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Frauenbios

Elisabeth Meyer

( Elisabeth Meyer, geb. Kirchhof )
(4.6.1889 Hohenhausen – 2.2.1964 Hamburg)
Unterstützerin von Kunstschaffenden, Mitbegründerin der Vereinigung bildender Künstlerinnen in Hamburg e. V.
Schlüterstraße 52
Folgende Textauszüge sind entnommen der Veröffentlichung: In Memoriam: Elisabeth Meyer 1889-1964. Im Auftrag der „Vereinigung bildender Künstlerinnen in Hamburg“ unter Mithilfe von Irmgard Kanold, Luise Stein-Gleitsmann, Martha Zylmann. Hrsg,. Von Hugo Sieker. Hamburg o. J.
„(…) Elisabeth Kirchhof erblickte am 4. Juni 1889 in Hohenhausen das Licht der Welt. Als Tochter eines Verwaltungsbeamten, der später nach Brake, einem alten Schloß des Lipperlandes im Renaissancestil, versetzt wurde, war ihr eine lebensfrohe Jugend beschieden (…). Das glückliche Familienleben unter dem gütig-strengen Regiment des Vaters sollte für die Zielsetzung ihres ganzen Lebens bestimmend bleiben. ‚Hübsch devot und fein sittsam‘, so wies der Vater die sechs Geschwister gelegentlich trotz des ihnen eingeräumten Einspruchsrechtes in die Schranken. Sie wurden übrigens sämtlich – die Mutter war Katholikin – evangelisch in der Konfession des Vaters erzogen.
In Lüneburg, wo sie einen Sommer hindurch bei Bekannten weilte, lernte Elisabeth den jungen Altonaer Wilhelm Meyer (geb. 29.10.1888) kennen, der hartnäckig um sie warb und im Mai 1914 in Detmold heiratete. (…)
Bald nach der Hochzeit wurde der junge Ehemann von der Überseefirma Münchmeyer nach Haiti beordert und nahm kurz entschlossen seine Frau mit. (…) [1919 kehrten sie nach Hamburg zurück, [dort wohnten sie zuerst in der Gärtnerstraße]. Nach sieben Jahren siedelten sie in die Gneisenaustraße um, wiederum für sieben Jahre. 1934 fanden sie ihren Wohnsitz in der Schlüterstraße, der so vielen Künstlern und Persönlichkeiten des geistigen Lebens zu einem Zufluchtsort werden sollte.
Elisabeth Meyer wurde zunehmend im Kulturleben der Hansestadt zu einer profilierten Erscheinung, seit sie sich als Mitglied des ‚Hamburger Frauenclubs‘ [siehe unter: Frauenklub Hamburg] der Gruppe der Malerinnen angenommen hatte. Ihr Streben war von Anfang an das gleiche: Sie wollte den Malerinnen Beachtung und günstige Ausstellungsmöglichkeiten verschaffen. Der Frauenclub bestand seit 1906. Er mußte seine Tätigkeit im Jahre 1939 als eine der vielen Maßnahmen im Zuge der ‚Gleichschaltung‘ einstellen. Elisabeth Meyer verlor jedoch die Interessen der Künstlerschaft niemals aus dem Sinn. Ihre Versuche und Bemühungen im Dritten Reich sind nicht gering einzuschätzen, wenn sie auch zum großen Teil unter dem Vorzeichen der Anonymität erfolgten. Manche ihrer in der Rückschau bescheiden wirkenden Taten setzten eine besondere Zivilcourage voraus; man darf nicht die Maßstäbe des heutigen bequemeren Lebens daran legen. Elisabeth Meyer fuhr ohne einen anderen Schutz als den, die Mutter eines Ritterkreuzträgers zu sein, nach Berlin, bestellte dort Dr. Goebbels zu einem Gespräch und wußte ihm klarzumachen, daß die von Johannes Böse begründete und geleitete ‚Griffelkunstvereinigung‘ kein Objekt für die politische Verfolgung sei. Ein anderes Mal fuhr sie nach Güstrow, um Bernhard A. Boehmer, den Sachwalter Ernst Barlachs, in seinen Absichten zu stützen, unter dem Deckmantel eines devisenbringenden Kunsthandels manches Meisterwerk der ‚Entarteten Kunst‘ in Sicherheit zu bringen. Elisabeth Meyer hatte stets einen Spürsinn für Gefahren, die einem Schaffenden von seiten der Parteigewaltigen drohten, und verstand es geschickt, ihn gegen solche Zugriffe abzuschirmen. (…) Oftmals trafen Gleichgesinnte in ihrem Haus zu ketzerischen Unterredungen zusammen, sobald es um eine gewagtere Ausstellung ging. (…)
Sie war von einem Unternehmungsmut beseelt, der manchem Beteiligten gelegentlich unbequem werden konnte. So wagte sie es auch in ungewisser Zeit 1946 als erste nach Güstrow zu reisen, um zerrissene Verbindungsfäden zwischen West und Ost neu zu knüpfen. Sie schrieb den ersten authentischen, schonungslos objektiven Bericht über das Ergehen von Barlach-Freunden während der russischen Besatzung. Kaum zurückgekehrt, führte sie in ihrer Wohnung einen Abend des Gedenkens für Ernst Barlach durch, der allen Teilnehmern unvergeßlich blieb, zumal sieben verschollen geglaubte Platten mit der Stimme Ernst Barlachs vorgespielt wurden. Anderen werden die ‚Speisungen‘ am Tisch der Familie Meyer in den Hungerjahren 1946/47 unvergeßlich sein; sie wurden unter Ausnutzung von ländlichen Verbindungen ermöglicht. Wieder andere werden sich an das ‚Studio für Aktzeichnen‘ erinnern, welches Elisabeth Meyer in ihren Wohnräumen einrichtete, als der große Ateliermangel herrschte. So waren ihrer Aktivität manche beispielhafte Taten der Menschlichkeit und gegenseitigen Hilfe zu danken. Manchem Studenten konnte sie mit einer Wohngelegenheit aushelfen, und manchem Künstler bot sie gastfreundliche Unterkunft, wenn es kurze oder längere Zeit der ‚Arbeitssuche‘ in Hamburg zu überbrücken galt.
Am 12. Juli 1947 gelang es Elisabeth Meyer, in Gemeinschaft mit zwölf Künstlerinnen, die ‚ Vereinigung bildender Künstlerinnen in Hamburg e. V.‘ ins Leben zu rufen. Die Begründerinnen waren sich bewußt, daß der Kulturwille trotz schwerster Prüfungen und trotz der Härte der Zeit nicht untergehen durfte. Sie stellten sich die Aufgabe, die Jungen zu fördern, den Reifen Anregung zu geben, den Austausch von Erfahrungen zu pflegen und vor allem der Öffentlichkeit vom Schaffen berufener Malerinnen, Zeichnerinnen oder Bildhauerinnen Rechenschaft zu geben. Sie wollten keine ‚zweite Berufsorganisation‘ schaffen, doch stießen seit der Gründung viele Künstlerinnen aus Hamburg und Norddeutschland zu dieser Vereinigung, so daß sie bald eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern besaß.
Als wahre Zeugnisse der privaten Kunstpflege, der weiblichen Zähigkeit und als Bindeglied der schaffenden Frau diesseits und jenseits der Grenzen, waren mehr und mehr die Ausstellungen der ‚Vereinigung bildender Künstlerinnen in Hamburg‘ anzusehen. 26 Ausstellungen konnten zwischen 1947 und 1962 im wesentlichen dank der Initiative Elisabeth Meyers durchgeführt werden. (…)
Neben ihrer Bestimmung als Gattin, Mutter und Hausfrau bewährte sie sich als Kunstfreundin, Rednerin und Organisatorin. Für die Ausstellungen wußte sie jederzeit wichtige Helfer unter Pressevertretern, Künstlern und Praktikern zu gewinnen, zu denen vor allem Reinhold Zulkowsky und Fritz Kronenberg zu zählen waren, die für den geschmackssicheren Stil der Ausstellungen Sorge trugen. Trotz vieler Hemmnisse, die nicht zuletzt im menschlichen Trägheitsmoment von Beteiligten und Behörden lagen, gelang es Elisabeth Meyer das Niveau der Ausstellungen ständig höherzutreiben.
Ihr letzter Plan war eine große Ausstellung gemeinsam mit der GEDOK; die Verwirklichung sollte ihr versagt bleiben. Der Tod berief diese tatenfreudige Frau am 2. Februar 1964 von dem Platz ab, den sie sich erwählt hatte und von dem aus sie – wie Senator Dr. Biermann-Ratjen schrieb – ‚sich so selbstlos und passioniert für ihre Schützlinge eingesetzt hat‘ (…).“
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: August 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 1257 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

August 2021: Esther Bejarano, Gerda Zorn, Sara Susanne Pander, Christa Mulack, Jutta Rall-Niu, Antonia Hilke

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2695 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 446 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: August 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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