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NSDAP Amt des Gauwirtschaftsberaters

Harvestehuder Weg 12
Gauamtsleiter Pg. Carlo Otte, siehe Profil

Unter den Ämtern und Organisationen der Hamburger NSDAP, die an der propagierten »Entjudung der Wirtschaft« beteilt waren, nahm das Amt des Gauwirtschaftsberaters (GWB) eine dominierende Stellung ein.[1] In Hamburger Kaufmann skreisen wurde es im allgemeinen als »der Gau« bezeichnet. Es war der Kommission für Wirtschaftspolitik unter NSDAP-Reichsleiter Bernhard Köhler in München unterstellt, der u.a. einen »Rassenkampf der Wirtschaft« propagierte. In Hamburg fungierte das Amt des Gauwirtschaftsberaters als Tätigkeitsfeld und Karrieresprungbrett für eine Gruppe junger nationalsozialistischer Wirtschaftspolitiker, die sich in besonderer Weise um die Durchsetzung ideologischer Prinzipien im Wirtschaftsleben bemühten. Beim Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 war der erste Hamburger Gauwirtschaftsberater Dr. Gustav Schlotterer 27 Jahre, sein Nachfolger Carlo Otte 25 Jahre und dessen Nachfolger Dr. Otto Wolff 26 Jahre alt. Alle drei gehörten zur »Kriegsjugendgeneration«, stammten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, waren schon in jungen Jahren der NSDAP beigetreten, bekleideten hohe Ehrenführerränge in der SS,[2] galten als ebenso ideologisiert wie ehrgeizig und aufstiegsorientiert, hatten als kaufmännische Angestellte bzw. im mittleren Beamtendienst angefangen und sind dann – zumindest Schlotterer und Wolff – akademisch weiterqualifiziert.[3] Die Gauwirtschaftsberater und ihre Mitarbeiter bildeten eine spezifisch nationalsozialistische Wirtschaftselite. In Alter, Herkunft, politischer Prägung und Lebensweg unterschieden sie sich nämlich in extremer Weise vom traditionellen Typus des Hamburger Wirtschaftsführers gesetzteren Alters, der in der Regel aus »alteingesessenen« großbürgerlichen Familien stammte und als selbstständiger Kaufmann einen ebenso praxisorientierten wie pragmatischen Blick auf die Wirtschaft hatte, der stark von der Binnenperspektive seines eigenen Unternehmens geprägt war.

Der erste Gauwirtschaftsberater Dr. Gustav Schlotterer[4] amtierte bis 1935 und fungierte in dieser Zeit zugleich als Präsident der Hamburger Wirtschaftsbehörde, ehe er 1935 ins Reichswirtschaftsministerium wechselte. Dort war er als »Spiritus rector«[5] der nationalsozialistischen Großraumplanungen, Leiter der Ostabteilung des Reichswirtschaftsministeriums und der Wirtschaftsabteilung des Ostministeriums führend an der »Entjudung« Osteuropas und seiner Wirtschaft beteiligt. Als alter Hamburger Nationalsozialist trug er in diesem Zusammenhang besonders den Interessen des Hamburger Handels Rechnung, der nach Verlust der überseeischen Handelsverbindungen infolge des Kriegsausbruches 1939 auf Kompensation drängte. [6]

Als Nachfolger Schlotterers leitete sein ehemaliger Stellvertreter Carlo Otte[7] von 1935-1940 das Amt des Gauwirtschaftsberaters. Damit war er für die »Arisierungen« in Hamburg maßgeblich zuständig. Der Realschulabsolvent und kaufmännische Angestellte war seinem Vorgänger intellektuell zweifellos deutlich unterlegen und zeigte sich seinem Amt in mancher Hinsicht »nicht gewachsen«, wie ein ehemaliger Mitarbeiter über ihn urteilte.[8] Seinen Mangel an Kompetenz und Lebenserfahrung versuchte er mit einem »unglaublich arroganten und überheblichen Benehmen«[9] zu kaschieren. Dennoch genoss Otte als »fanatischer Idealist« das uneingeschränkte Vertrauen des Gauleiters Kaufmann , dem er »treu ergeben« und nach den Parteistatuten auch disziplinarisch untergeordnet war. Dies zeigte sich besonders im Jahre 1940, als Otte zum Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft beim Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete ernannt wurde. Obwohl danach dauerhaft aus Hamburg abwesend, gestand Kaufmann seinem Paladin Otte formal weiterhin den Titel des Hamburger Gauwirtschaftsberaters zu und ernannte ihn in Abwesenheit 1942 sogar zum Senator und Beigeordneten der Hamburger Gemeindeverwaltung. Nach einem gewonnenen Krieg war Otte als Leiter der Hamburger Wirtschaftsverwaltung vorgesehen. [10]

  Noch während seiner Amtszeit als Gauwirtschaftsberater hatte Otte zunehmend im Schatten seines Hauptsachbearbeiters Dr. Otto Wolff[11]gestanden, der zahlreiche »Arisierungen« wie die von M.M. Warburg & Co. federführend betreut hatte und seit 1940 das Amt des Gauwirtschaftsberaters kommissarisch leitete. Er galt als eine ebenso intelligente wie skrupellose Persönlichkeit, die »um jeden Preis zu Macht, Ansehen und Reichtum gelangen wollte«.[12] Der spätere Hamburger Justiz senator Biermann-Ratjen charakterisierte Wolff als einen »der schlimmsten und brutalsten Schergen des absoluten Antisemitismus in der Wirtschaft«.[13] Innerhalb kürzester Zeit hatte es Wolff verstanden, als Vorstandsmitglied der HAPAG, kommissarischer Gauwirtschaftsberater und Leiter des Führungsstabes Wirtschaft im Wehrkreis X wichtige Machtpositionen in Wirtschaft, Partei und Staat in seiner Hand zu vereinen und eine führende Rolle in der Organisation der Hamburger Kriegswirtschaft einzunehmen. Ähnlich wie das Verhalten Ottes wurde auch das großspurige Auftreten Wolffs von vielen Vertretern der Hamburger Wirtschaft »nicht geschätzt«, da es »von den Gepflogenheiten des Hamburger Bürgertums nicht unwesentlich abwich«[14]. Im Kriege beschäftigte sich Wolff u.a. mit der Liquidierung jüdischen Besitzes in ganz Europa, den er auf verschiedenen Wegen nach Hamburg transferieren ließ.[15]

  Das institutionelle Gewicht, das der Gauwirtschaftsberater der Handelskammer und der staatlichen Wirtschaftsverwaltung entgegensetzen konnte, war im Allgemeinen denkbar gering. Statutengemäß sollten die Mitarbeiter der Gauwirtschaftsapparate in erster Linie ehrenamtlich arbeiten,[16] doch waren Otte und Wolff hauptamtliche Parteiangestellte. Von den Hamburger Gauwirtschaftsberatern bemühte sich nur Otte, der über kein weiteres staatliches Amt verfügte, um den institutionellen Ausbau seines Apparates. Da die Akten des Hamburger Gauwirtschaftsapparates vollständig vernichtet sind, ist sein Personalbestand wie seine Finanzierung nur schwer zu rekonstruieren. Neben Zuweisungen der NSDAP erhielt er u.a. regelmäßige Zuwendungen des Hamburgischen Staates und der Handelskammer.[17] Gemäß den Reichsrichtlinien der NSDAP sollte das Amt des Gauwirtschaftsberaters aus drei Abteilungen bestehen: Wirtschaftsfragen, Presse und Propaganda sowie Schulungs- und Vortragswesen, denen weitere Sachbearbeiter und Berichterstatter zugeordnet waren. So verfügte der Hamburger Gauwirtschaftsberater über eine eigene »Arisierungsabteilung«, die seit 1936 vom Diplom-Volkswirt Karl Frie (geb. 1913) geleitet wurde.[18] Ein weiterer Mitarbeiter des Gauwirtschaftsberaters, Dr. Eduard Hoffmann (geb. 1900), widmete sich als Leiter der »Hamburger Grundstücks-Verwaltungs-Gesellschaft von 1938 m.b.H.« der »Entjudung« des Hamburger Grundbesitzes.[19] Darüber hinaus arbeiteten dem Gauwirtschaftsberater eine Reihe informeller Mitarbeiter zu, u.a. der Rechtsanwalt Dr. Arthur Kramm (geb. 1907), ein persönlicher Bekannter Dr. Otto Wolffs, der viele »Arisierungsverträge« ausarbeitete. Was Personen wie Frie, Hoffmann und Kramm mit den jungen Hamburger Gauwirtschaftsberatern verband, waren ein Geburtsdatum nach 1900, die Erfahrung als Kriegsjugendlicher oder Kriegskind, akademische Bildung, Aufstiegswillen und ideologische Überzeugung.

In den Kreisleitungen der Hamburger NSDAP – seit 1937 insgesamt zehn – war das Amt des Gauwirtschaftsberaters mit »Kreiswirtschaftsberatern« vertreten, die wiederum über entsprechende Beauftragte bei den Ortsgruppenleitungen verfügen. Ihnen kam bei der Durchsetzung antijüdischer Maßnahmen vor allem eine Kontroll- und Bespitzelungsfunktion zu.

  Um die eigenen Finanzen zu schonen und gleichzeitig den institutionellen Einfluss des Gauwirtschaftsberaters zu erhöhen, richtete Otte bei der Handelskammer, der staatlichen Wirtschaftsverwaltung und einzelnen Wirtschaftsverbänden seit 1934/35 so genannte »Verbindungsstellen« mit Aufpasserfunktion ein, die von den jeweiligen Institutionen finanziert werden mussten. Daraus auf eine weit reichende Kontrolle der Hamburger Wirtschaft durch den Gauwirtschaftsberater und einen großen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der Hansestadt zu schließen, wäre jedoch verfehlt. In vielen Fällen erschöpften sich die Wirkungsmöglichkeiten der »Verbindungsstellen« in einer Pro-forma-Beteiligung ohne tatsächlichen Einfluss. So charakterisierte ein Handelskammersyndikus den Verbindungsmann des Gauwirtschaftsberaters als »dummen Kerl« der »nur soviel, wie er erfahren sollte«,[20] vom tatsächlichen Dienstbetrieb der Handelskammer erfuhr. Institutionell war der hastig zusammengestoppelte Apparat des Gauwirtschaftsberaters mit seinen wenigen, teilweise sogar ehrenamtlichen Mitgliedern den etablierten Wirtschaftsinstitutionen wie der Handelskammer oder der staatlichen Wirtschaftsverwaltung hoffnungslos unterlegen. Der politische Einfluss des Gauwirtschaftsberaters hing fast ausschließlich davon ab, ob es ihm gelang, über das wenig bedeutende Parteiamt hinaus weitere formale Verantwortlichkeiten in Staat und Wirtschaftsverwaltung zu okkupieren, wie dies Schlotterer und Wolff, nicht aber Otte gelungen war. Der institutionelle Nachrang des Gauwirtschaftsberaters kam auch darin zum Ausdruck, dass sich NSDAP-Gauleiter Kaufmann in zentralen Wirtschaftsfragen nicht seines Parteiapparates bediente, der ihm ja disziplinarisch unterstand, sondern weitere Sonderdienststellen wie den »Sonderbeauftragten für Wirtschaftsförderung und Vierjahresplan« schuf. Für die etablierten Wirtschaftsinstitutionen bildeten diese Sonderdienststellen eine wesentlich größere Herausforderung als der Gauwirtschaftsapparat der NSDAP.

  Nur auf einem fachlichen Gebiet verfügte der Gauwirtschaftsberater über dominierenden Einfluss: auf dem Gebiet der »Arisierung«, bzw. der »Entjudung« der Wirtschaft. Es gehörte zu den ideologischen Grundzielen der NSDAP und schien eine angemessene Beteiligung der für Wirtschaftsfragen zuständigen Parteiorganisation zu verlangen. Dennoch bestand ein augenfälliger Kontrast zwischen dem Einfluss des Gauwirtschaftsberaters auf die »Arisierung« einerseits und auf sonstige wirtschaftliche Belange wie Industrieansiedlung und Arbeitsbeschaffung andererseits. Mit erstaunlicher Bereitwilligkeit enthielt sich etwa die Hamburger Handelskammer, die sich schon bei der Erfassung jüdischer Betriebe sehr zurückhaltend gezeigt hatte, weitergehender Einflussnahmen auf die »Arisierung«. Selbst dort, wo sie über mittelbaren Einfluss verfügte, wie bei der Bestellung von Gutachtern für die Schätzung von Warenlagern, versuchte sie diesen nach außen hin zu verschleiern. Noch im November 1938 verwies die Handelskammer Antragsteller, die ein jüdisches Unternehmen »arisieren« wollten, an den Gauwirtschaftsberater und teilte ihnen mit, dass sie mit solchen Fragen »nichts zu tun« habe und ihr entsprechende jüdische Unternehmen »nicht bekannt« seien. [21] Die Handelskammer, so schien es, hatte ein offenkundiges Interesse, die Energien und Aktivitäten des nationalsozialistischen Gauwirtschaftsapparates gezielt auf das Feld der »Arisierungen« zu lenken, um sie in anderen Bereichen umso effektiver begrenzen zu können. Mit dieser »Arbeitsteilung« umging die Handelskammer zudem das heikle Problem, gegen jüdische Betriebe vorgehen zu müssen, die ihr seit oft über hundert Jahren als Mitglieder angehörten. Für die jüdischen Firmen indes erwies sich diese »Arbeitsteilung« als fatal, weil sie dem ungehinderten Zugriff zumeist jüngerer, ideologisch aufgeladener Antisemiten preisgegeben wurden, die eine »Entjudung« der Wirtschaft als weltanschauliche Kampfaufgabe begriffen, die ohne Rücksichtnahme durchzuführen war.

In den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft hatte sich das Amt des Hamburger Gauwirtschaftsberaters in der Judenpolitik noch zurückgehalten.[22] In den erwähnten Konflikten um die Beiersdorf AG und die Fa. Deutscher Tuchversand unterstützten Schlotterer und Otte die Position des Reichswirtschaftsministeriums und des Hamburger Senates, nach der dem Gesichtspunkt der Arbeitsplatzerhaltung und der wirtschaftlichen Stabilität oberste Priorität zukam. Mit der Amtsenthebung des Vorsitzenden der Hamburger Schneiderinnung hatte sich Otte 1934 sogar demonstrativ gegen den antisemitischen Ausschaltungseifer des gewerblichen Mittelstandes gewandt.

Um 1935/36 hingegen sind erste antijüdische Aktivitäten des Gauwirtschaftsapparates nachweisbar. Im November 1935 versuchte Otte in Schreiben an die HAPAG sowie Blohm & Voß deren Geschäftsbeziehungen zu »nichtarischen« Zuliefererfirmen zu unterbinden.[23] Beide Firmen waren von der Intervention des Gauwirtschaftsberaters jedoch wenig beeindruckt, lehnten jeden Abbruch der Geschäftsbeziehungen ab und verwiesen auf die bestehenden Anordnungen des Reichswirtschaftsministeriums, die »Einzelaktionen« gegen jüdische Betriebe verboten.[24]

  Im Jahre 1936 versuchten die Gauwirtschaftsapparate der NSDAP reichsweit, sich als Überprüfungs- und Genehmigungsinstanzen für »Arisierungen« zu etablieren. Ihre Beteiligung differierte in den einzelnen Gauen jedoch nach Ausmaß und Zeitpunkt erheblich. So gründete etwa der Gauwirtschaftsberater der badischen NSDAP im Februar 1936 mit Genehmigung des Badischen Ministerpräsidenten eine Kommission, die fortan alle Fragen bearbeiten sollte, die mit der Tätigkeit von Juden im Wirtschaftsleben zusammenhingen.[25] Neben dem Gauwirtschaftsberater gehörten der Kommission noch der Treuhänder der Arbeit sowie zwei Oberregierungsräte des Finanz- und Wirtschaftsministeriums in Karlsruhe an. Damit hatte er zwar seinen Beteiligungsanspruch an den »Arisierungen« formal durchgesetzt, musste aber auf die Ministerialbürokratie Rücksicht nehmen, die eine Radikalisierung der »Entjudungspolitik« auch danach abzubremsen wusste.[26]

Im Gau Westfalen-Süd hingegen setzte der Gauwirtschaftsberater seinen Mitwirkungsanspruch im offenen Konflikt gegen die Verwaltung des zuständigen Regierungsbezirkes durch.[27] Formal stützte er sich auf eine Anordnung des stellvertretenden Gauleiters vom Oktober 1936, die ihm eine Mitwirkung an der »Arisierung« von Textil- und Konfektionsfirmen sicherte, dehnte jedoch diese Ermächtigung schon bald auf die gesamte Wirtschaft aus. Die Beauftragung des Gauwirtschaftsberaters als zuständige Instanz für »Arisierungen« entpuppte sich damit faktisch als Selbsternennung.In ähnlicher Form dürfte sich 1936 auch der Hamburger Gauwirtschaftsberater seiner Zuständigkeit für die »Arisierung« bemächtigt haben. Die institutionelle Zurückhaltung vor allem der Hamburger Handelskammer bot für solche Akte der Selbstermächtigung günstige Voraussetzungen. Mit Karl Frie stellte der Hamburger Gauwirtschaftsberater 1936 einen Mitarbeiter für »Arisierungen« ein, der die aktenmäßige Erfassung der jüdischen Betriebe, die zu diesem Zeitpunkt bereits weit vorangeschritten war, systematisierte und abschloss.[28] Eine formale Beauftragung des Gauwirtschaftsberaters durch den Gauleiter ist bis zum 14. Juni 1938, als eine Anordnung Kaufmann s das Procedere der »Arisierungen« grundsätzlich regelte,[29] in den überlieferten Quellen nicht nachweisbar. Dennoch ist es ausgeschlossen, dass der Gauwirtschaftsberater seinen Zuständigkeitsanspruch ohne die Rückendeckung des Gauleiters hätte durchsetzen können. So berichtete der Inhaber des jüdischen Importunternehmens Eichholz & Löser, der 1935 seinem »arischen« Prokuristen einen Teil der Firma übertragen wollte, um verloren gegangene Importkontingente zu retten, dass sich der Vertragsabschluss durch »Erschwerungen« des Gauleiters und des Gauwirtschaftsberaters bis zum Frühjahr 1936 hinauszögerte.[30] Warum der Gauwirtschaftsberater hier mit Hilfe des Gauleiters intervenierte, wird aus den näheren Begleitumständen der Vertragsverhandlungen deutlich: Der Prokurist hatte seinem jüdischen Chef nämlich eine Gewinnbeteiligung angeboten,[31]  was für den Gauwirtschaftsberater mit dem Ziel einer rigorosen »Entjudung« nicht vereinbar war und nach offizieller Sprachregelung als unerwünschte Tarnung eines jüdischen Gewerbebetriebes galt.

  Der Vorgang dokumentiert nicht nur die relativ frühe Zuständigkeit des Hamburger Gauwirtschaftsberaters für die Genehmigung von »Arisierungs« -Verträgen, sondern auch seine enge Zusammenarbeit mit dem Gauleiter, der die Aktivitäten des Gauwirtschaftsberaters politisch unterstützte. So ermächtigte ihn Kaufmann beispielsweise im Januar 1937, beim Landesfinanzamt Unterelbe Akteneinsicht zu nehmen und Auskünfte anzufordern. [32]

Text: PD. Dr. Frank Bajohr aus seinem Buch: Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933-1945. 2. Aufl. Hamburg 1998, S. 174-182. …..

Quellen:
1 Zur Tätigkeit des Gauwirtschaftsberaters siehe die regionale Fallstudie von Kratzsch, Gauwirtschaftsapparat.
2 Schlotterer und Otte erreichten in der SS den Dienstrang eines SS-Oberführers, Wolff den eines SS-Standartenführers. Siehe Berlin Document Center, Schlotterer, Gustav; Otte, Carlo; Wolff, Otto, SS-O.
3 Ob diese Charakterisierung der Hamburger Gauwirtschaftsberater verallgemeinerbar ist oder aber eine Hamburger Spezialität darstellt, muss angesichts fehlender empirischer Vergleichsstudien offen bleiben. Gerhard Kratzsch kommt in seiner Untersuchung über den Gau Westfalen-Süd zu einem anderen Ergebnis. Dort hätten »gutsituierte Unternehmer und Kaufleute, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammern, Werksdirektoren, Betriebs- und Sparkassenleiter« das Personal des Gauwirtschaftsapparates gebildet. Siehe Kratzsch, »Entjudung«, in: Herzig/Teppe/Determann (Hrsg.), Verdrängung, S. 91-114, hier S. 97.
4 Zur Person Schlotterers siehe Berlin Document Center, Schlotterer, Gustav, SS-O; geb. 1906 in Biberach a.d. Riß, 1923 Eintritt in die NSDAP, 1921-24 kaufm. Angestellter, 1925 Studium an der Handelshochschule Mannheim, 1929 an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, 1930 Dr. rer. pol., 1931-1933 Wirtschaftsschriftleiter am Hamburger Tageblatt, Mai 1933 Regierungsdirektor, 1933-1935 Präsident der Behörde für Wirtschaft in Hamburg, bis 1935 GWB in Hamburg, 1935 Ministerialrat im Reichswirtschaftsministerium, 1938 Ministerialdirigent, 1941 Ministerialdirektor, 1941-1944 Leiter der Fachgruppe Wirtschaft im Ministerium für die besetzten Ostgebiete.
5 So die Einschätzung von Ludolf Herbst, Der Totale Krieg und die Ordnung der Wirtschaft. Die Kriegswirtschaft im Spannungsfeld von Politik , Ideologie und Propaganda 1939-1945, Stuttgart 1982, S. 133.
6 Siehe unten, Kapitel VII.
7 Zur Person Ottes siehe Berlin Document Center, Otte, Carlo, SS-O, geb. 1908 in Hamburg, 1914-1923 Realschule, 1923-26 kaufm. Lehre, 1930 NSDAP, 1935-1945 Gauwirtschaftsberater in Hamburg, 1940-1945 Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft beim Reichskommissar Norwegen in Oslo, 1942 Hamburger Senator und Beigeordneter der Hansestadt Hamburg, Otte wurde 1949 vom Entnazifizierungsausschuss für den Regierungsbezirk Lüneburg in die Kategorie IV (Mitläufer) eingeordnet (»Hat den Nationalsozialismus unterstützt, ohne ihn jedoch wesentlich gefördert zu haben«), vgl. StAHH, Senatskanzlei - Personalakten. A 53, Bl. 26.
8 So die Einschätzung von Ottes Mitarbeiter Dr. Hans Köhler vom 24.7.1948; vgl. auch den Bericht des Kriminalamtes der Hamburger Polizei gleichen Datums in: BAK, Z 42 IV/6178, Bl. 31-35.
9 Zit. nach ebenda.
10 StAHH, Senatskanzlei – Personalakten, A 53, Bl. 16, Rundschreiben des Reichsstatthalters vom 12.6.1942.
11 Zur Person Wolffs siehe Berlin Document Center Wolff, Otto, SS-O und BAK, Z 42 IV/191, geb. 1907 in Kiel, 1928 Abitur, 1931 Reichsbahnsekretär, 1934 Reichsbahninspektor, nebenberuflich Studium der Volkswirtschaft an der Universität Hamburg, 1934 Diplom-Volkswirt, 1935 Dr. rer. pol., 1930 Mitglied NSDAP, 1936 Hauptsachbearbeiter des Gauwirtschaftsberaters, 1940 komm. Gauwirtschaftsberater und Leiter des Führungsstabes Wirtschaft im Wehrkreis X, Wehrkreisbeauftragter des Reichsministers für Bewaffnung und Munition.
12 Siehe Bielfeldt, Politik , in: Staat und Wirtschaft, S. 171; Aussage Dr. Hans Köhler vom 24.7.1948, BAK, Z 42 IV/6178, Bl. 34.
13 Archiv WgA LGHH, Z 995-2, Bl. 34, Schreiben Biermann-Ratjens vom 24.10.1951.
14 BAK, Z 42 /IV/191, Bl. 50, Erklärung des Ministerialdirektors Dr. Günther Bergemann vom 3.12.1947.
15 Siehe unten, Kapitel VII.
16 Organisationsbuch der NSDAP, 4.Aufl., München 1937, S. 335.
17 Vgl. Bielfeldt, Politk, in: Staat und Wirtschaft, S. 171 f.; Schreiben Otte an Reg. Bürg. Krogmann vom 9.7.1936, StAHH, Finanzdeputation IV, VuO IIA, 11n IX B.
18 Aussage Karl Frie vor der Wiedergutmachungskammer Hamburg vom 30.5.1951, Archiv WgA LGHH, Z 995-2, Bl. 167f.
19 StAHH, Hamburger Stiftung von 1937, 24, Bl. 41., Vermerk über ein Gespräch mit Dr. Eduard Hoffmann vom 12.2.1947.
20 Zit. nach Bielfeldt, Politk, in: Staat und Wirtschaft, S. 170.
21 Archiv Handelskammer, 100. B.1.19, Schreiben der Handelskammer an Karl O. Mohr vom 22.11.1938 und an Karl Eggers vom 8.12.1938.
22 Diese Zurückhaltung des Hamburger GWB findet eine Parallele im Verhalten des GWB im Gau Westfalen-Süd. Vgl. Kratzsch, Gauwirtschaftsapparat, S. 116ff.
23 Archiv Handelskammer, 100.B.1.4., Gauwirtschaftsberater an Handelskammer vom 26.11.1935.
24 Ebenda, HAPAG an NSDAP-Gauleitung Hamburg vom 25.11.1935, Blohm & Voß an Handelskammer vom 5.12.1935.
25 Vgl. Fliedner, Judenverfolgung, S. 114.
26 Ebenda, S. 144.
27 Kratzsch, Gauwirtschaftsapparat, S. 150f.
28 Aussage Karl Frie vor der Wiedergutmachungskammer Hamburg vom 30.5.1951, Archiv WgA LGHH. Z 995-2, Bl. 167f.
29 Siehe die Anordnung Kaufmann s vom 18. Juni 1938, StAHH, Staatverwaltung – Allgemeine Abteilung, A III 2, Bl. 17f.
30 Archiv WgA LGHH, Z 286-3, Aussage Edgar Eichholz vom 10.2.1950, Bl. 11.
31 Ebenda.
32 StAHH, Oberfinanzpräsident, 1, Reichsstatthalter Kaufmann an den Präsidenten des Landesfinanzamtes vom 12.1.1937.
 

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Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 880 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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