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Frauenbios

Amalie Dietrich Haus

das erste Studentinnenwohnheim Hamburgs
Bieberstraße 6 Studentinnenheim
Bornstraße 2
1945 hatte Anna Derzewsky der Universität Hamburg ein Haus in der Bornstraße vermacht, mit der Auflage, es als Studentinnenwohnheim herzurichten. Die Universität nahm das Vermächtnis an, ohne es aber der testamentarischen Bestimmung entsprechend als Studentinnenheim zu nutzen. Auf Initiative des Akademikerinnenbundes konnte 1958 dem Vermächtnis Rechnung getragen werden. 1960 wurde das Amalie-Dietrich-Haus in der Bieberstraße eröffnet.

Bericht von Erna Plett, Akademikerinnenbund Hamburg zum Studentinnenheim: „Auf der ersten Vorstandsitzung, an der ich als Nachfolgerin von Frau Thiemann im Jahre 1951 teilnahm, fiel das Wort Studentinnenheim. Frau Beckmann [ Emmy Beckmann] und Frau Grühn [Annie Grühn, siehe ihre Vita unter Annie Grühn] berichteten von einem Vermächtnis, das die Universität Hamburg 1945 mit einer Auflage in Empfang genommen hatte: Die Erblasserin Frau Anna Derzewsky hatte ihr Haus Bornstraße 2 ‚den Hamburger Studentinnen‘ vermacht mit der Bestimmung, darin ein Studentinnenheim einzurichten. Frau Beckmannn und Frau Grühn gingen zum Hochschulamt, um zu klären, wie man das Erbe für Studentinnen nutzen könne, Frau Grühn und Frau von Brandenstein [ Hedwig von Brandenstein] gingen zum Rektor der Universität und wurden abgeschmettert. Das Haus war damals, 1951, mit Mietern und Untermietern überbelegt, ein Etagenhaus aus den achtziger Jahren [des 19. Jh.], 8- bis 10-Zimmer-Wohnungen. Frau Schmadalla zog beim Nachlassgericht und beim Grundbuchamt die notwendigen Erkundigungen ein. Nach Auskunft des Universitätssyndikus warf das Haus keine nennenswerten Erträge ab. Alles, was der ABH [ Akademikerinnenbund Hamburg] erreichte, war die Einrichtung einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss des Hauses Klosterallee 50 für 4 Studentinnen und die Einrichtung eines Studentinnen-Ruhezimmers im neuen Studentenhaus, für dessen Ausstattung der ABH und auf unsere Anregung auch andere Frauenverbände Geld stifteten.
In den Jahren 1954-56 gelang es dem Vorstand des ABH mehrmals, den Universitätssyndikus, den Vorsitzenden des Studentenwerks sowie Frau Senatorin Kiep-Altenloh [ Dr. Emilie Kiep-Altenloh], damals Präses der Sozialbehörde, der das Wohnungsamt unterstand, zusammen zu bitten zu Gesprächen über Möglichkeiten, das Studentinnenerbe seiner Bestimmung zuzuführen. Eine Folge dieser Gespräche war die Besichtigung des Hauses Bornstraße 2 durch die Gesprächsteilnehmer und einen sachverständigen Architekten mit dem Ergebnis, das das Haus nur mit unverhältnismäßig großem Kostenaufwand umgebaut werden könne und auch nur unzureichend für den gedachten Zweck geeignet sein werde.
Bleibendes Ergebnis der Gespräche in der genannten Runde war, dass der Vorsitzende des Studentenwerks Hamburg dem ABH-Vorstand zusagte, das unbebaute Grundstück Bieberstraße 6 für ein Studentinnenheim freizuhalten, wer auch immer dort bauen werde.
Im Herbst 1957 erfuhr Frau Eckardt [ Dorothea Eckardt] in einer zufälligen Unterhaltung mit Herrn Senatssyndikus Mestern, dass ihm eine beträchtliche Summe zur Errichtung eines Heimes zur Verfügung stünde, und Frau Eckardt gelang es, Herrn Mestern für das Projekt Studentinnenheim zu gewinnen. So wurde mit dem erforderlichen Anfangskapital von 6000,- DM des Derzewkyschen Erbes die ‚Stiftung Hamburger Studentinnenheime‘ auf Initiative des ABH und unter Mitwirkung nicht nur der akademischen, sondern einer Reihe weiterer besonders an der Frauenbildung interessierter Frauenverbände gegründet. … Um die Jahreswende 1960/61 wurde das Amalie Dietrich Haus auf dem Grundstück Bieberstraße 6 als Wohnheim für etwa 60 Studentinnen eröffnet …“ (Erna Plett: 25 Jahre Akademikerinnenbund Hamburg e.V., ein Rückblick, vorgetragen am 13.12.1973, S. 8-9.)

Schon im Sommer 1957 war es zu einer Vorbesprechung zwischen Senatssyndikus Mestern und drei Frauen vom ABH (darunter Frau Fera [Charlotte Fera] und Frau Plett [Erna Plett]) gekommen mit dem Ziel, zum Zwecke der Errichtung eines Studentinnenwohnheims eine Stiftung zu gründen. Ein Studentinnenheim fehlt in Hamburg bisher. Als mögliche Stifter wurden genannt: Der ABH e.V., die Arbeitsgemeinschaft für Mädchen und Frauenbildung, der Bund Hamburger Ärztinnen [Deutscher Ärztinnenbund], der Club berufstätiger Frauen e.V. [Business and Professional Women Germany Club Hamburg], der Hamburger Frauenring e.V., der Konvent evangelischer Vikarinnen in Hamburg [ Konvent Evangelischer Theologinnen], die Vereinigung weiblicher Juristen und Volkswirte e.V. [Deutscher Juristinnebund] Ortsgruppe Hamburg, Frau Prof. Beckmann. Für Vorstand und Kuratorium der Stiftung werden erste personelle Vorschläge gemacht.
Vom 05.07.57 gibt es ein Protokoll über eine zweite, vorbereitende Sitzung der „Stiftung Studentinnenheime“. Diskussionen ergeben, dass ein Architekt beauftragt wird, Skizzen für einen Bau auf dem Grundstück Bieberstraße 6 zu machen, dass das Haus schwerpunktmäßig mit Einzelzimmern ausgestattet werden soll und dass wegen des kleinen Grundstücks nur ein Gemeinschaftsraum, evtl. unterteilbar, eingerichtet werden kann. Da als Stifter nur natürliche oder juristische Personen in Frage kommen, ein Teil der beteiligten Verbände aber nicht sog. „juristische Personen“ sind, wird bestimmt, dass diese Verbände Einzelpersönlichkeiten als Stifter benennen. Die Stiftung soll den Namen „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“ als Arbeitstitel tragen. Der §2 des vom Senatssyndikus Mestern vorgelegten Satzungsentwurfes soll lauten „Zweck der Stiftung ist es, für Studentinnen in Hamburg Heime zu errichten und zu betreiben“ .Für den 12. und 24.07.57 sind zwei weitere vorbereitende Sitzungen für die „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“ angesetzt. Das Protokoll vom 24.07. gibt Auskunft darüber, dass die Vorschläge des Architekten ungeteilte Zustimmung finden, dass das Stiftungsgeschäft der rechtsfähigen Stiftung „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“ vollzogen wurde und dass die 7 Stifterinnen, Dr. Elisabeth Winkelmann (ABH), Prof. Emmy Beckmann, (AG Mädchen- und Frauenbildung), Dr. Elise Hermann (Bund Hamburger Ärztinnen), Dr. Anna Heinen (Club berufstätiger Frauen e.V.), Dr. Dorothea Eckardt ( Hamburger Frauenring e.V.), Marianne Timm (Konvent ev. Vikarinnen LG Hamburg), Alice Prausnitz (Vereinigung weiblicher Juristen und Volkswirte e.V. OG Hamburg) und der Vertreter der Universität den Vorstand der Stiftung wählen (Protokoll der vorbereitenden Sitzung für die „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“ am 24.07.57/Niederschrift über das Stiftungsgeschäft …).
Am 26.07.57 kommt der Vorstand der „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“ zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und wählt in ihren Vorstand Dr. Erna Plett (1. Vors.), H.A. Mestern (Senatssyndikus, 2. Vors,), Edith Rauschning-Asher (Schatzmeisterin), Dr. Dorothea Eckardt (Schriftführerin).
Am 06.12.57 kommt es zur konstituierenden Sitzung des Kuratoriums. Für den Vorstand des Kuratoriums werden vorgeschlagen Fr. Dr. Wulle (1. Vors.), Landgerichtsrätin Prausnitz (Stellvertreterin), Frau Dr. Berndt (Schriftführerin).
In der Sitzung des Vorstandes der „Stiftung Hamburger Studentinnenheime (im Folgenden zu „SHS“ verkürzt) vom 26.06.59 wird das Vermächtnis Anna Derzewskys, die ihr Haus Bornstraße 2 „den Hamburger Studentinnen“ vermacht hatte, erneut zum Thema: die Stiftung will versuchen, das Haus aus dem Universitätseigentum herauszubekommen und für die SHS zu verwerten. Im Protokoll dieser Sitzung werden unter dem Stichwort „Eigengeld der Stiftung“ Spendengelder genannt, die das Ergebnis einer Spendenwerbung im Jahr 1958 sind, in deren Rahmen auch für das „Studentinnenwohnheim in der Bieberstraße“ geworben wurde. Im Text einer Werbe-Broschüre heißt es zum ADH: „Das Studentinnenwohnheim an der Bieberstraße kann 58 Studentinnen aufnehmen. Es gibt bisher in Hamburg überhaupt kein Heim nur für studierende Mädchen. Dabei ist gerade an einer so großen Hochschule wie Hamburg für Studentinnen die Not und Einsamkeit besonders drückend. Der Rückhalt, den ihnen ein Heim über eine bloße Unterkunft hinaus bieten kann, ist für eine gesunde Entwicklung und ein erfolgreiches Studium gar nicht hoch genug einzuschätzen. Die relativ kleine Zahl der Plätze bietet die Gewähr dafür, dass hier eine echte Gemeinschaft entstehen kann“. Das Anliegen der Initiatorinnen wird in diesem Text deutlich: Ihnen liegt viel daran, jungen Frauen, die studieren, einen Rückhalt zu bieten bei aller unterschiedlicher Not. An dieser Stelle denke ich [die Autorin Ingeborg Schönwalder] an die Worte, die Frau Moltmann vom Kuratorium der SHS in einem Telefongespräch am 30.6.99 fand, als sie auf das Handlungsmotiv der Gründerfrauen der SHS zu sprechen kam, dass nämlich diese Frauen der nachkommenden Generation das möglich machen wollten, was ihnen selbst auf ihrem Lebensweg als nützlich und hilfreich begegnet war – das Angebot eines geschützten Wohnraums, die Möglichkeit, selbstständiges, verantwortliches, auch politisches Handeln zu üben und sich ein hilfreiches Netz unter Frauen zu entwickeln, das die Probleme des Lebens zu bewältigen hilft. Frau Moltmann weiß auch von dem Wunsch der Gründerfrauen, ihre mit der Weimarer Demokratie verbundenen Erfahrungen politischer Verantwortung den Frauen nach 1945 nahe zu bringen in der Erwartung einer neuen demokratischen Ordnung.
Am 22.02.1960 erfahren die Vorstandsmitglieder, dass die SHS keinen Rechtsanspruch hat auf eine Übernahme des Hauses Bornstr. 2. Die Stiftung könne nur an den Erträgnissen des Hauses beteiligt werden. Der Überbringer dieser Information, Herr Dr. Sannmann, wird daraufhin gebeten, bei der Universität darauf hinzuwirken, dass in freiwerdenden Wohnungen im Haus Bornstraße 2 Studentinnen eingewiesen werden. Deren Betreuung würde dann die Stiftung übernehmen.
Ca. 30 Jahre später können sich Frauen des Frauenstudiums IV [der Frauenstudien-Frauenforschung] davon überzeugen, dass im Haus Bornstraße 2 nur Studentinnen wohnen, z.T. mit Kindern, und dass im Hochparterre ein Kindergarten eingerichtet ist. Die Tafel neben dem Eingang bekundet das Studentenwerk Hamburg als Urheber dieser segensreichen Einrichtung. Kein Wort von den engagierten Gründerinnen der SHS, die das Anliegen der Frau Derzewsky zu ihrem eigenen gemacht und sich mit Lebenszeit und Lebenskraft für die Studentinnen in Hamburg eingesetzt haben.
Am 30.06.1960 ist Richtfest in der Bieberstraße. Frau Prof. Esdorn [ Ilse Esdorn], Protektorin des Hauses, schlägt vor, das Studentinnenheim Biberstraße „ Amalie Dietrich Haus“ zu taufen. Dieser Vorschlag wird auf einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand am 01.11.1960 bestätigt; der Vorschlag vom August 1960, das Haus „ Emmy Beckmann Heim“ zu nennen, ist damit vom Tisch. Das Haus bekommt seinen Namen „auch in Würdigung der Persönlichkeit und der wissenschaftlichen Bedeutung von Amalie Dietrich“, die in den Worten von Frau Prof. Esdorn „durchaus geeignet sei, den Studentinnen als Leitbild zu dienen“. [Heute wird Amalie Dietrich kritischer gesehen. Im Hinblick auf ihre Forschungstätigkeiten in „Übersee“ kann sie als Kolonialakteurin bezeichnet werden.]
Hinter den Toiletten und Bädern wird im Souterrain ein schalldichter Raum eingerichtet, damit Studentinnen der Musik Gelegenheit bekommen, ihr Instrument zu üben. Zu den Frauen, die als erste in das Haus aufgenommen werden, gehören eine Cellistin, eine Flötistin und eine Pianistin.
Die Anträge zur Aufnahme ins ADH kommen in diesem Zeitraum v.a. durch die Flüchtlingshilfe (Frau v. Kleist), die Musikhochschule (Prof. Hinrichsen), Studentenberatung (Frau Milch) und die Schule am Lerchenfeld.
Aus dem Sitzungsprotokoll vom 12.12.1960 geht hervor, dass das Amalie Dietrich Haus auf dem Boden eines ehemaligen jüdischen Mädchen-Lyceums steht. Auf diesem Hintergrund sollen zur offiziellen Einweihung des ADH am 15. oder 16.02.1961 Damen eingeladen werden, die diese Schule besucht haben.
Ein Protokoll vom 18.01,61 hält fest, dass über die Geschichte des ADH eine Chronik geführt werden soll. Sie soll beginnen mit den Eintragungen der Gäste am Einweihungstag und einen Vermerk enthalten darüber, dass auf dem Gelände des ADH vormals eine jüdische Mädchenschule errichtet worden war.
Das ADH, das als Studentinnen-Wohnheim begann, ist heute ein „gemischtes“ Wohnheim. Der Wandel dokumentiert sich in den sich wandelnden Formulierungen des §2 der Satzung des SHS, der den Zweck der Stiftung beschreibt. So heißt es in der frühen Form „Zweck der Stiftung ist es, für Studentinnen in Hamburg Heime zu errichten und zu betreiben“ und „Zweck der Stiftung ist es, förderungswürdige Studentinnen in jeder geeigneten Weise während ihres Studiums in Hamburg zu unterstützen. Zu diesem Zweck errichtet und betreibt die Stiftung vor allem Studentinnenheime“. Die Satzung von 1993, die die Formulierung der Satzung von 1974 übernimmt, spricht mit veränderter Zielrichtung: „Zweck der Stiftung ist es, förderungswürdige Studentinnen in jeder geeigneten Weise während ihres Studiums in Hamburg zu unterstützen. Die Stiftung errichtet und betreibt vor allem Wohnheime für Studierende, in denen neben Studentinnen auch deren Kinder und studierende Ehemänner aufgenommen werden können“. Wie ist es zu dieser Verlagerung des Stiftungsschwerpunktes, nämlich der Förderung von studierenden Frauen zu der Öffnung des Blicks auf die „Studierenden“ gekommen?
In den 70er-Jahren, als „Nachklang“ der Studentenrevolte 1968, ist die Öffnung der Studentinnenheime für Männer zum Thema geworden. Offenbar war es für die studierenden Frauen selber attraktiv geworden, männliche Studierende in ihrer Nähe zu wissen. Im Protokoll der Sitzung des Kuratoriums und des Vorstands vom 10.02.1970 wird unter Punkt 7 der Tagesordnung Folgendes festgehalten: „Die Debatte (zum Antrag der Heimvollversammlung aller Heimbewohnerinnen auf Aufnahme männlicher Studierender in das Amalie Dietrich Haus ) begann mit der Verlesung des Briefes des bekannten Sexualpädagogen Prof. Giese an die Tutorin Frl. Ellenberger, dessen Quintessenz die Ablehnung jeder Trennung der Geschlechter war und das Selbstverständnis des Zusammenlebens beider Geschlechter. Anschließend verlas Frl. Straatmann die Begründung des Antrages. Zur Orientierung gebe ich die 4 Punkte wörtlich:
1. Eine Trennung der Geschlechter ist unnatürlich und schafft eine künstliche Heimatmosphäre. 2. Es ist bekannt, dass das ADH nur von Studentinnen bewohnt wird; daher sind die Bewohnerinnen immer wieder unangenehmen Belästigungen zwielichtiger Gestalten ausgesetzt. 3. Das fehlende Sicherheitsgefühl kann nur durch eine Aufnahme von Herren ins Heim abgebaut werden. 4. Zur persönlichen Entfaltung der Studentinnen gehört es, dass sie sich gerade im alltäglichen Bereich mit dem männlichen Geschlecht auseinandersetzen. Vorurteile können nur so vermindert werden“. Mit dieser Stellungnahme wird deutlich, dass keine Vorteile mehr darin gesehen, erlebt und gestaltet werden, dass die Studentinnen unter sich wohnen, leben und arbeiten können.
Das Protokoll vom 27.05.1970 nimmt das Thema der Öffnung des ADH für Männer noch einmal auf und diskutiert neben bisherigen Argumenten weitere Bedenken juristischer, technischer und allgemeiner Art. In geheimer Abstimmung wird entschieden, dass „auch männliche Studenten in einem Flur des ADH aufgenommen werden können.“
Ein weiterer emotionaler Höhepunkt in der Diskussion um die Öffnung der Studentinnenheime für Männer liegt in einem Brief vom August 1977 vor, in dem Erna Plett sich an die Stifterinnen von 1957 wendet, um eine Stellungnahme zu einer von Bewohnerinnen des Studentinnenhauses im Studentenheim Ölmühlenweg beantragten Satzungsänderung zu erbitten.
Aus finanziellen Gründen sind im ADH fünf junge Männer aufgenommen worden, im Studentinnenhaus Ölmühlenweg 17-20. Die Studentinnen des Ölmühlenweg setzen sich nun ein für eine Satzungsänderung, die die Männer zu vollberechtigten Heimbewohnern erklärt, damit auch sie ihren Teil der „Last der Ämter“ übernehmen könnten und nicht länger der „Diskriminierung“ ausgesetzt würden. Frau Plett plädiert gegen eine Änderung der Satzung zugunsten einer Änderung nur des Heimstatus, „um die Referentenämter mit Gastbewohnern besetzten zu können“ und fährt fort: „Leider hat die Erfahrung in den Bereichen der Ehepaarwohnungen gezeigt, dass die Selbstverwaltungsposten wenn auch nicht immer, so doch vorzugsweise mit Männern besetzt werden, und es steht zu befürchten, dass bei einer Satzungsänderung und der Umwandlung der Heime in so genannte gemischte Heime die Selbstverwaltung der Frauen ganz auf der Strecke bliebe.“ .
Der Antrag der Studentinnen hat sich nicht durchgesetzt gegen die Intention der Stifterinnen und Vertreterinnen der „Stiftung Hamburger Studentinnenheime“. Männer sind in den Studentinnenheimen „Gäste“ geblieben. Entsprechend heißt es im Jahresabschlussbericht 1998 unverändert: „Zweck der Stiftung ist es, förderungswürdige Studentinnen in jeder geeigneten Weise während ihres Studiums in Hamburg zu unterstützen. Zu diesem Zweck errichtet und betreibt die Stiftung vor allem Studentinnenheime.“.
Text: Ingeburg Schönwälder (Ende der 1990er-Jahre)
Heute (2018) wird Studierenden beiderlei Geschlechts Wohnraum im Amalie Dietrich Haus gewährt.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

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Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
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Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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