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Frauenbios

§ 218 Beratungsgruppe

Kampstraße 11 (ehemals)
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 720-1-224-3-=-P1977_17
Ende der 1970-er Jahre, in Zeiten der Neuen Frauenbewegung, gründete sich mit acht Frauen die § 218 Beratungsgruppe. Dazu schreiben sie in der Broschüre „Hamburger Frauen Gruppen stellen sich vor, herausgegeben ca. Ende 1979 von bildwechsel: „Wir haben uns vor ca. einem Jahr zusammen getan, weil es vom Hamburger Frauenzentrum keine Beratung mehr gab und wir dieses Thema für uns und alle Frauen sehr wichtig halten.
Zuerst wollten wir uns nur mit Abtreibung, Verhütung etc. beschäftigen, als dann aber die ‚Reste‘ der Müttergruppe zu uns kamen, nahmen wir die Themen Geburt und Schwangerschaft mit auf. Bisher haben wir Material über alle möglichen Verhütungsmaßnahmen zusammen getragen und beschäftigen uns jetzt mit der Aufarbeitung einer (Frauen-) Ärztekartei und einer Kartei über Kliniken/Ärzte und Ärztinnen, die abtreiben. (…)
Wir arbeiten außerdem locker mit einer Gruppe zusammen, die ein Gesundheitszentrum für Frauen in Hamburg aufbauen will. Den Anfang unserer gemeinsamen Arbeit bildete die Diskussion 1. Über die Art und Form der zukünftigen Beratungsarbeit und 2. Über den politischen Kampf gegen den § 218. Wir kamen zu dem Ergebnis, daß beide Aspekte miteinander im Zusammenhang stehen. Für die Abbruchberatung wollen wir den § 218 so optimal wie möglich ausnutzen, wir wissen aber, daß solange der Paragraph besteht, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren eigenen Körper nicht erreicht ist. Durch dieses Verständnis unserer Frauenpolitik sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß wir uns mit unserer Beratungsarbeit nicht zurückziehen dürfen mit dem alleinigen Ziel, die Beratung immer perfekter zu machen, sondern eine gute Beratung mit unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten durchzuführen, aber gleichzeitig gemeinsam mit anderen regionalen und nationalen Gruppen für die ersatzlose Streichung des § 218 einzutreten.
Aufgrund dieses Diskussionsprozesses versuchten wir im Rahmen der Erstellung einer Ärztekartei und Auftreten damit auf Veranstaltungen am 8. März und Ende April 1979, durch Fragebogenaktion, Kontakte zu anderen Frauengruppen, die Beratung machen oder sich mit medizinischen Problemen, wie z. B. Prostaglandine beschäftigen, zu knüpfen. Leider ist es bisher nicht zu einer Zusammenarbeit oder Erfahrungsaustausch gekommen. Des weiteren erstellten wir einen Fragebogen zu den Abtreibungsmöglichkeiten und Bedingungen für die Hamburger Krankenhäuser, wo allerdings keine Resonanz (bis auf Finkenau) erfolgte. Die Konsequenz war, daß wir uns individuell umhören mußten und wenn wir Anrufe von hilfesuchenden Frauen bekamen, dazu gezwungen waren, sie an ambulant abtreibende Ärzte zu schicken, wovon es in Hamburg aber nur wenige gibt, die wirklich bereit sind, jeder Frau zu helfen.
Zur weiteren Vorbereitung für die Beratung stellten wir eine kleine Broschüre mit der Besprechung und Erklärung der bestehenden Verhütungsmethoden zusammen,. Außerdem sind wir dabei, eine Broschüre über den Schwangerschaftsabbruch mit der Absaugmethode zu machen, (…).“
Heute (2019) gibt es die Gruppe nicht mehr.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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