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Frauenbios

Hiltgunt Zassenhaus

(10.7.1916 Hamburg - 20.11.2004 Baltimore)
Dolmetscherin für skandinavische Sprachen, Ärztin, Gegnerin des Nationalsozialimus
Zuchthaus Hamburg Fuhlsbüttel, Suhrenkamp/ Am Hasenberge. Heute hier Gedenkstätte KZ Fuhlsbüttel (Wirkungsstätte)
Namensgeberin für: Zassenhausweg (seit 2007)
Hiltgunt Zassenhaus – Gipsmodell, erstellt 2008 von der Bildhauerin Doris Waschk-Balz für das Gymnasium Allee in Hamburg-Altona
Aufgewachsen in einer Familie des Bildungsbürgertums (der Vater Mathematiker) ging Hiltgunt Zassenhaus nach dem Abitur 1935 für achtzehn Monate nach Dänemark. Anschließend studierte sie an der Hamburger Universität Skandinavistik und wurde 1928 Diplom-Übersetzerin für skandinavische Sprachen.
1938 bekam Hiltgunt Zassenhaus eine Anstellung bei der Hamburger Briefprüfstelle. Sie sollte nach Kriegsbeginn alle ins Ausland gehenden Briefe prüfen. So sollte sie Briefe von polnischen Juden aus den Ghettos vernichten, wenn darin Bitten um Essen und Kleidung geäußert wurden. Hiltgunt Zassenhaus schmuggelte die Briefe heimlich an die Adressaten.
Als norwegische und dänische Gefangene ins Zuchthaus Hamburg Fuhlsbüttel gebracht wurden, wurde Hiltgunt Zassenhaus als Dolmetscherin zur Besuchsüberwachung und Briefzensur von 1.254 norwegischen und dänischen Gefangenen verpflichtet. Hiltgunt Zassenhaus unterstützte heimlich die Gefangenen. Sie brachte nicht nur unter Lebensgefahr den Gefangenen Lebensmittel, Briefe und Medikamente ins Zuchthaus, sondern betreute in einem beispiellosen Einsatz „ihre“ Gefangenen weiter, als sie in andere Gefängnisse verlegt wurden.
Hiltgunt Zassenhaus, die 1943 mit einem Medizinstudium begann, erarbeitete auch eine Geheimkartei, die Namen und Informationen von über 1000 dänischen und norwegischen Gefangenen enthielt. Als bei Kriegsende die Gefahr drohte, dass die Gefangenen ermordet werden, übermittelte sie dem schwedischen Roten Kreuz ihre geheime Kartei. Dank dieser Kenntnisse konnte Graf Folke Bernadotte diese gefangenen Norweger und Dänen in letzter Minute aus Deutschland herausholen.
Nach Kriegsende setzte Hiltgunt Zassenhaus ihr Medizinstudium fort. 1952 emigrierte sie in die USA und eröffnete eine Praxis in Baltimore.
Ihr Buch „Ein Baum blüht im November“, in dem sie ihre Erinnerungen aufzeichnete ist ein Dokument der Menschlichkeit und Zivilcourage. Es erhielt 1981 den Evangelischen Buchpreis.
Anlässlich der Verleihung der Hamburgischen Ehrendenkmünze in Gold an Hiltgunt Zassenhaus am 24. Januar 1986 hielt sie eine ergreifende Rede. Daraus folgende Zitate:
„Ich erinnere, wie meine Mutter uns die Worte Albert Schweitzers von der Ehrfurcht vor dem Leben erklärte. Doch fand ich damals die Geschichte von dem Tanz um das goldene Kalb so viel spannender und verstand noch nicht, warum mein Vater uns anschließend gefragt hatte: ‚Seht Ihr nun, dass wir den Mut haben müssen, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen?’ (…) Noch etwas bleib mir unvergessen: Wenn immer ich versuchte zu helfen, wurde mir geholfen: In jenen Jahren erfuhr ich, welch ungeahnte Kräfte in uns wohnen, wenn wir nur klar erkennen, welchen Weg wir gehen müssen. Schon bald nach dem Krieg verließ ich Deutschland, und oft hat man mich gefragt, warum: Ich wiollte einen neuen Anfang. Ich musste vergessen, was ich so unmittelbar erlebt hatte an sinnlosem Leid und Sterben, ja – und auch an menschlichem Versagen! Doch bald schon verstand ich, dass meine Lehrzeit nicht zu Ende war. Ich erfuhr nun, dass Hitler nicht mehr lebte, dass aber sein Geist – oder richtiger – sein Ungeist nicht ausschließlich ein deutsches Phänomen gewesen ist. Man findet es überall in dieser Welt, wo immer wir Herz und Sinn verschließen und Mauern errichten aus Hass, Vorurteilen, Unwissenheit und vor allem aus Gleichgültigkeit. Ich persönlich kann auch heute nur der Stimme meines Gewissens folgen bei der Suche nach einem Weg zur friedlichen Co-Existenz unserer Menschheits-Familie. Ich kam als deutsche auf die Welt, und jetzt bin ich Amerikanerin, aber die Staatsbürgerschaft meiner Wahl ist es, ein Mensch zu sein.
Die großen unvergessenen Augenblicke des Lebens sind die, in denen wir zueinander finden. Dazu muss ich Ihnen von einem Erlebnis berichten aus der Zeit, der wir heute hier gedenken. Ich hörte davon an einem Weihnachtstag mitten im Krieg, als ich norwegische Gefangene im Zuchthaus besuchte. Einer der Norweger teilte seine Zelle mit einem anderen Gefangenen; der hatte einen gelben Stern auf seiner Zuchthaustracht, denn er war Jude. Sonst unterschied sie nichts; sie waren von unbestimmbaren Alter, das Gesicht von Hungerödemen geschwollen und die Beine voller Geschwüre, so dass sie kaum gehen konnten. Es war Heiligabend; sie saßen eingeschlossen in ihrer Zelle und warteten, denn heute an diesem besonderen Tage würde es eine Extra-Scheibe Brot geben! Endlich ging die Klappe herunter, doch hindurch kommen nicht zwei Scheiben, sondern nur eine, und dazu die Stimme des Gefängnisbeamten: ‚Also die ist für Dich, Norweger. Der Jude bekommt nichts. Der hat Deinen Jesus umgebracht!’ Die Klappe geht zu – und in der Stille des Heiligabends nimmt der Norweger seine Scheibe Brot, bricht sie in zwei Hälften und teilt sie mit dem Gefangenen mit dem gelben Stern. Der bricht in Tränen aus und fragt: ‚ Warum gibst Du mir das?’ Der Norweger antwortet: ‚Weil Du mein Bruder bist’. Ich glaube, das ist der Weg, den wir als Menschen gehen müssen. Es kann dem Staat nicht überlassen bleiben, was in uns selbst wachsen muss. Zu oft glauben wir, dass wir als einzelne machtlos sind, wo ich doch weiß aus eigenem Erleben, dass letztlich unsere Gedanken und unser Tun die Geschichte der Menschheit schreiben. In jedem von uns sind ungeahnte Möglichkeiten zum Guten oder zum Bösen. Es ist an uns zu entscheiden, ob wir sie in den Dienst des Lebens stellen.“ Die Ehrendenkmünze in Gold, erstmals vor 132 Jahren vergeben wurde, erhielt Hildgund Zassenhaus 1985 als erste Frau. 1990 wurde ihr der Titel „Ehrensenatorin der Universität Hamburg“ verliehen.
Seit 2007 gibt es im Hamburger Stadtteil Iserbrook einen Zassenhausweg.
Text: Rita Bake
Quellen:
Hiltgunt Zassenhaus. Die Frau, die den Nazis Widerstand leistet. Rede vom 24. Jan. 1986 anlässlich der Verleihung der Hamburger Ehrendenkmünze in Gold. Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung und der Leitstelle zur Gleichstellung der Frau
Hiltgunt Zassenhaus: Ein Baum blüht im November. Bericht aus den Jahren des Zweiten Weltkrieges. 2. Aufl. Hamburg 1982.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juni 2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juni 2020: 1178 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan, Beate Hasenau, Elfriede Kneiphoff, Johanna Harry, Recha Lübke, Helene Flörsheim, Catharina Goldenstede, Elsa Friede, Julie Gayen

März 2020: Theodore von Axen, Betty Francken, Elisabeth Rosenkranz, Senta Dohme, Gesa Schneider, Vilma Prochownik

April 2020: Hygieia-Brunnen, Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Verein Heim für junge Mädchen, Siechenhaus Salem, Wohnhaus für Frauen, Witwenkommission der Exekutive des Notstandskomitees, Mädchenherberge, Häuslicher Hilfsdienst des Bundes Hamburgischer Hausfrauen, Eva Lessing, Hild Lennartz, Dörte Helm, Gertrud Weiberlen, Paula Gans, Elisabeth Schultz, Bernhardine Romberg, Johanna Christine Henriette Müller, Hökerinnen, Hamburgische Bürgerschaft, Diakonissenheim am St. Anscharplatz, Stadttheater, Gänsemarktoper, Comödienhaus, Pranger, Fronerei

Mai 2020: Dorothea Buck, Allgemeine Armenanstalt, Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen, Weibliche Kriminalpolizei, Thalia Theater, Trostbrücke, Altes Rathaus, St. Jakobi Kirche, Evakatrin Sieveking, Wöchnerinnenheim in Hamburg, Toni Engel; Marion Pein, Maria Gleiss, Elke Acimovic, Elke Thomas, Irene Knickrehm, Spinnschule, Zeichenschule für Mädchen, Mädchenfortbildungsschule, Elisabeth Meyer, Mieken Rieck, Gerhild Halfmeier, Miriam Gilles-Carlebach; Grete Albrecht; Lucille Eichengreen

Juni 2020: Grete Albrecht, Charlotte Thiede Eisler-Rodewald, Hannelore Borchers, Eleonara Witonska, Cilly Levisohn, Gerda Freise

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
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