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Kurt Eitzen

(29.5.1890 Hamburg - 19.1.1960)
Lehrer an der Oberrealschule für Jungen in Blankenese
Wohnadresse: Krumdal sweg 1 ( Altona, 1938)

„Er gehörte zu den übelsten Vertretern der Nazis, der sich auch als Denunziant unter seinen Kollegen unmöglich gemacht hat.“

Ein überzeugter Nationalsozialist und Militarist ist Kurt Eitzen gewesen, am Ende eine gescheiterte Existenz. Er war mit dem Kollegen Horst Kanitz an der Oberrealschule in Blankenese wesentlich für die Verhaftung und Verurteilung von Hermann Reimers verantwortlich. Sein Werdegang ohne herausgehobene Funktion im Hamburger Schulwesen soll hier nachgezeichnet werden.

Kurt Eitzen wurde am 29.5.1890 in Hamburg als Sohn des Kaufmann s Friedrich Wilhelm Eitzen, den er auch als Sprachforscher bezeichnete, geboren. Kurt Eitzen besuchte in Cuxhaven das Gymnasium: „Meine gesamte Schulbildung vermittelte mir das humanistische Gymnasium", schrieb er in seinem Lebenslauf. (1) Im Hause Eitzen muss Geld vorhanden gewesen sein, Kurt Eitzen konnte „seine drei Lieblingsfächer (Deutsch, Englisch, Geschichte)" ab 1910 an den Universitäten Straßburg (sechs Semester) und Oxford (vier Semester) studieren. (2)

„Anschließend das Staatsexamen abzulegen, ging nicht an. Denn zur Mobilmachung aus England zurückgeeilt, musste ich sogleich als Offiziersvertreter ins Feld rücken", schrieb Eitzen in seinem Lebenslauf, als er sich an der Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft als Studienassessor bewarb. Da sollte die Biografie verdeutlichen, dass Kurt Eitzen für die Ausbildung in der Reichswehr der rechte Mann war. So notierte er unter der Überschrift „Militaria", welchen Weg er als Oberlehrer und Oberleutnant gegangen war: „1910-1911 Einjährig-Freiwilliger beim 4. Unter-Elsässischen Infanterie-Regiment Nummer 143 zu Strassburg i. E.. Als Unteroffizier der Res. und Reserveoffiziers-Aspirant entlassen. 1912 Übung A. beim alten Regiment. Als Vize-Feldwebel d. R. und Reserveoffizier-Aspirant entlassen. 1913 Übung B beim alten Regiment. Wieder als Reserveoffiziers-Aspirant entlassen. Bei der Mobilmachung als Offiziersstellvertreter mit dem Landwehr - Infanterie-Regiment Nr. 85 ausgerückt. Auf eigenen Wunsch an die Yser versetzt. Dort beim Brigade-Ersatz-Bataillon Nr.36 zum Leutnant d. R.  ernannt. Im Mai 1915 zum erstenmale schwerverwundet: Linkes Bein, Bauchschuss rechts. Nach einem halben Jahr in Lazaretten auf freiwillige Meldung wieder an die Westfront. Im Frieden am Maschinengewehr groß geworden, Führer verschiedener M.G.-Formationen. Eine Zeitlang M.G. Sachverständiger beim A. O. K. 7 bis zur erbetenen Rückkehr an die Front. Sämtliche Kämpfe der Westfront mitgemacht. Zwischendurch als Gas-Offizier in Berlin ausgebildet. Als Kompagnieführer in der M. G. Scharfschützen-Abteilung 2  zum Schluss der großen Vlandern-Schlacht wieder schwer verwundet: linker Arm, zertrümmert, linker Ober- und Unterschenkel schwer beschädigt. Im Herbst 1918 als 60 % Schwerkriegsbeschädigter entlassen. Verabschiedet als Oberleutnant d. R. Auszeichnungen: Eisernes Kreuz I. und II. Kl., Hamburgisches Hanseatenkreuz, Verwundetenabzeichen.“

Und zu seiner persönlichen Lebenssituation ergänzte Eitzen: „Aus der Front auf eine Woche dazu beurlaubt, ließ ich mich am 4. März 1916 mit der zweiten Tochter des (1923 verstorbenen) Buchhändlers Adolf Mantels in Schlettstadt im Elsass, der als echter Deutscher von den Franzosen ausgewiesen wurde, kriegstrauen. Unser Sohn Hilmar ist am 21. November 1919 geboren." (3)

Kurt Eitzen kehrte also aus dem Ersten Weltkrieg als 28-jähriger Oberleutnant schwer verwundet mit einem nicht zu „gebrauchenen“ linken Arm zurück als Reserveoffizier. Um ein weiteres Drama der Familie Eitzen gleich vorweg zu nehmen: Sohn Hilmar, einziges Kind der Familie Eitzen, der sich ebenfalls freiwillig zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg meldete, wurde kurz nach der Mobilmachung am 15.9.1939 in Brest-Litowsk als Soldat getötet. (4)

Kurt Eitzen wurde zur Ablegung der wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen mit „ministerieller Erlaubnis" aus dem Lazarett beurlaubt und erhielt die Lehrbefähigung für Deutsch und Englisch für die Oberstufe und Geschichte für die Mittelstufe am 10.7.1918 an der Universität Greifswald. Am Heinrich-Hertz-Realgymnasium und der Höheren Stadtschule in Cuxhaven absolvierte er das Probejahr und wurde als wissenschaftlicher Hilfslehrer angestellt. Ende Dezember 1922 endete seine Lehrertätigkeit vorerst. Er schrieb: „Wegen der Überfüllung des philologischen Berufes war ich gezwungen, vorübergehend Kaufmann zu werden. Durch meine, in vier Englandsemestern befestigte Beherrschung der englischen Sprache war es mir leicht, in dem großen Japanhause C. Illies & Co. in Hamburg eine gute Stellung zu finden. In mehr als 2 Jahren aber bin ich kaum kaufmännisch tätig gewesen. Hingegen lernte ich bei der Übersetzung von Katalogen und Broschüren aus allen Fabrikationsgebieten auch die Sprache des englischen Technikers vollkommen, und im Einzel- wie im Kursus-Unterrichte in der Firma und ausserhalb pflegte ich meine Kenntnisse der Handels- und Umgangssprache. In den freien Abendstunden aber förderte ich meine Doktor- Dissertation aus dem Gebiete der neuen deutschen Literatur . Daneben schrieb ich regelmäßig englische und deutsche Aufsätze für Zeitungen. Ich darf aber getrost behaupten, dass ich mich auch in den letzten beiden Jahren wissenschaftlich und unterrichtstechnisch vollkommen auf der Höhe gehalten habe." (5) Eine Dissertation vollendete Eitzen niemals.

Eitzen bewarb sich um Anstellung an der Heeresfachschule in Minden (Westfalen): „Da mir aber daran gelegen ist, den Lehrberuf, zu dem ich erzogen wurde, und zu dem ich mich berufen fühle, wieder hauptamtlich auszuüben, bewerbe ich mich nunmehr um Anstellung als Studienrat an einer Fachschule der Reichswehr. Dazu fühle ich mich, abgesehen von den wissenschaftlichen Grundlagen und der anerkannt pädagogischen Betätigung, befähigt, da ich in den drei Jahren, die ich im Felde Kompagnieführer war, und als Leiter des vaterländischen Unterrichtes in Hamburgischen Lazaretten hinreichende Übung und Erfahrung im Unterrichte von Militär personen habe."

Es gelang. Kurt Eitzen wurde als Studienassessor eingestellt, ab dem 17.5.1930 war er Studienrat, ab dem 1.4.1933 wechselte er an die Heeresfachschule nach Göttingen. Als sich Eitzen 1922 an der Marine-Fortbildungsschule in Wilhelmshaven bewarb, hatte diese eine Stellungnahme über Eitzens Wirken in Hamburg eingeholt. Oberschulrat Wolfgang Meyer schrieb am 11.1.1922, warum Hamburg Kurt Eitzen nicht weiter beschäftigt hatte. Einerseits wurde positiv hervorgehoben: „Herr Eitzen besitzt gute Kenntnisse besonders im Englischen, auch seine Aussprache, durch längeren Aufenthalt in England geschult, ist unbedingt zu loben. Seine Unterrichtsführung ist nicht ungeschickt, er gibt sich natürlich und mit Frische und versteht wohl eine Klasse menschlich und unterrichtlich zu gewinnen und festzuhalten." (6) Aber Oberschulrat Meyer deutete auch an, wo Eitzens Defizite lagen und dass es Vorfälle gegeben hatte, die gegen eine Weiterbeschäftigung von Kurt Eitzen sprachen: „Sein Streben natürlich zu sein, verführt ihn allerdings bisweilen, die gebotene Distanz zwischen Lehrer und Schüler zu vergessen und sich allzu burschikos zu geben. Indem er so mehr unvorsichtig als bewusst gelegentlich die Linie pädagogischer Zurückhaltung überschritt, hat er hier und da Anstoß erregt, und die daraus erwachsenen Unerquicklichkeiten haben den Anlaß gegeben, daß er zum Herbst aus seiner Stellung geschieden ist." (7) Daraufhin wurde er auch in Wilhelmshaven nicht eingestellt.

Seine späteren Beurteilungen bei der Heeresfachschule fielen positiv aus. Im Personalbericht für den Truppenlehrer Eitzen stand: „Hat sich weiterhin mit sichtbarem Erfolg bemüht, die früher an ihm gerügten Mängel restlos zu tilgen. Mit einem schon in meinem letzten Bericht hervorgehobenen nicht gewöhnlichen Maß von Selbstzucht hat er die Neigung, andere seine geistige Überlegenheit fühlen zu lassen, bekämpft. Seinen Schülern ist er ein wissenschaftlich hochstehender, wohlwollender Führer und Berater geworden. Sein Fleiß und seine unermüdliche Tätigkeit im Dienste der Heeresfachschule verdienen warme Anerkennung, seine Arbeit an der eigenen Fortbildung, insbesondere auf dem Gebiet des Englischen und der lebenskundlichen Auswertung des Deutsch-Unterrichts sind in jeder Beziehung vorbildlich zu nennen." ((8) Zusammenfassend wurde Kurt Eitzen am 4.9.1928 als „intelligenter, entwicklungsfähiger Lehrer" bezeichnet.

Und am 7.1.1930 wurde dies noch einmal bestätigt, als es um Eitzens Festanstellung als Studienrat geht. „Hervorgehoben zu werden verdient neben seiner Intelligenz und Schlagfertigkeit im Unterricht seine weit über den Durchschnitt hinausgehende wissenschaftliche und praktische Durchbildung im Englischen, die ihn für den Unterricht in den oberen Klassen einer höheren Lehranstalt als besonders geeignet erscheinen lässt. Sein militärisch-englisches Wörterbuch (im Verlag „Offene Worte", Berlin) hat auch in englischen Fachkreisen eine vorzügliche Beurteilung gefunden" (9), schrieb der Chef des Stabes 1 des Wehrkreiskommandos Münster, von Brauchitsch.

Später muss etwas vorgefallen sein, was in der Personalakte nicht dokumentiert ist. Kurt Eitzen verließ die Heeresfachschule in Göttingen und wurde durch Verfügung des Reichserziehungsministers Ostern 1936 in den höheren Schuldienst Preußens versetzt. (10) Der Vorfall muss gravierend gewesen sein. Der Oberpräsident der Provinz Schleswig Holstein wies Kurt Eitzen am 8.4.1936 ausdrücklich darauf hin: „Gleichzeitig habe ich Ihnen im Namen des Herrn Ministers zu eröffnen, dass Sie ihre Weiterbeschäftigung als Studienrat lediglich Ihrer guten nationalsozialistischen Einstellung und Bewährung zu verdanken haben, und dass nunmehr erwartet werden muss, dass sie sich in ihrer neuen Dienststelle in Ihrem dienstlichen und außerdienstlichen Verhalten jederzeit einwandfrei führen werden." (11) Ein Thema, das sich durch die gesamte Berufszeit Kurt Eitzens hindurchziehen sollte.

Eitzen wurde als Studienrat der Oberrealschule für Jungen in Blankenese zugeordnet. Die „gute nationalsozialistische Einstellung und Bewährung" hatte er u.a. durch seinen Eintritt in die NSDAP zum 1.5.1933 gezeigt, dem Korps der politischen Leiter gehörte er seit 1934 an. (12)

In Kurt Eitzens Personalakte ist eine Rede in Kopie enthalten, die er beim Portafest auf der Wartburg gehalten hatte, abgedruckt in der Landsmannschafter Zeitung im November 1933. Da wurde seine „nationalsozialistische Einstellung" sehr deutlich:

„Das deutsche Wunder: wir Glücklichen durften es miterleben. Wir werden vielleicht noch einmal darum beneidet werden, daß wir mitschaffen durften an Adolf Hitlers Riesenwerk, dem Bismarckreiche das Reichsvolk zu schaffen. Was in der Weimarer Verfassung noch wie Hohn wirkte, – ‚Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen…‘ –, ist durch den Mann des deutschen Schicksals beseligende Wahrheit geworden. In grenzenloser Bewunderung, in nie auszulöschender Dankbarkeit blicken wir auf unseren Führer, der Bismarcks großes Werk so herrlich vollendet." Und: „In dieser nächtlichen Weihestunde wollen wir alten Landsmannschafter mit unseren jungen Verbandsbrüdern zusammen geloben, gemeinsam weiterzukämpfen als begeisterte Soldaten Adolf Hitlers, getreu dem Befehle des Führers der Deutschen Landsmannschaft: ‚Soldaten Adolf Hitlers wollen wir sein, sonst nichts!‘ Wir alten Frontsoldaten wissen ja, wie viel schwerer es ist, eine Stellung zu halten und auszubauen, als sie zu erobern. Und dieser schwere Teil der gewaltigen und zugleich unblutigsten deutschen Revolution liegt noch vor uns. Wir Landsmannschafter, die wir in treuer Wahrung unserer besten Überlieferung jetzt, wo akademische Freiheit und akademische Ehre im herrlich auferstandenen Deutschen Reiche in nie zuvor gekanntem Glanze strahlen, auf alle Eigenbrötelei  verzichten und uns freudig einreihen in des Führers Heer, geloben zwischen den Denkmälern des alten Kaisers und des ersten Soldaten des Dritten Reiches, aus allen Kräften unserer begeisterten Hingabe an Volk und Vaterland mitzuarbeiten am Werke des Kanzlers. Wir bekräftigen dies Gelöbnis durch den himmelan brausenden Ruf: dem Deutschen Reiche und Volke, dem Reichspräsidenten von Hindenburg und dem Kanzler Adolf Hitler: Sieg Heil!" (13)

Kurt Eitzen war also ab dem 1.4.1936 an der Oberschule für Jungen in Blankenese tätig. In einem Bericht, den der langjährige Stellvertretende Schulleiter dieser Schule, Hermann Koch, am 7.7.1945 anfertigte, wurde die ganze fragwürdige Persönlichkeit Kurt Eitzens ausführlich beleuchtet. Daraus wird noch umfangreich zu zitieren sein. Zunächst schilderte Hermann Koch, man sei in der Schule froh gewesen, dass Eitzen am 20.6.1940 „als Oberleutnant zur Dolmetscherersatzkompanie in Berlin-Moabit eingezogen" wurde. (14) Vorangegangen war die Denunziation, Verhaftung und Verurteilung des Blankeneser Kollegen Hermann Reimers, für die einerseits der Studienassessor Horst Kanitz verantwortlich war, der Äußerungen von Reimers auf den gemeinsamen Schulweg en aufgeschrieben und sich dann an den als NS- Aktivisten bekannten Kollegen Eitzen gewandt hatte. Daraus war eine Anzeige bei der Gestapo geworden, mit den entsprechenden Folgen für Hermann Reimers.

Über Eitzen hatte bei den dann durchgeführten Vernehmungen ein anderer Blankeneser Lehrer, Karl Gotzhein, gesagt: „Bezüglich des Zeugen Eitzen bemerke ich noch, daß sein Ruf nicht nur im Lehrerkollegium, sondern auch in Parteikreisen in Blankenese nicht besonders günstig war. Man sagte in Parteikreisen, er ‚suche sich wohl dadurch, daß er einen Übereifer im Parteidienst an den Tag legt, etwas zu rehabilitieren‘. Er spielte sich gern auf mit seiner Zugehörigkeit und mit seinem Dienst in der Partei, ich hatte aber nicht die Überzeugung, daß seine Leistungen seinen Worten durchaus entsprachen. Das war auch bei seiner unterrichtlichen Tätigkeit festzustellen." Und zu dem Zusammenspiel zwischen Kanitz und Eitzen bemerkte Gotzhein: „Allerdings hat es mich sehr eigenartig berührt, daß er die angeblichen Äußerungen des Dr. Reimers am 9.11.1939 ausgerechnet dem Studienrat Eitzen mitgeteilt hat. Bei der Einstellung und dem Charakter des Eitzen musste er sich nach meiner Ansicht sagen, daß Eitzen einen unkameradschaftlichen und unfairen Weg einschlagen und die Angelegenheit nicht innerhalb des Kollegiums bleiben würde." (15)

Hermann Koch beleuchtete noch einmal anschaulich, wie das Kollegium die Rolle Eitzens in diesem Fall beurteilte: „Für unsere Stellungnahme war bestimmend, das, was uns Herr Oberstudiendirektor Dr. Schramm und Herr Oberstudiendirektor Dr. Franz über den Fall und seine gerichtliche Erledigung erzählten. Für uns war Eitzen der Mann, der die von dem Studienassessor Kanitz über Reimers gemachten Notizen unter Umgebung des Dienstweges an die amtlichen Polizei stellen weiter leitete, sei es direkt, sei es durch vorsorglich ausgewählte Mittelsperson. Damit war Herr Eitzen für uns als Kollege erledigt. Wir waren daher froh, als Eitzen auf seinen Wunsch als Dolmetscher zur Wehrmacht eingezogen wurde." (16) Auch Eitzen verließ also, ebenso wie Kanitz nach der Reimers-Denunziation erst einmal von sich aus die Blankeneser Schule.

Aber schon am Ende des Jahres 1940 wurde Kurt Eitzen aus dem Dolmetscherdienst wieder entlassen. Direktor Schramm konnte „seine Wiederbeschäftigung bei uns verhindern mit der Begründung, daß bei uns die Unterrichtsverteilung mit den vorhandenen Lehrkräften voll gedeckt sei", wie Koch notierte.

Eitzen musste nun an der Oberschule für Jungen in Rothenburgsort arbeiten. Von dort schrieb er am 18.3.1942 ein Versetzungsgesuch an Oberschulrat Kurt Züge. Seine Begründung: „In der Blankeneser Oberschule für Jungen fühlte und fühle ich mich so verwurzelt, dass ich hier, auch durch meine Tätigkeit in der Partei und damit in der Hitlerjugend, wirklich als Erzieher wirken kann, während ich mich in Rothenburgsort ( Brekelbaums Park ) in der untergeordneten Rolle des nur Unterrichters befinde, da die weiten Entfernungen ein außerschulisches Zusammenkommen mit den Schülern verhindern." (17)

Dann wies er noch auf seine Kriegsverletzung hin, mit der er auf dem beschwerlich langen Schulweg gefährdet sei und: „Ich habe den Auftrag, noch in diesem Jahre die dritte Auflage des im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht von mir verfaßten militärenglischen Wörterbuchs herauszubringen. Bei dem jetzigen weit mehr als zwostündigen Schulweg e würde diese kriegswichtige Arbeit um Monate verzögert."

Der starke Mann in der Schulverwaltung zu diesem Zeitpunkt, Oberschulrat Albert Henze, befürwortete und Hermann Koch beschrieb, dass die Schule sich vehement dagegen gewehrt hatte: „Ich habe daher Herrn Dr. Francke (Personalreferent für höhere Schulen, de.L.) klargelegt, warum die Kollegen Herrn Eitzen hier nicht wieder sehen wollen. Er hat meiner Bitte entsprochen, bis unser damaliger Dezernent Herr Oberschulrat Dr. Saß von ihm verlangte, daß Eitzen nach Blankenese zu versetzen sei und zwar aus parteipolitischen Gründen. Worin diese bestanden ist nicht klar, denn im Stab der Ortsgruppe der Partei hatte Eitzen, nachdem er im Anfang seines Aufenthalts hier, als Geschäftsführer tätig gewesen war, durch seine Art auch hier bald seine Stellung sich verdorben und hat sich dann mit Rücksicht auf Erkrankung zurückgehalten. Vielleicht war der Grund auch, wie manche der Kollegen argwöhnten, daß Eitzen eine Art Überwachung über uns ausüben sollte. Wenigstens hatten wir zum Teil den Eindruck, daß Eitzen sich als nationalsozialistischer Betreuer fühlte. Irgendwelchen Einfluss auf die Kollegen hat Eitzen nie ausgeübt. Einstimmig wurde seine Entfernung aus dem Kollegium gewünscht." (18)

In seinem sechsseitigen Bericht beschrieb Hermann Koch eindringlich, aus welchen Gründen Kurt Eitzen vom „gesamten Lehrkörper" abgelehnt wurde: Eitzen sei zwar „freundlich und hilfsbereit, stets bereit, dienstliche Nebentätigkeiten" zu übernehmen. Er bemühe sich „kameradschaftlich" zu sein. Allerdings „in jener Kameradschaftlichkeit, die aus den Schützengräben von 1914-1918 stammt. Er betont bei jeder Gelegenheit, daß er alter Frontkämpfer sei. Damit begründet er auch seine oft reichlich burschikose Art, seine stark mit drastischen Ausdrücken versetzte Redeweise; sein Ton ist, wie er sagt, ‚rauh aber herzlich‘, im Vergleich zu dem sonst in Lehrerzimmern höherer Lehranstalten üblichen Ton reichlich derb. Eine Gelegenheit, Zweideutigkeiten anzubringen, lässt er sich selten entgehen und steigert sie oft zu hässlichen Eindeutigkeiten, die oft in Zoten ausarten. Auf die Dauer wirkt diese Art direkt abstoßend und wird unerträglich."

Hermann Koch wies darauf hin, dass es auch von Schüler- und Elternseite deutliche Einwände gegen Eitzen gegeben habe: „Schlimm ist, daß er sich auch im Unterricht in dieser Beziehung keine Zügel auferlegt und recht derbe Ausdrücke gebraucht, so daß sich Eltern darüber beschwert haben. Es ist mir auch nachträglich bekannt geworden, daß eine Luftwaffenhelferklasse 8, die er ein Jahr lang betreute, durch ihren Sprecher bei ihm selbst vorstellig wurde und ihn bitten ließ, sich im Unterricht einer gepflegten Ausdrucksweise zu bedienen. Als er ihm daraufhin entgegnete, daß sie doch jetzt Soldaten seien, ist ihm entgegengehalten worden, sie hörten diesen Ton den ganzen Tag lang von den alten Soldaten und wollten im Unterricht gerade als Ausgleich eine andere Sprache hören."

Und Hermann Koch ergänzte: „Gelegentlich einer Aussprache mit Herrn Eitzen über eine Beschwerde eines Vaters habe ich Eitzen ernstlich ermahnt, den Schülern gegenüber alle derben, ganz abgesehen von unanständigen, Ausdrücken zu vermeiden. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn auch darauf hingewiesen, als wie unpassend und anstößig seine ganze Ausdrucksweise vom Kollegium empfunden würde und wie er dadurch schon seit langem die Stellung der Kollegen zu ihm beeinflusst habe, ganz abgesehen von seinem sonstigen Verhalten. Er war über diese Eröffnung sehr betroffen und hat sich dann eine Zeit lang recht zusammengenommen und zurückgehalten. Viel Gelegenheit zum Sprechen mit Kollegen hat er im Lehrerzimmer seit dem Fall Reimers überhaupt nicht gehabt, da die meisten Kollegen seit jener Zeit jedes Zusammensein mit ihm und auf jeden Fall jedes andere als dienstliche Gespräch mit ihm vermieden."

Und auch die Unterrichtserträge Eitzens seien begrenzt: „Eitzen arbeitet sicherlich mit zu vielen Schlagwörtern der neueren Zeit und seiner eng begrenzten persönlichen Einstellung. Es ist auch anzunehmen, daß er in allen Klassen, in denen er unterrichtet, - und das bezieht sich nicht nur auf die Geschichtsstunden - allzu viel Zeit mit Betrachtungen über ‚Zeitgeschehen‘ verbrachte, die gar zu leicht bei ihm zu breiten Plaudereien auswuchsen, so daß der eigentliche fortlaufende Unterricht zu kurz kam." Und: „Mit manchen abgelegenen Einzelheiten wurde viel Zeit vertrödelt. Dazu kommt noch, daß Eitzen mit den Schülern viele Scherze auf seine Art treibt und sie zu einer unruhigen Haltung herausfordert und sie zu ernster Arbeit unlustig macht. Aus allem diesen erklärt sich der geringe Erfolg seiner Arbeit, über den die Kollegen, Eltern und auch die Schüler selbst klagen."

Ostern 1944 wurde Kurt Eitzen dann an die Abendoberschule versetzt. (19)

Am 11.6.1945 reichte Kurt Eitzen seinen Entnazifizierungsfragebogen ein. Darin renommierte er mit seinen Englischkenntnissen und der Herausgabe des „Deutsch- englischen, englisch-deutschen Militär wörterbuches, „which is commonly known in the services as The Military Eitzen“. (20)

Am 26.6.1945 wurde er suspendiert; am 30.10.1945 entlassen. Eitzens Wunsch, Privatunterricht geben zu dürfen, wurde nach der Entlassung im Oktober 1945 abgelehnt. Am 31.12.1945 stellte Kurt Eitzen den Antrag auf Gewährung einer Pension. Seine Begründung: „Als 70 % Schwerkriegsbeschädigter meine ich, auch nach Deutschlands Zusammenbruch einer Staatshilfe sicher sein zu dürfen. Das umso mehr, als die mir seit langen Jahren vom Versorgungsamt gezahlte Rente im Mai des Jahres nach den allgemeinen Bestimmungen erlosch. Außer den Folgen meiner Kriegsverletzungen behindert mich seit einigen Jahren ein Leber- und Gallenleiden, das mich in große Kosten gestürzt hat und bei seinem chronischen Wiederauftreten noch viel kosten wird. Die zur Wiederherstellung meiner Dienstfähigkeit ärztlich verordneten Kurreisen habe ich als gewissenhafter Beamte restlos in den großen Sommerferien erledigt, auch von der Unterstützungskasse der Schulverwaltung nur ein Bruchteilchen der erheblichen Kosten ersetzt bekommen. Als 70 % Schwerkriegsbeschädigter mit einem zusätzlichen chronischen Leiden muss ich mit einem frühen Verbrauch und einem häufigen Versagen meiner Arbeitskräfte rechnen, so dass ich eines gesicherten geldlichen Rückhalts schon aus diesem Grunde bedarf. Auch ist meine Frau nicht im Stande, irgendwie Geld zu verdienen. Daher hoffe ich zuversichtlich auf Gewährung meines Gnadengesuchs.“ Kurt Eitzen unterschrieb mit seinem Namen und dem Zusatz „Oxonian“. Damit wies er die britische Militär regierung darauf hin, dass er Oxford-Student gewesen war. (21)

Kurt Eitzen versuchte, sich mit Englisch-Privatunterricht über Wasser zu halten. Am 29.4.1946 wandte er sich an die Schulverwaltung und meldete: „Ich bin denunziert worden." (22)  Eitzen sei von einem Polizei beamten vernommen worden, ob er privat Unterricht geben würde. Am 1.6.1946 stellte Oberschulrat Schröder klar, dass dies nicht im Auftrag der Schulverwaltung geschehen sei. Andererseits erklärte er noch einmal eindeutig: „Im übrigen wird Ihnen mitgeteilt, daß den von der Militär regierung entlassenen Beamten die Pflicht auferlegt ist, sich beim Arbeitsamt zu melden und daß es ihnen nicht gestattet ist, ohne schriftliche Genehmigung des Arbeitsamtes und der Schulverwaltung irgendwelchen Privatunterricht, auch an Erwachsene nicht, zu erteilen. Ihre Auffassung, daß es den entlassenen Lehrkräften gestattet sei, Schulkindern Nachhilfeunterricht zu erteilen, entspricht nicht den Tatsachen.“ (23) Schröder schrieb so deutlich, weil sich Eitzen gegenüber der polizeilichen Ermittlung auf eine mündliche Zusage von Oberschulrat Schröder berufen hatte.

Der Ermittlungsbericht ergab, dass Eitzen fünf „nicht zahlende Schüler" und fünf zahlende Erwachsene als Schüler aus Blankenese (unter anderem einen Staatsanwalt) hatte. Darüber hinaus wurde festgestellt: „Eitzen ist in Blankenese als politischer Aktivist, und zwar bis zum letzten Tage, bekannt. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, äußert er sich noch heute, daß für ihn der Nationalsozialismus Evangelium gewesen sei, und er darum auch bis zum letzten Tage keinen Zweifel an der Berechtigung dieser Weltanschauung gehabt habe. Es muss angenommen werden, daß Eitzen auch heute im Stillen noch dieser Idee anhängt. Für Letzteres spricht besonders die Tatsache der Wohnungsausstattung. Sprüche, wie z, B. ‚Achtung, Feind hört mit‘, Frontbilder, Bismarck- und Hindenburg-Bilder etc. sowie entsprechende Literatur , nehmen einen bedeutenden Platz ein." (24)

Der Schlussbericht der Polizei Hamburg vom 18.10.1946 stellte fest: „Zum Teil sind es ehemalige Schüler des Eitzen, die unentgeltlich Unterricht bei ihm bekamen. Sie sind bis auf den Zeugen 7 und 8 politisch unbelastet und geben mit ihren Vernehmungen zum Ausdruck, daß sie wohl wissen, daß Eitzen sich aktiv für den Nazismus eingesetzt hat; aber weil er ein guter Lehrer im Englischen ist, trotzdem Unterricht bei ihm nehmen, zumal er sich klugerweise jeder Äußerung um politische Gespräche enthält." (25)

Und noch eine weitere Information wurde festgehalten: „Den schriftlichen Beweis, daß Eitzen Ortsgruppenleiter gewesen ist, ergibt die NS-Kartei der Kripo, Spec. Dep. 1 im Deutschen Ring. Eine Erklärung ist dort abgeheftet unter der Nr. 358 vom 18.10.1945 mit eigenhändiger Unterschrift des Eitzen. Er war demnach Ortsgruppenleiter von 1934 bis 21.6.1940. An diesem Tage beendete er sein Parteiamt, weil er zur Wehrmacht als Dolmetscher im Offiziersrang einberufen wurde. Außerdem hat er sich auf der Haushaltsliste, die beim Meldeamt, Drehbahn , abgelegt ist, am 1. September 1945 mit eigenhändiger Unterschrift ebenfalls als Ortsgruppenleiter eingetragen." (26)

Der Beratende Ausschuss urteilte am 17.12.1945: „Bei einer eingehenden Aussprache mit Eitzen hat der Beratende Ausschuss festgestellt, dass E. nach wie vor die Idee der Gewaltstätigkeit und des Rassenhasses verteidigt. Als er auf die Tötung politisch Andersdenkender während der NS-Zeit hingewiesen wurde, antwortete er, man habe diese als Schädlinge beseitigt, so wie man Ratten tötet. Bei einer amtlichen Vernehmung hat sein Gesinnungsgenosse Kanitz seinerzeit ausgesagt, Eitzen habe die Anzeige bei der Gestapo gemacht, die zur Verurteilung von Dr. Reimers geführt hat. Eitzen kann sich nicht darauf besinnen.“ (27)

Der Beratende Ausschuss „ist sich darüber klar, einen Nazi vor sich zu haben, der nicht daran denkt, seine alte Haltung zu ändern. Es ist zu überlegen, ob es nicht besser wäre, diesen Mann wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit verhaften zu lassen." (28)

Äußerungen dieser Eindeutigkeit sind sonst kaum von Entnazifizierungsausschüssen in Hamburg zu finden.

Kurt Eitzen ließ sich jetzt anwaltlich vertreten. Der Beratende Ausschuss blieb bei seiner Auffassung. Johann Helbig notiert am 3.4.1948 für den Ausschuss, dass „er den Studienrat Kurt Eitzen für völlig untragbar hält". (29)

Der Berufungsausschuss schloss sich dem am 27.4.1949 an, er versetzte Eitzen in den Ruhestand „mit der Maßgabe, dass Eitzen mit Wirkung vom 1.4.1949 50 % seiner Ruhegehaltsbezüge bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres und von dort ab 75 % seines Ruhegehaltsanspruchs zuerkannt werden. Eitzen wird in die Kategorie IV eingestuft." (30)

Und auch der Leitende Ausschuss, der die Entnazifizierung abschloss, blieb bei der Entscheidung der Pensionsregelung. (31)

Ein letztes Nachspiel ist in Eitzens Entnazifizierungsakte dokumentiert. Von Kurt Eitzen war am 6.4.1950 im „Hamburger Abendblatt“ eine kurze Geschichte abgedruckt wurden. Ein „moderner Papa" klärt seinen sechsjährigen Sohn auf. Die Pointe der kleinen Aufklärungsgeschichte, bei der der Vater von Bienen und Pflanzen spricht und dem Sohn am Ende eine letzte Frage gewährt: Der Sohn: „Vati, wie machen die Männer das bloß, daß sie das Abendblatt immer schon mittags verkaufen?“ (32)

Zwei Leser wandten sich an die Schulverwaltung, namentlich an Oberschulrat Schröder: „Zu unserem großen Erstaunen ist der Studienrat Eitzen offenbar bei dem ‚Hamburger Abendblatt‘, das nach eigenen Angaben die meistgelesene Zeitung Hamburgs ist, publizistisch tätig. Als ehemalige Schüler des Studienrats Eitzen haben wir während der nationalsozialistischen Zeit, besonders in dem von ihm gegebenen Geschichtsunterricht, diesen als einen fanatischen Nationalsozialisten und Antisemiten allerschlimmster Sorte kennengelernt. Studienrat Eitzen denunzierte im Jahre 1939 seinen damaligen Kollegen, Herrn Studienrat Reimers wegen dessen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus . Weiterhin dürfte über die linientreue Einstellung des Studienrats Eitzen zum nationalsozialistischen Regime sein Militär wörterbuch der englischen Sprache ‚Military Eitzen‘ hinreichend Aufschluss geben, wir verweisen zum Beispiel auf das Vorwort des Buches und die Erläuterung der Vokabel ‚Atlantik-Charta‘, wo es heißt: ‚Versuch der Hochgradmaurer Roosevelt und Churchill, die Welt wieder auf Wilson-Leim zu locken‘.

Wir erachten als unsere Pflicht, das ‚Hamburger Abendblatt‘ über die politischen Qualitäten ihres Schreibers aufzuklären, denn wir können uns nicht vorstellen, dass diese Zeitung derartige Elemente auch nur die geringsten und unverfänglichen Artikel veröffentlichen lässt." (33)

Heinrich Schröder wandte sich postwendend an die Schriftleitung des „Hamburger Abendblatts“: „In der Anlage übersende ich Ihnen die Abschrift eines Briefes, den ehemalige Schüler des früheren Studienrats Eitzen an die Schulbehörde gerichtet haben. Diese Schüler haben Anstoß daran genommen, dass Herr Eitzen sich in der Öffentlichkeit durch Zeitungsaufsätze in Erinnerung bringt. Die Bedenken der Schüler sind durchaus berechtigt. Die einzelnen Angaben, die sie über den Studienrat Eitzen machen, können Punkt für Punkt bestätigt werden. Eitzen gehörte zu den übelsten Vertretern der Nazis, der sich auch als Denunziant unter seinen Kollegen unmöglich gemacht hat. Auch die Schulbehörde ist daher daran interessiert, dass solche Vertreter in Zukunft keine Möglichkeit haben, sich in der Öffentlichkeit in irgend einer Form zu betätigen." (34)

Das „Abendblatt“, Abteilung Feuilleton, antwortete: „Zu Ihrem Brief in Sachen Eitzen möchte ich Ihnen nur mitteilen, dass dieser Herr Eitzen keineswegs beim Hamburger Abendblatt ‚publizistisch‘ tätig ist, wie die Herren Banuscher und Erdland annehmen. Ich habe beiden schon geschrieben, dass es sich um eine ganz zufällige Mitarbeit handelt. Herr Eitzen ist mir unbekannt, und so hatte ich auch von der geschilderten Vergangenheit keine Ahnung. Solchen Irrtümern und Reinfällen, wenn man sie so nennen will, sind wir natürlich einmal ausgesetzt." (35)

Kurt Eitzen starb am 19.1.1960. (32)

Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1. Die Angaben sind der Personalakte Eitzens entnommen; StA HH, 361-3_A 1673. Darin enthalten sind ein Lebenslauf von Kurtz Eitzen und ein ausführliches Personalblatt A für Höhere Lehranstalten.
2. Alle Zitate: Lebenslauf, ebd.
3. Ebd.
4. Laut Personalakte, a.a.O.
5. Lebenslauf, a.a.O.
6. Ebd.
7. Ebd.
8. Personalbericht vom 4.9.1928, ebd.
9. Ebd.
10. Personalblatt A, ebd.
11. Ebd.
12. Entnazifizierungsfragebogen Eitzen, ausgefüllt am 26.5.1945, in: Entnazifizierungsakte Eitzen, StA HH, 211-11_Ed 3528
13. Personalakte Eitzen, a.a.O.
14. Bericht über den Studienrat Kurt-Hilmar Eitzen vom 7.7.1945, ebd.
15. Vernehmung vom 10.12.1940 in der Dienststrafsache Hermann Reimers, Personalakte Reimers: StA HH, 361-3_A 2659. Siehe auch Biografie Hermann Reimers in diesem Buch.
16. Bericht von Hermann Koch über Eitzen, Personalakte Eitzen a.a.O.
17. Schreiben in der Entnazifizierungsakte Eitzen, a.a.O.
18. Alle Zitate aus dem Bericht von Hermann Koch vom 7.7.1945, ebd.
19. Laut Personalakte Eitzen, a.a.O.
20. Alle Dokumente Entnazifizierungsakte Eitzen, a.a.O.
21. Ebd.
22. Ebd.
23. Ebd.
24. Ermittlungsbericht vom Kriminalamt Hamburg vom 26.4.1946, ebd.
25. Ebd.
26. Ebd.
27. Ebd.
28. Ebd.
29. Ebd.
30. Ebd.
31. Entscheidung vom 25.9.1952, ebd.
32. „Hamburger Abendblatt“ vom 6.4.1950, in Kopie ebd.
33. Ebd.
34. Schreiben vom 15.4.1950, ebd.
35. Schreiben vom 19.4.1950, ebd.
36. Laut Personalakte Eitzen, a.a.O.
 

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Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand November 2021: 900 Kurzprofile und 303 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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