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Andrea Karsten

( Andrea Karsten, geb. Roßberg )
(20.4.1943 Trebanitz (Sachsen) – 13.2.2021 Hamburg)
Mitbegründerin der Deutsch-Tansanischen Partnerschaft (DTP), tansanischer Name Mama Anna Tansania
Jessenstraße 4-6 (Wirkungsstätte Deutsch-Tansanische Partnerschaft)
Andrea Roßberg wurde am 20.04.1943 in Trebanitz (Sachsen) geboren. [1] Sie wuchs in Einum (heute in die Stadt Hildesheim eingemeindet) in Niedersachsen auf. Besondere Erinnerungen hatte sie an ihre Großmutter: „Meine Oma war für mich der allerwichtigste Mensch. Sie lebte in Dresden, wir im Westen. Sie durfte im Jahr vier Wochen kommen ¬– das war für mich der Himmel. Ich fand sie wunderschön, innerlich und äußerlich. Sie hat mir Häkeln beigebracht und Stricken.“ [2]
Seit 1966 war Andrea Karsten verheiratet mit Christan Karsten in Hamburg. Das Ehepaar hatte vier gemeinsame Kinder. Bis 1991 arbeitete sie als Hausfrau, Mutter und pflegte die eigene und die Schwiegermutter: „Ich hatte zwar immer eine große Sehnsucht nach Ferne und Freiheit. Aber ich hatte auch vier Kinder. Das war mein Leben, selbst gewählt und gewollt. Dann habe ich meine Mutter und meine Schwiegermutter, beide mit Parkinson, gepflegt. Damals war ich so fertig, dass ich dachte: Wenn das vorbei ist, gehst du selbst direkt ins Seniorenheim. Doch dann habe ich studiert, gleichzeitig mit meinen Kindern, und habe als Erste Examen gemacht.“ [3]
Im Alter von 49 Jahren begann Andrea Karsten 1991 ihr Studium der Volkswirtschaft und Soziologie an der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) Hamburg [heute als Fachbereich Sozialökonomie in die Wirtschaftsfakultät der Universität eingegliedert] und schloss es 1997 als Sozialökonomin ab. Ein Semester davon studierte sie an einer Partneruniversität der HWP in Daressalam (Tansania). „Ich wusste gar nicht, dass es diese Welt gibt, wo die Menschen im Mittelpunkt stehen“, sagte sie in einem TAZ-Interview 2012. Sie sei beeindruckt gewesen „von diesen unglaublichen Frauen“, die sie dort traf, „von deren Herzlichkeit, Großzügigkeit und Tüchtigkeit.“ [4]
Sie begleitete eine Evaluationsreise der Friedrich-Ebert-Stiftung und lernte Frauengruppen in der Region Kondoa kennen. Zurück in Deutschland förderte sie mit anderen FreundInnen den Bau eines Frauen-Meeting-Centers in dieser Region. 1998 gründete sie zusammen mit anderen die Deutsch-Tansanische Partnerschaft e. V (DTP). Unter den Gründungsmitgliedern war auch Gerd Hinnerk Behlmer, 1998 Staatsrat in der Hamburger Staatskanzlei und vor allem bekannt durch seine Teilnahme an der Protestaktion des Hamburger AStA 1967 mit dem Transparent „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“ im Hamburger Audimax.
Andrea Karstens Ziele für die DTP waren Völkerverständigung und die Förderung erneuerbarer Energien in Tansania. Schon ihre Abschlussarbeit an der HWP beschäftigte sich mit den Erfahrungen im Gebrauch von Solaranlagen in Hamburger Privathaushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Während ihres Studienaufenthaltes in Daressalam hatte Andrea Karsten festgestellt, dass trotz hoher Sonneneinstrahlung deren Energie kaum genutzt wurde. Im Jahr 2000 entstand auf ihre Initiative in der Dorfschule Kizimkazi mkunguni die erste Solarlampenwerkstatt, aufgebaut durch tansanische SchülerInnen und zwei deutsche Zivildienstleistende. Diese gute Erfahrung veranlasste Andrea Karsten, das erste Freiwillige Ökologische Jahr (eines der Nachfolgeeinrichtungen des Zivildienstes als Bildungsjahr für junge Leute mit einer allerdings geringfügigen Vergütung) in einem afrikanischen Land ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit dem Dachverband für erneuerbare Energien in Tansania (TAREA) wurde das Freiwillige Ökologische Jahr umgesetzt.
Die jungen Freiwilligen arbeiten vor Ort mit jungen Tansaniern gemeinsam daran, erneuerbare Energien zu fördern, stellen einfache Solarlampen her und reparieren sie. Die Lampen sind in Dörfern ohne Stromversorgung sehr begehrt. Sie bauen Energiesparöfen oder solare Warmwassererhitzer. Die Einsatzorte der Freiwilligen sind Schulen und Einrichtungen von Nichtregierungsorganisationen (NGO).
Die DTP entwickelte zahlreiche Projekte in Tansania wie die Einrichtung des Kindergartens „Maandalazi Mama Anna“, eine Palmbaumpflanzung durch die Frauengruppe, Solardays in Daressalam und Sansibar, Deutschlandbesuche der tansanischen PartnerInnen, schulische Lehrprogramme, eine Nursery School, langjährige Briefpartnerschaften, Klassenreisen und Schul- und Ausbildungspartnerschaften.
Am 03.11.2009 hat Andrea Karsten das Bundesverdienstkreuz für ihre Entwicklungsarbeit in Tansania erhalten. Bundespräsident Horst Köhler würdigte die Ausgezeichnete :„Als ehrenamtliche Geschäftsführerin und Projektleiterin war sie die treibende Kraft des Vereins und verbringt auch heute noch als Ehrenvorsitzende mehrere Monate in Tansania, um Projekte zu begleiten. Sie initiierte das ‚Freiwilligenjahr für Völkerverständigung und Entwicklung durch gemeinsame Arbeit Jugendlicher für Klimaschutz und Erneuerbare Energien‘ und das Qualifizierungsprojekt für jugendliche Tansanier, die im Bereich Erneuerbare Energien arbeiten möchten sowie viele andere Projekte. Im Jahre 2000 startete sie das Projekt ‚Solarlampenwerkstatt in der Schule Kizimkazi mkunguni‘ mit den ersten zwei Zivildienstleistenden. Seither ermöglichte die DTP für 91 deutsche Jugendliche ein Freiwilligenjahr in Tansania. Alle bisherigen Projekte der DTP wurden von Tansaniern übernommen.“ [5]
Mohammed Khelef Ghassani, der Kisuaheli-Lehrer für die deutschen Freiwilligen schrieb 2008 [die deutsche Übersetzung ist etwas holperig]: „Trotz alle dieser Unterschiede [zwischen Deutschland und Tansania], gibt’s auch sehr große Gemeinsamkeiten: unsere Menschheit. Deutscher oder Sansibarischer haben wir alle eine Hoffnung als Menschen. Wir haben aber einen einzigen Traum um für den wir leben. Wir wollen das Beste für unser Leben und unsere Zukunft machen. Einmal waren ich und Andrea Karsten in Kisimkasi gewesen. Nach dem dieser Einheit habe ich einen Vers geschrieben:
Wie viele Wege soll ich folgen?
Wie viele um meine Ziele zu erreichen
Direkt gehe ich, keinen Halt da zwischen
Wenn du kennst, sag mal denn!
‚Mohammed, ich weiß es gibt Wege, aber wie viele das kann ich nicht sagen. Das weiß ich nicht.’ So sagte Andrea.
Wie ich, haben Andrea und das ganze Team von DTP auch ihren Weg gesucht. Sie haben einen Traum für den sie leben. Und dieser Traum war auch ihr Auftrag‚ ‚LICHT FÜR ALLE!’ Am Anfang war es nur für ein kleines Dorf, Kisimkasi, im Süden Sansibar, aber heute ist es die Mission für das ganze Land, Tansania. Ein Licht von Solarenergie für alle.“ [6]
Andrea Karsten genoss das Leben mit ihren Kindern und Enkeln im Alter: „Unser Liebstes ist es, am Abend gemeinsam unter die Decke zu kriechen und zu erzählen. Ich habe keine Qualifikationen, die ich vermitteln möchte, ich will kein Vorbild sein. Aber ich lasse gern in Ruhe die Gedanken fließen, und das verbindet mich dann mit meinen Enkeln.“ [7] Dabei mischte sie sich nicht in die Erziehung ihrer Enkel ein: „Mit meinem Mann [spreche ich darüber, wenn sie sich Gedanken darüber macht, wie ihre Enkel aufwachsen und erzogen werden]. Ich will in der Familie meiner Kinder nichts stören, was aus sich selbst heraus entsteht. Jede Generation hat ihre eigene Art, und es ist schön, das zu beobachten.“ [8]
Andrea Karsten ist am 13.02.2021 im Kreis ihrer Familie in Hamburg verstorben. In der Traueranzeige der DTP im Hamburger Abendblatt vom 06.03.2021 wird ihr tansanischer Name Mama Anna Tansania mit genannt.
Text: Dr. Ingo Böhle
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juni 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juni 2021: 1241 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
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