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Frauenbios

Margarethe Meyer Schurz

(27.8.1833 Hamburg - 15.3.1876 New York)
Wegbereiterin des Kindergartens in den USA
Garten der Frauen, Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Straße 756 (Erinnerungsstein)
Foto aus Gerd Stolz: Das Leben der Margarethe Meyer Schurz. Weggebreiterin des KIndergartens in den USA. Husum 2007.
Sie war keine gefürchtete Verschwörerin, sie war keine geschmähte Revolutionärin – wenn sie zu Lebzeiten auch als solche hier in Deutschland von verschiedenen staatlichen Stellen, insbesondere der Geheimpolizei Preußens, beobachtet wurde. Sie war eine freisinnige Frau, Mutter ihrer Kinder und Partnerin ihres Mannes.
Ihr Name ist in Deutschland, ist hier in ihrer Geburtsstadt Hamburg, die sie nie aus dem Herzen verloren hatte, nahezu vergessen. Hier auf dem Friedhof Ohlsdorf hatte sie einst ihre letzte Ruhestätte finden sollen. Das Grab wurde vor einer Anzahl von Jahren oberirdisch abgeräumt. Niemand hier wie auch niemand in den USA lehnte sich damals dagegen auf, dass damit die Erinnerung an eine der großen Frauenpersönlichkeiten aus dem Bereich des Bildungs- und Erziehungswesens gelöscht wurde.
Wer heute im Gespräch den Namen von Margarethe Meyer Schurz erwähnt, wird zumindest fragend bis ungläubig angeschaut – nur wenige Menschen verbinden mit dem Namen dieser Frau eine Vorstellung zu ihrem Leben und Wirken. Die tief gehenden Umwälzungen und Umstürze in ihrem Geburtsland, insbesondere in der ersten Hälfte des uns noch gegenwärtigen 20. Jahrhunderts, trugen dazu bei, dass man sich dieser früh vollendeten Frau in Deutschland kaum erinnerte.
Wer sich der Persönlichkeit von Margarethe Meyer Schurz nähert, kommt auch mit ihrem Mann Carl Schurz in Berührung, dem deutschen 1848er Revolutionär, US-amerikanischen Staatsmann und Reformer.
An seiner Seite hat Margarethe Meyer Schurz für die Nachwelt immer im Schatten gestanden – doch diese Sicht verkennt in der fortwährenden Überlieferung, dass Carl Schurz seine Frau um 30 Jahre überlebte und sein höchstes politisches Amt erst nach ihrem Tode erlangte.
Beide Ehepartner standen den Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Bildung offen zur Seite, erlebten die hieraus entstehenden Bedrängnisse durch Obrigkeit und Gesellschaft im Familien- oder Freundeskreis und auch an der eigenen Person.
Sie erlebten beide die deutschen Revolutionsbewegungen von 1848/49 und die damit verbundenen Verfolgungen, sie wurden beide Teil des politischen Ventils der Auswanderung.
Margarethe Meyer Schurz wurde am 29.August 1833 geboren. Sie war das jüngste von elf Kindern in der Familie Meyer, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten. Ihre Mutter Agatha Margaretha starb im Wochenbett wenige Stunden nach Margarethes Geburt im Alter von 39 Jahren.
Margarethes Vater Heinrich Christian Meyer, in Hamburg unter dem Spitznamen „Stockmeyer“ bekannt geworden, war in seinen sozialen und persönlichkeitsbezogenen Aktivitäten ein prägendes Vorbild für seine jüngste Tochter. Der freisinnige, kritische und liberale Lebensansatz von Margarethe Meyer Schurz war auch ein Erbe ihres Elternhauses und ihrer Familie.
Durch ihre älteren Schwestern Amalie und Bertha kam sie sehr früh mit den drängenden Fragen der Zeit um Demokratie, Freiheit, Bürgerrechte, Frauenbildung und Kindererziehung nach Fröbels Leitsätzen in Berührung. 1849/50 war sie eine von 22 Schülerinnen Friedrich Fröbels in Hamburg und besuchte hier auch die Hochschule für das weibliche Geschlecht. Dort begegnete sie Malwida von Meysenbug und schloss mit ihr Freundschaft.
Im Hause ihrer nach London emigrierten Schwester Bertha lernte sie 1852 auch den deutschen 1848er Revolutionär Carl Schurz kennen, der aus politischen Gründen aus Deutschland geflohen war. Noch in jenem Jahre heirateten sie dort im Exil und wanderten in die USA aus.
Zu dem geistigen Gepäck, das Margarethe Meyer Schurz in die USA mitgenommen hatte, gehörten die Grundsätze um Friedrich Fröbels Menschenerziehung, die sie in Hamburg wie auch im Hause ihrer Schwester Bertha in London praktisch erfahren hatte. In den USA war sie damals die einzige Frau, die dem „Erfinder des Kindergartens“ persönlich begegnet und in Hamburg von ihm in den Grundlinien seiner Menschenbildung unterrichtet worden war. Der Kindergarten war ein erster und grundlegender Schritt auf dem Weg einer „neuen Erziehung“, und Margarethe Meyer Schurz brachte ihn nach Amerika.
In Watertown im US-Bundesstaat Wisconsin gründete Margarethe Meyer Schurz im August 1856 in ihrem Wohnhaus einen Kindergarten. Sie lud ihre vier Nichten zum Spielen mit ihrer Tochter Agathe ein und, als es draußen kalt wurde und der Winter kam, gesellten sich weitere Kinder von Verwandten, von Freunden und Nachbarn dazu. Da die Kindergruppe für das Schurzsche Haus bald zu groß war, wurde fortan ein kleines Haus im Stadtzentrum genutzt – das war der erste Kindergarten in den USA. Bedingt durch die politische Karriere von Carl Schurz verließ die Familie zwei Jahre später die Stadt.
Die Ehe von Carl und Margarethe Schurz hatte ein Vierteljahrhundert bis zu Margarethes Tod Bestand. Diese Verbundenheit war häufigen Belastungen ausgesetzt, sollte sich aber auf allen Wegen des gemeinsamen Lebens bewähren.
Margarethe Meyer Schurz führte nach dem Fortgang aus Watertown ein Leben zwischen ihrer Familie in den USA und ihren Angehörigen in Europa. Einer Einladung ihres Bruders Heinrich Adolph Meyer folgend reiste die Familie Schurz im Mai 1875 in die Alte Welt. Sie besuchten zunächst ihre Verwandten in Hamburg, danach fuhren sie weiter nach Kiel in das Haus ihres Bruders – für Margarethe war es das letzte Wiedersehen mit Deutschland, mit ihrer Heimat, mit ihren Verwandten.
Margarethe Meyer Schurz starb am 15. März 1876 nach der Geburt ihres 5. Kindes an Kindbettfieber in New York. Doch sie sollte ihre letzte Ruhestätte nicht in den USA erhalten, sondern in ihrer Geburtsstadt Hamburg, der sie im Herzen ihr Leben lang verbunden war. Der Sarg wurde nach Deutschland überführt und 1876 im Meyerschen Grabgewölbe auf dem St. Petri-Friedhof in Hamburg beigesetzt, wo seit 1863 auch der Leichnam ihrer Schwester Bertha Ronge seinen Platz gefunden hatte. 1914 wurde Margarethes Sarg dann auf den Ohlsdorfer Friedhof umgebettet, die Grabstätte im Jahre 1965 oberirdisch abgeräumt.
Margarethe Meyer Schurz hat in ihrem Leben dazu beigetragen, den Kindergarten-Gedanken in die Welt hinauszutragen. Sie hat der Menschenbildung in der freien Entfaltung des Kindes in Amerika den Weg gewiesen. Im Jahre 2001 besuchten 3,7 Millionen Kinder zwischen vier und sechs Jahren in den USA einen Kindergarten, 60 Prozent einen Ganztagskindergarten
Text: Gerd Stolz

Literatur:
Gerd Stolz, Das Leben der Margarethe Meyer Schurz – Wegbereiterin des Kindergartens in den USA, Husum 2007.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Februar2020) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2020: 1129 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Zuletzt eingetragene Namen

Januar 2020: Ursula Nölle, Christa Hoffmann-Riem, Angelika Mertens, Bertha Keyser

Februar 2020: Audrey Motaung, Semra Ertan

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 422, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

Ich wünsche eine Übersetzung in:
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