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Caroline (Maria Caroline Elisabeth) Perthes

( Caroline (Maria Caroline Elisabeth) Perthes geb. Claudius )
(07.02.1774 in Wandsbek - 28.08.1821 in Hamburg)
Tochter des Dichters Matthias Claudius und Ehefrau des Buchhändlers und Verlegers Friedrich Perthes
Jungfernstieg 22 (Geschäfts- und Wohnadresse)
Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756: Althamburgischer Gedächtnisfriedhof: Grabplatte „Herausragende Frauen“
In den Schilderungen von Clemens Theodor Perthes aus dem Leben seines bedeutenden Vaters, des Buchhändlers und Verlegers Friedrich Perthes, nimmt die Mutter, Caroline Perthes, einen großen Raum ein. Er führt sie bei ihrer ersten Begegnung mit dem Vater ein: „Caroline Perthes, die älteste Tochter des Wandsbeker Boten (Matthias Claudius), war 1774 geboren, also 22 Jahre alt, als Perthes zuerst das Haus der Eltern betrat. Ihre ganze Erscheinung, so angenehm die regelmäßig edlen Züge, die schlanke Gestalt und die feine Farbe auch waren, hatte nichts Ueberraschendes und Blendendes; aber aus dem lichtbraunen Auge blickte ein Reichthum der Phantasie und eine Tiefe des Gefühls, eine Kraft und Ruhe des Charakters und eine helle Klarheit des Verstandes hervor, welche mit stiller, unwiderstehlicher Macht die Gemüther anzog. Ihr ganzes Leben hindurch flößte sie jedem, der ihr näher trat, hingebendes Vertrauen ein; zu ihr kamen die Fröhlichen und waren sicher, freudige Theilnahme zu finden, und für viele, viele Menschen ist sie in äußeren und inneren Leiden eine Quelle des Trostes, der Ergebung und eines neuen Muthes geworden. In den einfachen Verhältnissen des elterlichen Hauses war sie aufgewachsen und jedes Zusammentreffen mit der Unruhe der äußeren Welt erschien ihr als eine Gefahr für ihren kindlich unbefangenen Umgang mit Gott.
Getheilt zwischen häuslichen Arbeiten, Musik und Bemühen um geistige Ausbildung, ging ihre Zeit dahin. Eine volle, reine Stimme und ein sicheres musikalisches Urtheil blieb ihr auch im höheren Alter. Der neueren Sprachen war sie kundig und in der lateinischen so weit vorgeschritten, daß sie später ihren Söhnen wesentliche Hilfe leisten konnte.
So lange Caroline im elterlichen Hause gewesen war, hatte sie nur wenige Eindrücke in sich aufgenommen, welche einen Ursprung außerhalb desselben gehabt hätten. Mit kindlicher Verehrung hing sie an der Fürstin Gallitzin, welche mehrere Male sich bei Claudius aufgehalten und das Mädchen so liebgewonnen hatte, daß sie bis zu ihrem Tode demselben eine mütterliche Freundin blieb. Gleich nahe stand Caroline der Gräfin Julie Reventlow.
Mehrere Monate war sie im Sommer 1795 in Emkendorf zum Besuche gewesen und der Familie so nahe getreten, daß diese sie nach Italien mitzunehmen dringend wünschte, aber des Vaters Einwilligung nicht erlangen konnte.“ [1]
Des Vaters Einwilligung war zunächst auch zu einer Heirat Carolines mit Friedrich Perthes nicht zu erlangen. Perthes war, als er im Frühjahr 1797 um Carolines Hand anhielt, erst 25 Jahre alt und hatte nach einer Buchhändlerlehre in Leipzig und der Mitarbeit in der Hoffmannschen Buchhandlung in Hamburg 1796 zusammen mit zwei Gesellschaftern eine Sortimentsbuchhandlung gegründet. Hier hatte er den Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi kennen gelernt, der ihn in den Zirkel von z.T. „frommen Schwärmern“ einführte, der einen Gegenpol zu den aufklärerischen Kreisen um die Familie Reimarus bildete. Die Fürstin Gallitzin, die Familien Reventlow, Stolberg und Claudius gehörten zu diesem Kreis. Perthes stand Claudius äußerlich und innerlich sehr fern: „...seine natürliche Offenheit ließ darüber keinen Zweifel, daß in seinem Innern die Kräfte noch ungeordnet und unsicher durcheinander gährten“, schrieb der Sohn Clemens über den Vater und fuhr fort: „Uberdies war Claudius von einer Art von Eifersucht nicht frei. Ihm wurde es schwer, die Tochter aus der eigen Obhut zu entlassen, und nicht ohne Schmerz fühlte er, daß die Tochter einen jungen unerfahren Mann mehr liebe als den Vater.“ [1]
Am 02. August 1797 wurde dann doch die Hochzeit gefeiert. Am Tage zuvor schrieb Caroline dem Bräutigam: „Wir wollen Gott nach alter Weise um seinen Segen bitten, und er wird uns nach alter Weise segnen. Ach, lieber Perthes, tue es doch mit mir; ich bin so lebendig überzeugt, daß an Gottes Segen alles gelegen ist, wenn wir mit und durch einander glücklich werden wollen und unser Glück bestehen soll. Alles andere verläßt uns gewiß wieder früher oder später und kann nicht Stich halten. Du lieber Herzens-Perthes! mach die Arme weit auf und halte mich fest, bis Du mein Auge zudrückst; ich bin Dein mit Leib und Seele und vertraue Gott, daß ich mich wohl dabei befinden werde.“ (Brief vom 01. August 1797) [2]
Die ersten Ehejahre ließen den Gegensatz zwischen Caroline, die in Wandsbek ein nach innen gekehrtes Leben in stillem Gottvertrauen geführt hatte, und Perthes, der im Kampf mit Zweifeln und Leidenschaften an allen geistigen und politischen Auseinandersetzungen der Zeit Anteil nahm und aktiv eingriff, scharf hervortreten. Caroline musste sich irritiert fühlen, als sie mit Perthes zog und sich neuen, ihr ganz unbekannten Eindrücken ausgesetzt sah. Sie hatte eine Scheu vor Berührungen mit der Welt, war leicht verwundbar und beunruhigt durch äußere Verhältnisse. Perthes wandte ein, daß ein Leben allein in Gott, unberührt von Schmerz und Unruhe, ein kaltes Leben sei, bestärkte sie aber zugleich in ihrer Art. Im Sommer 1799 schrieb er: „Glaube mir, glaube mir, Du mein guter Engel, ich fühle es, daß Du viel hast, und laß Dich nicht stören. O unser Vater hatte sehr Recht, Euch Kinder von der Richtung aufs Wirken und Handeln und auf das Kunstwesen zurückzuhalten. Selbst wenn er zu weit hierin gegangen wäre, selbst wenn er Euch ungeschickt gemacht hätte zum Handeln und Schaffen im Leben, ja selbst wenn ihr der Welt eine Thorheit werden solltet, so habt ihr dennoch in Euch den Geist der Liebe, und der Geist der Liebe ist lebendig.“ [1] Perthes Briefe waren voll glühender Leidenschaft und Anerkennung des ihm noch fehlenden inneren Lebens.
Caroline ihrerseits erhielt bald Gelegenheit, sich auch im äußeren Leben zu bewähren. 1798 waren die Gesellschafter ihres Mannes aus der Handlung ausgeschieden, weil ihnen der Gewinn zu gering erschien. Mit viel Fleiß und Geschick brachte Perthes die Handlung trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit dem neuen Partner Johann Heinrich Besser zu Blüte und Ansehen. Sie galt bald als eine der bedeutendsten im Norden Deutschlands. Im Herbst 1805 kaufte man das Axensche Haus am Jungfernstieg, wo Familie, Geschäft, Lager, Gehilfen und die befreundete Familie von Axen untergebracht wurden.
Der durch den Einfluss ihres Mannes vielfach wechselnde Verkehr mit den verschiedenartigsten Menschen und die wachsende Familie – am 28. Mai 1798 war die Tochter Agnes geboren, gefolgt von dem Sohn Matthias am 16. Januar 1800, der Tochter Louise am 10. Januar 1802 und der Tochter Mathilde am 25. Februar 1804 – stellten an Caroline große Ansprüche. Sie lernte, „sich freien Geistes im Leben zu bewegen und mitten im Wechsel äußerer Umstände innere Stille und Gleichmäßigkeit zu bewahren“. [1]
Das Jahr 1813 brachte für Caroline schmerzlichste Begegnungen mit der Außenwelt. Hamburg war seit 1806 von den Franzosen besetzt, im Dezember 1810 war es Frankreich einverleibt worden. Mit der Niederlage der Franzosen in Russland schien der Zeitpunkt der Befreiung gekommen zu sein. Freudig wurde der russische Oberst Tettenborn begrüßt, als er am 18.März 1813 mit seinen Kosaken in Hamburg einzog. Da man aber die Rückkehr der vertriebenen Franzosen fürchtete, gründete man eine Bürgergarde. An deren Spitze trat Perthes als Stabsmajor, als die Franzosen sich tatsächlich wieder in der Stadt festsetzten und auf eine Belagerung einrichteten. Während er Tag und Naht kämpfte und die Bürger motivierte, versuchte Caroline zu Hause die Not zu lindern: „Ich hatte keinen Mann mehr im Hause, alle waren auf den Wachen. Immer aber gingen Leute aus und ein, die essen und trinken wollten; denn keiner unserer Bekannten hatte in der Stadt noch eine Haushaltung. Unsere große Stube hatte ich mit Strohsäcken belegt, auf denen bei Tag und Nacht Bürger lagen, die sich ausruhen wollten.“ [1] Erst als die Lage fast hoffnungslos war, ging Caroline am 28. Mai mit ihren Kindern nach Wandsbeck. Doch auch von hier mussten sie fliehen, nachdem Tettenborn die Stadt verlasen hatte und die Franzosen kurz vor Wandsbek standen. Perthes beschwor die Familie, nach Nütschau, dem Gut seines Freundes Moltke, zu gehen, und floh selbst in die Nacht hinein.
Die schwangere Caroline packte noch in derselben Nacht und machte sich am Morgen mit ihren sieben Kindern und der Amme auf den Weg. Die Schwester Auguste begleitete sie. Als Perthes in Nütschau zu ihnen stieß, erreichte sie die Nachricht, dass das Haus am Jungfernstieg durchsucht worden sei. Nütschau war zu nahe, man musste weiter fliehen, fand auf dem bei Eckernförde gelegenen Gut Altenhof bei dem Grafen Reventlow freundliche Aufnahme. Der Graf stellte der Familie Perthes sein einsam an der Ostsee gelegenes Gartenhaus in Aschau zur Verfügung.
Die Perthes hatten zwar alles verloren, was sie besaßen, die Handlung war versiegelt, das Vermögen beschlagnahmt, die Wohnung von einem französischen General bewohnt, aber für eine kurze Zeit waren sie glücklich, wieder zusammen zu sein. Dann musste Perthes weiter. Die dänische Regierung hatte erklärt, ihn nicht schützen zu können, wenn die Franzosen seine Auslieferung fordern sollten.
Zudem musste er sich um den Unterhalt der Familie kümmern. Am 09.Juli 1813 nahm er Abschied und reiste nach Mecklenburg, wo er sich erneut in das Kriegsgewirr mischte. Caroline blieb unter den eingeschränktesten Verhältnissen mit den Kindern zurück.
Das Gartenhaus brachte in dem feuchten Sommer ihr und den Kindern Erkältungen und Krankheiten. Dazu kam die ständige Sorge um Perthes, von dem nur unregelmäßig Nachricht kam, und die Angst, die bevorstehende Entbindung nicht zu überleben und die Kinder unversorgt zurückzulassen. Die Bedrängnis wurde ein wenig gemildert durch die Schwester, die Caroline hilfreich zur Seite stand, die Familien der Grafen Reventlow und Stolberg und durch die Freude an den Kindern: „Ich habe es in der Wahrheit erfahren, daß Gott uns nichts Größeres geben kann in Freud und Leid als ein liebhabendes und geliebtes Kind. Nichts kann uns das Herz so erquicken, aufrichten und beschämen. Das habe ich hundertmal erfahren, und ich glaube kaum, daß ich Herr geblieben wäre, wenn Gott mir nicht meinen Engels-Bernhard und in ihm das lebendige Bild der kindlichen Liebe und des kindlichen Vertrauens gegeben hätte. Wenn ich versunken war in Angst und Sorge um Perthes und in dem Jammer, meine acht Kinder ohne Vaterrath und Vaterliebe ihren Weg durch das Leben anfangen zu sehen, so war ich oftmals in Gefahr zu verzagen. Wenn ich dann aber meinen lieben Bernhard in meine Arme schloß und ihm in sein helles Kinderauge sah und gewahr ward, wie er sich um nichts bekümmerte und für nichts fürchtete, sondern nur freundlich war und mich lieb hatte, so fand auch ich meinen Haltpunkt wieder und bat Gott, mich werden zu lassen, wie mein liebes Kind.“ [1] Doch solchen Augenblicken folgten immer wieder Stunden tiefster Angst und Not, die Caroline mit großer Kraft und Souveränität bewältigte. Nachdem sie einmal Perthes ihre und ihrer Kinder Lage ausführlich geschildert hatte, fügte sie hinzu: „Ich mußte Dir Alles sagen, damit Du die Wahrheit weißt und thun kannst, was recht ist; aber ich sage es Dir es nicht, um Dich zur Rückkehr zu bewegen. Gott den Herrn, der mir mehr ist als Du, nehme ich zum Zeugen, daß ich nicht will, was Du nicht darfst.“ [1]
Im September 1813 zog Caroline mit den Kindern nach Kiel, wo Graf Moltke der Familie einige Zimmer überließ, die er selbst bei längeren Aufenthalten in Kiel bewohnte. Hier in der Stadt hatte Caroline für die Entbindung ärztlichen Beistand, Freunde und Verwandte. Am 16. Dezember wurde der Sohn Andreas geboren. Am ersten Weihnachtsfeiertag kam Perthes, der in großer Sorge um seine Familie war, weil sich das Kriegsgeschehen inzwischen auf Schleswig-Holstein ausgedehnt hatte. Caroline schrieb später dazu: „Den ersten Weihnachtstag des Abends im Halbdunkel kam Perthes unerwartet. Matthias sah ihn zuerst. Er hatte in Lübeck meine Niederkunft erfahren. Ich konnte ihm alle Kinder gesund übergeben und noch einen lieben, gesunden Jungen oben im Kauf. Was das war, weiß auch niemand, als der es erfahren hat.“(Brief vom 29. April 1815) [2]
Wenige Tage später erhielt Perthes vom Generalstab des Kronprinzen von Schweden den Auftrag, zusammen mit zwei anderen Männern die Verwaltung und Verwendung der Gelder zu übernehmen, die der Kronprinz für die aus Hamburg Vertriebenen bewilligt hatte. Am 01. Januar 1814 reiste er ins Hauptquartier nach Pinneberg. Caroline war wieder allein. Allein musste sie auch die Krankheit und den Tod des geliebten Sohnes Bernhard durchstehen. Er starb am 19. Januar 1814.
Als Perthes, den Carolines Nachricht nicht erreicht hatte, am 21. Januar unerwartet und mit banger Sorge ins Zimmer trat mit den Worten: „Sind alle wohl?“, erfuhr er die bittere Wahrheit. Wenige Stunden danach erhielt er vom schwedischen Kronprinzen die Aufforderung, nach Pinneberg zu gehen. Caroline redete ihm zu: „Wenn Du in dieser Zeit und in solchen Verhältnissen gerufen wirst, so mußt Du folgen.“ [1] Perthes aber fühlte sich außerstande, er reiste erst am 27. Januar ab. Von ihr, die ursprünglich so ganz in ihrer Innerlichkeit gelebt hatte, stellte Perthes fest: „Carolines Heldenmuth war größere als meine Kraft.“ [1]
Obwohl die Gefahr keineswegs vorüber war, machte sich Caroline aus der Überzeugung heraus, „nicht länger auseinander sein“ zu können (Brief vom 11. November 1816), [2] am 20. April mit den Kindern auf den Weg nach Blankenese, von wo die Familie nach einjähriger Abwesenheit am 31. Mai 1814 nach Hamburg zurückkehrte. „Diese sechs Wochen in Blankenese“, schrieb Caroline an ihre Schwester Anna Jacobi, „sind der Konfekt meines Lebens gewesen. Gern gebe ich Euch einen lebendigen Brocken davon, liebe Anna, lieber Max! Die Hoffnung auf die Befreiung unserer Stadt wurde mit jedem Tage größer, und mit einem Male wehten die weißen Fahne am Michaelisturm und in Harburg. Nun war auch Deich und Damm gebrochen, und von allen Seiten strömten die Vertriebenen wieder der Stadt zu. Wir wohnten dicht an der Elbe, konnten also, die von Bremen und aus dem Hannöverschen zurückkamen, ankommen sehen. Ganze Herden von armen Ausgehungerten, mit Kindern und Lumpen Bepackten zogen unser Fenster vorbei, und wunderbar groß und rührend war die Liebe zu Haus und Herd sichtbar, obgleich die meisten nur Jammer und Elend zu erwarten hatten. Sowie sie an Land stiegen, brachen sie Zweige von den Bäumen, und Alt und Jung bis auf die kleinsten Kinder herunter, die nur einen halten konnten, bekamen einen Busch in die Hand und dankten Gott unter Freuden- und Trauergeschrei und Tränen für die Erlösung des großen und allgemeinen Übels, wohl wissend, daß ein jeder seinen Privatpack mit hereintrüge. Endlos sind die Erfahrungen, die diese armen, unglücklichen Menschen gemacht haben während der Flucht. Einmal wurde uns ein ganzer Wagen voll kleiner und großer Kinder geschickt, deren Eltern im Krankenhaus in Bremen gestorben waren. Ich machte schnell warme Suppe für sie, aber einige waren so bewegt von dem Jammer, der gewesen war und kommen würde, daß sie nicht einmal essen konnten. Doch ich wollte Euch ja nur Freude erzählen, und da habe ich die Fülle im Ganzen und auch für uns.“ (Brief vom 11. November 1816) [2]
In Hamburg wurde Carolines Leben vornehmlich durch die Ereignisse im eigenen Hause bestimmt. Ihre Gesundheit war jedoch seit dem Schreckensjahr 1813 schwer angegriffen. Bis zum Frühjahr 1821 steigerte sich ihr Herz- und Nervenleiden in so hohem Maße, dass sie am 28. August an einem Nervenschlag, wie es in der Literatur heißt, starb.
Geblieben sind uns ihre Briefe – an den Vater in Wandsbeck, dem sie anschaulich von den Ereignissen in Hamburg während der Franzosenzeit berichtete, an Perthes, vor allem aus dem Jahr 1813, dem schlimmen Jahr der Trennung, an die beiden ältesten Töchter Agnes und Louise, die sich nach Gotha verheiratet hatten, und den Sohn Matthias, der in Tübingen Theologie studierte, sowie an andere Verwandte und Freundinnen.
Weil sie alles offen, mit ruhiger Kraft und Besonnenheit in ihren Briefen mitteilte, was ihr Herz bewegte, im Kleinen wie im Großen, machte sie ein Zusammenleben in der Entfernung möglich, wie es im persönlichen Umgang kaum näher sein kann. Es gelang ihr nicht nur, den innigsten Kontakt zu ihrem Mann aufrechtzuerhalten, sondern auch den Töchtern in den ersten Jahren ihrer Ehe mit ihren menschlichen Erfahrungen zur Seite zu stehen, ihnen über Heimweh und erste Enttäuschungen hinwegzuhelfen und ihnen bei Erfahrungen wie Geburt und Todesnähe zur Seite zu stehen. Dem Sohn Matthias, der nach begonnenem Studium der Theologie zur Philosophie neigte, versuchte sie, Orientierungshilfen zu geben, und nahm liebevollen Anteil an seinem Studentenleben. Das Geheimnis ihrer eigenen Brief wird offenbar, wenn sie die ihrer Tochter Louise kritisiert: „Warum mußt Du alles Sagen und Fragen in Dir behalten? Sage und frage tüchtig darauf los, Kleines und Großes, wie’s kömmt und was Dir einfällt. Das Große erhält das Leben und die Kleinigkeiten die Lebendigkeit im Zusammenleben, wenn man getrennt ist. Du weißt, daß Agnes Kraut und Rüben durcheinander auf das Papier hinschüttet und mir dadurch schon viel Freude verursacht hat. Der Mensch besteht aus zwei Stücken hier in dieser Welt, also gehören die Kleinigkeiten (nur nicht Kleinlichkeiten) Ernst und Spaß auch mit zu uns. Also kannst Du Dich, Dein Tun und Treiben so geben, wie es ist, und ich suche mir alsdann eine Summe, ein Ganzes da heraus und finde es gewiß.“ (Brief vom 03. Mai 1820) [2]
Caroline Perthes Briefe, von denen nur eine kleine Auswahl veröffentlicht ist, sind ein Fundus menschlicher Erfahrung, der zugleich Auskunft gibt über Leben und Denken in einer vergangenen Epoche.
Text: Brita Reimers
Zitate:
1 Clemens Theodor Pethes: Friedrich Pethes' Leben nach dessen schriftlichen und mündlichen Mitheilungen. Bd. 1. 6. Aufl. Gotha 1872.
Wie schon Rudolf Kayser, der Herausgeber der Briefauswahl von Caroline Perthes feststellte, hat Clemens Perthes die von ihm zitierten Briefe z. T. Recht frei zusammengestellt und umgestaltet. Ihr Sinn wird, wie meine Stichproben im Hamburger Staatsarchiv ergeben haben, aber nicht entstellt.
2 Rudolf Kayser (Hrsg.): Karoline Perthes im Briefwechsel mit ihrer Familie und ihren Freunden. Hamburg 1926.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

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stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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