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Hans Griem

(12.5.1902 Berlin-Spandau - 25.6.1971 Hamburg)
Mechaniker; 1940 KZ Neuengamme; Außenlagerleiter
Wirkungsstätte: KZ Neuengamme (heute: KZ Gedenkstätte, Jean-Dolidier-Weg 75)
Wohnadresse: Glindersweg 67a

Im „Offenen Archiv der KZ Gedenkstätte Neuengamme“ heißt es: „Hans Otto Hermann Griem wurde am 12. Mai 1902 in Berlin-Spandau geboren. Er machte eine Lehre als Mechaniker und arbeitete als Maschinenbaumeister beim Berliner Spar- und Bauverein. Am 1. Oktober 1930 trat er in die NSDAP ein, am 1. Februar 1931 in die SS. Griem selbst behauptete 1963 vor Ermittlern der deutschen Staatsanwaltschaft, erst nach 1933 in die SS eingetreten zu sein. Er heiratete am 18. April 1930 Erna H., das Paar bekam 1933 einen Sohn.
1935 wurde Hans Otto Griem zum SS-Untersturmführer befördert und am 7. Januar 1940 zur Waffen-SS eingezogen. Nach der Ausbildung in Lodz in Polen wurde Griem zum 12. SS-Totenkopf-Regiment, 5. Kompanie, versetzt. Im Juli 1940 kam er zur Wachmannschaft ins KZ Neuengamme. Zwischen 1942 und 1943 hatte er dort als Vertreter von Albert Lütkemeyer die Funktion des 2. Schutzhaftlagerführers inne. Im Herbst 1943 wurde Griem als Lagerführer ins Außenlager Hannover-Stöcken versetzt. Nach einer folgenden Dienstzeit im Hauptlager war er in gleicher Funktion in verschiedenen Außenlagern eingesetzt, ab September 1944 in Husum-Schwesing, ab November 1944 in Ladelund. In diesen Außenlagern mussten Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit leisten, um im Rahmen des Projekts ‚Friesenwall‘ Verteidigungsanlagen an der Nordseeküste zu errichten.
Nach Aussage eines ehemaligen Häftlings erschlug der Lagerführer Griem im Außenlager Ladelund den sowjetischen Häftling Grilenko. Nachdem die Häftlinge aus Husum-Schwesing und Ladelund am 19./20. Dezember 1944 ins Hauptlager Neuengamme zurückverlegt worden waren, übernahm Griem Anfang Januar 1945 bis zur Auflösung im März 1945 als Lagerführer das Außenlager Meppen-Dalum. Auch hier arbeiteten die Häftlinge für das Projekt ‚Friesenwall‘. Wie ehemalige Häftlinge berichteten, holten Griems Ehefrau und seine Geliebte 1945 Koffer voller Lebensmittel aus dem Lager Meppen-Dalum, die das Rote Kreuz in Paketen für dänische Häftlinge geschickt hatte. Griem selbst wurde nach 1945 von Überlebenden als einer der ‚größten Kriegsverbrecher‘ bezeichnet und mit dem Schutzhaftlagerführer im Hauptlager Anton Thumann verglichen, der 1946 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Sie berichteten, dass er oft betrunken gewesen sei, im Lager um sich geschossen habe und gemeinsam mit seinem Stellvertreter Joseph Klingler an Tötungen und Misshandlungen von Häftlingen beteiligt gewesen sei.
Nach Kriegsende
Hans Griem versteckte sich bis Ende Juli 1945 in Hamburg- Altona. Die britische Militär polizei durchsuchte bei ihrer Fahndung nach ihm verschiedene Wohnungen, bis ehemalige Häftlinge ihn vor dem Lokal ‚Silberkeller‘ in Hamburg stellten und der Polizei übergaben. Griem wurde am 3. August 1945 ins britische Internierungslager Nr. 6 im ehemaligen KZ Neuengamme eingeliefert. Am 3. August 1946, zwei Tage vor Beginn des britischen Militär gerichtsprozesses gegen ihn, gelang ihm die Flucht. Bis 1947 lebte Hans Griem unter falschem Namen in Malente ( Holstein). Seit dem 19. Dezember 1950 ermittelte die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung in Ladelund, Husum-Schwesing und Meppen-Dalum. Obwohl er inzwischen wieder unter seinem richtigen Namen lebte und durch ein Unterhaltsverfahren 1947 aktenkundig geworden war, konnte sein Aufenthaltsort nicht ermittelt werden. Das Verfahren wurde am 12. November 1951 eingestellt, da der Tatbestand der Körperverletzung bereits seit dem 8. Mai 1951 verjährt war. Griem arbeitete bis zu seiner Verrentung 1969 als Maschinenarbeiter und wohnte in Hamburg- Bergedorf. 1965 wurde er von seiner Frau geschieden. Am 13. September 1968 eröffnete die Hamburger Staatsanwaltschaft nach Vorermittlungen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg erneut ein Ermittlungsverfahren gegen Hans Griem wegen der Tötung von Häftlingen in Husum-Schwesing und Meppen-Dalum. Griem stritt die Vorwürfe ab und wälzte die Verantwortung auf verstorbene Mittäter, wie seinen Stellvertreter Klingler, ab. Das Verfahren wurde 1971 eingestellt, da Hans Griem am 25. Juni verstorben war.“ [1]
Dokumente und Materialien über Hans Griem, unter: http://media.offenes-archiv.de/ss1_3_2_bio_2119.pdf

 

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Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2021: 900 Kurzprofile und 303 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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