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Frauenbios

Edith Stein

( Edith Stein (Ordensname: Theresa Benedicta a Cruce) )
(12.10.1891 Breslau - vermutlich ermordet am 9.8.1942 im KZ Auschwitz)
Philosophin und Karmeliterin
Loehrsweg 5 (Wohnadresse bei ihrer Schwester)
Seit 1993 gibt es in Hamburg Bergedorf den Edith-Stein-Platz.
Edith Stein, Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz ca. 1920, Bildquelle: via Wikimedia Commons, Autor unbekannt, gemeinfei
Geboren als eines von elf Kindern (vier Kinder waren, als Edith geboren wurde, bereits verstorben) einer jüdischen Familie. Als Edith ein Jahr alt war, starb der Vater, und die Mutter Auguste Stein, geborene Couran, führte den Holzhandel ihres verstorbenen Mannes allein weiter und konnte somit finanziell ihren Kindern eine gute Bildung ermöglichen.
Bereits als Kind entwickelte Edith Stein eine große Sensibilität: „Was ich am Tag sah und hörte, das wurde dort [in ihrem Innern] verarbeitet. Der Anblick eines Betrunkenen konnte mich tage- und nächtelang verfolgen und quälen. (…) Es blieb mir immer unbegreiflich, wie man über so etwas lachen konnte, und ich habe in meiner Studentenzeit angefangen, ohne einer Organisation beizutreten oder ein Gelübde abzulegen, jeden Tropfen Alkohol zu meiden, um nicht durch eigene Schuld etwas von meiner Geistesfreiheit und Menschenwürde zu verlieren. (…) Ja, ein etwas derber Ausdruck, den meine Mutter in meiner Gegenwart erregt aussprach, schmerzte mich so, daß ich die kleine Szene (eine Auseinandersetzung mit meinem Bruder) nie vergessen konnte.“ [1]
Edith Stein, die nach eigener Einschätzung als Kleinkind sprunghaft, immer in Bewegung, übersprudelnd, zornig, wenn es nicht nach ihrem Willen ging und eigenwillig gewesen sein soll, wurde ab ca. dem siebten Lebensjahr gehorsam und so Edith Stein: „(…) Zornesausbrüche kamen kaum noch vor; ich erreichte schon früh eine so große Selbstbeherrschung, daß ich fast ohne Kampf eine gleichmäßige Ruhe bewahren konnte. Wie das geschah, weiß ich nicht; ich glaube aber, daß der Abscheu und die Scham, die ich bei Zornesausbrüchen anderer empfand, das lebhafte Gefühl für die Würdelosigkeit eines solchen Sich-gehen-lassens mich geheilt haben.“ [1]
Edith Stein, die in der Schule zu den „Besten“ gehörte, verließ die Schule, als sie vierzehn Jahre alt war. Ihr damaliges Desinteresse am Unterricht erklärte sie so: „zum Teil [lag es] wohl daran, daß mich mancherlei Fragen, vor allem weltanschauliche, zu beschäftigen begannen, von denen in der Schule wenig die Rede war. Hauptsächlich ist es aber wohl durch die körperliche Entwicklung zu erklären, die sich vorbereitete.“ [1]
Mit Erlaubnis ihrer Mutter zog Edith Stein für fast ein Jahr nach Hamburg zu ihrer ältesten, verheirateten Schwester Else Gordon, um ihr im Haushalt und bei der Erziehung ihrer zwei Kinder zu helfen. Dazu Edith Stein: „Die Zeit in Hamburg kommt mir, wenn ich jetzt darauf zurückblicke, wie eine Art Puppenstadium vor. Ich war auf einen sehr engen Kreis eingeschränkt und lebte noch viel ausschließlicher in meiner inneren Welt als zu Hause. Soviel die häusliche Arbeit es erlaubte, las ich. Ich hörte und las auch manches, was mir nicht guttat. Durch das Spezialfach meines Schwagers [Dermatologe] kamen manche Bücher ins Haus, die nicht gerade für ein Mädchen von 15 Jahren berechnet waren. Außerdem waren Max und Else völlig ungläubig, Religion gab es in diesem Hause überhaupt nicht. Hier habe ich mir auch das Beten ganz bewußt und aus freien Stücken abgewöhnt.“ [1]
Nach ca. zehn Monaten in Hamburg entschloss sich Edith Stein nach Breslau zurückzukehren und wieder zur Schule zu gehen. 1911 legte sie das Abitur ab. Anschließend begann sie an der Universität Breslau ein Lehramtsstudium und belegte die Fächer Geschichte, Germanistik, Psychologie und Philosophie. Nach vier Semestern wechselte sie an die Universität Göttingen und studierte fortan Phänomenologie bei dem Philosophen Professor Husserl. Sie promovierte mit summa cum laude, folgte Husserl an die Freiburger Universität und arbeitete dort als seine Assistentin. 1917 begann sie mit ihrer Habilitation. Da Frauen damals dieser akademische Abschluss verwehrt wurde, nützte auch die Unterstützung durch Husserl nichts. Edith Steins Antrag auf Habilitation wurde abgelehnt. Durch diese bittere Erfahrung, als Frau diskriminiert zu werden, wandte sie sich dem Thema Gleichberechtigung und Frauenrechte zu und engagierte sich fortan für die Emazipation der Frauen in der Gesellschaft und Kirche. Edith Stein setzte sich für das Frauenstimmrecht ein und thematisierte auch das Priestertum für Frauen.
Edith Stein kehrte nach Breslau zurück und verbrachte 1921 einige Monate bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius in Bergzabern auf deren Obstplantage, die ein PhänomenologInnentreffpunkt war. In dieser Zeit wandte sich Edith Stein, die sich seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr als Atheistin bezeichnete dem Christentum zu, ausgelöst z. B. auch durch die Begegnung mit den Schriften von Teresa von Avila. 1921 konvertierte sie zum Katholizismus, wurde 1922 getauft und ging 1923 als Lehrerin an die Mädchenbildungsanstalt der Dominikanerinnen nach Speyer. Dort arbeitete sie acht Jahre lang und hielt Vorträge und Seminare zum Thema „qualifizierte Bildung für Frauen“. Im Jahre 1932 lehrte sie am Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster.
1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, erhielt sie Berufsverbot und durfte auch nicht mehr veröffentlichen. Dies gab den Ausschlag, nur noch ihrem Glauben zu leben, und so trat sie am 15. April 1934 in den Kölner Karmeliterorden ein. 1935 empfing sie den von ihr gewählten Namen Teresia Benedicta a Cruce.
Edith Stein fühlte sich auch nach ihrem Glaubenswechsel dem jüdischen Volk zugehörig und so schrieb sie einen Brief an den damaligen Papst Pius XI. und bat ihn, sich öffentlich gegen die Judenverfolgung zu wenden. Eine Antwort erhielt sie nicht.
In ihre Zeit im Kloster schrieb sie ihr Hauptwerk „Endliches und unendliches Sein“. Als ihr Klosteraufenthalt zu einer Gefährdung des Klosters wurde, floh sie 1938 in das holländische Karmeliterkloster Echt. Aber auch dort war sie bald nicht mehr sicher. Nachdem die Niederlande von den Nationalsozialisten besetzt worden waren und holländische Bischöfe einen Hirtenbrief gegen die Verfolgung der Juden verlesen hatten, wurden am 2. August 1942 244 zum katholischen Glauben konvertierte Menschen jüdischer Herkunft von der Gestapo verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork verbracht – darunter auch Edith Stein.
Von dort wurde Edith Stein einige Tage später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.
1987 wurde Edith Stein von Papst Johannes Paul II. in Köln selig - und 1998 in Rom heiliggesprochen.
Quellen:
1 Zit. nach: www.karmel.at/edith/gg/gg1.htm
 

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(Datenbank Stand: Juli 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juli 2021: 1251 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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