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Frauenbios

Adeline Gräfin von Schimmelmann

(19.7.1854 auf Schloss Ahrensburg – 18.11.1913 Hamburg)
Evangelistin
Eppendorfer Landstraße 19 (hier verstorben)
Ruth Albrecht, Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Hamburg und Regina Wetjen haben zu Adeline Schimmelmann geforscht. Aus diesem Grund sollen sie hier auch zu Worte kommen. So schreiben sie über diese starke Frau: „Am 19. Juli 1854 kam in Schloss Ahrensburg Luise Adelaide Caroline als fünftes Kind des Grafenpaares Ernst (1820–1885) und Adelaide (1823–1890) von Schimmelmann zur Welt. Mit ihren zehn Geschwistern, von denen zwei früh verstarben, verbrachte sie ihre Kindheit im südlichen Holstein. (…)
Adeline Schimmelmann wuchs in einer privilegierten Umgebung auf, in der Unterricht für Mädchen selbstverständlich war. Die gräflichen Kinder lernten mehrere Sprachen, so dass Adeline sich später in Dänemark, England, Amerika und Italien gut verständigen konnte. Da in der Umgebung des Gutes Ahrensburg Plattdeutsch gesprochen wurde, war ihr auch diese Sprache vertraut; später konnte sie diese Kenntnisse bei ihrer Arbeit mit Fischern und Seeleuten einsetzen. Ihre Eltern gehörten der lutherischen Kirche an, pflegten jedoch auch Kontakte zu den Hamburger Erweckten wie Johann Hinrich Wichern und Elise Averdieck.“ [1]
Von 1872 bis 1890 arbeitete Adeline Schimmelmann als Hofdame der Kaiserin Augusta.
Adeline von Schimmelmann, Quelle: Autor unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
„Im Februar 1886 hörte sie in Berlin einen Vortrag des bekannten Pfarrers und Volksschriftstellers Otto Funcke, dem sie im Rückblick ihre Bekehrung zuschrieb. Als sie sich im August 1886 zur Erholung auf der Insel Rügen im Ort Göhren aufhielt, lernte sie das Elend der dort arbeitenden Fischer kennen, welche sich nach dem Aufkommen des Tourismus ihrer Lebensgrundlage beraubt sahen. Schimmelmann konzipierte daraufhin am Göhrener Salzlagerplatz (Solthus) ein Seemannsheim. Es bot 50 Personen Platz und wurde 1887 eingeweiht. Später kaufte sie auch Grundstücke auf der Insel Oie und in anderen Orten entlang der Küste, um dort weitere Heime einzurichten. Insbesondere bemühte sie sich um die Bekämpfung des unter den Fischern weit verbreiteten Alkoholismus. Dafür predigte sie auch an den Stränden Rügens und setzte sich –entgegen dem Zeitgeist –auch für das Frauenwahlrecht ein. Als mit dem Tod der Kaiserin 1890 ihre Tätigkeit als Hofdame endete, konnte sie sich ganz ihren karitativen Projekten widmen.“ [2]
Für die Fischer hielt sie auch Bibelstunden ab. „. Allmählich weitete sie ihren Aktionsradius aus und trat mit evangelistischen Vorträgen an der gesamten pommerschen Ostseeküste auf. Zudem nahm sie in ihr Fischerheim Jungen auf, um ihnen christlichen Elementarunterricht zu erteilen und sie gleichzeitig zu einfachen Handarbeiten anzuleiten. (…) Sie bezeichnete sie als ihre Pflegesöhne. Einen von ihnen konnte sie adoptieren: Paul Schimmelmann unterstützte seine Adoptivmutter bis zu deren Tod bei ihrer missionarischen und evangelistischen Arbeit. Das soziale Engagement auf Rügen und an der pommerschen Küste trug Adeline Schimmelmann öffentliche Anerkennung ein. Jedoch bereiteten ihr eigenwilliges Auftreten sowie die Tatsache, dass sie ihre Projekte aus ihrem Erbe finanzierte, den eigenen Geschwistern erhebliche Schwierigkeiten. In Zusammenarbeit mit dem bekanntesten dänischen Psychiater seiner Zeit, Knud Pontoppidan (1853–1916), ließen sie im Frühjahr 1894 die Gräfin als gefährlich und unzurechnungsfähig in eine geschlossene Abteilung des Kopenhagener Kommunehospitals einweisen. Adeline Schimmelmann wurde nach einigen Wochen als gesund entlassen – das Stigma, verrückt zu sein, begleitete sie jedoch bis an ihr Lebensende. Diese Psychiatrieeinweisung entfachte in Dänemark eine öffentliche Debatte über die psychiatrischen Einrichtungen des Landes und das Verfahren einer zwangsweisen Wegschließung. Dadurch erhielt die Gräfin weitere Aufmerksamkeit, die sie ihrerseits für die Ausweitung ihrer missionarischen Arbeit nutzte. Nach diesem traumatischen Einschnitt nahm sie die soziale Arbeit in Pommern wieder auf, verlagerte ihren Schwerpunkt jedoch zunehmend auf evangelistische Vorträge und schriftstellerische Projekte. Ihr luxuriöses Segelschiff ‚Duen‘ trug zu ihrer Bekanntheit bei, denn in der Kaiserzeit besaß nur eine kleine – meist männliche – Elite eine eigene Yacht. (…),“ [3] schreiben Ruth Albrecht und Regina Wetjen.
„Seit 1894 wirkte Schimmelmann in Deutschland, bald auch in anderen europäischen Ländern, als freie Evangelistin. Sie bereiste mit ihrer Yacht Skandinavien, England und Italien, wo sie sich ebenfalls für ein besseres Leben der Seemänner engagierte. Von 1898 bis 1900 bereiste sie die USA und Kanada, wo sie gut besuchte Vorträge hielt. Auch hier organisierte sie die Versorgung von Seeleuten. Schimmelmann schrieb zahlreiche Traktate, wurde allerdings von der Kirche nicht unterstützt. Männliche Pastoren sahen in der sogenannten Pietistin vielfach eine Konkurrenz, zumal sie auch Teile der etablierten Kirche sowie die Diakonissen kritisierte. (…).“ [4]
„Nach ihrer Rückkehr aus den USA ließ sich Schimmelmann zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn Paul in Berlin nieder. Sie gründete die ,Adeline Schimmelmann’s Internationale Mission‘ sowie einen Verlag, der hauptsächlich ihre Schriften druckte. Seit 1903 erschien monatlich die Zeitschrift ‚Leuchtfeuer‘. Gleichzeitig kam die Gräfin einer umfangreichen Vortragstätigkeit nach. Ebenfalls kurz nach der Jahrhundertwende erwarben Paul Schimmelmann und seine Adoptivmutter einen abgelegenen Forsthof oberhalb von Bischofsheim in der Rhön. (…)“ [5]
1903 hielt Adeline von Schimmelmann einen Vortrag in der Gaststätte „Wandsbeker Hof“, der eine Auseinandersetzung im „Wandsbecker Boten“ nach sich zog. Pastor Brodersen von der Wandsbeker Kreuzkirche kritisierte in der Ausgabe vom 12.3.1903 scharf die Ausführungen von Adeline Schimmelmann und warf ihr vor, Unwahrheiten zu verbreiten. [6] Zur Unterstreichung seiner Behauptung ging er nicht gerade christlich vor. Er nahm den von Adeline Schimmelmanns Verwandtschaft perfide durchgesetzten Psychiatrieaufenthalt von Adeline zum Anlass, ihr eine psychische Krankheit nachzusagen, um sie damit als unzurechnungsfähig zu bezeichnen. Dazu schreiben Ruth Albrecht und Regina Wetjen: „Brodersen, der seit 1901 als Gemeindepastor in Wandsbek tätig war, deklarierte sein Eingreifen sowohl am Abend des Vortrags als auch in der veröffentlichten Stellungnahme als Ausdruck seiner pastoralen Verantwortung: ‚‘Um falschen Vorstellungen über die mündlich und schriftlich von der Gräfin Adeline Schimmelmann auch dieser Tage in unserer Stadt kolportirten angeblichen Verfolgungen Seitens ihrer Verwandten nach Möglichkeit vorzubeugen, halte ich als ein Pastor der hiesigen Gemeinde und seit langen Jahren mit den in Frage stehenden Verhältnissen genau bekannt, mich für berechtigt und verpflichtet, der Gemeinde gegenüber diese angeblichen ‚Verfolgungen‘ für lauter Unwahrheiten zu erklären.‘ Der Geistliche griff zur gleichen Erklärung, die auch von den Verwandten Schimmelmanns vorgetragen wurde. ‚Ich würde, wie an jenem Abend, auch hier die behaupteten Verfolgungen in schärferen Ausdrücken bezeichnen, wenn ich die Gräfin nach ihren eigenen Aeußerungen, wie nach ärztlichen Gutachten nicht für krank halten müßte‘. (…)“. [7]
Unterstützung erhielt Adeline von Schimmelmann durch den Diakon August B. Ueberwasser, der als Buchdrucker und Buchhändler arbeitete und Adeline von Schimmelmann als gute und glaubwürdige Christin darstellte. [8]
Ruth Albrecht und Regina Wetjen erläutern: „In der Wandsbeker Kontroverse vom Februar 1903 stellte Überwasser dem Votum Brodersens drei Tage später eine ausführliche Antwort entgegen, die versucht, den Verdacht, dass die Gräfin nicht zurechnungsfähig sei, durch umfangreiches Material zu entkräften. Dazu gehört der Abdruck von Stellungnahmen, die in Dänemark im Herbst 1894 publiziert wurden. Ferner verweist er auf das vertraute Verhältnis Kaiser Wilhelms I. zu Schimmelmann. Das Hauptargument für die Integrität der Gräfin liegt darin, dass ihr Buch ‚Streiflichter‘ nicht verboten worden sei, sondern vielmehr eine große Anzahl von Lesern finde. Überwasser begründet seine Verteidigung Schimmelmanns damit, dass diese die Reichsgottessache vertrete und von daher aus seiner Sicht Anspruch auf Unterstützung habe. (…)
Die in der Presse ausgetragenen Kontroversen trugen anscheinend nicht dazu bei, dass Adeline Schimmelmann ihren Aufenthalt in Hamburg abbrach oder von anderen Veranstaltern als desavouiert betrachtet wurde. Eventuell förderten die in Wandsbek vorgetragenen Anschuldigungen vielmehr ihre Anerkennung in freikirchlichen Kreisen, da sie dem Muster der verfolgten aufrechten Christen entsprach. Vom 23. bis zum 25. Februar 1903 fanden öffentliche religiöse Versammlungen in der Kapelle der Baptisten in der Tresckowstraße 7 statt. (…) Die positive Rezeption Schimmelmanns von Seiten der Baptisten (…), verweist darauf, dass ihre Anliegen teilweise mit den freikirchlichen Anliegen übereinstimmten. Ihr Aufruf zur Bekehrung und ihre Nivellierung konfessioneller Begrenzungen stießen hier auf Entgegenkommen, während sie sich dadurch von der traditionellen lutherischen Position zunehmend entfernte.“ [9]
Ihre: „theologische Botschaft beschränkt sich auf die schlichte Aufforderung, so wie sie zu glauben – alles andere werde sich dann von selbst ergeben. Entsprechend dieser Maxime war es ihr auch nicht wichtig, ihre Evangelisationen in das christliche Netzwerk Hamburgs einzubinden. Sie organisierte ihre Veranstaltungen weder in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden noch mit anderen Gruppen der Hansestadt. Die von ihr angesprochenen und zur Bekehrung aufgeforderten Zuhörer verwies sie auf eine individuelle Frömmigkeit, soziale Strukturen lagen nicht in ihrem Blick. Die von Schimmelmann propagierte Form der Frömmigkeit beruhte auf Gebet, Bibellektüre und einer engen Bindung an Christus; darüber hinaus erteilte sie keine weiterführenden Ratschläge, wie ein solches Leben zu gestalten sei.“ [10]
Diese Einstellung zum Christentum und das auch noch von einer Frau in öffentlich gehaltenen Reden verkündet, war ganz und gar nicht im Sinne der Lutheraner und wohl auch nicht in dem des Pastors Brodersen. Denn, die: „Position der traditionellen Lutheraner zeichnete sich um die Jahrhundertwende durch eine klare Ablehnung jeder Tätigkeit von Frauen aus, die sich zu sehr dem Bereich der Verkündigung und damit den Aufgaben des ordinierten Pfarramts annäherte. In den Gruppierungen der Aufbruchbewegungen hingegen waren die Konfliktlinien differenzierter. Grundsätzlich galt hier, dass alle zum Bezeugen ihres Glaubens aufgefordert sind. Dadurch öffneten sich für Frauen an vielen Stellen neue Betätigungsfelder in Sonntagschulunterricht, Schreiben und Verteilen erwecklicher Literatur wie Lieder und Bekehrungsberichte sowie durch vielfältiges soziales Engagement. In manchen Gruppierungen konnten sich Frauen als Gemeindeleiterinnen etablieren, einige machten sich einen Namen als Rednerinnen, Evangelistinnen und Missionarinnen. Allerdings votierte keine der deutschen Gruppen – anders als in England oder Amerika – für ein uneingeschränktes Rede- und Predigtrecht von Frauen. Die strenge Orientierung an der Bibel führte zu einem unausweichlichen Konflikt mit dem paulinischen Diktum aus 1 Kor 14,34. S. 407f.“ [11]
Scharf kritisierte Adeline von Schimmelmann die „Damen der Gesellschaft“, die sich in christlicher Nächstenliebe hervortaten, indem sie z. B. Vorsitze in wohltätigen Vereinen einnahmen. So äußerte sie: „Die deutsche hochgestellte Dame arbeitet meist nur durch Vereine, in denen sie patronisierend wirkt. Mit eigener Person sich aber der Arbeit im öffentlichen Leben zu unterziehen und ohne Mittelspersonen selbst die Schäden bessern, retten helfen, oder gar vom Evangelium sprechen zu wollen, wie es in England und Amerika so oft geschieht, wird als unverzeihlicher Bruch des gesellschaftlichen Anstandes angesehen.“ [12]
Adeline von Schimmelmann kritisierte auch die Arbeit der Diakonissen „als unwürdige Sklavenexistenz. Die von ihr propagierte und auch ausgeübte Selbständigkeit stand den als Hausgemeinschaft konzipierten Diakonissenanstalten, die auf dem Gehorsam der einzelnen Schwestern basierten, diametral entgegen. In ihren ‚Streiflichtern‘ präsentierte die Gräfin folgende Analyse: ‚Es giebt nur einen Weg, auf welchem einer vornehmen Dame erlaubt ist, wirklich christliche Arbeit zu thun. Setzt euch eine weiße Haube auf und stellt euer geistiges Leben und eure Individualität unter die absolute Herrschaft- nicht Christi – sondern eines Diakonissenhauspastors und die einzige Sphäre, die christlichen Damen persönliche, direkte Arbeit erlaubt, steht euch offen. Da ich keinen Ruf in mir fühlte, meinen Mitmenschen unter so sklavischen Bedingungen zu dienen, und da ich mich entschlossen hatte, nur die Führerschaft Christi anzuerkennen, nahm ich mein Recht, Gott zu dienen, wie Er mich führen würde, allein in Anspruch, Ihm allein zu folgen, für Sein Reich zu arbeiten und zu kämpfen, sei’s auch durch Verfolgung und Leiden.‘“ [13]
„1909 musste sich Gräfin Schimmelmann einer Operation unterziehen; bis zu ihrem Lebensende ließ sie sich mehrere Male im Henriettenstift in Hannover sowie im Krankenhaus ‚Bethesda‘ in Hamburg behandeln. Die letzten Wochen ihres Lebens verbrachte sie in Hamburg in der Einrichtung ‚Zoar‘“ [14] an der Eppendorfer Landstraße 19, wo sie verarmt starb, denn ihr karitatives Engagement hatte sie sowohl an ihre körperlichen Grenzen geführt als auch in den finanziellen Ruin getrieben.
Nach Adeline Schimmelmann ist bisher noch keine Straße in Hamburg benannt worden. Dagegen gibt es seit 1965 eine nach Pastor Ernst Brodersen (1854-1913) benannte Straße in Wandsbek.
Quellen:
1 Ruth Albrecht und Regina Wetjen: „Eine imposante, gewinnende Erscheinung“ Die Evangelistin Adeline Gräfin von Schimmelmann (1854–1913), in: Das 19. Jahrhundert (Hamburgische Kirchengeschichte in Aufsätzen, Teil 4 (Arbeiten zur Kirchengeschichte Hamburgs, Band 27). Herausgegeben von Inge Mager. Hamburg 2013, S. 378.
2 Wikipedia: Adeline von Schimmelmann, unter: https://de.wikipedia.org/wiki/adeline_von_Schimmelmann abgerufen 12.4.2021
3 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 378ff.
4 Wikipedia: Adeline von Schimmelmann, unter: https://de.wikipedia.org/wiki/adeline_von_Schimmelmann abgerufen 12.4.2021
5 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 378ff.
6 Vgl: Helmuth Fricke: Fromm oder verrückt? Adeline von Schimmelmann, unter: https://adelineschimmelmann.files.wordpress.com/2011/03/wandsbek-november.pdf
7 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 403f.
8 Vgl. Helmuth Fricke, a. a. O.
9 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 405ff.
10 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 398f.
11 Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 407f.
12 Zit. nach: Ruth Albrecht und Regina Wetjen, a. a. O., S. 412.
13 Ebenda.
14 Ebenda.
 

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wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Mai 2021: Rosa Zinner

Juni 2021: Barbara Ossenkopp, Helga Schulz, Antonie Brandeis, Helga Mauersberger, Clara Stern

Juli 2021: Hildegard Cohen, Ingeborg Babatz, Ingeborg Danielsen, Inge Wulff, Eleonore Rudolph, Marianne Tidick

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Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: 2694 Verkehrsflächen sind nach Männern und Jungen (8) benannt (darin enthalten: Roman-, Märchen- und Sagengestalten (72), frei gewählte männliche Vornamen (12) sowie nach Familien benannte Straßen (176). Letztere wurden zu den Männerstraßennamen zugezählt, weil hier in erster Linie die männlichen Familienangehörigen gemeint sind, die in vielen Fällen mit Namen genannt werden bzw. ihre Berufe aufgezählt werden).
Nur 442 Straßen sind nach Frauen und Mädchen (8) benannt (darin enthalten: Roman,- Märchen- und Sagengestalten (36), frei gewählte weibliche Vornamen (18) sowie nach Frauen und Männern benannte Straßen (46). Bei Letzteren handelt es sich in erster Linie um nachträglich nach Frauen mitbenannte Straßen, die ehemals nur nach den Nachnamen von bedeutenden männlichen Familienangehörigen benannt worden waren) (Stand: Mai 2021).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

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