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Frauenbios

Leonore Mau

(1.8.1916 Leipzig – 22.9.2013 Hamburg)
Fotografin und Dokumentaristin
Wilmans Park 17 (Wohnadresse mit Gatten Ludwig Mau; Adressbuch von 1954)
Dürerstraße 9 in Othmarschen (Wohnadresse, zeitweise mit Hubert Fichte)
Bestattet auf dem Nienstedtener Friedhof, Nienstedtener Marktplatz 19a, Grablage: Abt. 21, Nr. 84a
Leonore Burckas wuchs behütet in einer großbürgerlichen Familie in Leipzig auf. Sie studierte Bühnenbild an der Leipziger Kunsthochschule für Graphik und Buchkunst und absolvierte eine Ausbildung zur Pressefotografin. Ihren ersten Fotoapparat hatte sie schon mit zwölf bekommen. Mit 20 heiratete sie den erfolgreichen Architekten Ludwig Mau und wurde Mutter zweier Kinder.
In den Wirren des Zweiten Weltkriegs floh die Familie nach Hamburg. 1950 kaufte Eleonore Mau ihre erste Leica auf Raten. „Wie ich die Kamera in der Hand hatte, da hatte ich ganz schnell das Gefühl, die lass’ ich nicht mehr los. Dann habe ich auch eine richtige Lehre gemacht bei einem Photographen“. Es folgten erste Veröffentlichungen von Bildreportagen, Architekturaufnahmen und Objektfotografien in Zeitschriften wie „Schöner Wohnen“: „Ich hatte begriffen, dass man mit Architektur viel Geld machen kann. Im Ausland fotografiert man 2-3 Tage ein Haus und dann hat man immer noch Zeit, die Fotos zu machen, zu denen man wirklich Lust hat“ (Leonore Mau im Film von Nathalie David 2005).
Bei einem Literatur-Jour-Fixe, der regelmäßig von ihrem Mann veranstaltet wurde, lernte sie den 20 Jahre jüngeren Hubert Fichte (geb. 1935) kennen. Diese Begegnung veränderte beider Leben radikal. Mit 50 tauschte sie die Hausfrau- und Mutterrolle in einem schönen Haus in Blankenese gegen ein ungewisses Leben in einer 1-Zimmer-Wohnung an der Elbchaussee. Auf einer gemeinsamen Reise nach Paris sagte Hubert Fichte zu ihr: Aus Dir mache ich eine Photographin von Welt, worauf sie antwortete: und aus Dir mache ich einen berühmten Schriftsteller (Nathalie David, Biografie Leonore Mau).
Der bis dahin ziellos durch Europa streifende Fichte begann zu schreiben: „In Irmas Zimmer roch es nach Parfüms, nach unbekannten Crèmes, nach Entwickler, Fixierbad und – nach Uhu. So riecht eine Photographin“ (Zitat aus „Hotel Garni“). Seit 1962 lebte und arbeitete sie zusammen mit dem bald berühmten Autor („Die Palette“ 1968). 1964 begleitete sie Hubert Fichte nach Berlin und porträtierte das Who’s Who der damaligen Literaturszene. Nach einem Intermezzo in einem Spätjugendstilhaus an der Elbchaussee („in den hohen Hausnummern“) bezogen sie eine Wohnung in Othmarschen.
Gemeinsam reisten sie 1969 erstmals nach Brasilien.
Bis zum Anfang der 1980er Jahre unternahmen sie selbst organisierte Feldforschungsreisen. Dazu schrieb die Künstlerin und Publizistin Ursula Herrndorf in einem Interview-Porträt mit der 89-jährigen Künstlerin 2005: „Leonore Mau spricht viele Sprachen. Englisch und Französisch natürlich, Portugiesisch und Kreolisch. Wie viele noch, weiß sie schon gar nicht mehr. Die meisten aber hat sie gelernt, um eine ganz andere als die europäische Kultur zu erkunden. Unzählige Reisen führten sie mit Hubert Fichte nach Brasilien, Haiti, Kuba, Venezuela oder Westafrika (Herrndorf 2005).
Die nächste Reise von 1971 an dauerte zwei Jahre. Sie machten Abstecher nach Argentinien und Chile, wo sie Präsident Salvador Allende und den Dichter Jorge Louis Borges trafen.
Besonders aber führte die Reise in die Armenviertel. Den World-Presse-Preis erhielt Leonore Mau 1975 für ihr Foto eines afrikanischen Jungen mit Tablettenmaske. „Da, wo man Trommeln hört, muß man hingehen, um die ursprünglichen Riten zu erleben“, erinnerte sich die Fotografin 2005. „Die Menschen haben ein Gespür. Sie merken, wenn man vor dem Haus steht“. Leonore Mau und Hubert Fichte wurden meistens eingelassen. „Wenn man die Sprache spricht, ist es nicht schwierig, an die Menschen ranzukommen’. Ihre Freunde haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: Ihr hättet tot sein können! 
Aber Leonore Mau hatte niemals Angst. Auch nicht, als sie später, 1981, bei den Priesterinnen der ‚Casa de Minas’ lebten und hautnah kulturelle Handlungen des ‚Candomblé’ (Voodoo) erfuhren. Fotografien voller Magie sind in all diesen Jahren entstanden. Aufnahmen von verstörender Schönheit. Nah, aber niemals voyeuristisch“, erzählen sie von Wahnsinn, Krieg und Verfall, Tod und Leben“ (Herrndorf 2005).
„Leonore Mau fotografiert die Sekunde der Ekstase, wie sie explodiert aus Gebet, Wasser, Rauch, Milch, Blut; und ihr weltliches Gegenstück, die Versunkenheit. Sie bildet das Reich der Religionen ab, heilige Orte und Handlungen“, befand der Kunsthistoriker Wolfgang v. Wangenheim in der Frankfurter Rundschau vom 23.3.1985. „Ich wusste vorher nicht, dass Photographieren so indiskret ist. Aber von mir wurde immer gesagt: Sie ist ja so diskret“ (Leonore Mau in der Film-Dokumentation v. Nathalie David 2005).
In Wort und Bild entstand so ein einmaliges Lebenswerk, veröffentlicht in Büchern wie "Xango" oder "Petersilie". Die Poesie und die Präzision ihrer Arbeit haben die beiden berühmt gemacht. Ihre damals einmaligen und sensationellen Fotos verkaufte Eleonore Mau erfolgreich an alle großen zeitgenössischen Printmedien wie Stern und Spiegel. 2006 präsentierten die Hamburger Deichtorhallen Zeugnisse dieser Lebensreise unter dem Titel „Hubert Fichte und Leonore Mau. Der Schriftsteller und die Fotografin“ in einer Ausstellung mit rund 200 Fotografien und 400 Vitrinen voller „Ethnopoesie“.
Über die Wechselwirkung zwischen Hubert Fichte und Leonore Mau befand die Ethnologin Denise Fragner: „Die Lakonie seines Stils und sein Programm der Sprachverknappung, das manchmal nur den Namen nennt, um die Dinge kurz zu belichten, ist ohne das Medium Fotografie nicht vorstellbar. In seinem Schreiben – besonders im Roman ‚Eine glückliche Liebe’ – reflektiert Jäcki, der Ethnologe, über die Arbeitsweisen von ihm selbst und seiner Begleiterin, der Fotografin Irma. Im Roman schildert Fichte die beiden als Konkurrenten, und besonders Jäcki beneidet Irma darum, mithilfe der Kamera ein vollständiges, genaues Abbild dessen, was sie sieht, zu bekommen. Abgesehen von ihrer Eigenschaft als Fotografin taucht Irma als Lebenspartnerin, Reisegefährtin und Diskussionspartnerin auf. Einzig in Xango (Textband) erscheint sie unter dem Namen ‚Leonore’“ (Fragner 2010). Leonore Mau selbst äußerte sich zeitlebens taktvoll zu ihrer Beziehung: „Wir hatten die gleichen Antennen. Er hat nie fotografiert. Das war meine Sache. Aber manchmal hat er plötzlich gesagt: ‚Komm, ich mache mal ein Foto von dir.’ Diese Aufnahmen sind die besten Porträts von mir“ (Herrndorf 2005).
Aufgrund des Mangels an anderen Quellen sind die Textpassagen, in denen Fichte die Beziehung zwischen Jäcki und Irma beschreibt, als Grundlage für die Beschreibung der Beziehung zwischen Fichte und Mau verwendet worden. So ziehen einige Fichte-ForscherInnen den Roman „Hotel Garni“ von 1987, Die Geschichte der Empfindlichkeit, Band 1, heran. In ihm beschrieb Fichte, wie sich der schwule Schriftsteller Jäcki und die Fotografin Irma auf einer Reise annähern. Sie erzählen einander ihr Leben und von ihrer Sexualität. Gegen Ende des Buches schlafen sie miteinander – für Jäcki ist es das erste Mal, dass er mit einer Frau schläft (vgl. Fragner 2010). „Gemeinsam erforschten sie ihr Leben – wie sie fremde Kulturen, Riten, Kontinente erforscht hatten. Ohne Deutungs- und Fluchtversuche. Rücksichten auf gängige Konventionen wurden nicht genommen. Direkt und ohne Sicherheitsabstand stoßen die Lebensgeschichten aneinander. Jäcki befragt Irma in ‚Hotel Garni’. Nach ihrem frühesten Erlebnis, ihrer Sexualität, ihrem Leben im Nazi-Deutschland, ihrer Ehe, ihrer Arbeit. ‚Findest du meine Fragerei respektlos? / Was ist denn das, respektlos?’. (...) Ja, es habe schon Leute gegeben, ‚die überhaupt nicht verstehen konnten, wie ich so etwas zulassen konnte’, berichtet Leonore Mau und zeigt sich davon unbeeindruckt. ‚Mir macht das keine Schwierigkeiten. Das ist ein Buch. Das ist Literatur. Wenn es jemand in fünfzig Jahren liest, ist ihm das ganz egal, wer das ist. Dann liest er es einfach so. Und wenn es schön geschrieben ist, und ich finde die Sprache von Hubert Fichte sehr schön, weiß ich überhaupt nicht, was jemand dabei findet’, erklärt sie und weiß: ‚Es wird auch so viel geklatscht. Klatsch ist ja etwas, was den Menschen Spaß macht.’ Als sie das sagt, lächelt sie wie ein Komplize“ (Raimund Hoghe 1988).
Nach dem Tod Fichtes 1986 fand Leonore Mau wieder zu ihren Anfängen zurück: 1988 begleitete „das phantastische Auge der Leonore Mau“ (Ronald Kay) das Pina Bausch Ensemble in Wuppertal mit ihrer Kamera. Zuletzt entstanden vor allem Aufnahmen von Stillleben, Masken und Skulpturen sowie Objècts trouvés aus ihrer Wohnung unter dem Titel „Fata Morgana“.
Grab Leonore Mau, Quelle: kulturkarte.de/schirmer
Mit 97 Jahren verstarb Leonore Mau am 22. September 2013 in Hamburg. In einer umfangreichen Retrospektive hat die S. Fischer Stiftung und die Stiftung F.C. Gundlach (zusammengestellt von Franziska Mecklenburg) die Fotografin und ihre einzigartige Motivwelt mit der Hommage „Das zweite Gesicht“ postum von Februar bis März 2014 im „Haus der Photographie Deichtorhallen Hamburg“ gewürdigt.
Leonore Mau lebte bis zuletzt in Hamburg-Othmarschen. Sie ist, wie Hubert Fichte, auf dem Friedhof Nienstedten bestattet.

Werke von Leonore Mau (Auswahl)
– Die afroamerikanischen Religionen. Fischer, Frankfurt/M. (zusammen mit Hubert Fichte), Bd. 1. Xango. 1984; Bd. 2. Petersilie. 1980
– Psyche. Annäherung an die Geisteskranken in Afrika. Fischer, Frankfurt/M. 2005, zusammen mit Hubert Fichte
– Hälfte des Lebens. Leonore Mau: Hubert Fichte. Eine fotografische Elegie, befasst sich mit den Reisen und dem Werk des Schriftstellers und der Fotografin. Ronald Kay, der auch Teile der Geschichte der Empfindlichkeit sowie andere Fotobände Mau’s herausgab, montierte Texte Fichtes mit Aufnahmen von L. Mau. Obwohl sich die Publikation ausdrücklich auf beide bezieht, endet der Band mit dem letzten Foto, das Mau von Fichte vor dessen Tod machte.
– Die Ausstellung „Das Zerbrechen des Bewusstseins“, die 2002 in Basel stattfand, zeigt verschiedene Stationen der Reisen von Mau und Fichte. Der Ausstellungskatalog bildet eine Ausnahme gegenüber den anderen Publikationen Mau’s, da er nicht mit Texten von Fichte unterlegt ist. Ronald Kay verfasste einen Begleittext, der sich mit fotografietheoretischen Überlegungen befasst (Peter Paschek (Hg.): Das Zerbrechen des Bewusstseins. Fotos von Leonore Mau. Katalog zur Ausstellung Kunsthalle Basel 23
– Die Kinder Herodots. Ein Buch. Fischer, Frankfurt/M. 2006, zusammen mit Hubert Fichte
– Ensemble. Pina Bausch – Das Tanztheater Wuppertal – Portraits. Edition diá, St. Gallen/Berlin/São Paulo 1988

Literatur und Quellen
– Vielen Dank an die Fotografin und Spurensicherin Margit Tabel-Gerster für wesentliche Informationen!
– Raimund Hoghe: Leonore Mau. Zwischen Hamburg und Haiti. Photographin, Dokumentaristin und Weltreisende. In: DIE ZEIT 44, 28. Oktober 1988
– Friedrich Pfäfflin, Wilfried F. Schoeller (Hrsg.), Leonore Mau (Ill.): Hubert Fichte und Leonore Mau: der Schriftsteller und die Fotografin, eine Lebensreise. S. Fischer, Frankfurt/Main 2005 (Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg)
– Ronald Kay (Hrsg.): Hälfte des Lebens. Leonore Mau, Hubert Fichte, eine fotografische Elegie. Hamburg 1996
– Ursula Herrndorf: Augenblicke Gemeinsame Augenblicke In: Hamburger Abendblatt vom 13. 9. 2005
– Stiftung F.C. Gundlach, „Ein außergewöhnliches Maß an mangelndem Ellenbogen“ Nachruf Leonore Mau unter www.fcgundlach.de/de/94/nachruf-leonore-mau.html
– Denise Fragner: Links das Morgenrot. Sehen, Subjekt und Sinnlichkeit im Werk des Ethnologen und Schriftstellers Hubert Fichte. Diplomarbeit zur Magistra der Philosophie (Mag. Phil.) Wien, Juni 2010.
– Einige Bilder sind zu sehen unter dem Link: deutschefotothek.de/Leonore Mau, z.B. Motiv: Hubert Fichte, in einem Zimmer der Familie Mau sitzend, Hamburg, Wilmanspark, 1961 auf).
– Dokumentarfilm von Natalie David (Künstlerin und ehemalige Assistentin von Mau), traf sich 2005 einige Monate lang mit Mau. Die Erzählungen von Leonore Mau, zusammen mit ihren Fotografien und Textpassagen aus Fichtes Büchern, gelesen von Hildegard Schmahl und Dietmar Mues, setzte David zu einem Film mit dem Titel „Diese Fotografin heißt Leonore Mau zusammen“, DVD, Copyright Nd. und S. Fischer Stiftung; www.nathalie-david.de
Text: Dr. Cornelia Göksu
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: April 2021) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand April 2021: 1239 Kurzprofile von Frauen und 434 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

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Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2021: Katherina Hanen, Ingeborg Hecht

Februar 2021: Anita Horz

März 2021: Gertrud Bing, Ilse Hirschbiegel, Hilde David, Aenne Bohne-Lucko, Hildegard Stromberger, Angela Bernhardt, Emilie Rücker, Adele Will, Dora und Claudine Staack, Andrea Karsten,
wesentlich aktualisiert: Zwangsarbeiterinnen für Valvo Radioröhrenfabrik und der Hamburger Batterie-Fabrik Otto Gross, Käthe Strutz

April 2021: Adeline Gräfin von Schimmelmann
wesentliche aktualisiert: Anna Andersch-Marcus; Tatiana Ahlers-Hestermann; Marie Anne Lippert; Marienkrankenhaus; Annemarie Marks-Rocke; Katharina Mayberg; Erna Mayer; Ottilie Metzger-Lattermann; Else Mögelin; Molckenbuhr'sche Stiftung für alte weibliche Dienstboten; Erna Mros; Nanny-Jonas Stift; Martha Naujoks; Anna Maria Pyrker; Charlotte Ida Popert; Adele Reiche; Minna Rist; Martha Rauert; Vierländerin Brunnen; Rosemarie Sacke; Sophie Albrecht, Ida Eberhardt

Was erwartet Sie in der Frauenbiografie-Datenbank?

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2545 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 441, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Diverse Frauenbiografien sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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