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Frauenbios

Cläre Popp

( Emilie Clara Popp )
(21.5.1896 Hamburg - 26.7.1978 Hamburg)
Flugzeugmechanikerin, Puppenspielerin
Övelgönne 56 (Wohnadresse)
Neuer Wall 2/Ecke Jungfernstieg 12 (Wohnadresse)
Garten der Frauen, Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756 (Erinnerungsstein)
Während des Ersten Weltkriegs hatte Cläre Popp als Flugzeugmechanikerin gearbeitet. Sie wurde später Muse und Freundin des Schriftstellers Hans Leip und des Juweliers und Kunstmäzens Carl M. H. Wilkens (1891-1969). Letzterer besaß die Hamburger Filiale der Hemelinger (Bremen) Silberwaren-Fabrik. In seinem an der Ecke Neuer Wall/ Jungfernstieg gelegenen Haus, hatte er sein Juweliergeschäft. In dem Haus lebte er in einer bohememäßig ausgestalteten Wohnung. Das zur Wohnung ausgebaute Dachgeschoss stellte er gern Dichtern zur Verfügung. So lebte hier von 1921 bis 1931. Hans Leip, der diese Wohnung als seine „Himmelsecke“ gezeichnete. Dort schrieb er seine ersten Romane.
Cläre Popp und Hans Leip hatten sich im Oktober 1919 in einer Ausstellung bei Commeter kennengelernt. Äußerlich soll sie, so Hans Leip, „eine Puppe von Pariser Schnitt, innerlich ironische, tüchtige Hamburgerin“ gewesen sein. Beide waren von Anfang an Mitglieder der „Tafelrunde“, eines Kreises von Künstlerinnen und Künstlern, der sich 1918 aus einem wöchentlich stattfindenden Treffen von Kunstschaffenden in der Konditorei von Minna Seiler an der Esplanade gebildet hatte und der bis 1922 bestand.
Hans Leip trennte sich von seiner Frau Lina, mit der er erst seit einem Jahr verheiratet war und die im Februar 1920 die gemeinsame Tochter Grita gebar. Hans Leip gab auch sein Lehramt auf und wurde freiberuflicher Grafiker und Maler. Cläre Popp wurde seine Muse. .Das Paar lebte 1920 einen Sommer lang in Övelgönne in der Nähe des Schulbergs bei der Lotsenfamilie Meyer in der Straße Övelgönne 56. „Den Sommer über verzogen wir uns [er und Cläre Popp] nach Övelgönne in das malerische kleine Stille Lotsendorf, das sich seezu hinter Altona hinreiht, strandlängs mit Fliesenweg und schmalen Vorgärten. Den soliden Familien dort und besonders den schönen und allerschönsten Lotsentöchtern Hanna Meyer und Elisabeth Hauschildt sei Dank, daß sie das lockere Paar aufgenommen und geduldet haben. So elend arm es uns dort zuweilen erging, wir waren stets vergnügt. Nie wieder sind mir Verse und Melodien so leicht vom Gemüth geglitten“, schrieb Hans Leip im „Das Tanzrad“. Im selben Jahr schrieb er für sie, die er Muschemuj nannte, folgendes Liebesgedicht:
„ ‚Muschemuy‘
Es sprach die Sonne
Muschemuj,
da lagen wir im Sand.
Die Wellen sprachen
Muschemuj
Und küßten dir die Hand.

Da sprach der Südwind
Muschemuj
Und langte in dein Haar.
Ein dampfer brummte
Muschemuj
Und fuhr nach Sansibar.

Die großen Dampfer
Muschemuj,
und was es alles gibt,
das summt und säuselt
Muschemuj
Und ist in dich verliebt.
Muschemuj!“
1925 heiratete Hans Leip seine zweite Frau, Gretl Haalck.
Zusammen mit Hans Leip und anderen gründete Cläre Popp 1920 das „Hamburger Puppenspiel“. Die Idee dazu hatte Hans Leips Chef Hans W. Fischer, der Leiter des Feuilletons bei der „Neuen Hamburger Zeitung“ gehabt, für die Hans Leip als Kunstkritiker tätig war. Hans W. Fischer schwärmte: „Hamburgs junge bildende Künstler, geht hin! Ich möchte wetten, dass mancher unter euch genug Talent in den Fingerspitzen sitzen hat und genug Grips im Kopfe, um uns hier in Hamburg zu einem Puppentheater von eigenem Wuchs zu verhelfen. Ich könnte mir denken, dass es alle Wochen in einem feinen Raum spielte und mit einem ganz blitzend neuen Programm: mit Tänzerinnen und Bühnensternen, Deklamationen, Theaterparodien, politischen Satiren, lebendigen Gegenwartsbildern aus der Stadt, dem Reich, der Welt. Wertvolles, Unbekanntes, Unerprobtes würde zwischen den Purzelbäumen des tollsten Humors Platz finden. Viele Versuche, für die die schlechte Welt durchaus kein eigenes großes Theater bauen will, könnten hier gemacht werden; (…) hier wäre jedenfalls eine Gelegenheit, das junge geistige Hamburg, das sich trotz Universität und Kunstschule immer noch nicht kennt, zu einander zu bringen, Zeitungen und Zeitschriften, Bühnen, Vorträge und Versammlungen: alles das kostet enormes Geld und viele Umstände. Ein Puppentheater gäbe die Möglichkeit, spielerisch und ganz primitiv anzufangen. Es gehört nur Talent, Witz und Courage dazu. Sollten die nicht vorhanden sein?“ [1]
Das Puppentheater sollte kein Kaspertheater sein, sondern „literarisch hohe Kunst, tolle Grotesken und politische Wochenschau“ (Hans Leip: Tage- und Nächtebuch der Hamburger Puppenspiele, Eintrag vom 7.11.1919.) Zwischen Dada und Expressionismus wollten Hans Leip und Cläre Popp ihr Theater angesiedelt wissen. Zusammen bastelten sie auch Köpfe, Hände, Dekorationen, Kostüme. Im Raum 143 der Hamburger Kunstgewerbeschule baute der befreundete Architekt Kurt F. Schmidt eine Puppenbühne. Claire Popp, die während des Ersten Weltkrieges Mitarbeiterin bei der Puppenbühne von Albert Schlopsnies in München gewesen war und bei dem sie auch das Bauen und Entwerfen von Marionetten erlernt hatte, machte tatkräftig bei den Vorbereitungen für die erste Aufführung eines Puppenspiels mit. So schrieb sie am 18.12.1919: „Gestern, Dienstag war ganz mit Kleberei usw. ausgefüllt. Hans hat dabei allerlei Wege erledigt von denen hoffentlich auch mal einer ‚Geld‘ einbringt – wir müssen doch reich werden! – Übrigens haben wir viele Anfragen nach Gast-Vorstellungen. Wir machen eben nun ein Wandertheater (…). Es wird schon werden! – Der Adventskranz hängt fix und fertig! Hans mag ihn gern und darum freut es mich am allermeisten Ich hatte doch eine geheime Sorge, dass er ihn zum Schluss naiv finden könnte. Das ist fein an ihm, dass sein Herz über das was ich tue, sage oder will, unbeeinflusst ist. Ich kann mich auf ihn verlassen. Er soll immer wissen, dass ich auch abfällige Kritik vertragen kann. Noch bin ich nicht zu eitel dazu. Vielleicht werde ich es, wenn unser betrunkener Lebenskelch gut wird. Aber dann darf ich’s ja doch auch. Selbstverständlich was anderes wäre doch Lüge im Quadrat.“ [1]
Der Kostenplan für die Puppenbühne war sehr hoch angesetzt: „18.000 Mark waren für die Realisierung vorgesehen, dazu ein Gehalt von 500 Mark für Cläre Popp, monatlich. Von der angestrebten Summe kam aber lediglich ein Bruchteil zusammen, der gerade mal zur Fertigstellung der Puppenbühne und für eine Aufführung auf dem Künstlerfest „Die Gelbe Posaune der Sieben“ am, 7. Februar 1920 im Curiohaus reichte.“ [1] Die Aufführung des Puppenspielstückes „Der betrunkene Lebenskelch oder wider Willen ins Grab zurück“ musste jedoch abgebrochen werden, weil es im Festsaal zu unruhig und die Akteure zu betrunken waren. Zu weiteren Aufführungen kam es nicht mehr. Dazu Hans Leip: „Den Rest der Puppentheater-Latten verkaufte ich an einen Tischler für 100 M. An Tischler Ladendorff hab ich noch lange an der Rechnung von 1200 abbezahlt. Die Särge blieben auf dem Övelgönner Boden. Darin begraben sie ihre Mißgeburten, sagte Cläre.“ [1]
Das Ende der Liebe zwischen Hans Leip und Cläre Popp kam 1921. „Cläre Popp, alias Prinz Muj, alias Sinse ist mit dem W[ilkens] nach Insbruck gefahren. Ohne Abschied. Wir haben uns auf einer Puppenbühne erzürnt. Für die Überseewoche hatte der Deutsche Werkbund ein Ausstellungshaus in bunt gestrichenem Holz vor dem Dammtor errichtet. Dort spielte Cl. P. [Cläre Popp] mit Fubs und Hanna Wolf mit eigenen Handpuppen das Schäferspiel von Wedekind. Felis und Galathea. Die Bühne von K. F. Schmidt. (Sie hat inzwischen auch schöne Puppen gemacht, eine Nonne besitze ich). Ich spielte statt Hanna Wolf drei Abende mit. Und war der Felix. Da Cl. Mich anschnauzte, weil ein Draht riss, schnappte ich ein. Wir haben da auch wüst getanzt mit [Walter] Holdt und Stuckenschmidt und Ursula Falke, die mit Luksch verbandelt ist und vorher ein Kind von ihm hatte. […] (…). Die Angelegenheit der Hamburger Puppenspiele scheint mir ist hiermit erledigt. (…) Wenn ich die Angelegenheiten dieses Mittags übersehe, ist meine Neigung für die Puppenbühne verbunden gewesen mit der Atmosphäre der Sinse [Cläre Popp].
Die große Seligkeit und wechselvolle Zeit von fast drei Jahren knüpft sich in diesen Kreis. Es war Leidenschaft, Leid, Schaft und Liebe genug für lange hinaus, meine ich zu vernehmen in mir: Gott gebe uns eine gesegnete Freundschaft für ewige Tage.“ [1]
Im Alter wurde Cläre Popp sehr krank und soll, so Hans Leip: „bei ihrer Schwester von langen Halluzinationen erlöst worden“ sein. [1]
Text: Rita Bake
1 Rüdiger Schütt (Hrsg.): Hans Leip, Tage- und Nächtebuch der Hamburger Puppenspiele. Kiel 2005, S. 6, 10, 14, 88f., 129,131f., 137.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

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Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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