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Hermine Albers

(21.7.1894 Bitburg - 24.4.1955 Hamburg)
Wohlfahrtspflegerin, Mitbegründerin des Hamburger Frauenrings, Mitbegründerin der Arbeitsgemeinschaft für Jugendpflege und -fürsorge, Regierungsdirektorin der Jugendbehörde/ Leitung des Landesjugendamtes. Mitherausgeberin der Fachzeitschrift „Unsere Jugend“, Verfolgte des NS-Regimes
Wiesenkamp 9 (Wohnadresse)
Ernst-Merck-Straße 9-21 „Bieberhaus“ (Wirkungsstätte)
Namensgeberin für: Hermine-Albers-Straße, benannt 2014
Hermine Albers wurde 1894 als einziges Kind von Klara Helene, geb. Linden und Hermann Albers geboren. Ihr Vater, ein Kreisschulrat, starb kurze Zeit vor Hermines Geburt. Klara Helene Albers gab ihrer Tochter eine sorgfältige Erziehung mit auf den Weg. Als Hermine zwölf Jahre alt war, zog ihre Mutter mit ihr nach Köln, wo Hermine das humanistische Mädchengymnasium besuchte. Nach dem Abitur studierte sie zwischen 1914 und 1917 Sozial- und Staatswissenschaften.
Als im Ersten Weltkrieg Frauen im stärkeren Maße als Arbeitskraft zur Aufrechterhaltung der „Heimatfront“ z. B. in den Rüstungsbetrieben arbeiten mussten, stellte sich die junge Volkswirtschaftslehrerin Hermine Albers dem Frauenreferat der Kriegsamtsstelle Koblenz als Hilfsreferentin zur Verfügung. Dabei lernte sie die praktischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Arbeitsfürsorge an Frauen kennen.
vergrößernHermine Arlbers; Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe -AGJNach Kriegsende übernahm Hermine Albers als Geschäftsführerin den Verein für Säuglingsfürsorge und Wohlfahrtspflege in Düsseldorf. Ab 1921 unterrichtete sie auch Volkswirtschaft und Rechtswesen am Frauenseminar für soziale Berufsarbeit in Frankfurt am Main und leitete von 1923 bis 1926 eine Abteilung des Wohlfahrtsamtes in Solingen. Gleichzeitig setzte sie ihre sozialwissenschaftlichen Studien an den Universitäten in Köln und Bonn fort und promovierte 1926 zum Dr. rer. pol. der Staatswissenschaften.
1927 ging sie als Dozentin an die Wohlfahrtsschule für Hessen und Hessen-Nassau nach Frankfurt am Main. 1928 verlegte sie ihre berufliche Tätigkeit nach Hamburg. Dort erhielt sie eine Anstellung in der Sozialbehörde. Hermine Albers wurde Regierungsrätin und beriet in dieser Funktion auch den Stadtbund hamburgischer Frauenvereine.
1933, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde Hermine Albers wegen ihrer Mitgliedschaft in der SPD – sie war seit 1919 Mitglied der SPD – und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus ihrem Amt als Regierungsrätin entlassen. Fortan arbeitete sie, eingesetzt von der Handelskammer wegen ihrer fachlichen Kenntnisse – als Wirtschaftsprüferin und Treuhänderin in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen.
Hermine Albers wohnte damals im Wiesenkamp 9 und unterstützte ihre Freundin Hilde Wulff (siehe Hilde-Wulff-Weg), die das Kinderheim „Im Erlenbusch“ betrieb, in der Gegnerinnenschaft gegen den Nationalsozialismus. Bereits 1930 hatte sich Hermine Albers als Sprecherin der Sozialbeamtinnen für die Frauenfront 1932 gegen den Nationalsozialismus engagiert.
Gleich nach Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde Hermine Albers Mitglied des Entnazifizierungskomitees. Beruflich wurde sie zur Senatsrätin ernannt und mit dem Aufbau und der Leitung des Hamburger Landesjugendamtes betraut. Drei Jahre später ernannte der Senat sie zur Regierungsdirektorin.
In den Jahren 1945 bis 1948 waren rund 20 000 Jugendliche unter achtzehn Jahren, die durch die Bunker zogen, in Erdhöhlen schliefen, keine Lehrstellen und oft kein Elternhaus mehr hatten, zu betreuen. Hermine Albers versuchte den jungen Menschen Obdach und Nahrung zu verschaffen und die Eltern wiederzufinden. Wie dieses Chaos in den Griff zu bekommen war, wurde als Hermine Albers’ Geheimnis und das ihrer Mitstreiterinnen und -streiter bezeichnet.
Als sich die Wirtschaftslage gebessert hatte, Eltern für ihre Kinder Erziehungshilfen bekamen, Übernachtungs- und Tagesheime sowie Schulen wieder aufgebaut waren, kümmerte sich Hermine Albers um arbeitslose Jugendliche und um eine sinnvolle Freizeitgestaltung für Jugendliche.
Durch Hermine Albers’ langjährige Erfahrungen in der Jugend- und Wohlfahrtshilfe entstand der Grundgedanke für den späteren Bundesjugendplan, an dem Hermine Albers einen großen Anteil hatte.
Mittlerweile war ihre Arbeit über den Rahmen Hamburgs hinausgewachsen. In ganz Westdeutschland fand sie Beachtung und Würdigung. Als Mitbegründerin und Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft für Jugendpflege und Jugendfürsorge übernahm sie von 1952 bis 1955 auch die Arbeit der zweiten Vorsitzenden. Zwischen 1949 bis zu ihrem Tod 1955 arbeitete sie als Mitherausgeberin der Zeitschrift für Jugendhilfe in Wissenschaft und Praxis, „Unsere Jugend“, München, Forum der Jugendämter in Stadt und Land. Hier nahm sie vor allem laufend zu den wichtigsten Gesetzesvorschlägen in Fragen der Erziehung und Wohlfahrt Stellung und vertrat ihre Idee des lebendigen Jugendamtes. Darüber hinaus war Hermine Albers Mitglied des deutschen Landesausschusses der UNESCO.
Hermine Albers starb 1955 im Alter von 60 Jahren. In einem der Nachrufe hieß es ganz der Rollencharaktere der Frau folgend über sie: „Sie konnte beides – mit männlich scharfem Verstand planen und mit einem unbestechlich nüchternen Blick für das Sachliche abwägen. Dabei war sie gleichzeitig ganz Frau mit starker Gefühlsbeteiligung und dem Vermögen, die Dinge von der Wurzel her zu erfassen.“ (Gedenkwort von Stadtarzt Marx, Nürnberg)
Pastor Wilhelm Engelmann, Direktor des Centralausschusses für die Innere Mission, Bethel, fasste Hermine Albers’ Leben wie folgt zusammen: „Sie gehörte zu denen, die Glück und Qual dieses Zeitalters in sich aufgenommen und verarbeitet haben, die wissend geworden sind. Diese Menschen sind äußerlich nicht leicht begeisterungsfähig, vielleicht scheinen sie verschlossen, zurückhaltend und manchmal auch hart. Aber in ihnen wohnt – oft nur dem Kundigen erkennbar – eine stille Güte und Barmherzigkeit, die die Not und das Leid des Bruders und der Schwester mitträgt, und die recht zu helfen wissen. Diese Menschen wissen es auch, daß sie dazu bestimmt sind, daß von ihnen gefordert wird, ihre Erkenntnisse und Erfahrungen, ihren Verstand und ihre Fähigkeiten und nicht zuletzt ihre Liebe ganz darzubringen. Dies wird eine selbstverständliche Haltung. Diese Menschen verzehren sich im Dienst. Sie hassen das Laute und Vordergründige, denn sie kennen die Hintergründe des Lebens. In ihnen lebt das Wissen um das Wesentliche.“
Seit 1955 vergibt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe alle zwei Jahre den Hermine-Albers-Preis (auch Deutscher Jugendhilfepreis genannt).
Text: Rita Bake
 

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