Suche nach Namen, Straßen, Bezirken etc.

Frauenbios

Eva König

( Eva König geb. Hahn )
(22.3.1736 Heidelberg – 10.1.1778 Wolfenbüttel)
verheiratet in zweiter Ehe mit Gotthold Ephraim Lessing
Fabrikantin
Neuer Wall (Wohnadresse)
Namensgeberin für: Eva-König-Bogen
Nach dem Tod seiner Frau Eva König schrieb Gotthold Ephraim Lessing aus Wolfenbüttel, wo er als Bibliothekar arbeitete, an Elise Reimarus: „Ich muß ein einziges Jahr, das ich mit einer vernünftigen Frau gelebt habe, theuer bezahlen (...). Wie oft möchte ich es verwünschen, daß ich auch einmal so glücklich seyn wollen, als andere Menschen“! (Brief vom 9.8.1778. In: Lessings sämtliche Schriften. Hrsg. von Karl Lachmann. Bd. 12. Leipzig 1897.)
Eva König, mit der Lessing knapp eineinhalb Jahre verheiratet war, starb am 10.1.1778 im Kindbett, nachdem ihr neugeborenes Kind bereits einige Tage zuvor verstorben war.
Die beiden hatten sich kennen gelernt, als Eva König noch in erster Ehe mit dem Hamburger Seidenhändler Engelbert König verheiratet gewesen war, mit dem sie vier Kinder hatte. Das Paar führte ein gastfreundliches Haus, in das es regelmäßig Künstlerinnen und Künstler, Dichter, Schauspielerinnen und Schauspieler einlud, so auch Lessing. Zwischen ihm und dem Hausherrn entwickelte sich eine enge Freundschaft. Als Engelbert König unerwartet im Alter von 41 Jahren während einer Geschäftsreise in Italien starb, kümmerte sich Lessing um Eva König. In geschäftlichen Angelegenheiten vermochte er ihr jedoch nicht zu helfen. Eva König übernahm die Geschäfte ihres Mannes, reiste auf Messen, führte die Seiden- und Tapetenlager und leitete die Wiener Samt- und Tapetenmanufaktur ihres verstorbenen Mannes. Damit war sie eine der wenigen Manufakturbesitzerinnen des 18. Jahrhunderts.
Lessing und Eva König verliebten sich ineinander. 1771, als sie sich auf einer Rückreise von Wien nach Hamburg bei Lessing in Braunschweig aufhielt, machte er ihr einen Heiratsantrag. Doch weil beide in finanziell ungesicherten Verhältnissen lebten, lehnte sie zuerst einmal ab. Dennoch blieben sie weiterhin ein Liebespaar, doch sahen sie sich wegen der vielen Geschäfte, denen Eva König in Wien nachgehen musste, nur sehr selten. Den Kontakt zueinander hielten sie in erster Linie über Briefe. Am 10. August 1771 schrieb Eva König aus Hamburg an den in Wolfenbüttel weilenden Lessing: „Mein lieber Freund! (...). Machen Sie, daß Sie bald kommen, sonst kommt eine ganze Ladung Frauenzimmer, um Sie abzuholen. Ich denke, dies ist die härteste Drohung, die ich Ihnen machen kann. Denn eben lege ich Ihre Sinngedichte aus den Händen, und bin in meiner längst gehegten Meinung – Sie seyen ein Erzweiberfeind, nun völlig bestärket. Ist es aber nicht recht gottlos, daß Sie uns bei allen Gelegenheiten so herunter machen! Sie müssen an verzweifelt böse Weiber gerathen sein. Ist dieses, so verzeihe ich Ihnen, sonst aber müssen Sie wahrhaftig! für alle die Bosheit, so Sie an uns ausüben, noch gestrafet werden. Das Mädchen, das Sie sich wünschen, sollen Sie wenigstens nie finden. Aber nun im Ernste. Wenn kommen Sie denn? Sie müssen es mir wirklich schreiben. Ich verspreche Ihnen nicht entgegen zu kommen, wenn Sie es nicht haben wollen, und es auch keinem Menschen zu sagen. Ich wollte es nur wissen, um mich auf den gewissen Tag recht freuen zu können – Ob Sie bei mir logiren wollen, stelle ich in Ihren Willen. Sie können Ursache haben, warum Sie es nicht tun wollen. Ich habe keine, die mich abhält, es zu wünschen. (...) Leben Sie recht wohl! Ich bin Dero aufrichtigste Freundin E.C. König.“ Die Historikerin Eva Horvath charakterisierte den Briefwechsel zwischen Lessing und Eva König in ihrem Aufsatz über die drei Frauen Meta Klopstock, Eva König und Elise Reimarus, die sie in Beziehung zueinander setzte: „Hinter dem scheinbar sachlichen, fast nüchternen und gefaßten Ton der Briefe verbergen sich unermeßliche Sehnsucht, Liebe und gegenseitiger Respekt. Unverborgen ist dagegen die fast den ganzen Briefwechsel beherrschende gegenseitige Sorge wegen der häufig angegriffenen Gesundheit der Partner. Bedrückend sind die Berichte über die verschiedenen Unternehmungen, um die finanziellen Sorgen zu lösen. In den gewandt formulierten Briefen Evas widerspiegeln sich die Gedanken einer reifen, verantwortungsbewußten und an praktischen Dingen orientierten Frau. Ihr ist die Schwärmerei der Meta Moller völlig fremd. Güte, Wärme und Zurückhaltung bestimmen ihren Charakter. Trotzdem kommt in den spärlichen Worten ihre Zuneigung und Liebe Lessing gegenüber stets zum Ausdruck.“ (Eva Horvath: Die Frau im gesellschaftlichen Leben Hamburgs. Meta Klopstock, Eva König, Elise Reimarus. In: Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung. Bd. III. Wolfenbüttel 1976.)
Lessing hielt das Getrenntsein nicht aus. Er verfiel immer mehr in seine schon lange währende Melancholie, bekam Schreibblockaden und ging noch lustloser seiner Arbeit als Bibliothekar in Wolfenbüttel nach. 1775 setzte er sich kurzentschlossen in eine Postkutsche und reiste zu Eva König nach Wien. Ein Jahr später heirateten sie endlich. Die Hochzeit fand in York im Haus ihres Freundes Johann Schuback statt. Danach zog das Paar mit Eva Königs Kindern aus erster Ehe nach Wolfenbüttel, wo es eine glückliche Ehe führte, die durch den Tod Eva Königs jäh beendet wurde.
Seit 2003 gibt es im Hamburger Stadtteil Bergedorf den Eva-König-Bogen.
Text: Rita Bake
 

Namen und Zeitepochen

Personensuche

  • (am besten nur Vor- ODER Nachname)

Historisch

 

Geografische Spuren

Meine Straße

Geografisch

 

Schlagworte und freie Suche

Thematische Suche

  • (z.B. Berufe, Gebäude, spezielle Ort)

Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

rechte spalte

 Teaserbild Kontakt

Ansprechpartnerin Kontakt

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen? Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gern Kontakt auf:
Dr. Rita Bake
rita.bake@hamburg.de

Service-Angebote im Überblick

Freie und Hansestadt Hamburg