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Frauenbios

Ida Eberhardt

(2.6.1888 Dissen/Landkreis Osnabrück – 10.12.1974 Dissen)
Reformpädagogin, in Opposition zum NS-Regime
Braamkamp 38 (Wohnadresse 1952)
Hindenburgstraße 81 (Wohnadresse später)
Ida Eberhardt wurde am 02.06.1888 in Dissen, Landkreis Osnabrück, im Teutoburger Wald geboren. [1] Sie war das jüngste von vier Kindern der Kaufmannsfamilie Johanne und Johann Eberhardt. Aufgewachsen ist sie auf dem Frommenhof, einem großen Bauernhof, auf dem allerdings keine Landwirtschaft mehr, sondern ein Kolonialwarengeschäft mit Kohlen- und Mehlhandlung betrieben wurde. Der Frommenhof war ein bürgerlicher, mit Pferdestall und Parkanlage auf Repräsentation abzielender Wohnsitz der Familie. Er blieb im Familienbesitz und wurde von ihren Geschwistern bewohnt.
1910 schloss Ida Eberhardt als externe Schülerin mit dem Abitur ab und studierte anschließend auf den Universitäten in Berlin, Freiburg, Kiel und Göttingen. 1914 bestand sie die Prüfung für das höhere Lehramt und wurde 1916 zum Unterricht in Physik, Biologie, Chemie und Philosophische Propädeutik zugelassen.
Bis 1919 gab Ida Eberhardt Privatunterricht. 1920–1922 unterrichtete sie in Altona und wurde 1922 zur Studienrätin ernannt. Anschließend arbeitete sie in Bremen, bis sie im März 1928 von Heinrich Landahl, dem Leiter der Hamburger Lichtwarkschule, einer der wenigen Reformschulen in der Republik Deutschland, angeworben wurde. Hauptelement war der aus den Fächern Geschichte, Deutsch und Religionskunde bestehende Kulturkundeunterricht, der durch musische Erziehung und täglichen Sportunterricht ergänzt wurde. Ziel war die umfassende Förderung der unterschiedlichen Begabungen und die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zur Selbstständigkeit und zu mündigen Mitgliedern der demokratischen Gesellschaft. Nationalistische Politiker sprachen von dem „roten Mistbeet am Stadtpark“.
1929 übernahm Ida Eberhardt eine fünfte Klasse mit dem später bekannten Ehepaar Loki, geborene Glaser, und Helmut Schmidt, dem Bundeskanzler von 1974–82 als Schülerin und Schüler. Die SchülerInnen der Lichtwarkschule konnten ihre KlassenlehrerInnen selbst wählen. Loki Schmidt sagte zu ihrer Wahlentscheidung: „Natürlich aus äußeren Gründen. Sie sah freundlich aus, hatte rote Bäckchen, und vor allen Dingen hatte sie ein sogenanntes Reformkleid an – das waren alles Dinge, die ich mochte.“ [2] Sie bereute ihre Wahl nie: Ida Eberhardt lehrte ihrer Schulklasse mit ihrer mütterlich-freundlichen Art Toleranz und Gerechtigkeit und erzog sie zur Selbständigkeit. Loki Schmidt verband mit Ida Eberhardt „ein besonderes Verhältnis. Frau Eberhardt und ich haben öfter zusammen den Naturkundeunterricht vorbereitet. Wir sind in den Stadtpark gegangen und haben dort Material gesammelt, Pflanzen, Blätter oder Pilze. Manchmal sind wir zu einem Teich und haben Kaulquappen rausgefischt oder Wasserflöhe und Wasserpestblätter für unsere ersten Mikroskopuntersuchungen.“ [3] Ida Eberhardts Naturkundeunterricht hatte prägenden Einfluss auf Loki Schmidts botanische Interessen.
Auch anderen SchülerInnen half Ida Eberhardt. Sie bot Ratschläge und Hilfestellungen für Schülerinnen in der Pubertät, für damalige Verhältnisse in der Sexualerziehung ganz ungewöhnlich.
Legendär waren die Klassenfahrten: „Ich erinnere mich noch, daß wir zu der Zeit gern Fußball spielten, und sie machte mit. Ein wenig belächelten wir das – sie war damals 41 Jahre alt –, aber es imponierte uns auch.“ [4] Frauenfußball findet im Rahmen des DFB überhaupt erst seit 1970 statt.
„Ein fast fanatischer Gerechtigkeitssinn war kennzeichnend für Ida Eberhardt. … Nach der ‚Eins‘ kam bei ihr nicht etwa die ‚Zwei‘, auch nicht die ‚1-2‘ … Sondern sie benutzte die folgende Abstufung: ‚1‘, ‚noch 1‘, ‚fast 1‘, ‚1-„, ‚1-2‘. Für sie muß es immer sehr schmerzlich gewesen sein, wenn sie sich zum Jahresabschluß auf eine volle Zahl festzulegen hatte. Aber selbst da schaffte sie durch einen kleinen Trick noch feine Unterscheidungen, zum Beispiel ‚mündlich 3, schriftlich 2, zusammen 2‘“. [5]
1933 wurde der reformpädagogische Schulleiter Heinrich Landahl – von 1945–53 und 1957–61 war er Hamburger Schul- und Bildungssenator – gegen den Nationalsozialisten Erwin Zindler ausgetauscht. Die Bücher der am 10.05.1933 symbolisch verbrannten SchriftstellerInnen wurden aus der Schulbibliothek entfernt. Die jüdischen SchülerInnen verließen nach und nach freiwillig oder unfreiwillig die Schule. Politisch unliebsame und jüdische LehrerInnen wurden entlassen. Ida Eberhardt weigerte sich, der NSDAP oder dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) beizutreten und trat auch dem Antisemitismus an der Schule entgegen. So berichtete im Januar 1935 der Schulleiter Zindler an die Landesunterrichtsbehörde: „Betreffend Juden habe ich zu melden: … b) Im Anschluss an einen V.D.A .[Verein für das Deutschtum im Ausland]-Vortrag durch einen Deutschen aus Russland, der die Beteiligung der jüdischen Rasse am Bolschewismus kurz streifte, hat Fräulein Eberhardt meinem Stellvertreter gegenüber ihr Befremden zum Ausdruck gebracht, weil durch solche Vorträge die anwesenden jüdischen Schüler sich gekränkt fühlen könnten. Alsdann bei einem zweiten V.D.A.-Vortrag durch einen Deutschen polnischer Staatsangehörigkeit von mir die jüdischen Schüler ausgeschlossen wurden, war Fräulein Eberhardt auch das nicht recht. c) Dann ist Fräulein Eberhardt zweimal bei mir gewesen, um mich auf die Zeitung ‚Der Stürmer‘ aufmerksam zu machen, die in ihren Augen durch Wort und Bild der Zersetzung jugendlichen Empfindens dienen müsse, gerade deshalb, weil auf unserer Schule jüdische Schüler wären. Sie hat mir eine Nummer des ‚Stürmers‘ übergeben und mich gebeten, ob ich nicht Schritte unternehmen könnte, um den öffentlichen Aushang der Zeitung zu verhindern. Ich habe die Zeitung daraufhin gelesen und nichts unternommen. d) Im Anschluss an die Aufforderung von Oberschulrat Prof. Dr. Mühe, den Nichtmitgliedern des NSLB in meinem Lehrkörper zur Erwägung anheimzugeben, ob sie ihren Beitritt zum NSLB nicht zu vollziehen imstande sein könnten, hat mir Frau Eberhardt als Einzige [!] erklärt, sie könne dem NSLB nicht beitreten, weil sie damit zur NSDAP in Beziehung trete, sie aber wesentliche Wirtschafts- und Rasseeinstellungen der Partei nicht zu billigen imstande wäre.“ [6]
1934 gab Ida Eberhardt in ihrer Wohnung Abschiede in kleinem Kreis von KollegInnen für die jüdischen Lehrer Dr. Loewenberg und Dr. Liebeschütz, die 1934 aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden waren, sowie für den entlassenen kommunistischen Lehrer Gustav Heine und den abgesetzten Schulleiter Landahl. Von diesen Treffen hatte die Gestapo von dem Schulleiter Zindler erfahren und daraufhin eine Wohnungsdurchsuchung bei ihr durchgeführt.
Ida Eberhardt wurde zunächst wegen politischer Unzuverlässigkeit beurlaubt und 1935 unter Berufung auf das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem Schuldienst entlassen. In einer der letzten Schulstunden wollte sie „… den jungen Menschen, die ihr anvertraut gewesen waren, noch einen Rat für ihr Leben mitgeben: ‚Hütet Euch vor dem ‚Die‘-Begriff!‘ Sie wollte uns damit nachdrücklich warnen vor den weit verbreiteten Verallgemeinerungen, vor Sammelbezeichnungen und -bewertungen wie ‚die Kommunisten‘, ‚die Nationalsozialisten‘, ‚die Kapitalisten‘, ‚die Amerikaner‘ oder was auch immer jeweils so in einen Topf geworfen wird. In solchen Begriffen und Wertungen geht der einzelne Mensch verloren.“ [7] Auch an der Lichtwarkschule hatten nur wenige Ida Eberhardts Mut und Zivilcourage, um den Nationalsozialisten zu widerstehen.
Nach der Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus 1945 begann Ida Eberhardt wieder an einem Mädchengymnasium zu unterrichten und versuchte wohl auch dort Ideen der Reformpädagogik umzusetzen. Ihre damalige Schülerin Ingrid Moser berichtete: „Das, was Ida Eberhardt uns damals, drei Jahre nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes, zu Fragen der Erbhygiene, Euthanasie, des Suizids zu bedenken gab, hat wohl niemand sonst, der sich – wie Ida Eberhardt – zu den Gegnern des Naziregimes zählte, zu erwähnen gewagt. Heute [1975] beginnt man vorsichtig wieder, sich darüber Gedanken zu machen, und es erscheint noch immer ungeheuerlich. … Ein Thema, auf das Ida Eberhardt immer wieder zurückkam, war die Gleichberechtigung der Frau. Sie sprach auch für die Berufstätigkeit der Mütter, sofern die liebevolle Betreuung der Kinder gewährleistet wäre.“ [8]
Auch die Tradition der Klassenreisen setzte Ida Eberhardt fort: „Ida Eberhardt schlief mit uns in einem 28-Betten-Saal … und lag ausgestreckt auf dem Rücken – immer da, wenn irgendjemand von uns sie brauchte. Ich erinnere mich an keine Reaktion auf unser zunächst halbe Nächte lang währendes Gekicher. … In Andreasberg fanden sich einige Mitschülerinnen nicht zur verabredeten Zeit wieder ein. Ida Eberhardt trat unbesorgt die Rückwanderung an. Eine böse Stimmung breitete sich aus: Wie konnte sie nur – verantwortungslos! Die Vermißten trudelten natürlich wohlbehalten in der Jugendherberge ein und berichteten von Autostop und anderen aufregenden Erlebnissen. An diese Episode habe ich noch manchmal gedacht, wenn ich mir Sorgen machte um Kinder, denen man zutrauen konnte, sich allein zurechtzufinden.“ [9]
Ingrid Moser wurde Leiterin eines SOS-Kinderdorfes und berichtete über ihre ehemalige Lehrerin: „Als in Deutschland von ‚antiautoritärer‘ Erziehung noch nicht die Rede war, merkte Ida Eberhardt einmal, daß es mir peinlich war, daß meine Kinder nicht gehorchten. Sie fragte: ‚Warum halten Sie es für wichtig, daß Kinder gehorchen?‘ “ [10]
Ida Eberhardt ging 1953 in den Ruhestand. Danach arbeitete sie an der Herausgabe der gesammelten Werke ihrer Schwester, der Psychologin und Philosophin Magarete Eberhardt (1886-1958) und gründete die Eberhardt-Gesellschaft mit. Margarete Eberhard war 1934 wegen „kommunistischer Umtriebe“ – sie hatte Geld zur Unterstützung einer inhaftierten kommunistischen Studentin gesammelt – aus ihrer Assistenzstelle am Hamburger Institut für Erziehungswissenschaft entlassen worden und wurde erst 1957, fünf Monate vor ihrem Tod, mit der Berufung als Honorarprofessorin an der Hamburger Universität rehabilitiert.
Margaretes Werk war entstanden aus einer engen Zusammenarbeit mit Ihren Schwestern Ida, Else Eberhardt-Haas (1882-1958) und dem Bruder August Eberhardt (1881-1952). Ida Eberhardt betrachtete sich als „Hebamme“ des philosophischen Werkes ihrer Schwester. Klaus Schilling, ein Student und wissenschaftlicher Nachfolger Margarete Eberhardts, arbeitete nach Margarete Eberhardts Tod eng mit Ida Eberhardt zusammen und erinnerte sich; „Zurückblickend darf ich sagen, daß ich viele Darstellungen und Stellungnahmen, insbesondere soweit sie grundsätzlicher Art waren, eigentlich immer erst dann als ‚erhärtet‘ ansah, wenn sie die Prüfung, die ein solches Gespräch mit Ida Eberhardt bedeutete, hinter sich hatten. … Wann immer jetzt ein neuer Text in Arbeit ist, wird mir schmerzlich bewußt, daß die Zeit – immerhin waren es anderthalb Jahrzehnte – vorbei und nur noch Erinnerung ist, als neben dem Tisch, auf dem Ida Eberhardt den Tee gedeckt hatte, schon die Papiere bereitlagen mit ihren Randnotizen, mit den – leider hin und wieder berechtigten – Fragezeichen oder den bloß angestrichenen Stellen.“ [11]
Ida Eberhardt pendelte zwischen ihrer Hamburger Wohnung in der Hindenburgstraße und dem Familienwohnsitz auf dem Frommenhof. Der Arzt Emil Thiemann, ein enger wissenschaftlicher Freund Margarete Eberhardts, schrieb in seinem Nachruf über Ida Eberhardt: „Bei ihrer Bescheidenheit und Schlichtheit war immer wieder die Eigenständigkeit deutlich, ja auch die Eigenwilligkeit. Als Beispiel dafür mag geltem, dass sie noch im Alter von 80 Jahren ernsthaft erwog, sich ein Motorrad anzuschaffen, um schnell zwischen Hamburg und Dissen pendeln zu können.“ [12]
Als Emil Thiemann sie ein letztes Mal in Hamburg besuchte, „… nahm sie Abschied, traurig und matt, aber dankbar, ‚mein Leben war reich‘ und ‚wie viele Menschen ließen mich Anteil nehmen an ihrem Schicksal‘ “. [13] Ida Eberhardt starb nach langer Krebserkrankung am 10.12.1974 in ihrem Geburtsort Dissen.
Text: Dr. Ingo Böhle
Quellen:
1 Alle biographischen Angaben nach Anne Kathrin Beer: Eberhardt, Ida. In: Franklin Kopitzsch/Dirk Brietzke (Hg.): Hamburgische Biographien. Personenlexikon. Band 5. Göttingen 2010, S. 100; Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977.
2 Loki Schmidt: Mein Leben für die Schule. Im Gespräch mit Reiner Lehberger. Reinbek 2007, S. 59.
3 Ebenda, S. 86.
4 Hannelore [Loki] Schmidt: Ida Eberhardt – eine der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Lichtwark-Schulzeit. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
5 Herbert Lindemann; Aus unserer Lichtwark-Schulzeit bei Ida Eberhardt. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
6 Staatarchiv Hamburg, 362-2/20, Lichtwarkschule, Nr. 6, Personalunterlagen von Lehrern, Band 1: A-=, Unterakte Eberhardt. Zitiert nach Anne-Kathrin Beer: Eine Schule, die hungrig machte. Helmut und Loki Schmidt und die Lichtwarkschule. Bremen 2007, S. 119f.
7 Herbert Lindemann: Aus unserer Lichtwark-Schulzeit bei Ida Eberhardt. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
8 Ingrid Moser: Ida Eberhardt in meinem Leben. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
9 Ebenda.
10 Ebenda.
11 Klaus Schilling: Ida Eberhardt führte weiter, was sie mit ihren Geschwistern aufgebaut hatte. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
12 Dr. med. Emil Thiemann: Was bedeutet rationales Hinweisen, wenn nicht Leben vorgelebt wird – Ida Eberhardt gab uns ein Beispiel. In: Eberhardt-Gesellschaft e.V. (Hg.): Diskussion über Probleme des Erkennens, Wertens und Handelns 7.-10. Jahrgang 1974–77, Nr. 15. Hamburg 1977, o. S.
13 Ebenda.
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

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