteres Jahr später.
1795 zog Sophie Albrecht mit ihrem Ehemann nach Altona, wo ihr Mann das Altonaer Nationaltheater gründete. Wie auch Sophie war Johann Friedrich Ernst Albrecht ebenfalls literarisch tätig, schrieb Romane und Theaterstücke sowie medizinische Ratgeber.
Mit ihrem Nationaltheater verbreiteten die Eheleute die Ideen der Aufklärung.
Sophie Albrecht stieß nicht bei allen auf uneingeschränkte Bewunderung. Der Publizist/Journalist und Gegner Schillers, Garlieb Merkel schrieb 1801 sehr uncharmant, sogar gehässig: „In Altona lebt eine ehr bekannte Reimerin, die, wo ich nicht irre, Deutschland auch schon mir ein Paar Bänden voll Dingen, die sie Gedichte nennt, behelligte, und ein Publikum hat, das ihr glaubt. Sie war einst schön, spielte die Coquette mit ziemlichem Erfolge, und soll eine Menge junger Leute ausgesogen haben. Sie hat zwei Kinder, aber um nicht durch diese an ihr allmälig hochsteigendes Alter erinnert zu werden, hat sie sie nicht allein von sich entfernt, sondern behauptet selbst ihren genauesten Bekannten ins Gesicht, daß sie nie welche gehabt habe. Sie ließ sie in einer andern Gegend Deutschlands einem dürftigen Verwandten im Hause, ohne etwas zu ihrem Unterhalte herzugeben: als jener sie nicht mehr ernähren konnte, wurde der Sohn im achtzehnten Jahre Bedienter, und die Tochter, wie man bestimmt behauptet, im siebzehnten in ein schändliches Haus zu Leipzig abgeliefert, indeß die Mutter durch ihre und ihres Mannes Schwindeleien ein beträchtliches Vermögen besitzt, und mit zerschmelzender Empfindsamkeit, jedes geknickte Gänseblümchen beweint.
Ihr Mann, ein sehr bekannter Romanenschmierer, ist ihrer ganz würdig. Er ließ sich einest auf ihr Verlangen von ihr scheiden, damit sie einen ihrer Anbeter heirathen könnte. Als dieser der gefühlvollen Megäre überdrüssig war und sie verließ, zog jener wieder zu ihr, machte mit ihr gemeinschaftliche Schulden, und entlief mit ihr. In Altona übernahm er eine öffentliche Anstalt, und benutzte sie, neue Schulden zu machen, indeß seine Frau, denn dafür galt sie wieder, ein Paar Häuser und ein landgut ankaufte. Da der Bankerot ausbrach, bewies er, daß sie längst von ihm geschieden sey, und sie behielt den Raub, den sie nun gemeinschaftlich verzehrren.
Diese Verworfenen wissen ihre Niederträchtigkeiten so schlau anzufangen, daß sie nicht einmal die geringste Unbequemlichkeit der Folgen trifft.“ [4]
Stimmen diese Vorwürfe? Der Historiker Rüdiger Schütt schreibt in seinem Buch „Verehrt, verflucht, vergessen. Leben und Werk von Sophie Albrecht und Johann Friedrich Ernst Albrecht dazu: „Fest steht, dass das Paar seine Projekte zielstrebig, fast manisch, verfolgte, mit Mut zum Risiko und ohne Rücksicht auf Verluste (…). Denn so ambitioniert ihre Ideen waren, so wenig lukrativ entwickelten sie sich allzu oft. Während Sophie in ihren besten Zeiten am Theater, ab Mitte der 1780er Jahre, üppige Gagen verdiente (…), machte sich ihr Mann als Verleger und Verfasser von Schlüssel- und Schlüssellochromanen einen Namen und avancierte zum Erfolgsautor. Bis in die 1790er Jahre verliefen ihre Karrieren steil aufwärts, auch wenn sie ab 1790 privat getrennte Wege gingen, weil Sophie (…) eine Affäre mit dem um viele Jahre jüngeren Leutnat Friedrich Ferdinand von Hahn (1768-1799/1802?) angefangen hatte. (…).“ [5]
Wegen dieser Liebschaft hatte sich Sophie Albrecht 1798 von ihrem Mann scheiden lassen. Noch im selben Jahr soll sie ihren Leutnant geheiratet haben.
„Albrechts ökonomische Kalamitäten, die viele Jahre seines Lebens bestimmten, begannen damit, dass er 1792 einen Prager Verlag übernahm. (…) 1795 erschienen die letzten Titel im eigenen Verlag. Albrecht war gezwungen, Prag zu verlassen. Kurze Zeit lebte er in Leipzig, bevor er im April 1795 nach Hamburg wechselte – wohl wegen Überschuldung, die in Sachsen streng geahndet wurde.“ [6]
Aber es gab noch einen anderen Grund, wie Rüdiger Schütt schreibt: „Aufgrund ihrer engen Kontakte zu den beiden Jakobinern Jean-Baptiste Demengeon und Johann Friedrich Hilscher sowie dem französischen Geheimagenten Charles Marné in Leipzig waren die Albrechts ins Visier des sächsischen Kurfürsten geraten. Sie hatten die revolutionsbegeisterten Männer im Arrest besucht und verschlüsselte Botschaften von ihnen in die Freiheit geschmuggelt. Der außerordentliche Professor für Philosophie an der Universität Liepzig musste 1794, des Jakobinismus verdächtigt, fliehen. Dabei half ihm Sophie Albrecht, indem sie ihn in ihrer Kutsche aus Stadt brachte (…).“ [7]
In Hamburg weilten die Albrechts 1795 ein Jahr lang. Hier trat Sophie Albrecht am Theater am Gäsenmarkt auf. Im Frühjahr 1796 zog das Paar nach Altona. Herr Albrecht eröffnete dort am 1. September das von ihm gegründete und geleitete Altonaer Nationaltheater. Die Hauptattraktion war die Schauspielerin Sophie Albrecht. Neben aufklärerischen Stücken wurden auch Singspiele und Opern gezeigt. „Leider war diese Art des Musiktheaters besonders teuer (…), so dass sich Albrecht irgendwann gewzungen sah, diese Sparte ganz aufzugeben, mit fatalen Folgen. Die Zuschauer blieben aus, die Einnahmen brachen weg. Am 31.Mai 1800 legte Albrecht die Direktion des Theaters nieder. Er konnte seine Schauspieler nicht mehr bezahlen. (…) Davon war auch Sophie Albrecht betroffen. Doch anstatt sich einzuschränken, erwarb sie ein kostspieliges Grundstück an Altonas Prachtstraße, der heutigen Elbchaussee, und ließ sich dort ein Landhaus bauen.“ [8]
Albrecht versuchte zwar einige Zeit später wieder die Direktion des Nationaltheaters zu übernehmen, doch scheiterte er erneut und konnte die Gagen nicht zahlen. Er verließ Altona und zog „als Leiter einer Schauspieltruppe Richtung Norden nach Tönning und Flensburg. Seine enorme literarische Produktivität ebbte vorübergehend ab (…).
Und Sophie Albrecht? Nach dem Tod ihres Geliebten (um 1802) war sie wieder zu ihrem Exmann gezogen. Bis etwa 1808 arbeitete sie als Schauspielerin, zuuletzt nur noch sporadisch. Als die inzwischen über 50-Jährige keine Rollenangebote mehr bekam, versuchte sie als Deklamatorin zu reüssieren, für Hamburgs Geldadel. (…) 1806 musste sie Vermögenskonkurs anmelden, ihr Grundbesitz wurde vom Gericht der Stadt Altona verkauft.“ [9]
Johann Friedrich Ernst Albrecht praktizierte nun wieder als Arzt und gab medzinische Ratgeber heraus, die einen großen Absatz fanden, weil sie u. a. die sexuelle Neugier weckten. So hießen einige Titel: „Der weibliche Busen, dessen Schönheit und Erhaltung in seinen 4 Epochen, als Kind, Jungfrau, Gattin und Mutter physisch und moralisch dargstellt“ (1808) oder „Die Heimlichkeiten der Frauenzimmer. Ein Lesebuch für Mütter, Erzieherinnen und mannbare Mädchen“ (1809). [10]
18014 starb Albrecht an Typhus. Nach seinem Tod verarmte Sophie Albrecht. 1818 eröffnete sie zwar noch eine Näh- und Strickschule in Altona, konnte sie aber einige Jahre später nicht mehr betreiben, weil sie an einem Augenleiden litt. Durch die Bemühungen ihrer Feundin Henriette von Montenglaut erhielt sie zwar finanzielle Unterstützung von Freunden, doch als die freundin 1835 starb, floss auch dieses Geld nicht mehr. In ihren letzten Lebensjahren verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Wäscherin, Dienstbotin und mit Gelegenheitsgedichten. Sie starb im Armenhaus von St. Georg.

Zu Sophie Albrechts literarischem Werk:
Bereits als junge Frau hatte Sophie Albrecht auch zu dichten begonnen und veröffentlichte Lyrik (1781, 1785, 1795). Als Schriftstellerin war sie am Musenalmanach von Johann Heinrich Voß beteiligt. Sie kannte auch Friedrich Schiller, der sie schätzte. Berit C. R. Royer schreibt über Sophie Albrechts Liebeslyrik: Sophie Albrecht: „sabotiert in ihrer Liebeslyrik die patriarchalische Ordnung durch die unbeantwortete Frage nach dem gesellschaftlichen beziehungsweise ehelichen Status des (zumeist) fiktiven, männlichen Geliebten. Diese Haltung behält sie konsequent in allen ihren leidenschaftlichen Liebesgedichten bei und vermittelt somit ihrer sympathisierenden Leserschaft einen frühfeministischen Gehalt von revolte gegen die Einhaltung der Geschlechterrolle. (…) die Konsequenz, mit der Albrecht leidenschaftliche hetero- und auch homoerotische Liebeserfahrungen aus weiblicher Perspektive in Lyrik und Prosa kreiert hat, machte sie einmalig in dem Zeitraum.“ [11]
Wie Sophie Albrfechts Schriften rezensiert wurden, darüber sagt die Literaturwissenschaftlerin Berit C. R. Royer: „Kein Rezensent verlor auch nur ein Wort über Sophie Albrechts kritische Inhalte bezüglich Ehe, Beziehung, freundschaft, Liebe, Sexualität zu Männern und Frauen sowie des fehlens von Standesunterschieden in ihren Texten. Alles, was inzwischen von der feministischen und gender-orientierten Rezeption herausgearbeitet worden ist, war von der zeitgenössischen Rezeption entweder nicht erkannt oder wegen der enormen Sprengkraft in Bezug auf die diskriminierende gesellschaftliche Grundstruktur gegenüber Frauen absichtlich ignoriert worden. Vielmehr befassten sich zeitgenössische Rezensenten fast ausschließlich mit Aspekten der Sprache, zählten Silben, Reime und Versmaße, beurteilten unabhängig von Inhalten die Wortwahl und Wortschöpfung, um daraus entweder ein positives oder negatives Urteil ableiten zu können. Einige lobten oder verwarfen ihre Motivwahl in Hiblick auf etwaige patriotische oder persönliche Gedichte zwar aber ließen die leserschaft mit keiner Silbe wissen, in welchen gesellschaftlichen und politischen Kontexten der aufblühenden Demokratiebewegung, zu der auch die Formulierung moderner demokratischer Staatsbürger-Konzepte für Frauen gehörte, Sophie Albrechts Dichtung zu verorten wäre.“ [12]
Warum Sophie Albrechts Pupularität nicht anhielt, beschreibt Berit C. R. Royer wie folgt: „Ihr Stern begann zu sinken, als das politische Lager um die Demokratiebewegung in Deutschland an Einfluss verlor; als die Hoffnung auf die Errungenschaften für Frauen durch die Französische Revolution, etwa mit dem Code Civil von 1801, und letztendlich mit der napoleonischen Besatzung in Deutschland an Glaubwürdigkeit verlor. Ab diesem Zeitpunkt wurden Frauenrechte wieder massiv eingeschränkt und Ehefrauen unter die Jurisdiktion ihrer Ehemänner verbannt. ‚Unter Napoleons Einfluss wurde das patriarchalische Prinzip weiter gestärkt. Jede einzelne Rechtshandlung der Frau ist an die ‚Ermächtigung des Mannes gebunden.‘ Die Hoffnung auf Demokratie aber auch auf Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen war verloren gegangen und konnte zu diesem historischen Zeitpunkt nicht widerbelebt werden. Die Restaurationsbewegung wies politische Gegner nach 1814 in ihre Schranken, und als politisch aktive Frau, als freie Schriftstellerin und Teilhaberin an gleichberechtigten öffentlichen Diskursen konnte sie bis zum Ende ihres lebens nicht mehr Fuß fassen.“ [13]
Text zusammengestellt von: Rita Bake
Quellen:
1 Berit C. R. Royer: Sophie Albrecht, ein künstlerisches Phänomen in Literatur und Theater des 18. Jahrhunderts. Gender, Rezeption und die Arbeitsgemeinschaft mit ihrem Ehemann, in: Rüdiger Schütt (Hrsg.): Verehrt, verflucht, vergessen. Leben und Werk von Sophie Albrecht und Johann Friedrich Ernst Albrecht. Hannvover 2015, S. 321
2 Vgl.: Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 423.
3 Vgl: ebenda.
4 Garlieb Merkel: Briefe über Hamburg und Lübeck. Leipzig 1801, S. 310ff.
5 Rüdiger Schütt: Diese Albrechts!, in: Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 14ff.
6 Ebenda.
7 Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 16f.
8 Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 18f.
9 Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 21.
10 Vgl: Rüdiger Schütt, a. a. O., S. 22.
11 Berit C. R. Royer, a. a. O., S. 318f.
12 Berit C. R. Royer, a. a.,O., S. 341f.
13 Berit C. R. Royer, a. a.O., S. 350f.
Vgl: Vita, siehe de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Albrecht und unter: Artikel „Albrecht, Sophia“ von August Förster in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 322, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Albrecht,_Sophia (Version vom 29. Januar 2020, 21:41 Uhr UTC)
 

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Juni 2021: Barbara Ossenkopp

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

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stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

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